Theologen vergeben. Die Verwaltungs-Commission in Friedberg führt gegen diese Beeinträchtigung der Berechtigten Beschwerde und beantragt der von dem Abg. Stüber erstattete Ausschußbericht, der Verwaltungs-Commission in Friedberg wieder die statutarische Mitwirkung bei der Verleihung der Stipendien zu gestatten, unter den Bewerbern den Angehörigen der früheren Burg mit Annexen und der Stadt Friedberg den Vorzug einzuräumen, die Stipendiaten dieser Stiftung nicht mit Verpflichtungen zu belasten, welche in der Stiftung nicht begründet seien. Schaub erörtert mit wenigen Worten die Verhältnisie und fragt, ob die Stipendiaten auch auf anderen Universitäten ihr Stipendium verwenden dürften, worauf der Referent erwiderte, es sei kein darauf gerichteter Antrag gestellt und daher diese Frage nicht in Betracht gezogen worden. Der Ausschußantrag, der Beschwerde Folge zu geben, wird darauf einstimmig angenommen. Da der Ansichußbericht über daö Berggesetz noch nicht vollständig gedruckt ist, wird die Sitzung wegen Mangels an Material geschloffen. Nächste Sitzung morgen, den 14. d. Mts. Zweite Lesung der Kirchengesetze.
(N. Frkftr. Pr.)
Berlin, 12 October. Die Untersuchung in der Arnim'jcheu Affaire ist nach Allem, was verlautet, möglichst rasch gefördert worden; der Gründlichkeit des Verfahrens wird man natürlich keinen Abbruch thun, und im Uebri- gen entspricht Beschleunigung sicherlich den allgemeinen Wünschen. Schiefe und gehässige Darstellungen, wie sie sich sogar in die sonst besonnenere „Daily News" verirrt haben, werden um so weniger Boden gewinnen, je rascher der Proceß sich entwickelt.
Berlin, 13. October. Der „Voss. Ztg." geht von augenscheinlich dem Grasen Arnim befreundeter Seite eine ausführliche Darstellung des folgenden Inhalts zu: Graf Arnim und Fürst Bismarck seien, so behauptet der Bries- schrelber, noch im Mai 1872 die intimsten Freunde gewesen. Arnim hatte als Adlatus des Reichskanzlers nach Berlin kommen sollen. Privatbriese und Jm- mediatberichte Arnim's ans Rom hatten einen Bruch mit Rom angeralhen. Das Project der Ernennung des Cardinals Hohenlohe zum Botschafter in Rom ging von Arnim auö. Erst im September 1872 seien Symptome veränderter Verhältnisse hervorgetreten. Arnim, von Paris kommeend, sei von Bismarck nicht empfangen worden. Bestritten wird, daß Arnim eine legitinnstijche oder orleaiiistische Restauration in Paris begünstigt habe. Im October 1872 habe Arnim in einem Privatbriefe an Bismarck ausgesprochen, daß Thiers mit Gambetta in Verbinduiig zu stehen scheine und daß die republikanische Propaganda sich allerorts bemerkbar mache. Gleichzeitig habe er aus die republika nischc Propaganda in Spanien ausmerksam gemacht, dabei ausdrücklich hervor- gehoben, daß Deutschland eine nichtmonarchische Negierungsform in Frankreich zu begünstigen habe. Auch entspreche eS seinen Interessen, wenn in Frankreich ein öfterer Wechsel der regierenden Antorität stattfinde, so lange noch eine deutschem Besatzung im Lande sei. Arnim wollte, daß die Zahlung der französischen Contribution nicht beschleunigt, sondern verlangsamt würde, und daß die deutsche Truppen biS auf einige Grenz-Festungen Frankreich zwar räumen, sich aber das Recht reserviren sollten, bet säumigen Zahlungen Frankreich bis zum Meere wieder zu besetzen. Aetlßernngen über Thiers' Hang zum Soldatenspiel kommen in diesen Berichten vor, welche die von Freunden Arnim's jedenfalls herrührende Darstellung als Privatbriefe charakterisirt. Es wird in der Darstellung weiter behauptet, daß Mittheilungen Arnim's, nach denen halb Europa republikanisch werden könne, an maßgebender Stelle eingereicht worden. Dies habe den in Larzin weilenden Chef Arnim's verstimmt und nun sei zwischen dem Chef und dem Botschafter jede Fühlung verloren gegangen. Arnim habe nichts ferner gelegen, als Bismarck's Stellung z« erschüttern, mit dem er in Details verschiedener Meinung war, in den großen politischen Zielen aber übereinstimmte. Durch Zwischenträgerei sei die Mißstimmung genährt worden. Ein Schreiben sprach endlich das Bedauern über die tief gehende Meinnngs Verschiedenheit aus. Armm antworte, er bitte, solche Gedanken fallen zu lassen. Seine Aeußernngen dem Minister gegenüber seien zu unterscheiden von seinem Verhalten nach Außen ans Grund der Instruction. Von jetzt ab hatte Arnim zahlreiche Verletzungen zn erfahren gehabt. Im Januar 1874 sei ihm bei seiner Anwesenheit in Berlin anläßlich des Begräbnisses seiner Tochter vom Staatssecretär Bülow vorgeschlagen worden, den neu zu creirenden Botschafter Posten in Konstantinopel zn übernehmen. Arnim ging darauf ein, hätte aber, nach Paris zurückgekehrt, um seinen dortigen Hausstand aufzulösen, ein in rücksichtsloser Form gehaltenes Schreiben von Berlin vorgefunden, das ihm das Anerbieten des Postens m Konstantinopel als nicht ernst erscheinen ließ Diese Correspondenzcn habe Arnim als Privat-Correspondenzen angesehen und an Bismarck herauszugeben, daher verweigert; nicht aber habe er sich geweigert, sie dem Gericht zn übergeben, vielmehr habe er erklärt, daß er sie binnen Kurzem im Jntereffe seiner Verthcidigung vorlegen werde, wenn er auch sein Anrecht an dieselben festhalte und auf dem Civilwege verfechten wolle.
Berlin, 12. Öctober. Das Weltpost-Porto ist erreicht. Die Abgesandten aller Kulturstaaten, mit Ausnahme von Frankreich, haben aus dem Weltpost Congrcß in Bern einen internationalen Postvertrag abgeschloffen, welcher die Vortheile der neuesten Entwickelung des Postwesens im deutschen Reiche — die Portogleichheit — auf den großen Weltverkehr auödehnt. Während im Angedenken älterer Zeitgenoffen noch die Erinnerimg lebt, daß ein Brief innerhalb der Grenzen des preußischen Staates je nach der Länge der Strecken neun, sechs und drei Groschen gekostet hat, und während es noch nicht zehn Jahre her ist, daß das Porto für den einfachen Brief drei Groschen gekostet hat, wird nunmehr das Weltpost-Porto von zwei Groschen cingefübrt, so daß em Bries, welcher in Deutschland mit zwei Groschenmarken beklebt wird, in ganz England, in Amerika und in allen anderen Wcltthcilen ohne Nachzah lnng und ohne Berechnung frei befördert wird. Wir haben nm so mehr Ver- anlaffimg, dieses wichtige Ereiginß nut Genugthnung hervorzuheben, da der General-Post-Director des deutschen Reiches, Herr Stephan, die Anregung zum Zusammentritt des Weltpost - Congreffes gegeben hat, und seiner Thätiz- feit besonders dieses für die ganze Menschbeit segensreiche Ereigniß zn verdanken ist. Die Erlangung des gleichen Weltpost-Portos hat lange Zeit und nele Mühe gekostet, und doch ist daffelbe so zeitgemäß, daß dasselbe wenige Wochen nach seiner Einführung Jedermann als eine ganz natürliche Erscheinung Vorkommen wird, und daß eine Erhöhung und Wicderabschaffnng deffelben als eine unerträgliche Barbarei angesehen werden würde.
(Kisenacb, 18. Octobcr. In der Nachmittagssitzung des Vereins für Socialpolitik wurden der Kallc'schc Antrag über die Arbeiter - PensionS -Kaffen mit 28 gegen 11 Stimmen abgelehnt und die bezüglichen Anträge Franz Duncker's angenommen. Die Versammlung beschloß ferner, das preußische Handels-Ministerium, welches durch den Geh. Regierungsrath Lohmann ver
treten war, um Veröffentlichung des Resultats der Arbeiter - EnquSte zu er« suchen. Hierauf wurde die Sitzung geschloffen.
Schwerin, 12. Oktober. Der Deutsche Kaiser trifft am 21. Oktober, Abends, in Ludwigslust ein, nimmt an den Jagden vorn 22. und 23. Oktober daselbst Theil und reist am 24. Oktober, Morgens, nach Berlin zurück.
München, 10 Oktober Bezüglich der Königin-Mutter wird in unterrichteten Kreisen behauptet, daß die Generalbeichte, welche der kranke Prinz Otto dem Papst einsandte und wofür, der päpstliche Segen als Anerkennung gespendet wurde, zur letzten Entscheidung der dadurch hocherfreuten Mutter beigetragen habe. Das schwanken und Kämpfen zwischen dem strengen Luther- thum und dem Uebertritt hat schon über zwei Jahre gedauert, und eben so lange find auch schon Besprechungen mit Geistlichen beider Confessionen auf der Tagesordnung gewesen, lieber die Aufnahme, welche die Benachrichtigung von dem Entschluß bei dem König gesunden hat, ist gar kein Zweisel möglich, und auch die ultramontanen Blätter gehen nm diesen Punkt mit Schlangenwinduu gen herum. In Berlin wird übrigens die Thatsache des UebertrittS nicht überrascht haben, da man in der königlichen Familie seit lange von dem bezeichneten inneren Kampfe unterrichtet war; doch mag immerhin das wirkliche Eintreten der Eventualität auch dort wie hier nur als eine Möglichkeit gegolten haben. Die Reise des Bischofs Haneberg nach Hohenschwangali bestätigt, was man hierüber immer hörte, daß er in jenem Kampfe um die königliche Seele der Widerpart des protestantischen Ober Consistorialraths v. Burger war, der sich von einem dieser geistlichen Ringkämpfe im Frühjahr einen Cholera-Anfall znzog. Dies mir zur Bekräftigung der Thatsache, daß sich jetzt ein lange spie- lender Proceß abschließt.
München, 13. Oktober. Oas Ober-Appellgericht vernichtete in Heu tiger öffentlicher Sitzung das Erkenntniß des Appellgerichts in Nürnberg, welches die social-demokratische Partei in Nürnberg von der Anklage der Verletzung des Vereinsgesetzes sreigesprochen hatte.
Stuttgart, 13. October. Der „Schw. Merkur" erfährt aus Straßburg: Herr v. Pommer-Esche, bisher in der Abteilung des Reichskanzler- Amtes für Elsaß-Lotbringen, sei zum Nachfolger des Herrn v. Arnim-Boitzen- burg als Bezirks-Präsident für Metz bestimmt. Herr v. Reitzenstein. bisher im Metzer Bezirks-Präsidium thätig, solle Nachfolger des Herrn v. Pommer- Esche werden.
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Paris, 12. October. Im heutigen Ministerrath wurde die Orönoque- Frage endgültig gelöst; das Schiff soll morgen Civita-Vecchia vcrlaffen. Ein französisches Kriegsschiff wird in einem französischen Hafen znr Verfügung des Papstes gehalten werden, um auf des Letztem Wunsch gleich nach Civita- Vecchia abzugehen.
— Mac Mahon hat heute um 1 Uhr einen schwedischen Abgesandten empfangen.
Paris, 13. Oktober. Die Großfürstin Marie wohnte am Sonntag der Vorstellung zum Besten der Elsaß-Lotbringer bei. Der Großfürst Konstan ti» schickte für diesen wohlthätigen Zweck 10,000 Frcs.
Spanien.
Madrid, 13. Oktober. Oberst Trajillo schlug am 11. Oktober bei Tortuno den Carlisten-Führer Lozano und erbeutete acht Mnnitionswagen mit Bespannung. Die geschlagenen Carlisten sind dieselben, welche kürzlich vielfach Eisenbabnen zerstörten.
St. Jean de Lu;, 12. Oktober. Die Carlisten haben Jrun anzu greifen begonnen, indem sie sich am Morgen der Häuser an der Brücke von Behoble (wo eine französische Grenzwache ist), bemächtigten. Der Angriff auf die Brücke ward von den Migueletes zurückgeschlagen. Letztere kamen am Nachmittage von Jrun und vertrieben die Carlisten mit dem Bayonnet. Durch die carlistischen Kugeln wurde ein französischer Grenzwächter getödtet und ein junger Mann verwundet. Die Behörde hat den Republikanern den Transport von Munition gestattet. Die Carlisten scheinen Kanonen zu landen. Die Vororte von Jrun und Behobie stehen in Flammen.
Lokal-Notiz.
Gießen, 14 October Bei der heute stattgehabten Wahl von zwei Stadtocr- orbneten wurden die Herren Carl Wenzel mit 95 Stimmen und Wilhelm Keller mit 93 Stimmen gewählt.
Selcflinjifjifdjc Dcpcfdjcn.
Köln, 13. Oct. Die „Kölnische Zeitung" ist ermächtigt, die Angabe deS Wiener „Vaterland" betreffs der Bekehrung der Lady William Ruffell und des Sohnes derselben, Lord Odo Ruffell, zur katholischen Kirche als völlig unbegrüiidet zn erklären.
Nom, 13. Oct. Bet der Ueberreichung der Ädreffe des Volks-Frauen- Vereins sagte der P.tbst: die Katholiken könnten kein Mandat für ein Parlament annehmen, welches in Rom tage und in welchem die Befolgung von der Kirche nicht anerkannter Gesetze beschworen werden müffe.
(Livita-Bccchia, 13. Oct. Der Knegs-Dampfer „Orsnogue* ist beute Vormittag 11 Uhr westwärts abgesegelt.
Paris, 13. Oct. Das „Bulletin Francis" schreibt: Mehrere Journale scheinen der jüngsten spanischen Note eine übertriebene Bedeutung beizulegen. Die ineisten der in der Note erwähnten Vorgänge waren schon früher Gegenstand der Erörterungen zwischen beiden Regierungen. Der Herzog v. Decazes hat bereits in seiner Note vom 6. August mit völliger Evidenz nachgewiesen, daß die französische Regierung alle völkerrechtlich gebotenen Maß- regeln zur Überwachung der Pvrenäen-Grenze getroffen bat.
Vermischtes.
Gießen, 14. Oct. Wir entnehmen der „Bert. Bank- u. Handels-Zeitung" Folgendes: In der Sitzung der -weiten Kammer des hessischen Landtages zu Darmstadt am 6. October dieses Jahres kam die Interpellation deS Herrn von Rabenau bezüglich Fortsetzung der Ober« hessischen Vabn von Fulda nach Meiningen zur eingehenden Diseussion Was ist da wieder Staub aufgewirbelt worden und wie schädigt man durch diese Debatten, die ftcb schließlich, wenn man den Gegenstand genau untersucht, um des Icaisers Bart drehen, die Interesien des eigenen Landes — Schreiber dieses, der die Verhältnisse der Eisenbahnen und ganz speeiell deren Betriebsergebnisse genauer verfolgt, möchte die Verhältnisse der Oberhessischen Bahnen feit deren Bctriebseröffnung etwaS näher beleuchten und es wird sich dann zeigen, daß eia Zeitpunkt, daß die Bahn die Betriebseinnahmen nickt aufbringen könne, nach menschlichem Ermessen nickt eintressen wird. Im Jahre 1871 überstiegen nach dem Jahresberichte deS Ber- waltungsrathes die Einnahmen die AuSgaben um 8959 fl., im Jahre 1872 um 7652 fl., in


