England.
London, 12. Mai. Die „Pall Mall Gazette" schreibt, laut heute eingetroffener Nachricht aus Petersburg sei der Großfürst Nikolaus, Neffe des Kaisers und ältester Sohn des Großfürsten Konstantin, des Oberbefehls über die beabsichtigte Oxus Expedition (welche bekanntlich rückgängig gemacht worden ist) entheben worden und habe Arrest in seinem Hause erhalten, wo die Polizei Nachsuchungen unter seinen Papieren veranstalte. (Ob die ganze Angabe sich bestätigt, wird abzuwarten sein.)
JlußfanD.
Petersburg, 14. Mai. Das „Journal de St. Petersbourg" führt aus, daß der von der „Nordd. Allg. Ztg." am 10. Mai gegen die „Times" gerichtete Artikel betreffs der Unterredung des Königs von Italien mit dem Fürsten Bismarck über die Wiedererwerbung von Savoyen und Nizza in durchaus friedlichem Sinne aufzufaffen sei.
Jrantiretct).
Pari-, 13. Mat. Die Regierung wird, wie die „Agence Havas" meldet, den Antrag stellen, daß die Nationalversammlung das Wahlgesetz zuerst berathe und diesen Antrag zur Cabinetsfrage mache. Das rechte Centrum und die gemäßigte Rechte haben einstimmig beschloffen, die Regierung zu unterstützen. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung wurde Buffet mit 360 von 387 abgegebenen Stimmen zum Präsidenten wiedergewählt. Die Linke enthielt sich der Abstimmung.
Paris, 14. Mai. Die „Jndöpendance Bretonne" versichert, Gras Chambord werde seine Reise nach Paris ganz aufgeben.
SuanifiL
Bilbao, 14. Mai. General Concha verweilte die letzte Nacht in Balmaseda. Ein Armee-Corps ist auf Leodia, eine Division gegen den Ebro vorgeschoben. In Bilbao wird eine neue Einschließung befürchtet. General Morales errichtet Verschanzungen aus dem rechten User des Nervion. Auf dem linken Ufer finden täglich Scharmützel mit den Carlisten statt.
Vermischtes.
Mieten, 7. Mat Man schreibt der E. Z. von hier: „Ein recht betrübender Unglück- fall ereignete sich bei Gelegenheit eines Umzuges von Köln nach hier. Ein Beamter, welcher sich dort hatte pensioniren lagen, wollte mit seiner Familie eine ländliche Wohnung an der Ruhr in der Nähe von Witten beziehen und hatte die Hausgeräthe in einen großen Möbelwagen verpacken lassen, der von vier Pferden gezogen wurde. Einer der Söhne, ein 1 /jähriger Jüngling, erhielt auf wiederholte- Bitten schließlich die Erlaubniß, die Reise, anstatt per Eisenbahn mit der Familie, zu Fuße mit dem Möbelwagen zu machen. In der Nähe von Langerfelo machte sich der junge Mann, ohne daß der Fuhrmann es bemerkte, bei voller Fahrt an den, Schiffchen unter dem Wagen zu thun, wahrscheinlich, um einen Gegenstand hineinzulegcn oder herauszunehmen. Bei dieser Gelegenheit muß er gestrauchelt und vom Hinterrade erfaßt worden sein. Als der Fuhrmann die Gefahr erkannte, war es zu spät; das Rad des schwer beladenen Wagen- hatte dem Unglücklichen den Kopf überfahren, so daß augenblicklich der Tod eintrat. Der junge Mann war die Freude der Eltern gewesen und hatte sich bereits als Techniker vor- gebildet
— Der Rechenschaftsbericht der Lebensversicherung-- und Ersparniß-Bank in Stuttgart pro 1871 ist erschienen. Laut demselben ist die schwere Krisis, welche über d»e Börsen herein- brach und welche auch den weiteren geschäftlichen Verkehr so wesentlich beeinträchtigte, auf diese Bank nicht nur ohne allen nachtheiligen Einfluß geblieben, sondern dieselbe hatte sich vielmehr etneS Zugangs an neuen Versicherungen in einem Maße zu erfreuen, der alle bisherigen Jahrgänge übertraf.
Auch die Rechnungs-Ergebnisse sind äußerst günstig ausgefallen.
(58 sind 3081 Anträge mit 7,817,984 eingegangen, wovon 2663 Anträge mit 6,382,078 fl. berücksichtigt werden konnten; nach Abrechnung des Abgangs durch Tod und Löschung hob sich der Versicherungsstand
von 22,276 Policen für 20,340 Personen mit 41,739,673 fl.
auf 24,249 „ „ 22,091 „ „ 46,933,346 „
Die Prämienetnnahme stieg von 1,394,386 fl auf 1,574,979 fl.
Nachdem für das Deckung-kapital (Prämienreserve) die rechnungsmäßige Zuschreibung gemacht und solche- einschließlich der Ucberträge bei den beiden Versicherungsbranchen von 5,703,500 fl. auf 6,593,601 fl. erhöht, bezw. um 890,101 fl. vermehrt ist, und für die im Jahre 1873 eingetretenen 232 Stcrbfällc 411,002 fl. 28 kr. in Rechnung gestellt sind rc., verbleibt der Lebensversicherung-branche für da- Jabr 1873 cm reiner Ueberschuß von 526,496 fl. 11 kr. = 39,80/0 der Prämie und den Alter-vcrsicherten ein solcher von 7,677 fl 9 kr.
Der sehr günstige Abschluß des vorigen Jahres, welcher 39,4<>/0 ergab, wurde sonach durch da- Jahr 1873 sogar noch übertroffen.
Der Dividendenfonds der Lebensversicherten hat dadurch pr. 31. Dcc. 1^73 die Höhe von 1,914,536 fl. 41 kr. erlangt. Die- entspricht einer Durckschnittsvividende von 37,2o/o und kommen demgemäß in dem nächsten Dividendenjahr vom 1 Juli 1874 bis 30. Juni 1875 37 Procent unter die in diesem Jahr zum Dividendenbezug berechtigten Versicherten nach Maßgabe ihrer Prämien je am Fälligkeitstermin zur Vertheilung. Vom 1. Januar bis 30. Juni d. I beträgt die Dividendenauszahlung 36° 0 der Prämie — 198,063 fl. 43 kr. und vom 1. Juli bis Ende d. I. ä 37% 151,543 fl. 49 kr., somit zusammen in diesem Jabr 349,607 fl. 32 kr.
Die Dividenden werden den Versicherten je nach deren Belieben an der nächst fällig werdenden Prämie abgerechnet, oder gegen Verzinsung gutgesckrieben. Heber die gutgebracklen Dividenden können die Versicherten zu jeder Zeit frei verfügen, und sind dieselben dadurch in der Lage sich für die spätere Lebenszeit jede (Erleichterung in der Prämienzahlung durch Ver Wendung der angeiammelten Dividenden zu verschaffen.
Die Sterblichkeit bat sich wiederum äußerst günstig gestellt, welchem Ergebniß nebst den sehr mäßigen Verwaltungskosten, 5,16 Procent der Jahre-einnahme einschließlich der Agentur pravtsionen und Organisalion-spesen, bauptsäcklich der große Ueberschuß zu verdanken ist.
ES starben 50 Personen — 18<> 0 weniger al- die Wahrscheinlichkeitsrechnung erwarten ließ, und auch die dadurch angefollene Summe blieb weit hinter der Erwartung zurück.
Die Srsparniß an Sterbfällen berechnet stch auf ca. 254,664 fl.
Die Fonds der Versicherungsbranche stiegen pr. 31. Dec. 1873 von.............7,94-^.815 fl. auf 8,998,655 fl.
Berlin. „Sin jedenfalls sebr seltenes Schauspiel", so erzäblt die Tnbüne, „em'eye am Sonntag Vormittag viele Besucher der reizenden Havelparticcn bmter Moorlakc bci Potsdam in Aufregung. Eine prächtige Gabelweibe, die (eben längere Zeit an einer bestimmen Stelle über dem Wasser geschwebt batte, schoß mit emem Male auf den Wasserspiegel herab und krallte sich in einen vom Ufer nicht sichtbaren Gegenstand — nach der AuSsage von Schiffern, in einen firmen Hecht. Vergeblich aber machte daS Thier die größten Anstrengungen, sich nut ferner ©eutc wieder in die Höbe zu heben, und augknsckemlich konnte cs auch die Fang« auS der Maste, die c- gepackt, nicht wieder herauSzicben. Der nun folgende Kampf zwischen Fisch und Vogel währte ungefähr eine Minute, während welcher Unterer sich durch verzweifeltes Flügel- li-u fT ^"lle Anqsttöne erschallen ließ, vergeblich zu retten versuchtem der Fisch'b-
Yte t schließlich Vie Oberhand rind riß seinen Gegner jählingS m die Tiefe."
9* acht Tagen leuchten allmäblig auf ben Abhängen und im
m_._ ... AUen ThaleS, in dem Meran liegt, zahllose Feuer, und ich mußte unwillkürlich an X; nü * ^aben Verglich- denken. - „Unb wenn die Erurmglock' einst erschallt,
— alS am Vorabend deS h. Pancratius um 10 Uhr x. die große Glocke der Kirche zu Meran durch die Nacht tönte, um den Wembauern mit-
zutheilen, daß im Bozener Kalender (!) starker Seif anzesagt sei Richtig blitzte eS bald darauf an allen Ecken auf und dichter Rauch lagerte sich über die Weinberge DaS Thermometer zeigt': aber ruhiß -f- 8® E-, also keine Gefahr, die Dauern aber meinten ganz richtig, .bester Vorsorge wie Nachsorge." Der durch die zahllosten Feuer erzeugte Rauch soll nämlich daS Erfrieren, oder wie der Tyroler sagt, das Verbrennen der jungen Triebe verhindern. Der Rauch schlägt sich nämlich nieder und verhindert zuerst die zu ra'che Wärmeausstrahlung der Erde. ES bleibt also dem Weinberge und somit den einzelnen Reben eine größere Summe Wärme, alS wenn der Rauch nicht da wäre. Der Rauch verhindert bann an zweiter Stelle am Morgen, wenn die Sonne kommt, das zu rasche Durchdringen der Strahlen auf die zarten Scheine; die Wärme kann sich nur nach und nach den Trieben mittheilen, der Unterschied zwischen der höheren und niederen Temperatur gleicht sich nur ganz langsam aus und Hiermit ist auch die Gefahr abge» wendet. Wenn die Reben mit ihren jungen Trieben nämlich während der Nacht in einer Temperatur von etwa 0^ bis — 1“ C standen, so schadet das an lind für sich noch nichts Nun tritt aber am Morgen die Sonne mit ziemlicher Kraft auf, der Eontrast ist zu groß, die zarten Triebe können den schroffen Uebergang von der niederen Temperatur zu der relativ ziemlich hohen nicht ertragen und — verbrennen in des Worte- strenger Bedeutung. Der Weingut» besitzer, dem ich diese Belehrung verdanke, wendete das Rauchen vor einigen Jahren zuerst an. Die Bauern lachten, der Weingutbesitzer auch, aber zuletzt, und da soll man am besten lachen. Er rettete nämlich durch seine Neuerung ein ganzes Drittel der Ernte, wogegen die Bauern kaum ein Sechstel erzielten Wir Hatten in den letzten Tagen Schnee und Hagel, da- Thermometer fiel in einem Tage von 26® auf 8® CL Bis jetzt bat die kalte Witterung noch nichtgeschadet. Der Wein steht in einer Fülle, wie seit Jahren nicht mehr, und wenn die Elemente günstig find, bekommen wir Heuer ein Weinjahr wie lange nickt.
kirchliche Anzeige
der evangelischen Gemeinde zu Gießen.
Gottesdienst.
Sonntag den 17. Mai.
Morgens: Pfarrer Landmann.
Nachmittags: Mitprediger Freiensehner.
(Von Sonntag den 17. Mai an beginnt der Morgengottesdienst wieder um 9 Uhr.)
Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 17. bis 23. Mai besorgt Pfarrer Landmann.
Auszug ans den Kirchenbüchern der Stadt Giehen. Evangelische Gemeinde.
Äot>ulirtf.
Den 9. Mai. Karl Johann Emil Heil, Bürger und Kaufmann dahier, des hiesigen Bürgers, Küfermeisters und Wirths Karl Christian Heil, ehelicher Sohn; und Elise Karolme Arnold, des verstorbenen Bürgers in Grog-Buseck und Postillons dahier, Heinrich Arnold, eheliche Tochter.
Den 10. Mai Adam Sckeyda, Geschäftsführer der Brübrichen Univ.» Druckerei dahier, des königl. BauaufseherS zu Ä tzlar, Samuel Martin Scheyda, ehelicher Sohn; und Auguste Justine Henriette (^lifab tb Dorothea Möser, des Bürgerund Schuhmachermeisters Ernst Möser eheliche Tochter.
Den 12. Mai. Philipp Friedrich Hoffmann, Oberstlieutenant in 2. Grostb. Hess. Infanterie-Regiment Nr. 116 dahier, ein Wittwer; und Marie Sophie Clara Lotz, des verstorbenen Fabrikbesitzers zu Dderfeld, Ferdinand Lotz, eheliche Tochter.
Denselben. Friedrich Heinrich Zimmermann Bürger und Uhrmacher dahier, des Grofih. ersten Unioersitälsdieners Johann Heinrich Ehnstiau Zimmermann ehel. Sohu; und Margarethe Christiane Leib, des Bürgers und Grstwirths Philipp Leib eheliche Tochter.
Den 14. Mai. Pbtl'vp Christian August Emil Friebel, Bürger^und Lohn- diener dahier, des verstorbenen Bürgers Philipp Heinnch Friebel ehelicher Sohn; und Louise Friebel, Wittwe des verstorbenen Bürgers und Lohndieners Albert Theodor Friebel, geb. Emrich.
Getaufte.
Den 9. M a t Dem Bürger und Lackirer an der Köln- Gieher - Bahn, Karl Schmoll, ein Sohn, Daniel Karl, geboren den 4 April
Den 10. M a i Dem Bürger und Metzgermeister Johannes Lang-dorf eine Tochter, Katharine Robertine, geboren den 15. April
Denselben. Dem Bürger zu Zwesten und Cigarrenfabrikanten dahier, Johann August Ackermann, ein Sohn, Otto Karl Andreas, geboren den 23 März
Denselben. Dem Bürger zu Climbach und Weichenwärter auf der Main- Weser-Bahn dahier, Heinrich Lotz, ein Sohn, Johann Friedrich, geboren den 9. April.
Beerdigte.
Den 10. Mai. Anna Katharina Pcier, des TeleqraphenausseberS dahier, Konrad Peter, eheliche Tochter, alt 10 Monat 11 Tage, gestorben den 8. Mai.
Den 11. M a i. Ludwig Philipp Jacob Herbert, Bürger und Küfermeister dahier, alt 79 Jahr 9 Monat 8 Tage, gestorben den 9 Mai.
Denselben. Karl Grieb aus Holzheim, ttreis Giehen, alt 72 I ahr, gestorben den 9. Mai
Denselben. Daniel Karl Schwall, des Bürgers und Lackirers an der Köln-Giefiener-Bahn Karl Schmall ehelicher Sohn, alt 1 Monat 6 Tage, gestorben den 10. Mai.
Denselben. Elisabeth Johanna Justine Peil, des Bürger« zu Bellnhausen und Hausknechts dahier, Konrad Peil eheliche Tochter, alt 2 Jihr weniger 7 läge, gestorben den 9. Mat.
Denselben. Karl Ohr, deS Bürgers und Schubmachermeisters Emil Ohr ehelicher Sohn, alt 1 Jahr 4 Monat 5 Tage, gestorben den 8 Mat
Den 13. Mai. Eine todtgeborne Tochter des Chemikers zu Mannheim, Dr. Wilhelm Dickore, geboren dm 12. Mai.
Den 14. M a i Katharina Schwarz, geb Freitag, Eh.ffrau des Grohberzogl. Universttättzkanzleidieners Johann Peter Schwarz, alt 58 Jahr 6 Monat 7 Tage, gestorben den 12. Mai.
Denselben Hemrick Dörr, Bürger und Schuhmachermeister dabier, alt 64 Jahr 3 Monat 4 Tage, gestorben den 11 Ma,.
322) Das Annoncen Büreau von Rudolph Mosse, vertretm durch Heidingsfelder, Wallthorstrahe 96 in Giehen, ist für die Beförderung von Jnseratm jeden Inhalt-, als Empfehlungsanzeigen, Kau'- und Berkaufgeiuche, Stellengesuche, Familimnackrichten u. f w als besonders zuverlässig zu empfehlm-
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