Köln, 15. März. Gestern erfolgte von Seiten der hiesigen Strafkasse die Arrestanlage auf das am 1. April fällige Gehalt des Herrn Erzbischofs PauluS MelcherS.
Magdeburg, 16. März. Bei der heutigen Ersatzwahl für den Reichstag wurde nach ossicieller Meldung der Professor v. Subel auö Bonn einstimmig gewählt. , u
Hamburg, 14. März. Ein Nassirn eines bedeutenden Viehhändlers tn Hmnburg ist mit 40,000 Mark flüchtig geworden. (Auch aus Leipzig ist dieser Tage ein Kajsirer mit 10,000 Thlr. durchgegangen. Die Unterschlagungen von Itassirern scheinen heute an der Tagesordnung zu sein.)
— In Hambiirg haben die Streiks wieder begonnen. Neulich haben die Bäckergesellen die Arbeit niedergelcgt, und ein Streik der Maler und Töpfer wird in beii nächsten Tagen erwartet. Größere Dimensionen wird wahrscheinlich die begonnene Arbeitseinstellung der Ewerführerknechte annehmen. Die Forderung der Streikenden geht aus eine Lohnerhöhung von 1 Vs Thlr. aus 1% Thlr- pro Tag und von l3/s auf 2 Thlr. für Sonntagsarbeilcn, gleich diel', ob eine Stunde oder den ganzen Tag gearbeitet wird. Eine große Anzahl von Kaufleuten hat sich in einer Erklärung gegen die Bewilligung der geforderten Lohnerhöhung ausgesprochen, da die Forderung durch die derzeitige Geschäftslage nicht motivirt und gegen das Interesse aller Betheiligteu sei. Nach einer in Hamburg gemachten Ausstellung verdienen die Ewerführerknechte ohne die nicht ganz unbedeutenden Trinkgelder die Woche im Durchschnitt 8 bis 8Vz Thlr.
Oesterreich.
— Der Proceß Stoffel's soll wegen Mangels an Beweisen nicht statt- finden.
Paris, 15. März. Der osficiöse „Fran^ais" ist in einen Federkrieg mit dem clericaleu „Monde" verwickelt, dem tie Regierung immer noch nicht katholisch genug ist; nicht blos jeder Franzose soll katholisch sein, sondern mehr noch, die Nation soll katholisch werden und der Staat soll die Kirche verthei- digen; es sei nicht genug, die Religion in die Sacristei zu veibannen, ihr müßten die Thüren aller Häuser offen stehen und nicht minder die Thore der Parlamente; es sei überflüssig, ein politisches Programm aufzustellen, „ein katholisches Programm" und „die katholische Fahne", das genüge!
Paris, 16. März. Daö „Pays" veröffentlicht eine Korrespondenz aus Chiselhurst, wonach zwischen der Kaiserin, dem kaiserlichen Prinzen und ccm Prinzen Napoleon ein vollständiger Bruch eingelrcten sei, da Letzterer seine persönliche Theilnahme au der Volljährigkeits-Feier des kaiserlichen Prinzen abgelehnt habe.
Paris, 16. März. Wie der „Agence Havas" aus Figueras vom ' 5. d. gemeldet wird, hat der Carlistensührer Saballs eine Abtheilung republikanischer Truppen unter Führung des Generals Nouvilao, welche auf dem Marsche zur Unterstützung deü Generals Ollot begriffen war, überfallen und dieselbe, sowie ihren Führer gefangen genommen.
Bayonne, 16. März. Seirano verfügt dem Vernehmen nach über 34,000 Mann und 90 Geschütze. Die (artistischen Streitkräfte sollen 35,000 Mann betragen. Die Stärke der carlistischen Artillerie ist unbekannt. General Loma hat 8000 Mann bei Miranda concentrirt und beabsichtigt von der Rück« leite einen Angriff auf die Carlisten.
Wien, 14. März. Daö Abgeordnetenhaus beendigte heute die zweite Lesung des consessionellen Gesetzes und nahm dasselbe, gleichwie das Emsüh rungsgesetz, nach den Ausschuß-Anträgen an. Zu Art. 60 wurde eine Resolu tion genehmigt, welche die Negierung zu veranlassen auffordert, daß die in dem vorliegenden Gesetze geregelten Angelegenheiten in den Wirkungskreis des Verwaltungö Gerichtshofes einbczogen werden. Der zu dem Einführungsgesctz beantragte Zusatz, welcher besagt, daß die rechtlichen Verhältnisse der Allkatho- liken und "ihre etwaigen Ansprüche an die katholischen Kirchen, Pfründen, Fonds und Stiftungen durch daö beschlossene Gesetz unberührt bleiben, wurde abgelehnt. Eine vom Abgeordneten Heinz beantragte Resolution, betr. die Los- trennung deS österreichischen Thetles der Breslauer Diöcese, wurde angenom men. Auf der Tagesoidnung der zunächst anberaumten Sitzung steht die dritte Lesung deö heute beschlossenen Gesetzes und die zweite Lesung deö Gesetzes, betr. die Regelung der Beiträge zum Religionssondö.
Wien, 14. März. Der Heilige Vater, der Stellvertreter Christi au Erden, schlägt nun auch die Ausruhrtrommel für die Bischöfe Cisleithanienö. Ein Päpstliches Breve fordert den dortigen Epiöcopat auf, den confessionellen Gesetzen den Gehorsam zu verweigern und den Widerstand zu organisiren. Dem Befehle deö Unfehlbaren willfahren die Bischöfe gern. Seit Donnerstag finden in Wien bei dem Cardinal Rauscher Bischossconserenzen statt. Ver sammelt sind sämmtliche Bischöfe CiSletthaniens, der Fürstbischof von Breslau und der Lemberger Griechisch katholische Erzbischof Sembratowicz. In gut unterrichteten Kreisen wird behauptet, eö sei dem Cardinal Erzbischof von Prag gelungen, eine Intervention des Heiligen Stuhles herbeizusühreu, welche geeignet ist, auf die gemäßigten, Oesterreichijch gesinnten Bischöfe einen so intensiven Druck auszuüben, daß dieselben in der That nur die Wahl zwischen ihrem Patriotismus und ihrem Bischofsstäbe haben. Als ein charakteristisches Zeichen der in dieser Confereuz vorwaltenden Tendenzen führt das „Neue Wiener Tagblatt" das Factum an, daß Erzbischof Sembratowicz die Ruthenischen Abgeordneten (worunter viele dem geistlichen Stande angehören) um sich ver sammelte, ihnen einen Verweis wegen ihrer Abstimmung für das confessionelle Gesetz ertheilte und sie in herben Worten aufforderte, fortab gegen das Gesetz zii stimmen. Die Ruthenischen Abgeordneten haben dem Bischof erwidert, daß ihre Ueberzeugnug ihnen nur die Abgabe ihrer Stimme für das Gesetz gestatte und daß sie allen Berathiingen mit ihrem bisherigen Pflichteifer beiwohnen werden.
Frankreich.
Paris, 14. März. Der „Ordre" zeigt au, daß es ihm unmöglich sei, die Hunderte von Adressen zu veröffentlichen, die jeden Tag bei ihm für den kaiserlichen Prinzen einlaufen; er verspricht jedoch, dieselben alle an ihren Bestimmllngsort zu bringen. Dasselbe Blatt nennt sich berechtigt, miltheilen zu können, daß nicht daran zu denken wäre, daß man dem Herzog v. Aumale eine außerordentliche militärische Stelle einräumen werde, obgleich die Prinzen von Orleans nicht versäumten, sich an die Fersen des Marschalls Mac Mahon anzuhesten. Ferner bringt es die Nachricht, daß seine Partei für die bevorstehenden Wahlen in der Gironde ihren eigenen Candidaten ausgestellt habe, nämlich den General Berlrand, dessen Name genüge, um seine politischen Ansichten kund zu geben.
Paris, 15. März. Daß der deutsche Militär Gesetzentwurf auf so viele Schwierigkeiten stößt und so starke Opposition findet, erregt hier givße Besriediguug. Die ultramontane Partei, hört man hier, hat von Rom Weisung erhalten, Alles aufzubieten, damit daö Gesetz nicht angenommen werde. Daö osficiöse Blatt „La Presse" freut sich, daß Bismarck durch seine Krankheit verhindert fei, für das Militärgesetz einzutreten und daß letzteres unter diesen Umständen wahrscheinlich nicht zu Stande kommen werde.
— Die Einjährig - Freiwilligen, welche über ihr Jahr hinaus dienen, um Osficier in der Territorial Armee zu werden, gehen ztir Ausbildung in das Lager von Avor.
Marschall, Marschallin Mac Mahon und die Miiiister wohnen heute dem Diner zu Ehren Victor Emanuel's an.
— Die Behörden in Bordeaux haben eine Wahlversammlung verboten, welche am letzten Donnerstag dort stattfinden sollte. Der Pariser Pascal will Alles aufbieten, um den couservativen Caudidateu durchzubriugeu
— Corcelle, der französische Botschafter beim päpstlichen Stuhle, ist ui Betreff der französisch deutschen Grenz Bisthümer bereits mit dem Datican in üffietö|e Unterredungen getreten. Da Frankreich sich im Frankfurter Vertrag verpflichtet hat, die Angelegenheit zu regeln, so bat Corcelle den Cardinal An tonelli, ihm die Ausgabe leicht zu machen.
Spanien.
Madrid, 14. März. Auf der Bahn nach Santander ist einem Militärzüge daö Unglück zugestoßen, daß er durch den Anprall einiger Wagen, die sich von einem Güterzug abgelöst hatten, entgleiste; 9 Soldaten kamen um's Leben und 24 wurden verletzt.
— Die in Madrid ansässigen Franzosen haben Sammlungen zilr Unterstützung der Verwundeten des Bürgerkrieges eröffnet.
(Engranö.
London, 14. März. Nachrichten aus Cape-Coastcastle vom 22. Fcbr. zufolge waren an diesem Tage fast alle Truppen eingeschifft, General Wolseley sollte sich am 7. März einschiffen und erwartete den neuen Gonverneiir Ber celey Die Truppen hatten auf dem Rückmärsche von Cumassi mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, da in Folge von Regengüssen alle Flüffe auge- schwollen waren.
Londoiß, 16. März. Die gestern stattgehabte Demonstration im Hude- park zu Gunsten der Amnestirung der gefangenen genier verlief ohne alle Ruhestörung.
BeruKtscdteS.
Gießen, 16. März. Von Setten der hiesigen C4a8fabrif geht uns Folgende- zu- „3m Gießener Anzeiger vom 12. d. M findet sich eine ZuiammenstcUuug der Gaspreise verschiedener Städte, deren beabsichtigte oder unbeabsichtigte Folge nur die sein kann, bei solchen vie Die Verhältnisse nicht überlegen, die Meinung zu erwecken, alö sei der Preis veS Aases tn hiesiger Staat ein besonders hoher, denn etwas anderes kann die Vergleichung Gießens tn dieser Hinsicht mit Großstädten nicht bezwecken.
Jeder, der die Verhältnisse einigermaßen kennt, weiß, daß die Möglichkeit das Gas billig zu liefern, hauptsächlich von der Größe der Stadt, resp. der Größe des Gasverbrauchs tn cer Ieiben abhängt und unter den angeführten Städten ist nicht eine, die nicht etwa 3mal so groß wie Gießen ist, die meisten sind Großstädte mit Hunderttausenden von Einwohnern ; in einigen derselben, tote Wien und Berlin, wird in einem Tage soviel Gas verbraucht, wie tn Gießen in einem ganzen Jahre und solche mit Gießen zu vergleichen ist mehr wie unbillig. — 15:8 ist klar, daß, wenn in Braunschweig oder Bremen der Cublkmeter GaS 25 Pfennige kostet, dies verhältniß' mäßig rin weit höherer Preis ist, als wenn er in Gießen 30 Pfennige kostet, da einestheilS die Kosten i ei der Production so großer Massen 1 die Verzinsung des Anlagekapitals in einer großen Stavt auf die 1000 Üubikfuß Gas wenige Kreuzer erfordert, während sie in einer kleinen Stadt wie Gießen über einen Gulcen biS einen Thaler beträgt und Gießen ist in dieser Hinsicht wegen seiner zerstreuten Bauart tn besonders ungünstigen Verhältnissen.
Fast sämmtliche Städte von der ungefähren Größe Gießens haben weit höhere Gaspreise als Der hiesige und ist nachstehend eine Reihe von nach Bevölkerungszahl und sonstigen Ver» hältnissen Gießen näher stehenden Städten mit ihren Preisen nach der lebten vfsteiellen Statistik von 1H6H aufgeführt, aus welcher Zusammenstellung ein richtigeres Urtbeil gebildet werden kann. Die meisten dieser Städte sind größer als Gießen, fast keine derselben bat so große Opfer für Die Straßenbeleuchtung zu bringen. Der Preis für 1000 engl. 6ubikfuß Gas beträgt nach der» selben in Amberg 5 fi., Ansbach 5 st. 40 fr., Baden 6 fl., Bern 5 st. 56' , fr., Bruchsal 5 ff., Chur 7 fi, Constanz 6 st., trger 6 st. 42 fr., St. Gallen 5 fl. 36 fr., Göppingen 6 st , Hall st., Homburg I" fl , Ingolstadt fl 30 fr., Kempten ä st. 30 fr., ?abr 6 st , Vai bad) 6 st., Vandshut 5 fl. 30 fr., Linz 6 fl. 50 fr., Luzern 6 fl. 46 fr., Meiningen 6 fl. 20 fr., Memmingen 5 st. 30 fr., Naumburg 5 ff. 15 fr., Offenburg 6 st., Rattbor 5 st 15 fr, Rastadt 5 fl , N eichenberg 5 fl. 5' fr., Neutlingen 5 fl. tO fr., Salzburg 6 fl. 32 fr, Solothurn 6 fk 46 fr, Schwabach 5 ff. 4M fr., Saarlouis 5 fi. 15 fr., Ztpliy 7 st., Tübingen 5 fl., Winterthur 5 st. 36 fr. und in Gießen 5 fl. — BiS vor kurzer Zett, bis die Kohlenpretse auf das 3fache gestiegen waren, betrug der PreiS hier sogar nahezu soviel wie jept in dem erwähnten Bremen mit dem 12fachen Consum und es würde niemand mehr wuntchen als fabrik selbst, daß es die Preisverbältnisie des Robmaterials u. s. to. wieder ermöglichen würden, auch wieder mit dem GaspreiS berabgeben zu können.
WaS endlich die freundliche Schlußbemerkung bezüglich der Qualität, die sich nicht nach dem Brennen einer einzelnen vielleicht vernachlässigecn Lampe, sondern durch sorgfältige Proben beurtbeilen laßt, betrifft, so weiß über diese die Direction der diesigen Gasfabrik sich mit andern zu trösten, da — troh aller Bemühungen, eine derartige öffentliche Interessen berührende Anstalt zur allgemeinen Zufriedenheit zu leiten — ein Lob in dieser Hinsicht nur selten einem Dirigenten zu Theil wird.
Tic Direktion deS Gießener Gaswerks.
Zur gtfi. Beachtung.
Portotnrife der Kaiferl. Poft mit An- flabc fämmCltd)er im Umkreis von 10 geo- graphischen Meilen nm Gießen belcgenen Poftan- stalten sind in der Erped. d. Bl. A 6 fr. pr. Stuck zu haben.
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