Berlin, 17. Februar. Hebet die Dauer der von dem Erzbischof Le- dochowski zu verbüßenden Strafe sind in der clericalen Presse vielfach irrige Angaben verbreitet. So rechnet z. B. das bayerische „Vaterland" aus, daß Graf Ledochowski nach den gegen ihn ausgesprochenen Geldstrafen 33 Jahre gefangen sitzen müßte. Nach § 78 deS deutschen Reichs-Strafgesetzes ist aber bei Umwandlung mehrerer Geldstrafen das Maximum der an die Stelle derselben tretenden Freiheitsstrafe auf zwei Jahre Gefängnis; .fixirt.
— Das „D. Wochenbl." schreibt: „Ueber das Gesetz hinsichtlich des Verfahrens gegen verurtheilte Bischöfe hören wir, daß dasselbe, soweit in dem jetzigen vorbereitenden Stadium die Absichten sich festgestellt haben, dahin gehen dürfte, den Verurtheilten den Aufenthalt in gewissen deutschen Staaten uitb Provinzen zu untersagen, resp. ihnen einen solchen in anderen Staaten und Provinzen anzuweisen. Es ist dies eine Analogie des Reichsgesetzes über die Jesuiten, so weit es sich bei diesen um Inländer handelt "
Berlin, 17. Februar. Der französische Botschafter soll bald eine kurze Urlaubsreife unternehmen wollen. Sein vorgestriges Ballfest war sehr- besucht. Frau Fürstin Bismarck und Tochter ließen sich wegen des Sonntags entschuldigen.
Berlin, 18. Februar. Der Kaiser wohnte dem gestrigen Subscrip- tions-Balle im Opernhause einige Zeit von der Zuschauer-Loge aus bei.
Pelplin, 13. Februar. Gestern erschien hier ein Executor ans Pr. Stargardt, wandte sich zunächst an einen Schlossermeister und forderte ihn auf, ihm bei der Execution in der bischöflichen Wohnung behilflich zu sein. Dieser jedoch, ein Katholik, weigerte sich, der Anforderung nachznkommen. Seine Mitwirkung war auch überflüssig. Denn nach Vorzeigung oes Mandates auf Execution von 225 Thalern schritt der Beamte selbst zum Spinde, nahm das dort befindliche Geld, etwa 73 Thaler, an sich nut' belegte außerdem mehrere Möbelstücke nnb einen Verdeckwagen mit Arrest. So ist denn auch — klagt die „Germania" — der Senior des preußischen Episcopats bereits ausgepfändet worden.
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Bern, 18. Februar. Den Pfarrern der französischen Grenzorte ist die Abhaltung von Gottesdiensten im Jura an Stelle der ausgewiesenen Geistlichen unter Androhung der Verhaftung untersagt worden. — Der Vundesrath hat das „Comile Suisse et international du Simplen“ und im Falle dieses verzichten sollte, die „Serietö financiere Vaudoise“, vereinigt mit den westjchweizeri- schen Bahnen, als Käufer zu der zweiten Versteigerung der Ligne d'Ilalic zugelassen.
Frankreich.
Paris, 17. Februar. Die Vonapartisten wachsen. „P.iys" bietet heute stolz der Rechten die Hand zum Bunde gegen die Republikaner; das Kaiser- thum sei im September 1870 „mehr unglücklich als schuldig" gewesen, und man habe damals einen Fehler gemacht, es den Republikanern zu opfern. Die jetzigen Kammer-Debatten der National-Versammlung kommen der Sehnsucht nach dem Kaiserthum sehr zu Hülfe. Welche Nahrungslosigkeit und Steuerlast jetzt im Vergleich mit jenen fetten Jahren, und man hat geklagt! Gegen die Steuern der Frachtgüter wird eingewendet, die französischen Frachtsätze seien schon so doch, daß bereits jetzt der auswärtige Handel die französischen Bahnen vermeide, wo er könne. In der National-Versammlung ist man außerdem stark gegen die Salzsteuer, aber das Gesetz wegen Erhöhung der Zuckersteuer will t>en Dcputirten auch nicht behagen Kurz, die officiellen und officiösen Kreise sind übel daran. Die unglückliche' Stimmung nach dem Kriege bricht jetzt erst recht hervor und wird durch die täglich erscheinenden Proscriptiono- listen gegen die Maires, durch die schonungslosen Verfolgungen der liberalen Blätter, deren angendienerischen Generale und Präfekten förmlich aufpassen, um die Gelegenheit zur Unterdrückung zu ergreifen, und durch den Druck, den der übermüthige Clerus übt, noch mehr zum Bewußtsein gebracht.
3 lallen.
Rom, 14. Februar. Der Zustand des neuernannten Cardinals Tarquini ist so bedenklich, daß die Aerzte ihm nur noch wenige Lebenstage zusprechen ; Capalti's Herstellung ist gleichfalls unwahrscheinlich.
Rom, 15. Februar. Cardinal Tarquini ist heute gestorben.
lielflien.
Brussel, 18. Februar. Ein Telegramm der „Jndep. belge" aus S. Jean de Lnz von gestern meldet: Moriones und Primo Rivero haben Castro und die anderen Höhen vor Somorrostro (Küstenpnnkt zwischen Santona und Bilbao) mit 16,000 Mann besetzt. Die Carlisten stehen ihnen mit 20 Bataillonen gegenüber. Die Eröffnung der Feindseligkeiten steht bevor.
(fnfllanö.
London, 17. Februar. Die „Times" bespricht den Toast des Kaisers von Rußland auf den Kaiser von Oesterreich und erklärt sich mit der darin angedentcten Quadrupel Allianz in dem Sinne einverstanden, daß sich England bestreben werde, den friedlichen Ausgleich der Differenzen der continentalen Staaten berbeiznführen. Jede andere Auffassung der Allianz, insbesondere die Voraussetzung, England werde eine antagonistische Haltung gegen Frankreich einnehmen, würde allen bisherigen Grundsätzen der englischen Politik widersprechen. - Einem Telegramm desselben Blattes aus Petersburg zufolge wird der Czar England wahrscheinlich am 1. Mai besuchen.
London, 18. Februar. Die Königin hat die Demission des Cabinets Gladstone angenommen und Disraeli auf heute nach Windsor berufen. Tie, Ernennung mehrerer hervorragenden Liberalen zu Pairs steht, wie die Blätter melden, bevor.
Amerika.
Rew-Zjork, 16. Februar. Die „New - Jork Tribüne" vom 31. Januar enthalt folgende Stelle: Gestern wurden uns gewisse entsetzliche Docn- mente vorgelegt, die hohe Beamte schwer graviren. Die Veröffentlichung der- selbetl scheint für uns eine unzweifelhafte Pflicht zu sein; aber wir wollen nicht
gerne unsere Spalten zur Veröffentlichung von Briefschaften, die Schmach auf den amerikanischen Namen bringen müssen, benutzen lassen, so lange noch eine entfernte Möglichkeit ist, ihre Unächtheit scstznstellen. Wir haben daher eine gründliche Nachforschung ungeordnet, die schnell die Sache entscheiden wird.
New-Aork, 17. Februar. Nachrichten aus Havannah zufolge hat bei Narangs im Central-Departement eine siebeustündige Schlackt stattgefunden, in welcher General Bascomes mit 3000Spanieru eine 5000 Manu starke Jnsur- genten-Abtheilung ipiter Befehl des Marquis de Santa Lucia geschlagen bat. Die Spanier verloren 50 Todte und 180 Verwundete. Die Verluste der Insurgenten sind noch unbekannt.
L o k a l - R o t i z.
Gießen, den 19. Februar 1874. Ein im Provinzial - Arresthaus sitzender Gefangener — Johann Hartmetz von Daubringcn — hat sich gestern Mittag erbangt. Er harte hier und in der Umgegend 17 Diebstähle begangen und erhielt gestern die Anklageschrift, die ibm etwas zu „graulich" vorgekommcn sein mag.
--In Gießen sind seit Kurzem einige vagabundirende Gauner aufgegriffen worden, »die falsche Legitimationen besaßen, versehen mit dem, der Großherzogl. Bürgermeisterei zu Liß- berg gestohlenen Siegel. Es hat sich nun ergeben, daß der Siegeldieb sich zu Frankfurt in einer Herberge niedergelassen, wo er den Stromern falsche, theilö Bettelbriefe nützliche, Schriften, das Stück für einen Gulden gefertigt hatte. Der Paßsavrikant^st jetzt auch gegriffen.
Verwischte-.
— Auch eines deutschen Königs Brief tbcilt die National Ztg. mit folgenden Worten mit: Am 24. Januar dieses Jahres erneute sich, zum nun bald achthundertsten Male, der Jahrestag einer der vielen Versammlungen in Worms, die, zwar nicht so folgenreich wie die I aus der Rcformationszeit, doch in dem heutigen Kampfe des Staats und der Kirche von großem I Interesse ist. Berufen waren dorthin auf den 24. Januar 1076 von dem König Heinrich IV. I oic geistlichen Würdenträger Germaniens, die freilich nicht wie die heutigen Bischöfe Kämpen des unfehlbaren Papstlhums waren, sondern über die Absetzung Gregor'ö VII., dcö größten I aller Päpste, berathen sollten. Der Papst hatte seinerseits Heinrich zuvor nach Rom citirt, um I sich am Montag der zweiten Fastenwoche bei Vermeidung des apostolischen Fluches vor einer I Synode wegen der ihm zur Last gelegten Vergehen zu vcrtheidigen. Und in Worms, der I prächtigen Stadt, erachteten die Acbte und Bischöfe Deutschlands Gregor Vll. für nicht würdig fernerhin auf dem Stuhle Pciri zu sitzen, da er sich der Zauberei, Nachstellun i nach dcm Leben Heinrich s, Anbetung des Teufels und ähnlicher Verbrechen schuldig gemacht habe. Be sonders Sigfried, Erzbischof von Mainz, der Vorgänger unseres streitbaren Kettelcr, war ein feuriger Redner gegen den nach jetziger Lehre nie fehlenden Papst. Nachdem darauf Ober Italiens Kirchenhirtcn zu Piacenza den Wormser Beschluß unterschrieben und, treu an ibm zu halten, mit einem Eide aufs Evangelium geschworen hatten, lheilte der König von Deutschland die Beschlüsse beider Synoden dem Oberhaupte der katholischen Christenheit durch folgendes Schrciben mit, das er durch einen Geistlichen der Kirche von Parma Namens Roland kurz vor der Versammlung, auf der er sich selbst rechtfertigen sollte, im Lateran den versammelten Biichöfen vorlesen ließ: „Heinrich, König, nicht durch Anmaßung, sondern durch die heilige Einsetzuung Gottes, an Hildebrand, der nicht mehr Papst, sond'rn ein betrügerischer Mönch ist." Hierauf folgt die Begründung dieser Anrede, die Gregor dadurch verdient habe, daß er 0;t Erzbischöfe, Bischöfe und Priester, von denen er annehme, sic wüßten Nichts und er allein Alles, wie seine Sclaven mit Füßen getreten habe ; dann fährt der Brief fort: „Und Wir staben dies Alles geduldet, um die Ehre des apostolischen Stu! les zu wahren. Du aber hast Unsere Unterwürfigkeit für Furcht gehalten und hast selbst Unsere von Golt erhaltene königliciit Gewalt anzugrcifen Dich nicht gescheut, welche Du wagtest cs — Uns zu entreißen Tu gedroht hast, als ob Wir von Dir die Negierung erhalten hätten, als ob Reick) und Herrschaft in Deiner und nicht in Gottes Hand lägen; dieser Unser Herr Jesus Christus hat Uns zum '
Regiment, Dich aber nicht zum Priesterthum berufen. Denn Du bist auf diesen Stufen empor
gestiegen: durch List hast Du Dir Geld, durch Geld Gunst, durch Gunst die Gewalt dcS
Schwertes uno durch diese den Sitz des Friedens errungen, von dem herab Du den Frieden
aus der Welt gebannt hast. Der wahre Papst, der st. Petrus, sagt: Fürchtet Gott und ehret den König. Du aber, der Du Gott nicht fürchtest, ehrest auch mich nicht, den er eingesetzt lat. Du, der Du durch diesen Fluch (des Apostels Paulus wegen falscher Lehre des Evangelii) nach Unser aller Bischöfe und Unserem eigenen Urtheil verdammt bist, steige herab, verlaß den apostolischen Stuhl, den Du Dir angemaßt hast. Ein Anderer soll den Sessel des heiligen i Petrus besteigen, der die Religion durch keine Gc»-altthat erbleichen macht, der die reine Lehre des heiligen Petrus lehrt. Wir, Heinrich, König durch Gottes Gnade, rufen Dir mit allen Unseren Bischöfen zu: steige herab, steige herab!" Genau ein Jahr später stand, wie Jeder^ mann weiß, derselbe Heinrich vor demselben Gregor als Büßer im leinenen Hemd im Burghof zu Canossa; im Kampfe mit der Kirche ist er erlegen, die Stürme seiner Tage brausen aber heute noch nno wettern durch die deutschen Lande, nachdem bereits das achte Jahrhundert seit jener Zeit sich seinem Ende zuneigt. Der jüngste Brief eines deutschen Herrschers an den In Haber des römischen Stuhles ist würdig und edler, erhabener und gedankenvoller, als der Heinrich's an Gregor. Muß sich aber auch in ihm nicht Germaniens Herrscher gegen die An- maßung der Curie verwahren? ftlingt nicht auch etwaS wie: „Der wahre Papst, der heilige Petrus sagt: Fürckttet Gott und ehret den König! Tu aber, der D°u Gott nicht fürchtest ehrest auch mich nicht, den er eingesetzt hat" durch die Zeilen dieses herrlichen Schreibens^ Unsere Ahnen n?arcn aus gröberem Holze geschnitzt, nervig war ihr Schwerthieb, markig ihr Federzug. Wir wollen nicht minder fest sein, als sie, und mit besserem Erfolge als sic gegen Pfaffentrug und römischen Hvchmuth streiten.
— Die Verwandten der siamesischen Zwillinge wollen noch nach deren Tode aus ihnen Capital schlagen und die beiden Leichen für 10,000 Dollars verkaufen. An Abnehmern wirL cs ihnen nicht fehlen, denn eine große Anzahl von Aerzten, wissenscbaftlichen Vereinen und vcn „Ausstellern" bewirbt sich um die Rarität. Wahrscheinlich wird cs etner Vereinigung von I Aerzten aus New - Jork und Philadelphia gelingen, die Leichen im Interesse der Wisjcnfibaft I anzukaufen. Die Zeitungen sind natürlich voll von Details über das Leben der Zwillinge, I und einiges nicht allgemein Bekannte sei stier wiedergegeben. Die Mutter der siamesischm I Zwillinge, welche im.Jahre 1805 zu Maklcng geboren worden, hat nur Zwillingen und einmal I Drillingen das Leben geschenkt. Im Jahre 1M6 kaufte das berühmte Paar, nachdem cs vcn I 1820 bis 1846 durch beinahe alle Länder gereist war, eine Farm in Nord Carolina und beite I heirat beten zwei in diesem Staate geborene Schwestern Namens Pates, die zwar keine Bilcung I aber einen gesunden Menschenverstand besaßen, stark und gesund waren. Die Mutter dieses I Schwesterpaarcs war eine außerordentlich korpulente Frau, und das so sehr, daß die Thür rhrrs I Hauses erweitert werden mußte, um die Fortschaffung ihrer Leiche zu ermöglichen. Am Donnerstage vor dem Tode klagte Chang über Kalte, wahrend Eng murrte, daß er mit seinem Partner vor dem Feuer sitzen mußte Am Freitag fühlte er sich besser, wurde aber später ruhelos und zwang seinen Bruder noch nach Mitternacht aufzustehen. Sie legten sich ind«ssen bald hin, um nie wieder aufzustehen. CS ist bereits bekannt, wie furchtbar die Kunde von Changs Tod auf Eng wirkte und dessen Tod nach zwei Stunden zur Folge hatte. Man behauptet, I daß einige Zeit vor ihrem Tod in dem Flcischbandc feine Bewegung verspürt wurde, und will I wissen, daß Eng an Blutverlust gestorben sei, da all sein Blut in den Körper des tobten Chang I geflossen. Chang sah nach dem Tode etwas schwarz aus, namentlich im Gesichte, waS aus einen schweren Todeskampf deutet, während Eng wie im Schlafe ruht. Nach vyrangcganacner I Berathung mit den älteren Kindern wurde beschlossen, den Todlcn em vorläufiges Degräbniß in I Eng'S Hause zu bereiten. Die Leichen wurden in einen Blechkasten gelegt, dieser hermeliskb I verschlossen, in einen Holzkasten gestellt und in einer dritten Kiste nach dem Keller gebracht und I mit Kohle bis zu einer Höhe von zwei Fuß bedeckt. Die siamesischen Zwillinge staben nur I selten in ihrem Leben einem Gottesdienste beigewohnt und gehörten zu keinem besonderen | Religionsverband. Die eine Frau war eine Baptistin, die andere Quäkerin; die Kinder und I sämmtlick Baptisten und beklagen sich zum Tsteil über daS unchristliche Bcgräbntß thrcrs Vaiers I ebir Oheim. Chang hinterläßt ein Vermögen von 32,000 Dollars, Eug eins von 17,000 1 Dollars.
Militär - Wochenblatt. Wie wir erfahren, wird vom 1. April d. I. ab dieser verbrei- 1 tetstcn militärischen Zeitschrift eine Inseraten-Beilage unter dem Titel: „Allgemeiner Militär-Anzeiger" beigegeben werden. Tic bekannte Firma Rudolf Mosse hat auch bei diesem Blatte die alleinige Annoneen-Rcgie übernommen.


