Unrichtigkeit der vom Fürsten Putbus gemachten Anführungen, und sagt dann u. A.: Fürst Putbus habe ihn als Fälscher, Lügner, als einen Mann dargestellt, der dem Strafgesetz verfallen fei. Diese gegen ihn erhobenen persönlichen Beleidigungen wolle er unberührt lassen, da dieselben bereits durch den Präsidenten des Herrenhauses gerügt seien. Die angeführten Paragraphen deö Strafgesetzbuches seien allerdings ein thatfächlichev Moment in der Rede des Fürsten Putbus Gegen Beleidigungen und Verleumdungen gebe es Strafen, doch untersuche der Richter den Thaibestand. Möge das Haus entscheiden! Fürst Putbus beschuldige ihn persönlicher Rancüne, dagegen müsie er erkaren, daß ihm der Fürst völlig unbekannt sei. Er beschuldige ihn ferner der Börsen Speculation. (Lärm; Ruse: Pfui!) Der Feldmarschall Gras Roon habe einst, wie ein Ehrenmann thue, nach eingezogenen Erkundigungen ähnliche Ver dachtsäußcrungen zurückgenommen. Er frage, ob er sich solcher Dinge schuldig machen konnte? (Rein ! Rein!) Er hoffe, auch das Land werde mir Nein! antworten. Wer aus Anderer Unglück Vortheil ziehe, sei ein Verbrecher. Darin stimme er dem Fürsten zu. Solche Verbrecher geißle er vor dem Lande- Er, Redner, sei der Gegenstand vielsacher Verleumdung und Verdächtigung während der Tätigkeit der Uutersuchungs - Commission gewesen. Er habe nie darauf geantwortet und leine Mitlheiluug über die Thätigkeit der Commission gemacht. „Wenn man uns diese Dinge aufdrängt, dann muffen wir darüber reden"
Karlsruhe, 15. Mai- Durch den Mailänder Fund der ächten Gebeine des heiligen Gervasius und des nicht minder heiligen Protasius kommt das interessante Altbrcisach, bezw. dessen Einwohner in nicht geringe Verlegen heit. Denn dort befinden sich die Gebeine beider seit vielen Jahrhunderten, wie die Sage wissen will, als ein Geschenk des Kaisers Friedrich Barbarossa an das Breisacher Münster aus der Mailänder Beute. Hiernach scheint man s. Z. in der berühmten lombardischen Stadt Doubletten auf Lager gehabt zu haben.
ScCuien.
Brüssel, 16. Mai. Fröre warf in der Kammer Malou vor, dessen Vertheidigung beruhe auf falscher Berechnung und sei auf fanatische Ziffern begründet. Er behauptet, die Regierung stehe am Rande des Deficit-AbgrundcS, erklärt das Cabinet selbst für bankerott und ruft demsclbeii zu: „Ihr habt dem Lande gegenüber in Betreff Eurer Verpflichtungen Bankerott gemacht."
Brüssel, 16. Mai. Man meldet auS Versailles, daß die MtnisterkrisiS leicht in eine RcgierungSkrisis umschlagen könne. Mac Mahon habe wiederholt erklärt, lieber zurückzutrcten, als die lächerliche Rolle zu spielen, welche ihm die Rechte aufoclroyiren wolle.
England.
Loudon, 16. Mai. Der Kaiser von Rußland besuchte heute den Herzog von Cambridge, den Marquis os Lorne, den Herzog v. Teck, sowie den Prinzen v. WaleS, und empfing den seit einigen Tagen hier anwesenden Grasen von Paris. Die Ziisammeiikunst hatte den herzlichsten, wärmsten Charakter Der Graf von Paris besuchte später den Prinzeii v. Wales, welcher den Be such sofort erwiderte. — Die „Times"' meldet: Kaiser Alexander, die Glückwünsche der Botschafter bei deren gestrigem Empfange beantwortend, habe erklärt : die Politik Rußlands sei darauf gerichtet, den Frieden aus dem Continent aufrecht zu erhalten, er hoffe, die Negierungen der europäischen Hauptmächte^ würden ihre Anstrengungen vereinigen, um dieses Resultat zu erzielen. — Der Kaiser von Rußland hat gestern einem Balle bei der Herzogin von Sutherland beigcwohnt; derselbe verlieh den Prinzessinnen Christian, Louise und Beatrice den Katharinenorden.
London, 16. Mai. Die „Times", die gestrige Aeußerung des Kaisers Alexander über Rußlands Friedenspolitik besprechend, meint: Diese erneute FriedcnSvcrsicherung müsse für die Politik der Continentalmächtc von den segensreichsten Folgen sein. Rußland wolle entschieden die Erhaltung des Friedens und scheine zil dem Ende mit den sog. Neutral - Mächten sich vereinigen und separate Allianz Aiiträge jeder zu Aggressivplänen geneigten Macht zurückwcisen zu wollen. Für Deutschland und Frankreich würde es ein sehr erfreuliches Ereigniß sein, wenn die llcberzeugtiug gewonnen würde, daß ein neuer Krieg auf Jahre hinaus unmöglich sei. Die „Times" hebt den ausschließlich defensiven Charakter der deutschen Kriegsvorbereitungen hervor; die deutschen Staatsmänner und Strategen wollten wohl Gewonnenes behaupten und vertheldigen, aber nicht neue Eroberungen machen. Der beste den Franzosen zu leistende Dienst bestehe darin, de,i Franzosen die Ucberzeugung aufzudringen, daß ihnen Selbstbeherrschung und Ergebung Noth thue. In dieser Hinsicht werde die Aenßerung des Kaisers von günstiger Wirkung sein.
Windsor, 15. Mai. Der Kaiser von Rußland besuchte gestern in Begleitung dcS Großfürsten AlexiS das Grab des Prinzen Albert in der Sct.- Georgs Capelle, später mit der Königin die Meiereien, Nachmittags mit der Königin und den Mitgliedern der königl Familie Virginia -Waters. Abends sand in Windsor-Castle Gala Banket statt, wozu 140 Einladungen ergangen waren. Der Kaiser begibt sich heute nach London, woselbst er bei dem Prinzen v. Wales dimrt.
Spanien.
Madrid, 15. Mai Die Regierung hat eine öffentliche Kundgebung erlaffeu, in welcher sie u. A. sagt: Sie werde dem Lande den wahrhaftigen Zustand der Finanzen vorlegen; sie werde sich solcher Mittel enthalten, welche den Bedürfnissen des Augenblickes genügen, aber auch den künftigen Ruin her- vorbringen würden. Die Minister erwarten mit Ungeduld den Augenblick, wo die moralische und materielle Ordnung gesichert sein wird, und das Land, frei befragt. sich über seine Geschicke wird auSsprechen könne.
Bilbao, 15. Mai. General Concha hat seinen Vormarsch angetreten und will zunächst die Defileen zwischen Biscava und dem Thal von Amezqueta besetzen. Viele Bewohner von Bilbao verlassen die Stadt. Don Carlos steht mit dem Gros seiner Armee in Zornoja.
Amerika.
New-Nork, 15. Mai. Grant hat eine Proklamation erlaffen, in welcher er Baxter als Gouverneur von Arcansas anerkennt und die dortigen
bewaffneten Parteigänger auffordert, sich zu zerstreuen. Brooke ist indeß, wie gemeldet wird, entschloffen, den Kamps fortzusetzen.
?tew-Uork, 16. Mai. In Gojhen (Maffachusetts) sind drei Waffer- Reservoirs zersprungen und durch die Waffermaffen drei Ortschaften fast voll, ständig zerstört. Die Häuser mit ihren Bewohnern, Maschinen, Geräthen wurden zahlreich fortgeschwemmt. Die Zahl der getöbteten Personen beträgt 60. Der angerichtete Schaden ist noch nicht ermittelt.
Vermischte-.
— MN der dritten Immatrikulation in Heidelberg sind bil jetzt über 400 neu ein» getroffene Studirenve zu verzeichnen. (iÄ dürfte sich danach btt sckUetzitche Gesammtzabl auf etwa 900 beziffern. Der juristischen Facultät gehört der größte Theil der Inscribirken an; der theologischen nur 4, eine auffallende und bedenkliche tfr^tinung. btt zu rtner gründlichen (St- sorschung der Ur'ache ruft. Bet der ersten Immatrikulation in Freiburg am b. bl. wurden 5H neue akademische Bürger tnscrtbirt, ein für ein Sommerjemester ungewöhnlich hoher Zugang und namentlich ein erfreuliche! Zeichen für den Fortgang der neuen Hebung der Universität durch dal Ueberwiegen der Nichtbadenser; unter den 58 sind nur 5 Badenser, 4b au! andern deutschen Staaten, 3 Schweizer, 2 Amerikaner. Dabei ist kein Theologe, 7 Juristen, 32 Me» diciner ic.
Berlin, 8. Mai. Wie selbst ein Säugling schon mit den EchicksalSmächttn im Kampf kommen kann, beweist folgenoer interessante Fall. Herr H., Pächter der KarlShallen in der Karlbstraße, engagirte für sein neugeborncs Kind eine Amme. Als dieselbe kaum acht Tage in seinem Hause war, erschien ein Schutzmann, welcher mit einem Berhaftsbefehl gegen die Amme ausgerüstet war. Das Stadtgericht in Königsberg hatte sie wegen eines Vergehen» zu einem Tage Gcfängniß verurtheilt, welcher Strafe die Amme bis zu dem gedachten Tage aus dem Wege zu gehen verstanden hatte. Herr H , in seiner Angst, daß seinem schwächlichen Kinde die Ernährerin genommen werden solle, begiebl sich sofort zum Polizeilieutenanl, der dir Mißlichkeit der Lage erkennt und dem bedrängten Vater anrath, bei dem Gerichtshöfe wegen Inhibirung des Verhaftsbefehls vorstellig zu werden. Dies geschieht, aber der Bescheid lautet auf ^Verhaftung." Noch einmal wird unter Einsendung eines ärztlichen Atteste» reclam»rt, welche! dahin lautet, daß ein Nahrungswechiel bei dem schwachen Kinde absolut nicht eintretrn dürfe. Der hierauf eingehende Bescheid verfügt, eS sei zu gestatten, daß die Amme den Säugling mit in das Gefängniß nehme. Der Vater, entrüstet, daß sein noch nicht getauftes Kind nach der HauSvogtei gebracht werden soll, begiebl sich wiederum zu dem erwähnten Polizeilieutenant, der ihm räth, d^m Gerichtshöfe zu melden, daß der Säugling nicht der Amine, sondern einem anständigen berliner Bürger gehöre. Auch dieser Versuch wurde gemacht, aber wieder vergeblich. Die Amme soll und muß nach der hierauf eingetroffenen Verfügung des königsberger Stadt, gertcht! ihre Strafe in nächster Zeit absitzen, wiewohl H für die Verhaftung zur rechten Zeit unter Stellung einer Caution bürgen wollte. Herr H. hat sich bereits an eine andere Instanz gewandt, und wir werden, sagt die Tribüne, der wir diese Mittheilung entnehmen, zur Zeit das Resultat diese! originellen RechtSfakles mittheilen.
Innsbruck, 13. Mat. Am letzten Sonntag hat ein Francilcaner Pater in der inns- brucker Hofkirche gepredigt und Folgendes zum Besten gegeben. „Meine lieben Christen! Ihr wundert euch, baß e! jetzt im schönen Monat Mai so kalt ist; aber ich frage euch, woher kommt diese Kälte und der damit verbundene schädliche Einfluß auf die Feldfrüchte' Daher, weil die Menschen auch kalt sind gegen den lieben Gott und ablassen vom Gebete." Für Reisende, welche sich bereits nach Tyrol verlaufen, empfiehlt es sich somit, schon im Bahncoupv durch ein in brünstiges Gebet auf die Temperatur Verhältnisse günstig einzuwirken; zugleich wird d,e Mit- nähme eine- soliden Stadt- und Lanbpelzcs für solche Frühlingsfahrt nicht überflüssig sein. Uebrigen! klagen alle tyrolrr Berichte über Sturmwind, Regen und Gebirgsschnee , selbst in Meran zeigte das Thermometer am 9. Mai bloß 4- 5° Reaumur. Auch auf dem Todlacher selbe und im Pusterthale sieht eS ganz winterlich aus.
BreSlau, 12. Mai. Nachstehender, von einigen Studenten unterzeichneter Aufruf an ihre breslauer (Kommilitonen ist am schwarzen Brett der Universität angeschlagen: In den Tagen vom 26. biS 29. Mai d. I., also in der Zeit unserer Pfingstferien, tagt in Breslau die 21. allgemeine deutsche Lehrer-Veriammlung. In Anbetracht der großen Schwierigkeiten, welche für die gastliche Unterbringung der 2500 Gäste erwächst, richten wir an diejenigen unserer Kommilitonen, welche während der Ferien verreistn, die Bitte, dem Ortsausschüsse für bit Lehrer-Versammlung ihre Stuben während jener Tage zur Verfügung zu stellen. (Natürlich muß eine Verständigung nut den Wirthsleuten vorausgehen.) Damit folget Ihr theils dem Beispiele der leipziger und anderer Kommilitonin, theils gebt Ihr den breslauer Bürgern so -'wie den Studenten anderer Universitäten ein löbliches Beispiel, wenn Ihr den Theilnehmern an einer für die Nationalbildung so wichtigen Versammlung in dieser Weist gastfrtunblich entgegen kommt. Schriftliche Anerbietungen (am besten durch Postkarte) nimmt der Schriftführer des WohnungSausschusscS, Lehrer Rosteutscher (Vorwerksstraße 14) jederzeit dankend entgegen."
— Die in Valparaiso (Chile) erscheinenden Deutschen Nachrichten vom 15. März schreiben: „Von einem Augenzeugen wird unS mitgetheilt, daß die Jesuiten in Puerto Monti kürzlich ein beredtes Zeugniß dafür abgelegt baden, wie aufmerk'am sie der Entwicklung der Dinge in Deutschland folgen. Zur Ausschmückung ihrer neuen Kirche haben sie nämlich ein Gemälde anfertigen laffen, das Fegfeuer darstellend, und in demselben braten und schmoren keine Geringeren alS — Kaiser Wilhelm, Fürst Bismarck und Cultus Minister Falk Die Flammen sind mit besonderer Sorgfalt recht blutig roth gemalt — es muß den gottgefälligen Herren eine wahre Wollust fein, in ihrer Phantasie sich die Qualen der ver ... - Ketzer auszumalen. Der Verübet der Sudelei ist kein Jesuit, wenigstens keiner im Talar, und ein Deutscher; wir wollen unser Blatt aber nickt mit feinen Namen beschmutzen. ES muß den Vorkämpfern im Kirchen- kämpfe eine Genugthuung sein, von dem schwarzen Gelichter an allen Wellenden tödtlich gehaßt zu werden."
Paris, 12. Mai. Gestern Abend um 5 Uhr brach im Faubourg Saint Antoine in der zwischen der Straße Crozatier und Liteaux und den Paffagen Brulon und Driancourl gelegenen Häuserniaffe Feuer au! und nahm, da der in der Mitte gelegene Holzhof in Brand gcrieth, sofort furchtbare Verhältnisie an. Erst gegen 11 Uhr Nacht! konnte man des Feuers Herr werden. Außer dem Holzhof brannten 10 Häuser ab, die meisten! von Arbeiterfamilien bewohnt waren, die heute — c! find ihrer angeblich 150 — obdachlos sind und ihr ganzes Hab und Gut verloren haben. Mehrere Personen, darunter einige Kinder, sollen im Feuer um« gekommen sein. Mehrere Feuerwehrmänner und Agenten so wie einige andere Personen erhielten schwere oder leichte Verletzungen. Ein Mann wurde von einer Lommode. die man aus einem Fenster geworfen hatte, getödtet. Der Schrecken, der im ganzen Faubourg herrschte, war furchtbar Die Häuser sind dort größtentheils aus Holz, und man befürchtete eine Zeit lang, daß ein großer Theil der Raub der Flammen werden würde. Die Bewohner der m der Nähe der Brandstätte lagernden Häuser räumten ihre Wohnungen, wobei aber viel zu Grunde ging, da man Alles zu den Fenstern hinauswarf. Die Diebe benutzten natürlich die Gelegenheit. Ungefähr 20 wurden auf der That ertappt. Da! Volk war so wüthend über sie, daß es der Polizei nur mit Mühe gelang, sie vor dem Feuertode zu teilen.
(Eingesandt.)
Man las schon vor Wochen in den Zeitungen von den gedrückten Liebvreijen und gab sich deßhalb schon manche Hausfrau der Hoffnung hin, auch das Flei'ch nun enliprechend billiger kaufen zu können. Wie berechtigt eine solche Hoffnung war, erqiebt sich daraus, daß ein hiesiger Metzger dem Einsender dieses versicherte, er könne das Fleisch 4 bis 6 kr per Pfund billiger verkaufen und würde dieses thun, wenn die übrigen Fleischer auch eine Pteisreduclion eintreten ließen Leider sckeint aber nun gerade diesen Das unbekannt zu sein, was jeder Andere weiß, nämlich daß man bei billigem Einkauf auch billig verkaufen kann, und hätte Einsender dieses seinen Zweck erreicht, wenn den Betreffenden ein Licht hierüber aufging, und sie dadurch, daß sie eine angemessene Ermäßigung der Fleischpreise eintreten lasten, die Schuld von sich abweisen, debufs Erzielung eine! außergewöhnlichen großen Nutzens dem minder gut siluirtcm Publikum aufzuerlegen, den so nölhigen Fleischgenuß einzuschränken oder gar sich ganz zu versagen.
322) DaS Annoncen» Büreau von Rudolph Masse, vertreten durch B. Heidingsfelder, Wallihorstrahe 96 in Giehen, ist für die Beförderung von Inseraten jeden Inhalts, als EmpfehlungSan;eigen, Kauf- und Berkaufgesuche, Stellengesuche, Familiennachrichten u- s. w- alS besonders zuverlässig zu empfehlen.
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