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Lit. «. Wr. 1.

Unzeige- und Amtsölatt für den Kreis Hiessen.

Nr. 88

Freitag den 17. April

«854.

gen

als

Deutschland.

des

und Konferenzen einzelner Reichstags-Mitglieder, auch des Reichstags - Präsi- !Renten. Forckeubeck weist die bezüglichen Bemerkungen unter lebhaftem Beifalle

Schweiz.

oberste geistliche Autorität in der Ernennung desselben zum apostolischen Vicar in Genf etwas zu weit gegangen sei und die Konvention ober das Breve, das die Stellung der katholischen Genfer regierte, verletzt habe. Wie man sieht, wäre die Kurie bereit, ihre auffallendsten Maßregeln, zurückzunehmen, es wird sich nun fragen, wie sich der Bundesrath, dem Gonzenbach über seine Mission Bericht erstattet hat, zu der Sache stellen wird. Auf's Neue bewahrheitet sich

gegen jeden Angriff zu vertheidigen, werden wir bann gegen Preußen und Deutschland losschlagen? O, bewahre, dann muß erst noch eine andere Be-

ßeflerreid).

SSSten, 16. April. Das Abgeordnetenhaus nahm heute mit großer Majorität in der General-Debatte die zweite Kommissions-Vorlage, betr. An­erkennung der Religions-Gesellschaften, an, nachdem fünf Redner für den Ge­setzentwurf gesprochen und Niemand principielle Bedenken dagegen geltend gemacht hatte.

Möglichkeit einer österreichischen Allianz! Napoleon war mit Blindheit geschla- ~nM und Graf Beust erscheint abgesehen von seiner Vaterlandslosigkeit ein in seinen eigenen Netzen gefangener Jntriguant.

Berlin, 15. April. Reichstagssitzung. Fortsetzung der zweiten Lesung

Militär-Gesetzes.^ Windthorst spricht gegen § 2, weil er das ganze Gesetz bekämpfe, und bemängelt den Kompromiß und die deßfallsigen Verhandlungen

Wir betrachten die Sache Frankreichs als die unsere und werden zll dem Erfolg seiner Waffen in den Grenzen der Möglich keit beitragen."

Wenn selbst der deutsch-französische Krieg nicht volle vier Jahre nach Koniggrätz erklärt worben wäre, wir sind überzeugt, die Deutsch-Oesterreicher hätten auch früher die Haltung ihres auswärtigen Ministers, der noch dazu dem Norddeutschen Bunde, dem KrystaUisationspuiikte für das neue Deutsche Reich, stammte, entrüstet gemißbilligt. Hätte hinter der Apostasie am Deutsch- thum eine achtunggebietende Macht gestanden, so würde der deutsche Freiherr einfach als Verräther an Deutschland gekennzeichnet sein. Bei aller persön­lichen Aufgeblasenheit dämmerte aber im Grafen Beust doch das Bewußtsein der Ohnmacht.

Der Beitrag des Grafen Beust zu dem Erfolg der französischen Waffen wird gewaltig klein durch den Zusatzin den Grenzen der Möglichkeit." Ab­gesehen von inneren Schwierigkeiten Oesterreichs werden dieGrenzen der Mög­lichkeit" durch politische Gründe von höchster Wichtigkeit bedingt. Im Hinblick auf die Haltung Rußlands konnte der österreichische Beitrag zum französischen Waffenerfolge nur in einer wohlwollenden Neutralität Oesterreich-Ungarns be­stehen, denn ein Eintritt Oesterreichs in den Feldzug würde sofort auch den Einmarsch moskowltischer Armeen in Oesterreich derbeigeführt haben. Unter guten Freunden das waren ja nach Beust'scher Auffassung zu jener Zeit Frankreich unb Oesterreich ist man sich gegenseitig Offenheit schuldig, daher das bei dem Grafen Beust sonst nicht gewöhnliche offene Zugeständniß, daß durch ein preußisch - russisches Defensiv-Bünduiß dem österreichischen Kaiserstaate die Hände zu jeder feindseligen Action gegen das unter Preußens Führung kämpfende Deutschlaiid gebnndeii waren.

Wenn nun Graf Beust Oesterreich und sich selbst nicht überschätzt hätte, dann wäre er bei der Neutralität stehen geblieben, doch die Großmannssucht ließ den österreichischen Reichskanzler nicht ruhen; er führt offenbar im Be­wußtsein , falsche Vorspiegelungen zu machen, weiter aus:Die Neutralität ist das Mittel, uns dem wahren Zweck unserer Politik anzunähern, unsere Rüstungen zu vervollständigen." Und dann, wenn wir im Stande sind, uns

Graf Beust anno 1S-7O deutigkeit und Selbstüberhebung des Grafen Beust zu Tage tritt, so wird an»

7V bererseits auch der grenzenlose Leichtsinn des französischen Cablnets gekcnnzeich-

Der von dem Kaiser von Oesterreich seiner Zeitin den Grafenstand er-jnet. Dem Wohlwollen Oesterreichs steht die preußisch-russische Dcfensiv-Allianz hobene" sächsische Freiherr von Beust, weiland vielgewandter Kanzler der bei* jgegenüber; selbst nachdem Oesterreich seine Rüstungen vollendet, wird wieder den Hälften der österreichisch-ungarischen Gesammt* Monarchie, mag eben von ^Italien als Grund für das österreichischeNon possumus vorgeschoben keinem behaglichen Gefühl befallen worden sein, als derzuverlässige" Gewährs-'und dennoch glaubte das französische Eabinet und Kaiser Napoleon an die mann im PariserTemps" die bereits mitgetheilte Beust'sche Depesche an ~ -

Fürst Mettern'ch nach Paris vom 20. Juli 1870 veröffentlichte.

Der deutsche Rock, welchen der deutsche Freiherr, nachdem er als Eon- current des Grafen Bismarck in österreichische Dienste getreten war, noch immer

Zeitweilig als MaskewAnzug trug, hat einen großen Fettfleck bekommen, der auch den hartnäckigsten Weißwaschungs-Versuchen Widerstand leisten wird. Auch die Diplomaten-Toga des österreichischen Reichskanzlers ist arg durchlöchert wor­den ; die hochpolitischen Pläne verrathen eine Schlauheit, wie sie auch Meister Neinicke in der Thierfabel prästirt, aber Graf Beust hat den zum Gelingen aller politischen Actionen unerlässigen Hauptfactor,die Macht", in Berechnung zu ziehen vergeben. Vom deutschen Freiherrn ist nur der Apostel, vom großen österreichischen Staatsmann aber derkleine Gerngroß" übrig geblieben.

Es ist dem cis- unb transleithanischen Staatsretter nicht unbekannt, daß er bie auswärtige Politik eines Reiches geleitet, zu bem zehn Millionen Deutsche als Staatsangehörige zählen; es ist seinem Verstänbniß auch nicht entgangen, daß diese zehn^Millionen Deutsche in Oesterreich den deutsch-französischen Krieg nicht für ein Duell zwischen Preußen und Frankreich hielten, sondern vielmehr in demselben den Beginn eines nationalen Kampfes erblickten, und doch konnte der deutsche Freiherr sagen:

Aus Bern, 5. April, schreibt man der WienerPresse" Folgendes, wo­für wir diesem Blatte die Verantwortung überlassen: Das Unglaubliche ist ge­schehen ; die römische Kurie, die öffentlich bie Schweiz in allen Tonarten ver­dammte, hat unter der Hand mit dem Bundesrathe Unterhandlungen ange­knüpft und sucht wieder einzulenken. Herr von Gonzenbach, ein hervorragender Bernischer Staatsmann, wurde vor einiger Zeit vom Kardinal Antonelli nach Rom eingeladen, nm den Papst über die religiösen Streitigkeiten in der Schweiz, und namentlich im Juraaufzuklären." Es mußte von vornherein klar sein, daß die Kurie durch ihre eigenen Mandatare in der Schweiz über die Ereig­nisse und ihren Kharakter hinlänglich auf dem Laufenden erhalten werde; es konnte sich also offenbar nur darum handeln, wieder Anknüpfungs-Punkte mit der Schweiz zu suchen, da man sich in Rom von der völligen Erfolglosigkeit

. , , . des bisherigen brüsken Verfahrens überzeugt hatte. Und darum handelt es

diiigung erfüllt werben, nämlich bie bewaffnete Intervention Italiens. >sicd auch in der Tbat. In ber Unterredung mit dem Bernischen Staatsmann

Niemand wird leugmn, daß beim Beginn des deutsch-französischen Krie-fgab Antonelli, wie die GenferPatrie" berichtet, zu, daß die Negierungen gks die Sympathien sowohl der italienischen Negierung, als auck ber italiem-] von Bern und Genf von ihrem Standpunkt aus ganz Recht gehabt hätten in scheu Nation mehr auf Seiten Frankreichs, als auf Seiten Deutschlands waren,ihren Maßregeln gegen den renitenten Klerus, der sich über die Staatsgesetze bie Haltung Italiens ist gewiß eine Zeit lang zweifelhaft gewesen. Es ver- habe erheben wollen; nur gab bet Kardinal nicht zu, daß Oie Berner Negie- läch aber boeb einen seltenen Grab von Hochmuth und Selbstüberschätzung, rung im Recht gewesen sei, den jurassischen Gemeinden nach Absetzung der alten daß Graf Beust für sich die Ehre beansprucht, die römische Frage zu lösen. Pfarrer neue aufzudrängen. Er steifte sich hierbei auf die Verträge von 1815, Die Lösung der römischen Frage involvirte der Zeit das Aufgeben der Sep- die der Gesandte aber entschieden als hinfällig erklärte, und ber Kardinal 1cmber Konvention Seitens Frankreichs, die Einwilligung de? Papstes, sich unter konnte ihm in ber That auf bie Frage, welche Macht sich für dieselben interessi- beu Schutz italienischer Truppen zu stellen. Wenn auch die weltgeschichtlichen ^ren ober sie auch nur noch anerkennen würde, keine angeben. Was Mermillod Ereignisse im Jahre 1870 sehr bald diese Eventualitäten zu Thatsachen gemacht^anbelangt, anerkannte ber Karbinal bis zu einem gewissen Punkte, baß bie haben, so stanb bie gebieterische Nothwendigkeit dahinter, die Machtfrage, roa^i-*1 ***"' fir' ' ' " ' ' ~ c " ""

tenb Graf Beust für seine Ansprüche Nichts in die Waagschale werfen konnte, als feinen eigenen, dock immerhin zweifelhaften Ruf als Diplomat, unb bas "ach den Schlägen von 1866 sich erholende und in einer gesunden aber schwie­ligen Reorganisation befindliche Oesterreich

Wenn auf der einen Seite durch die fragliche Depesche die ganze Zwei­

mitfolgender Erklärung zurück:Ich behalte mir und meinen' Nachfolgern das Recht vor, jeder Konferenz nach persönlichem. Ermessen beizuwohnen und Ihnen den Inhalt mitzutheilen ober zu verschweigen. Ich erkenne in dieser Beziehung keinen Richter über mir an." Bei fortgesetzter Specialberathung werden die §§ 28 theils nach der Regierungs-Vorlage, theils nack den Kommissions-Anträgen angenommen. Fortsetzung morgen.

Berlin, 15. April. DiePost" schreibt über cie Vorgeschichte des Kompromisses gegenüber anderweitigen Mittheilungen: An der Nachricht, Fürst Bismarck habe am Mittwoch ein förmliches Entlassuugsgesuch eingereicht, wel­ches den Kaiser bestimmt habe, einen Besuch bei dem Reichskanzler abzustatten, sei kein wahres Wort. Der Reichskanzler habe kein Entlassungsgesuch einge- retcht und der Kaiser sich aus vollständig freier Initiative zu dem Besuche am Donnerstag entschlossen. Bei den hierbei stattgehabten vertraulichen Bkrathun- gen über die Gesammrheit ber politischen Situation konnten bie im Namen ber national;liberalen Partei gemachten Kompromiß-Vorschläge bem Kaiser nickt vorenthalten werden. Es werde versichert, baß ber Reichskanzler bie Entschei­dung burchaus in bie Autorität des Kaisers gestellt habe, mit ber Zusage, baß er für biese Entscheibung, wie sie auch ausfallen möge, mit seiner vollen'Ver­antwortlichkeit eintreten werbe.