Paris, 16. November. Der Präsident des Gerichtshöfe- von Alle er« ließ dieser Tage tn Sachen der Eioilbezräbnisse eine vorlänsize Verordnung, welche in den clericalen Kreisen mit großer Befriedigung ausgenommen wurde. Der Sachverhalt war folgender: Eine grau Thomas, die in Roubai; gestorben war, sollte nach dem Willen ihres Mannes ohne geistlichen Beistand be graben werden. Die von den Geistlichen aufgehetzten Verwandten der Frau wollten dieses aber nicht dulden, und setzten es durch, daß daS Begräbniß verschoben wurde, damit sie die Sache vor den Präsidenten deS Aller Tribunals bringen könnten, und da dieser sich zu Gunsten der Verwandten und gegen den Mann aussprach, so wurde die Leiche aus religiöse Weise beerdigt. Die Ver- ordnung des Präsidenten lautet:
In der Hauptsache fordern wir die Parteien aus, ein Äppellationszesuch einzureichen. Provisorisch, in Erwägung, daß die eheliche Gewalt dem Ehe« manne keine Macht über den Glauben und die religiösen Gewohnheiten der Frau gibt; daß der Tod übrigens dieser Gewalt ein Ziel jetzt; in Erwägung, daß Flore Thoma-, geb. Traunoy, dem katholischen CultaS angehört; daß nicht festgestellt wurde, daß sie den förmlichen Willen ausbrückre, ohne die Gebete und die Ceremonieen der Religion begraben zu werden; daß deshalb Grund vorliegt, dem Verlangen ihrer Familie, namentlich ihreS VaterS und ihrer Mutter, zu entsprechen: ermächtigen wir die Antragsteller, das Begräbniß der Frau Thomas mit dem Beistand der Diener des katholischen Cultus vornehmen zu lasten und sich dabei von allen Polizei-Commissarien der öffentlichen Macht hülfreiche Hand leisten zu lassen.
Man ist sehr gespannt, ob die höheren Gerichte daS provisorische Urtheil des Gerichts-Präsidenten bestätigen werden. Falls dieses geschieht, wird die Geistlichkeit eine Waffe erhalten, durch welche sie eine Menge von Civil-Leichen- begängmffen verhindern kann. Bemerkt zu werden verdient noch, daß die Verstorbene während ihrer Lebzeiten eie religiösen Gebräuche nicht mitmachte und auch ohne geistlichen Beistand starb. Die Verwandten behaupteten, daß der Mann dieses verhindert habe, was der Gerichts-Präsident auch als wahr annahm.
— Die Pilger, welche zum Grabe des heil. Martin in Tours gewall-
Telegraphische Depefdjen.
Berlin, 17. Nov. Das Zustandekommen des BankgesetzeS ist fraglich Fünf Elsäffer verweigern ihre Betheilizunz an der Etats Dorberathung, obwobl sie vom Präsidium und dem Senioren-Convent dazu aufgefordert wurden.
Wien, 17. Nov Auf Requisition deS Würzburger Bezirks - Gerichts citirte das Wiener Stadt- und Bezirks-Gericht den verantwortlichen Redacteur des „Tagblattes", Hoffmann, für morgen behufs einer Zeugen Aussage. sLer muthltch in Sichen der vorzeitigen Veröffentlichung der Anklage-Schrift gegen Kullmann.^s
Berlin, 17. Nov. Gutem Vernehmen nach sind die mündlichen Ver. Handlungen gegen den Grafen Arnim vom Stadtgericht auf den 9. December und die folgenden Tage verschoben worden. — Der frühere Präsident des Oberk:rchenraths, Geheimrath Mathies, ist tn der letzten Nacht gestorben.
Berlin, 17. Nov. Heute haben in 13 Stadtbezirken die Stadtver. ordneten-Wahlen stattgefunden. Nach dem vorliegenden Resultat wird in einem Bezirk eine engere Wahl stattfinden müssen. In den übrigen Bezirken sind 7 Stadtverordnete, darunter Virchow, wiedergewählt und fünf neu gewählt, darunter Eugen Richter; von den wiederzewählten gehört einer, von den neu'
gewählten Stadtverordneten gehören drei der sogenannten Berg-Partei an.
Stuttgart, 17. Nov. Der „Staatsanzeiger" schreibt : In der Prälat Kapff'schen Angelegenheit hat sich der Culusminister auf Grund des urkundlicher Materials dahin ausgesprochen, daß zwar Kapff im Verkehr mit der Familu Ammon in Romanshorn, obwohl in bester Absicht, so doch nicht mit der ersor derlichen Vorsicht gehandelt habe, daß aber die wider ihn erhobenen weiter« gehenden Beschuldigungen.als unbegründet zu betrachten seien.
Rom, 17. Nov. Das definitive Resultat von 500 Wahlen ist nunmcbi bekannt, 8 stehen noch aus. Es wurden 284 Candidaten der Rechten, 216 der Linken gewählt. 51 Wahl-Collegien, welche früher durch Mitglieder der Rech ten vertreten waren, wählten Mitglieder der Linken, tn 43 Wahlcollegien ist d umgekehrt der Fall. Von der Rechten sind 8, von der Linken 11 Mitglieder mehrmals gewählt. Drei Wahlen werden angefochten.
sahrtet (es sind mehrere Tausend)., wohnten heute alle dem Letchenbegängnißl Konstantinopel, 17. Nov. 32 an dem Blutbade von Podgorcha deS Erzbischofs dieser Stadt bei, das dort heute mit größtem Pomp began-.betbeiligte Personen wurden zu 2Ojährigem Gefängniß verurtheilt. DaS Ur gen wurde. itheil wird als zu milde betrachtet und machte in Montenegro einen ungünstige,
Paris, 16. November. Heute war langer Mintsterrath; er beschäftigte Eindruck.
sich mit der Botschaft. Mac Mahon ist heute Abend aus sein Schloß Lafo- rette abgereist, wo er morgen jagen wird.
— Der ofsiciöse „Moniteur" widerlegt die Nachricht der Londoner „Times", daß Mac Mahon zwei Botschaften an die Kammer richten werde.
— In republikanischen Kreisen befürchtet man, daß bald nach Eröffnung der Session ein Confiict ausbrechen werde, der zu betu ernstesten Ereignissen führen könnte.
— Der Bischof von Valence, Msgr. Gueullette, hat seine Eatlaffung eingereicht; derselbe war dem Vatican zu liberal und wurde deshalb auf alle mögliche Weise geärgert und belästigt.
— Die Regierung soll nicht die Absicht haben, nach Eröffnung der Kammer ein neues Preßgesetz vorzulegen. In Bezug auf die Aufhebung deS Belagerungszustände- hat die Negierung noch keinen Beschluß gefaßt.
Paris, 17. November. Fürst Hohenlohe wird 411m 20. oder 21. d hier erwartet. Die Schwierigkeiten im Ministerium nehmen eher zu als ab. Der Marschall, sehr verstimmt über die Ergebnisse der letzten Wahlen, verlangt nach einem Ministere de combal. Broglie hat mehr und mehr, hinter den Coulisien stehend, die Lenkung der inneren Politik übernommen.
Holland.
Haag, 16. November. Amtlich wird aus Atschin vom 8. November gemeldet: Die Holländer nahmen neuerdings mehrere befestigte Stellungen der Atschinesen und besetzten drei Ortschaften. Die Vertheidtgungs-Linien von Pedir sind vollständig genommen. Die Holländer hatten 19 Verwundete, die Atschinesen 60 Todte.
England.
Loudon, 16. November. In Kurzem soll hier in London ein Aquarium gegründet werden, deffen gesammte Herstellung, einschließlich Concertsaal und dergl. aus 65,000 L. veranschlagt ist. Ein Grundstück ist bereits zum Preise von 20,000 L. erstanden worden. Am Samstag wurden den Actiouären auch schon Baupläne vorgezeigt.
— Das Local - Regicrung-aml hat in Betreff der Impfung einen neuen Erlaß an die Localbehörden gerichtet, welcher in der Wesenheit den von der liberalen Regiernng gegebenen Vorschriften entspricht, indessen den Zwang weit schärfer macht und den Ortsbehörden umfängliche Vollmacht zur Durchführung deS Zwanges ertheilt.
Statten.
Rom, 12. November. Die „Voce della Berit»" vom 43. d. macht sich über die Pariser „Presie" lustig, welche jüngst auf den heiligen Vater als aus „ein Muster der Ergebung" hinwies. „Allerliebst!" sagt daS Blatt, „der heilige Vater ein Muster der Ergebung I Im Gegenthell. Man lese seine Encykliken, seine Breven, feine Briese, die er seit vier Jahren oder seit vierzehn Jahren geschrieben hat, seine Reden, und man wird sehen, daß wirklich feine Spur von Ergebung in dem perfiden Sinne sich dann findet- Der Papst will daS Seimge wieder und will es ganz; er hat verdammt und verdammt noch einen Jeden, welcher davon weggibt und nimmt und an sich hält." Das Blatt hat Recht, nur allzu sehr.
Zlmeiiäa.
Rcw-Uork, 16. November. Dem Vernehmen nach ist in Costarica ein revolutionärer Versuch, durch welchen mit Hülfe aus Nicaragua und Salvador Joaquin Fernandez aus den Präsidentenstuhl gesetzt werden sollte, gemacht worden, aber gescheitert. Die Aufständischen hatten Punta Arenas bereits eingenommen, wurden aber zersprengt.
— Ueber Panama kommt ein Gerücht, daß die spanischen Kanonenboote Tornado und Gerona die Stadt Laguayra zu bombardiren drohen.
Lokal-Rott z.
Gießen, 18. Nov. Der heutige Viehmarkc ttsir ntdjt jo stark betucht, wie man dieS gewöhnt ist. (58 waren tm Ganzen nur 408 Sttck Nlndvieh und 460 Schweine aufgelrieben.
Vermischtes.
Darmstadt, 17 Nov. (Eisenbahnunglück.) Nachdem bereits vorgestern Racdt n Folge einer Entgleisung einem Bremser die Beine abgefahren uno einem Weichenwärter t.i Brust gequetscht und ta8 Ohr abgedrückt worden, wurde heute Nacht Eonducteur Ritter ro> der Hessischen Ludwigsbahn, welcher Zugführerdtcnste that, beim HerauSfahren M QXatrvi jZugö aus dem Frankfurter Bahnhof gctödtet. Hier in Darmstadt ist ein anderer Unglücke^! auf derselben Bahn zu beklagen. Gestern Abend um 11 Uhr wurde einem Wagenpuhcr bürden Kranichstciner Rangierzug ein Fuß abgefahren.
* Würzburg, 15. Nov. Von der Ku llmann'schcn Schwurgerichtsverhankl!..iq ifl nun ein vollständiger stenographischer Bericht bei Stahel in Würzburg erschienen. Dtrsrlw umfaßt 11 Druckbogen in und enthält unter Anderm die psychologisch intercstanten achten zweier Directoren berühmter Irrenanstalten, sowie den wortgetreuen Hl-Drud wicvn^kr Aktenstücke u. f. w Der Preis von 36 fr. = 12 Sg. ist billig.
München, tm October 1874. Am 6. und 7. dieses MonatS fand hier eine öonfn q statt, an welche sich die Hoffnung knüpft, vie von Heeren u. Uteri begründete „Geschichte t<r europäischen Staaten" bald ihrem Abschluß entgcgengcführt zu sehen An der (^cnfcrenz b- theiVgten sich außer dem jetzigen Ncdactcur des WerlS, Gebeimralh v. Gtejebrecht, und ert Verleger die Mitarbeiter Profeffor K. Hillebrand au6 Florenz, Bibliothekar O Hartwig Marburg, Dircctor E. Reimann und Profeffor I. Garo auS Breslau, Archivrald Stäin aus Stuttgart und Profeffor A. Kluckhohn von hier; von anderen, neugewonnenen Mitarbeiten (Professor G Hertzberg in Halle, Archivar S. Riezler in Donaue-chingen, Dr. W Gif', n Bern, Dr. Th. Schiemann tn Mitau) lagen Berichte vor. Aus den Verhandlungen er,ab sia die vollste Ucbereinstlmmung über die Mittel und Wege, wie daS für die historischen und politischen Studien so überaus wichtige Unternehmen tn würdiger Weise zu vollenden fei, t.m lerne die Arbeiten für daffelbe in letzter Zett erheblich vorgeschritten und in Kürze eine Zahl neun Publikationen zu erwarten sei. In den nächsten Tagen kommt der fünfte Band der Cfreict.tdyt Schwedens, bearbeitet von Staatsrath F. F. Carlson tn Stockholm, zur Versendung Iu Druck besindet sich der vierte Band der polnischen Geschichte von I. Caro Der » der Geschickte Griechenlands von G- Hertzberg soll tm nächsten Jahre der Preffe übtifltb« werden Diesen Publikationen werden sich in rascher Folge anschließen die Forksctzu.tg t-t französischen Geschichte btS zur Gegenwart, in zwei Bänden bearbeitet von K. Hillebrand, Geschichte Bayerns von S. Riezler und A. Kluckhohn, die Geschichte Württemberger. P Stälin, der erste Band der Geschichte der Schweiz, bearbeitet von W. Gisi, die gormjur der italienischen Geschichte btS zur Gegenwart von O. Hartwig, die Fcrt'etzung der preuhttche- Geschichte von (5 Reimann und der russischen von Th. Schiemann. Wegen der goTlitfrun einiger anderer noch unvollendeter Abtheiiungen schweben Verhandlungen, die hoffentlich den- nächst zum Abschluß gedeihen werden.
Konstantinopel, 27. Oct. Gestern Abend ist ein Remorqueur, welcher zwei tn Steinen beladene Schiffe zog, bei Arnaulkoet rm Bosporus, wo der Strom eine icharfe gung macht, mit voller Damfkraft auf ein vom Schwarzen Meere kommendes Seg i will z laufen. Der Zusammenstoß war so gewaltig, daß der Dreimaster vollständig in zwei it.i gespalten wurde, von denen der Hintenhetl augenblicklich sank. Der Vordertheil dielt fick nor einige Minuten über Wasser, und es gelang dem Kapitän des Remorqueurs mit großer Ä* strengung, sieben Personen der Bemannung zu retten, wädrend drei auf dem Hinterdeck bffn'> liche Leute, unter ihnen die Frau des CapitänS, im Strudel verschwanden und niwt irit?" zum Vorschein kamen Der Remorqueur selbst hatte arge veschädigungen erlitten, da, abgkskdr von dem Anrennen gegen das Segelschiff auch die nachfolgenden beiden schweren Boote titr neuen Zusammenstoß berbeigcführt batten. Wie behauptet wird, trägt die Schuld des Uifalle» allein der Capitän deS zu Grunde gegangenen Fahrzeuges.
— In einem new-yorker Blatte finden wir nachstehende Tdatsache bemerkt. -3 dcm Normal-College (Lehrerinnen Scminar) der Stadt New«Nork müffen die Schülerinnen für eine der modernen Cultursprachen entscheiden. Die Option ergab folgendes Resultat: t- i 150 eingeschriebenen Studentinnen entschieden sich 91b für Deutsch, 187 für Französisch. ' waren abwesend. Bci der gewählten Sprache müffen sie während des ganzen breipbi’!irt Cursus verharren. Diese „Abstimmung" ist gewiß sehr bezeichnend für die anerkannte ■l? fett der deutschen Epracke und für die veränderte GeisteSrichtung der new-vorker Damen "
Codlenz, 5. Nov. Die Codi. Ztg. schreibt: „Der anhaltend fallende Wasseriiar» deß RhemeS ist nunmehr ein derartiger geworden, daß auch die Köln-Düffeldcrfer Dampf ai^ fahrt sich gezwungen gesehen bet, die planmäßigen Fahrten auf der ganzen Rbemftrecke einz^ stellen. So lange die Dampfschifffahrt auf dem Rbeine existirt, wtffcn wir uns keiner Zett 1 erinnern, in welcher die Fahrten von hier abwärts durch niedrigen Wafferstand Haden unten brachen werden müffen.
— Ein recht intereffantes Experiment wurde kürzlich auf dem Tivoliplatze in 2X u ' Hausen i E in Scene gcietzt. Es bandelte sich um die Erprobung eines Löschmittelß, welche» bei F uerSbrünsten zur Anwendung kommen soll. Fast alle Bürgermeister der nächstgelegm«» Gemeinden, viele Fabrikanten, die Feuerwehr und eine große Zahl anderer Neugierigen datt-l sich auf dem Tivoliplatze eingefunden. Es wurden drei StereS trockenes Holz aufgeschichle, daffelbe mit 90 Ä. Threr und einer großen Maffe Petroleumeffenz übergoffen. Kaum war tef Feuer angelegt, so stand der ganze Holzstoß tn bellen Flammen. Der Erfinder deS LLschmiltel^ ein Züncher, hatte zu seiner Verfügung drei Bütten mit Wasser, je 30 Liter haltend, uno tt» Kiste mit einem Pulver, von dem er in jede Bütte zwei Handvoll warf. Die Bütte am Rück«r und einen Scklauch in der Hand begann er daS Löschen, und nach kurzer Zeit sah man kel Feuer mehr, sondern nur noch eine dampfende Maffe.


