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Die Febronische Grundsätze kamen nun auf die canonischen Lehrstühle der catholischen Universitäten. Auf denselben wurden nach diesen Grundsätzen Nälhe der Bischöffe und Fürsten gebildet, und so wurde das Febronische System end­lich gar das System der Cabinetter.

(Fortsetzung folgt.)

Deutschland.

Darmstadt, 15. Januar. Eine Zusammenstellung der amtlich ver­kündigten Resultate der Reichstagswahlen ergibt überall eine bedeutende Majorität der liberalen Partei. Nur in Mainz kommt es zu einer Nachwahl. Die libe ralen Kandidaten haben wie folgt gesiegt. Wahlbezirk Gießen: v- Rabenau 6993 Stimmen gegen Liebknecht (Soc.-Dem.) 151, Moufang 25; Friedberg: Schröder 11,946 gegen Backe (ultram.) 2074; Alsfeld: Oncken 8143 gegen Graf Solms-Laubach 136t ; Darmstadt: Weicker 8799 gegen Most (Soc.-Dem.) 1224, v. Wambolt (ultram.) 356; Offenbach: Dernburg 11,233 gegen Racke (ultram.) 47b2, S.ürtz (Soc.-Dem.) 4126; Bensheim: Martin 13,014 gegen Graf Otting (ultram.) 3896; Worms: Heyl 11,104 gegen v. Dael (ultram.) 5432 ; Bmgen: Bamberger 12,743 gegen Almann (ultram.) 4676; Mainz: Görz 7365 gegen Moufang (ultram.) 6114, Jacoby (Soc.-Dem.) 1348, Oechsner (Dem.) 1217. Im Ganzen sind es 128,575 Stimmende gewesen. Es wurden an Stimmen abgegeben: in Gießen rc. 7194, in Friedberg 14,031, in Alsfeld 2C. 9680, in Darmstadt 2C. 10,482, in Offenbach 2c. 20,141, in Bensheim 2C. 16,940, in Worms 2C. 16,557, in Bingen 2C. 17,452, in Mainz 16,098. Nach der Größe der Stimmenzahl folgen sich die Wahlkreise, wie nach­steht: Offenbach, Bingen, Bensheim, Worms, Mainz, Friedberg, Darmstadt. Alsfeld, Gießen. Die Gesammtzahl der liberalen Stimmen beträgt 91,340 der ultramontanen 27,527, der social - demokratischen 4126, der demokrati­schen 1217.

Darmstadt, 15. Januar. Das Großherzogliche Regierrmgsblatt Nr. 1 enthält:

1. Allerhöchstes Edict, die Mitglieder des Staatsraths für das Jahr 1874 betreffend.

2. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Großherzoglichen Hauses und des Aeußern, Abänderungen des Post-Reglements vom 30. Novem ber 1871 betreffend.

3. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, den Verkehr zwischen dem Großherzogthnm Hessen und bcu angrenzenden Vereins­staaten mit steuerpflichtigen Gegenständen betreffend.

4. Bekanntmachung Großherzoglicher Commission für Post-Angelegenheiten, die Einrichtung einer Postagentnr zu Bessungen betreffend.

5. Übersicht der im Jahre 1873 in den Irrenanstalten des Großherzog- thums verpflegten Kranken. Im Großherzoglichen Landes-Hospital war die Gesammtsumme der Pfleglinge in 1873 221 Männer, 207 Frauen, Summa 428, der Bestand der Pfleglinge am Schluffe des Jahres 1873: 186 Män­ner, 165 Frauen, Snmma 351.

In der Großherzoglichen Landes-Irrenanstalt war die Gesammtsumme in 1873 : 188 Männer, 183 Frauen, Summa 371, der Bestand am Schlüsse 1873: Männer 109, Frauen 132, Summa 241.

6. Abwesenheitserklärung.

7. Dienstnachrichten. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 23. December 1873 dem Schulamtsaspiranten Johannes Vetter aus Dromersheim, die kath. Schulstelle zu Sulzheim, am 27. Decem­ber dem Schullehrer an der evang. Schulstelle zu Lehnheim, Heinrich Ludwig Nikolaus, die evang. Schulstelle zu Bermuthshain zu übertragen und den von dem Herrn Fürsten zu Asenburg und Büdingen auf die evang. Schulstelle zu Stadm präsentirten Schnlamtsaspiranten Heinrich Jäger aus Staden für diese Stelle zu bestätigen; am 27. December die schnlamtsaspiranten Konrad Jnng aus Offenthal, Heinrich Flath aus Hassenroth. Philipp Bender aus Klein- Karben, Heinrich Bausch aus Klein-Umstadt, zu Lehrern an der höheren Töch­terschule zu Offenbach, die Schulamtsaspirantinnen Barbara Scriba aus Dublin und Emilie Dieffenbach aus Friedberg zu Lehrerinnen an der höheren Töchter­schule zu Offenbach zu ernennen; am 30. December den Schulamtsaspiranten Heinrich Metzler aus Langstadt, im Kreise Dieburg, die Gemeindeschulstelle zu Nieder-Erlenbach, im Kreise Vilbel, am 31. December dem Schnlamtsaspiran- ten Valentin Wagner aus Kettenheim die dritte evang. Schulstelle zu Groß Vuseck zu übertragen.

8. Charaktererthcilungen.

9. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: die erste evang. Schulstelle zu Jugenheim, im Kreise Bingen, mit einem jährlichen Gehalt von 450 fl.; die zweite kath. Schulstelle zu'Rockenberg, im Kreise Friedberg, mit einem jähr­lichen Gehalt von 400 fl.; die evang. Schulstelle zu Vöckelsbach , im Kreise Lindenfels, nut einem jährlichen Gehalt von 400 fl.; die evang. Schulstelle zu Götzen, im Kreise Schotten, mit einem jährlichen Gehalt voll 400 fl.; die zweite evang. Schulstelle zu Walldorf, im Kreise Groß Gerau, mit einem jähr lichen Gehalt von 400 st.

Ber lin, 16. Januar. Abgeordnetenhaus. (Schluß.) Das Abgeord­netenhaus nahm im weiteren Fortgänge der Sitzung das Civilehe-Gesetz bis § 23 mit unwesentlichen Abänderungen an. Nächste Sitzung Montag.

Berlin, 16. Januar DiePost" veröffentlicht einen Brief des Feld- marschalls Grafen Noon d. d. Sorrent, den 9. d., worin derselbe bezüglich des von derGermania" neuerdings besprochenen Briefes des Fürsten Bis­marck an Roon anläßlich deffen Dienstrücklritts sagt: Ich fühle mich gedrun­gen, zu erklären, nicht nur, daß der dem Briese angedicktete Inhalt das gerade Gegentheil von Wahrheit ist, sondern auch, daß der eigenhändige freundschaft­liche Bries des Fürsten, den ich etwa ächt Tage nach meiner Dienstentbindnng erhielt, von mir überhaupt mit Niemanden, am wenigsten aber in der wahr­heitswidrigen Weise besprochen worden ist, die zu solchen Tendenzlügen und albernen Auslegungen hätten Anlaß geben können, wie solche von derGer­mania" gemacht worden sind.

Ber lin, 16. Januar. DieNordd. Allg. Ztg." bespricht das Ver- hältniß Deutschlands zu Frankreich. Sie hält dasselbe für abhängig davon, wie die französische Regierung sich zum Ultramontanismus stellt. Wenn sich Frankreich seine Unabhängigkeit von der Priesterpartei behatlptet, so wird der

Friede mit Deutschland an Aussicht gewinnen; derselbe verliert an Aussicht nur dadurch, daß die französische Politik weltlichen Zwecken des Papstthums sich dienstbar macht. Eine Divergenz rein französischer und deutscher politischer Jntereffen sei nicht vorhanden.

Köln, 18. Januar. DerKöln. Ztg." wird aus Wien vom 17. Ja­nuar telegraphirt: Gegenüber der Befürchtung einer Beschränkung der Frei­heit des nächsten Conclaves dnrch die päpstliche Bulle wird aus Rom authen­tisch gemeldet, daß die italienische Regierung eine Circularnote an die Groß­mächte gerichtet hat, worin die Uncrläßlichkeit ausgesprochen wird, zur Wah­rung dieser Freiheit in Rom die Bürgschaft zu übernehmen, daß das Con- clave und sämmtliche Theilnehmer desselben als exterritorial betrachtet werden sollen.

Fulda, 17. Januar. Dechant Kreißler in Fritzlar hat in einem Schreiben an die Negierung erklärt, daß ihm seine priesterlichen Pflichten die eventuell gefordert werdende Ableistung des neuen Homagial - Eids verbieten müßten.

Frankfurt, 17. Januar Der Wahlkampf zwischen L. Sonnemann und Dr. Lasker ist beendet. Sonnemann hat gesiegt; er erhielt von 12,875 abgegebenen Stimmen 7194, Lasker 5681. Bei der ersten Wahl am 10. Ja­nuar wurden 12,109 Stimmen abgegeben und es waren auf Sonnemann 5016, auf Lasker 4353 gefallen.

Karlsruhe, 15. Januar. Abgeordnetenkammer. Ein Jnitiativ-Antrag, betr. die Rechtsverhältnisse der Katholiken, wurde eingebracht.

Das Gesammt-Resultat der Reichstagswahlen in Baden ist 12 Natio­nal-Liberale und 2 Ultramontane.

Oesterreich.

Wien, 14. Januar. Der Kaiser ist heute Morgen um sechs Uhr mit der Staatsbahn von Ofen in Wien angekommen. Morgen wird der Kaiser die feierliche Barett - Ertheilung an Cardinal Tarnoczy vornehmen und dann zum Besuche der Erzherzogin Gisela nach München reisen, nm am Montag nach Wien zurückzukehren, an welchem Tage um 11 Uhr allgemeine Audienzen ertheilt werden.

Wie derPresse" aus Rom telegraphirt wird, soll demnächst im Va- tican zur Seligsprechung Ludwig's XVI. geschritten werden.

Frankreich.

Paris, 15. Januar. Paris erwartet in größter Spannung das Resul­tat der Abstimmung der Nationalversammlung. Aus dem St. Lazare-Elsenbahn- hof erwarten Tausende von Personen die Versailler Nachrichten. Die Polizei ist dort stark vertreten. In Versailles ist ebenfalls eine ungeheure Menge und die Kammertribünen sind gänzlich überfüllt. Das diplomatische Corps, darunter Graf Arnim, ist vollständig anwesend, die Deputirten säst vollständig versam­melt, därunter Gambetta und der Herzog Larochcsoucould-Bisaccia. Ersterer traf heute aus Nizza ein, Letzterer aus London. Thiers hatte ebenfalls sich eingefunden. In Versailles hatten die Behörden große Vorsichtsmaßregeln er­griffen. Bereits gestern wurden zwei Regimenter zur Verstärkung der dortigen Garnison von Paris berufen.

Paris, 15. Januar. Die ersten Urtheile der französischen Presse über das, was vom Ausfall der deutschen Reichstagswahlen bekannt ist, fangen an, sich zu zeigen. DiePresse" schreibt erfreut:Von Bayern kann man schon sagen, daß das Resultat daselbst der deutschen Einheit wenig günstig ist. Hin­aus mit den Preußen! das ist", wie dasVaterland" sagt,der Rufder bayerischen Nation" 2C. DasVaterland" ist allerdings die richtige Quelle für ein officiöses Blatt.

SptUUCIL

Oran, 16. Januar. Die französische Panzer-FregatteSavoie" hat in Mers cl Kedir Station genommen. Das TransportschiffArdeche", welches Morgens zur Ucberführung der Flüchtlinge nach dem Fort Arzew, nicht, wie gemeldet, nach Algier, abgesegelt war, ist nach Mers el Kedir zurückgekehrt und hat Contreras und seinen Generalschef Ferrey zurückgebracht, die im Nesi- denzschlosse des Divisions-Generals von Oran internirt werden sollen. Der Sohn Galvez', Constanrini, welcher schwer verwundet ist, hat im Militär­hospital ztt Oran Aufnahme gefunden. Galvez wird im Fort Saint Gregoire internirt. DieNumancia" wird morgen an den Admiral Chicarro ausgelie- fcrt, falls nicht ein Gegettbefehl eintrifft. Die Galeeren-Sträflinge werden an die spanische Regierung ausgelicfert werden.

Lokal-Notiz.

Gießen, 19. Januar. In dem dnrch den Gcmetnderath für das Jahr 1874 bcrathcnen und abgeschlossenen Voranschlag der Stadt Gießen berechnet sich die Gesammtsumme der Ein­nahmen und Ausgaben auf 380197 fi. 1 fr. Dieselben vertheilen sich in die einzelnen Rubriken und zwar:

A. Einnahme.

Rubr. 1. Ucberschuß aus der 1872er Rechnung: - fl- h-

baar 29601 fl. 15«/< kr.

Ausstände ........ 690 fi. 353/4 kr. 30291 51

2. Micthc von Gebäuden und Miethwerth der Bcsoldungswohnungen 1255

3. Pacht von verliehenen ®ütcm............ 2949 35

4. Erlös für Gras, Obst, Sand und Lehm 5972 9

5. Ertrag des Waldes und zwar:

für Nebennutzungen 1270 »1. - kr. 51748 25

7. Einnahme von der in 7 Abtheilungen verpachteten Jagv in der Gemarkung Gießen ............ 078

8. Von den Schäfereien für Ausübung des Wcidrechts in der Ge­markung ............ - 300

9. Ständige Entschädigung auS Großherzogl. Hauptstaatskassc für

verlorenen WeinaeciS und für Treppen und Platzzinsen . 2107 39

10. Muthmaßlicher Erlös für Baumaterial......... 100

11. Zinsen von ausgeliehcncn Kapitalien 3277

15. Einzugsgelder................. 300

16. Feuer eimcrgeld 100

17. Entschädigung aus Großherzogl. Hauptstaatskasie für entzogenes Pstasicrgeld......... *100

18. Standgeld von den Jahrmärkten 1400

19. Abgabe für den Gebrauch der städtischen Laftwaage 1065

21. Octroi (Bruttoeinnahme).......... 32425

Zu übertragen .... 134369 39