Ausgabe 
16.1.1874
 
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Einführung der obligatorischen Civilehe und der Civilstands - Buchführung auch in den rechtsrheinischen Provinzen vorbereitet werde, kann die weitere Note; Beigefügt werden, daß die betr. Vorlage schon in der Kürze der zweiten Kam­mer zur Berathung vorgelegt werden wird und im Wesentlichen sich an das im preußischen Abgeordnctenhause berathene Gesetz gleichen Beireffs anschließt. Die Regierung hat dem Gesetzgebungs-Ausschuß der zweiten Kammer hierauf bezügliche Mittheilungen gemacht.

Berlin, 14. Januar. Die Erzählungen, welche über die Papstwahl­bulle in derGermania" veröffentlicht wurden, erweisen sich als erlogen. An der Aechtheit des unlängst veröffentlichten Textes ist nicht mehr zu zweifeln.

Berlin, 15. Januar. Von den 383 Reichstags-Wahlen sind bisher ca. 360 Resultate officiell bekannt. Davon kommen nach annähernder Schätzung auf die national-liberale Partei 130, auf das Centrum 83, auf die Fort­schrittspartei 35, auf die deutsche Reichspartei 30, auf die Conjervativen 17, die liberale Reichspartei 8, die Polen 11, die Social-Demokraten 6, die wärt- tembergische Volkspartei 1, die Dänen 1, die Partikularsten 2. Engere Wah­len sind in 36 Wahlbezirken erforderlich.

Posen, 14. Januar. Da der Erzbischof heute in dem anberanmten Termine nicht erschienen ist, wird sofort ein zweiter anberaumt und derselbe zwangsweise geholt werden. Der Bruder des Erzbischofs, Graf Ledochowski aus Mähren, ist heute früh hier eingetroffen.

Augsburg, 15. Januar. Ein Telegramm derAugsb. Allg. Ztg," aus Rom vom gestrigen Tage meldet, daß der Cardinal Antonelli in Folge eines heftigen Gichtanfalls lebensgefährlich erkrankt sei und die Sterbesacra- mente empfangen habe. Im Vatican herrsche große Beunruhigung.

jOtlkiTcidj.

Wien, 15. Januar. DasTelegrapheu - Correspondenz - Büreau" mel­det: Gegenüber den Nachrichten von gemeinsamen Schritten der katholischen Mächte bei der Curie wegen der neuen, die Papstwahl betr. Bulle können wir bekräftigen, daß das Wiener Cabinet bereits vor längerer Zett im Vatican gegen jede Aenderung der bisher gültigen Constitution über die Papstwahl die eindringlichsten Vorstellungen gemacht und im Quirinal aus die Unerläßlichkeil der vollsten Unabhängigkeit eines eventuellen Conclaves hingewiesen hat.

Schweiz.

Bern, 14. Januar. Der Große Rath hat mit 156 gegen 5 Stim­men die von der jurassischen Negierung getroffenen militärischen Maßregeln ge­nehmigt und mit 143 gegen 7 Stimmen Vollmacht zu weiteren Maßnahmen ertheilt.

dYanRreid).

Paris, 14. Januar. In Luneville wurden drei Kaufleute verhaftet, die während des Krieges im Einverständnisse mit dem Feinde gewesen sein sollen." In Orleans soll dieses Jahr das Fest der Jungfrau mit ganz außeror­dentlichem Glanze begangen werden. In Toulouse werden großartige Vor­bereitungen für den 600jährigen Todestag des heil. Thomas von Aquino ge­macht, dessen Körper in der dortigen Basilika ruht.

Paris, 15. Januar. Es wird versichert, daß dieNumancia und die auf ihr mitentwichenen Sträflinge aus Cartagena noch heute den spanischen Behörden ausgeliefert, die anderen Flüchtlinge aber in Algerien internirc wer­den würden.

JiilfteiL

Rom, 14. Januar. DieVoce della Verita" sagt über die Publica tiou des vaticanischen Actenstückcs in derKöln. Ztg." : Das geheim geh al tene Actenstück könnten Agenten des Reichskanzlers sich wohl angeeignet haben. Der Papst werde wesentliche Acndcrungen betreffs der Papstwahl schwerlich vorgenommen haben, wenn er auch in Nebenpunklen zeitgemäße Modisicationen eingeführt hätte. Wesentlich für die legitime Papstwahl wäre nichts weiter, als die Zwei-Dritlel-Mehrheit der Cardinalsstimmen.

Spanien

Madrid, 14. Januar. General Dominguez ist mit seinem Stabe hente in Cartagena eingerückt. Ein Thett der Belagerungs-Truppen ist bereits gegen die Carlisten nach den Provinzen Valencia und Arragonien abmarschirt.

Oran, 13. Januar. Die Mannschaft der FregatteNumancia" und die Flüchtlinge haben sich in Mers el Kebir ausgeschifft nird den französischen Behörden ergeben. Unter ihnen befinden sich Contreras, Salvez, die Junta von Cartagena und andere hervorragende Persönlichkeiten.

Oran, 14. Januar. Die Insurgenten-FregatteNumancia" ist'den französischen Behörden übergeben worden und führt jetzt die französische Flagge. Eine spanische Fregatte, gefolgt von einer französischen, ist im hiesigen Hafen angekommen.

Cartagena, 14. Januar. Die Uebergabe der Stadt erfolgte ohne Blutvergießen. Die spanische Flottille hat den Jnsnrgenten-DampferDarro" mit vielen Flüchtlingen genommen.

Vermischtes.

Ein Methodist in Nord-Carolina ist zu zwei Wochen Gefängniß verurteilt worden, weil er beim Singen den Taet nicht cinhaltcn kann. Aus der Klage geht hervor, daß der unmusikalische Methodist eine souveräne Verachtung gegen Die Orgelbegleitung an den Tag legt; er besteht nämlich darauf, die Humnen nach einer von ihm selbst componirten Melodie zu singen, jo daß, wenn die übrige Gemeinde bereits am Ende eines Verses angelangt ist, seine Stimme allein noch gehört wird. Dadurch kani cs oft zu den stürmischsten ©eenen während deS Gottesdienstes und die Gemeinde trug deßhalb auf Bestrafung des Störenfrieds und Er­lassung eines Einhaltsbefehls (Injunetion) an, wodurch dem frommen Manne verboten werde, am Sonntag in der Kirche zu fingen. In seiner Vertheldigungsrede führte der Verklagte an, daß er c8 als seine religiöse Pflicht betrachte, die vorschriftsmäßigen Hvmnen unverkürzt zu singen, und wenn seine Stimme nicht besonders melodiös sei, so sei Lies die Schuld des Schöpfers und nicht seine eigene. Der Richter war jedoch anderer Ansicht und erkannte, wir oben erwähnt, dem frommen Manne eine vierzehntägige Gefängnißstrafe zu und bewilligte den Einhaltsbefehl.

EinProfessor" in Maine (Der. Staaten) bat ein großes Gemälde:Durchgang der Israeliten durch daö Rothe Meer," ausgestellt, zu dessen Empfehlung er die Notiz beigefügt hat, daß die Bildnisse der einzelnen Juden birret nach der Natur photographirt worden seien.

Rom. Die Seene spielt hier im versammelten Provinzialrathe. Ein Mitglied des RatheS erhebt sich und interpellirt den Vorstand über die Ausräucherung des BahnhofeS und

der Post. Er spricht über alle möglichen Dinge, und dann ruft er plötzlich aus:Ich bin um so eher berechtigt, mich gegen die Aufrechterhaltung dieser schädlichen Maßregel zu erheben, da sie ohne Verstand angewendet wird. Während beispielsweise die Briefe aus Neapel an zwei oder drei Stellen durchlöchert werden, bleiben die aus derselben Stadt einlangenden telegraphi­schen Depeschen intact." (Lärm, Unterbrechung, Heiterkeit.)Lachen Sie nicht, meine Herren," erwiderte der Redner, mit Heftigkeit auf seine Rocktasche klopfend,ich habe hier den Beweis, daß das, was ich anstrebe, richtig ist, und ich vermag meine Unterbrecher augenblicklich davon zu überzeugen ..."

Wenn man zerstreut ist.) Von einer durch die Zerstreutheit eines Ministers neulich hervorgerufenen heiteren Seene an einer Hoftafel wird Folgendes erzählt: An der Tafel saß einer der Minister, der Familienvater ist, zwischen zweien seiner Eollegen, welche sich dem Joch der Ehe niemals gebeugt haben, ohne darum der schöneren Hälfte des Menschengeschlechts Feindschaft ge-ckworen zu haben. Beim Desiert ergriff der verheirathete Minister eine der zier­lichen Papierdüten, um sie für seine Kinder zu füllen. Dienstfertig steuerten seine beiden Nach­barn dazu bei.Vergeffen Sie ja die Kinder nicht mein lieber Minister!" rief der Fürst über die Tafel herüber,wie viele haben Sie?" Bevor der Gefragte antworten konnte, sagte sein Nachbar, der die Frage gehört und in einer augenblicklichen Zerstreuung glaubte, sie eite den Bonbons:Es sind nur fünf, Majestät, zwei sind von mir und drei von meinem Collegen von den Finanzen!" Diese schnelle und erschöpfende Auskunft erregte natürlich zunächst großes Erstaunen und dann lebhafte Heiterkeit.

Rheidt (im Siegkreise), 8. Januar. Dem durch die Judenbegräbniß Geschichte bekannten Vicar Hadeler hier ist am 31. Deeember 1873 durch das Bürgermeister-Amt schriftlich milge- theilt worden, daß ihm gemäß Verfügung der königl. Regierung der Religions-Unterricht in der Schule untersagt sei Darüber entstand große Aufregung in dem Lager der Ultramontanen. Man versammelte sich am Sonntag Abend zahlreich im Wirthsloeale der Ultramontanen, und der miterschienene Viear sprach seinen wärmsten Dank der versammelten Menge aus. Endlich gehen 1U14 Uhr Abends wurde das Haus des Pfarrers Hillebrand, weil er Ruhe und Frieden und keine politischen Demonstrationen in seiner Gemeinde haben will, mit zahlreichen Ziegel­steinen begrüßt, auch mit Steinen durch das Fenster seines Schlafzimmers geworfen, die Scheiben zertrümmernd. Ist das nun katholisch? Ist das Religion? Darauf folgte vorgestern am Dreikönigsfeste wieder große Versammlung und die Vieare von Bergheim und Hersel traten mit dem Viear Hadeler als Redner auf und wurden mit einem stürmischen Lebehoch begrüßt. Welch großen Eifer doch die Vieare auf dem Lande für die schrecklich verfolgte Kirche bekunden? Opfert dafür, ihr armen Landbewohner, reichliche Gaben den Viearen, welche so oft und so viel klagen, daß sie mit ihrem Dicarie-Einkommen nicht zeit- und standesgemäß leben können.

Hagen, 5. Januar. Herr Friedrich Harkort veröffentlicht in der Hag. Ztg. eine Bru­talitätsstatistik für den Monat Deeember und knüpft daran folgende Bemerkung:Fast aus­nahmsweise fallen die groben Verbrechen auf die untern Elassen, ein Zeugniß, daß der Staat die Volksbildung vernachlässigt. Mit dem steigenden Verdienst wächst die Zügellosigkeit und Brutalität als Folge der Volleren Junge Leute bilden die Mehrzahl der Urbelthäter. Die Polizei ist zu schwach, schlecht organisirt, ohne gehörige Vollmacht. Daö Strafgesetzbuch zu milde in Betreff der Körperverletzungen durch Messer und Waffen, Ucbeifall und tödtliche Folgen. Trunkenheit verdient, laut dem jüngsten französischen Gesetz, Strafe und darf kein Entichuldigungs- grund sein. Die Controle über die Führung der Arbeiter dem Lohnherrn gegenüber fehlt, der Contraetbruch über Nacht ist die Tagesordnung. Im Jnteresie der Arbeiter und Ordnung setze man der Ueberzahl der mehrtägigen Feste und dem blauen Montag Schranken. Für die Jugend von 14 bis 18 Jahren sind obligatorische Fortbildungsschulen dringendes Vedürfniß. Diebstähle führten wir nicht an, allein auffallend ist die Menge der Beraubungen von Mitarbeitern, Schlaf­genossen und Wirthen; der Dieb verschwindet anderwärts in der Masse ohne Controle! Wir schließen die Aufzeichnungen mit diesem Quartal, da hinlängliche Belege dafür geliefert sind, daß etwas faul im Staate, und vertrauen, daß die Presie und Volksvertretung auf geeignete Abhülfe dringen werden!"

Bei der jetzigen oft rauhen und ungesunden Witterung wo Erkältungen an der Tagesordnung sind, machen wir vornehmlich sorgsame Mütter darauf aufmerksam, wie leicht bei Kindern aus einem anfänglich unbedeutenden Hüsteln der qualvolle Keuchhusten oder die gefährliche Bräune entstehen kann und wie wichtig es ist, gegen diese und ähnliche Erkältungs­leiden oder zur Vorbeugung derselben, stetes ein gutes Mittel bei der Hand zu haben. Wir glauben deßhalb auf ein Präparat Hinweisen zu müssen, dessen außerordentliche Nützlichkeit als Schutz- und Hausmittel sich auf das Eklatanteste herausgchellt hat. Es ist dies der in der W. H. Zicken hei mersch en Fabrik in Mainz bereitete rheinische Traube n br usthonig - ein aus Weintrauben-Eztract, feinstem Rohrzucker und Krär.-rerdceoet zusammengesetzter, höchst angenehm schmeckender Saft. Auch von medieinischer Seite wird der genannte Traubcn- brustbonig immer mehr anerkannt und verordnet und von namhaften Autoritäten als ein ganz vorzügliches, jeder Familie unentbehrliches Hausmittel empfohlen. Am besten dürfte für den hohen Werth desselben die große Anzahl Atteste von glaubwürdigen Personen aller Stände gel­ten, sowie daß die größten und vornehmsten Apotheken und Handlungen denselben führen. Man beachte dieserhalb die Annonce in diesem Blatte.

(E i n g e s a n d t.)

Therese Hennes, die kleine 12jährige Pianistin, welche vor 3 Jahren schon in Frankfurt, Darmstadt, Cöln k. mit so vielem Beifalle conccrtirt hat. und jetzt vor Kurzem auch in Leipzig und Weimar mit gleichem Erfolge ausgetreten ist, wird Donnerstag den 22. d. M. im Saale desCafv Leib" als ertgeberin hier auf treten, lieber die Leistungen des kleinen

Mädchens haben sich die casten Zeitungen Deutschlands in so anerkennender Weise ausgesprochen, daß wir uns verpflichtet halten, das 'musikalische Publikum und namentlich die ganze klavier­spielende Jugend auf den bevorstehenden Musikabend aufmerksam zu machen.

Zur gcfl. Beachtung.

Portotarife der Kaiser!. Post mit An­gabe sämmtlicher im Umkreis von 10 geo­graphischen Meilen um Gießen belegenen Postan- stalten sind in der Erped. d. Bl. ä 6 fr. pr. Stück zn haben.

FrischbüLkr s u Gießen.

Sonntag den 18. Januar. Ernst Wallenfels in der Wallthorstraße, Friedrich Zülch Wittwe auf dem Seltersweg und Heinrich Rinklage in der Reustadt.

Börse nberichte.

D. Frankfurt a. M., 15 Januar. Die Börse eröffnete in recht fester Haltung und schien für Sreditaetien wieder die Position von vorgestern behaupten zu wollen. Allein die matten Berliner Eourse, welche im Laufe des Geschäfts einliefen, hoben die günstige Wirkung rer anfänglichen Deckungskäufe wieder auf und es trat sueeessive eine Abschwächung der Tendenz ein. Die Llguidation wickelte sich ohne Schwierigkeiten ab. Geld war flüsiig und stellten sich Prolonaationszinien auf circa 4 4 o 0. Für Credikaetien zeigte sich Stückcmangel. Staatsbahn bedingen einen kleinen Report. Nach Meldungen von Berlin ist die dortige Börse vorzugsweise durch' die zum Tbeil starken Rückgänge am preußischen Bahnenmarkte verstimmt. Eredltaetien bewegten sich zwischen 25051 und I914- Staatöbahnaetien waren ziemlich matt und gingen von 34'3-2 bis 348. Lombarden schloffen 169. In österr. Bahnen ging wenig um. Alföld und Siebenbürger matter, Elisabeth höher. Prioritäten anziehend. Banken blieben unbelebt. SDcfterr. Nationalbank 4 fl. höher. Anlagefonds fest. Neue 6 " gjgc Ungarische Schatzanweisungen wurden lebhaft zu 87* 4 gebandelt, Neueste Russen zu 92' im Verkehr. Von Looseffecten Ungarloofc, IrGUeT und lö64cr höher. Ereoitloose und Bayerische Loose nachgebend. Von Wechseln Wien angeboten.

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212) Zum Nackl 1872 zu Darmltii bti Bürgers uiib Ü Sari Jordan, isi deren Enkä, F boitii am 25. Jc LmMliosührei's s (Ntn, Erb Derselbe iit nach und sein btrmali !mt Aus Mr< da'ytr Kachln gefordert,

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