Ausgabe 
15.7.1874
 
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Oichtmr AnMger.

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Expedition: Eonzleiberg, L,t. B. Nr. 1.

Mnzeige- und Amtsblatt für den Kreis Liessen.

lft1, Mittwoch den 15. Juli 1894.

politischer Theis.

mann Zimmer

rlich.

Wal-Belena

irlich.

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mit den anderen deutschen Ültramontanen vereinigt gegen das Reich ankämpsen

n.

-Hilf'

lang 30 kr.

ion der Kui

---------- dem Dentschen Reich gegenüber, weit entschiedener auftreten, als die UltTamoiv icnmifiif TtilijlM tauen der anderen deutschen Länder. Ihre Sprache ist eine weit drastischere;

Indem wir für heute darauf verzichten, aus dieser offenkundigen Thal- fache die von langer Hand und nicht erst aus der neuesten Zelt datirenden Feindschaft der Ultramontanen gegen Preußen, den norddeutschen Bund und das Deutsche Reich einen Schluß auf die Nichtigkeit der im Obigen erwähnten Behauptung der Centrumspartei zu ziehen, kann es für uns sich nur darum handeln, festzustellen, weshalb die dem Ultramontanismus eingeborene Feind­schaft gegen ein mächtiges, seiner Ausgabe in der Gegenwart sich bewußtes Deutschland unter Preußens Führung bei den bayerischen Ultramontanen so viel früher, als bei den Ullramoiltaneu des übrigen Deutschlands zum öffent-

bayerischen Ültramontanen im Lichte einer theilweisen Abdication, indem diejeni­gen Gegenstände, welche der Reichsgesetzgebung überwiesen worden, damit für

immer ihrer, der ultramontanen Herrschaft, verloren gehen mußten. Deshalb ihr erbitterter Kampf selbst gegen die Erfüllung des in den Schutz- und Trutz- Bündnissen verpfändeten Wortes; deshalb ihr Kampf gegen den Eintrit Bayerns in die Rechtsgemeinschaft des Reiches ; deshalb auch heute noch ihr in rücksichts­losester Weise sich aussprechender Unwille über die Verwirklichung des Deutschen Reiches, durch welches, wie sie empfinden, Niemand so viel an Macht und Einfluß oder doch an nicht ungegründeter Hoffnung aus Macht und Einfluß verloren hat, wie sie, die bayerischen Ültramontanen, welche, in Bayern säst im Besitz der Kammermehrheit, im Reichstage fich zu einer unmächtigen Min­derheit verdammt sehen, worüber die Vereinigung mit der hochachtbaren Ge­nossenschaft aus dem übrigen Deutschland nicht zu trösten vermag.

Und völlig hiermit im Einklänge steht die jetzt beobachtete TaktikWäh­rend im übrigen Deutschland, von radikalen Elementen abgesehen, dem Mo­narchen das Recht, seine Minister frei zu wählen, nicht nur formell, sondern auch mat riell anerkannt wird, und mit dieser Anerkennung zugleich Verzicht auf deu Gedanken geleistet ist, als dürfe eine deutsche Kammer die materielle Entscheidung über die Wahl der Minister dadurch an sich reißen, daß sie einem mißliebigen Minister das Budget oder wesentliche sachlich begründete Theile desselben verweigere und diesen, gewissermaßen im Interesse für seine Verwal­tung, damit dieselbe der nöthigeu Mittel nicht entbehre, zur Demission zwinge, im Gegensätze zu der in Deutschland allmälig zur Herrschaft gelangten rich­tigen Anschauung suchen die bayerischen Patrioten sich gerade die unpolitischsten Budgetposten des Cultusmiuisteriums aus und behandeln gerade diese Dinge, welche in Gemäßheit ihrer Natur die sachlichste Behandlung erheischen, vom Parteistandpunkre, muß mau in diesem auffallenden Vorgehen nickt den Versuch erblicken, einen Präcedeuzfall zu schaffen, auf den man sich in Zukunft zurückbeziehen will, um zu zeigen, die Mehrheit der bayerischen Kammer habe das Recht, an ihre Budgelbewilligungen die Bedingung eines Ministerwechsels zu knüpfen?

Auf dem Gebiete, welches der Reichsgesetzgebung nicht unterworfen ist, glaubt die ultramontane Partei in Bayern noch einmal herrschen zu können; realffiren kann sie diese Hoffnung aber nicht, so lange für Bayern kn demselben Maße, wie für die übrigen deutschen Länder der Grundsatz gilt, daß das Ver­trauen der Krone die Minister beruft; deshalb nimmt die Patriotenpartei jetzt einen Anians, vermöge des Budgetrcchtes bestimmend auf die Besetzung der Minister-Portefeuilles einruwirken. Der Parlamentarismus im Dienste des Ultramontanismus! es ist das neuerdings so oft aufgeführte Stück, welches nun auch in München in Scene gehen sollte! In Bayern kann dieser Versuch

Wal-Belena. nmer.

W al-Belena m m e r.

Die Anstrengungen der bayerischen Partrioten- Partci,

um den Minister des Kultus, Herrn v. Lutz, aus seinem Amte zu entfernen, das gegenwärtige Ministerium in Bayern überhaupt zu stürzen und an seiner Stelle, wenn möglich, die Einsetzung eines ültramontanen Muusteriums zu er- ziklen, sind während des Verlaufes der angestrebten Krisis, die bekanntlich schließlich zu einer Art von Fractionskrisis geworden, in ihren Einzelnheiten genügend besprochen, und namentlich ist innerhalb der Presse der zum Reiche

nachdem man die Ueberzeugung gewonnen habe, daß Preußen und das Deutsche Kp*M Reich eineu der römisch-katholischen Kirche feindlichen Standpunkt einnehmen. - Uld 8*1T Bayern und die bayerischen Ültramontanen kann diese Behauptung jedoch , unmöglich ernsthaft gemeiiit sein. Denn die bayerischen Ültramontanen sehen

|a|| , unmöglich ernsthaft gemeiiit sein. Denn die bayerischen Ultramontanen sehen

s0 jlllb dir bereits vor Ausbruch des deutsch - französischen Krieges in derselben feind- U1M /'Mi] Nen Stellung gegen Preußen und den norddeutschen Bund, wie wir sie jetzt

|ie lieben ein naturwüchsiges, ja ungehobeltes Auftreten; reden nicht selten in k., Abenbö 6 Ul so rücksichtsloser, die berechtigten Gefühle anderer Parteien verletzender Weise, Well im WM daß die Ultramontanen NorddeutschlaiidS ab- und an sich genöthigt, sehen, das ttckrlichkii MiMNorgkheu ihrer bayerischen Gesinnungsgenossen zu desavouiren; mau empfängt häufig teil Eindruck, daß Dasjenige, was die Ultramontanen deö übrigen Deutschlauts höchstens entfernt ahnen lassen oder lieber ganz mit Stillschweigen übergehen, von den bayerischen Ültramontanen ohne Scheu ausgesprochen wird; juub man geräth auf die Vermuthuug, in den letzteren eine Art vonenfants ---- lerriblcs vor sich zu haben, welche die letzten geheim zu haltenden Ziele aus tlYttlnl ^cr schwatzen. Für diese Serie von Eigenthümlichkeiten der bayerischen ^UVllIl II llltramontaneu ließen sich mit Leichtigkeit sehr zahlreiche, die verschiedensten Dinge betreffende tatsächliche Beläge vorsühren; allein man würde mit der Führung dieses tatsächlichen Beweises Zeit und Raum nur verschwenden, da 'Ml! ,llflU überzeugt fein darf, daß jene Wahrnehmungen, die wir kurz zusammengc- . ßcllt haben, zu deu verschiedensten Zeiten unter dem unmittelbaren Eindrücke Hl bdktl U# bestimm;er tatsächlicher Verhältnisse allseitig gemacht sind und als zutreffend, rrni für H# uahere Beweisführung, allseitig anerkannt werden. Auch wird man zu

« ? J geben, daß jene Eigenthümlichkeiten der bayerischen Ültramontanen nur zum ge- llllstige Wgsteu und unbedeutendsten Theile auf den süddeutschen Volkscharakter sich zu- chs Wstlbt kt tücksühren lassen. Mag derselbe immerhin, was die Beobachtung der Formen

1 Kalstk bl Grifft, unbefangener sich geben als in Norddeutschland, diese Seite des süd- I blk v . deutschen Volkscharakters ist doch für sich durchaus ungeeignet, solche scharf lttlö bahkk M hervortretende Eigenthümlichkeiten zu erklären, von denen hier die Rede ist. Auch flöftfrnilÜ »"'st hervorgehobcn werden, daß wir in Bezug auf diese Eigenthümlichkeiten sfllttl U I durchaus nicht das Verhalten von Volksmassen, oder den unteren Ständen an-

iriligCnbfO gehörender Individuen, sondern das Verhalten gebildeter Männer, namentlich

so Ul l# auch von Landtagsabgeordneten und der Presse im Auge haben.

.1 M Bevor wir jedoch auf den wirklichen Grund dieser Eigenthümlichkeiten der |[ unsrer n lay^jschkn Ultramontanen eingehen, müssen wir einen anderen Umstand berüh- M Ien / welcher mit jenem erklärenden Grunde im unmittelbaren Zusammenhänge ' Illi ^ht. Jidermann weiß, daß die ultramontane Partei behauptet, die Sammlung

)kll ' der ültramontanen Schaareu zu einer selbstständigen Partei sei eist erfolgt,

als vollkommen gescheitert betrachtet werden. Daß außerdem die dortige Regie-

Die bayerischen Ultramontanen verweigerten ihrem König den erforder- rung Das durchaus richtig erkanut hat, was im Hintergründe des Kampfes lilhen Credit, um in Gemäßheit der Schutz- und Trutzbüildnisse seine Armee lag, und weit davon entfernt ist, ein der Krone zustehendes Recht an eine Kam- gegen den auswärtigen Feind an die Seite des übrigen Deutschlands zu stellen; mermehrheit zu opfern, dafür bürgt die entschiedene Erklärung des Herrn die damals in der bayerischen Abgeordnetenkammer gehaltenen Reden derselben|v. Lutz, daß er auf dem Platze, aus welchem er stehe, so lange bleiben werde, Männer, die jetzt Herrn v. Lutz stürzen wollten, hallten wttder von Haß und wie ihn Der, der ihn dorthin gestellt, an diesem Platze belasse. Zu hoffen ist ^kindschaft gegen Preußen; wäre es nach ihrem Willen gegangen, so wäre die!nur, daß auch an anderen Orten die liberalen Parteien über das Wesen der bayerische Aimee zu Hause geblieben, und wären ihre Wünsche erfüllt, aus plötzlichen Schwärmerei der Ultramontanen für parlamentarische Herrschaft sich deren Verlautbarung damals gar kein Hehl gemacht wurde, so hätten die ebenso wenig täuschen lassen, wie dies in Bayern der Fall gewesen. All' das

Waffen Frankreichs über Deutschland den Sieg davon getragen. Durch die Liebäugeln mit freiheitlichen Ideen, Grundrechten und Parlamentsgewalt hat

Theilnahme Bayerns am Kriege in der Form etwas gemildert, nahmen die dock keinen anderen Zweck, als die Erwerbung einer Macktstellung, die her-

jlM bayerischen Ultramontanen in der Sache doch dieselbe Haltung ein, als es wäh- nach, statt in den Dienst der Freiheit gestellt zu werdeu, eine Etappe bilden

i'flotf* - nnd des Krieges um die Annahme der Versailler Verfassungs-Verträge, um den soll, um den in der Kirche gegründeten Absolutismus auf das weltliche Gebiet

Eintritt Bayerns in das Deutsche Reich sich handelte. auszudehnen.

Heuten Parteien aller Schattirungen die mannhafte Haltung des so heftig ~ , v

angegriffenen Herrn Kultusministers ihrem vollen Werthe nach gewürdigt wor-t^."^drnche gekommen ist und weshalb bei den bayerischen Ültramontanen den. Das allgemeine Interesse jedoch, welches den Verhandlungen der baveri- ^tc'c ^^il'djchaft so viel drastischer und rücksichtsloser, als bei den übrigen scheu Abgeordnetenkammer in jüngster Zeit sich zugewandt hat, scheint es zu . lramontaiien sich äußert? Die Antwort auf diese beiden Fragen ist einfach fordern, daß der Charakter der bayerilchen Ultramontanen, die sich bekanntlich folgende. >Lie uliramontane Partei ist in Bayern viel stärker, als in irgend dm Namen derbayerischen Patrioten" beilegen, und die in den jüngsten an^ern klitschen Staate; stände Bayern für sich isolirt, und so selbst- Taaen geübte Taktik einer etwas mehr eingehenden Betrachtung unterzo- jouveran, wie etwa Belgien, und hätte Bayern zugleich eine Verfassung, gen werde. lv,e Belgien, nach welcher die Kammermehrheit das Land regiert, so würde es

Was zuvörderst die bayerischen Ultramontanen im Vergleich mit den ^tn bayerischen Ultramcntanen vielleicht nicht schwer fallen, die Herrschaft über Ultramontanen der anderen deutschen Länder, namentlich denen Norddeutsch--^^ ln Bayern in ähnlicher Weise an sich zu bringen, wie solches ihren Ge- lands betrifft, so wird selbst dem nur oberflächlich Beobachtenden die Wahr-i!^"^^ü^gkiiofien m Belgien gelungen ist. Deshalb erschien der Eintritt Bayerns iikhuiung nicht entgangen sein, daß die bayerischen Ultramontaiieu, namentlich!^ eine verfaUungsmäßige Gemeinschaft mit dem übrigen Deutschland für die 1 < r.-» « " < . - < . r. .... ... nfihPTlfmMl 1 11 tl'/l tll nn fa tlPii t»»i Vi ritte einer tftoifvneifon r n t» rv».