ob sie sich zur griechisch katholischen ober protestantischen Kirche bekennen wollen; doch muffen sie in letzterem Falle auf gewisie Rechte verzichten.
München, 12. August. Die vom Erzbischof direct an den König ab- gesandte Protestschrift gegen die vom altkatholischen Bischof Reinkens vorgenommene Firmung ist nach der „Allg. Ztg." an daS Cultus-Ministerium im Auftrage des Königs abgegeben worden.
Bamberg, 10. August. Vom Appellgericht wurde der katholische Pfarrer Hauer von Mainach wegen Vergehens wider die Religion zu 3tägigcr Gefängnißstrafe verurtheilt. Der Verurtheilte hatte in politischem Eifer in der Kirche mehrere erwachsene Personen mit derben Ohrfeigen tractirt.
Frankreich.
Pari-, 11. August. Der Ministerrath, der heute im Elysse stattfinden sollte, ist auf Donnerstag vertagt.
— Laut „Libertö" wird Orönoque, welcher ein altes Schiff sei, zur Ausbefferung nach Toulon kommen. Auf diese Weise werde die Or6noque- Frage von selbst gelöst sein. Die „Preffe" sagt: Der Zwischenfall des Ors- noque ist beendet. Möge man diese Angelegenheit in Schweigen hüllen. Wenn einmal das Schweigen erlangt, so wird eines Tages der Ötönoque in aller Stille nach Frankreich zurückkommen und man würde eine Verlegenheit weniger Habern
— Dem „Avenir de Bayonne" ist der Straßenverkauf entzogen worden, weil er den Präfekten Nadaillac beschuldigt hatte, die Carlisten zu begünstigen. Das officielle Blatt meldet die Flucht Bazaine's in folgender Fassung: „In der Nacht vom 9. auf den 10 d. entsprang der Ex-Marschall Bazaine aus dem Gefängniß auf der Insel Margueritte. Die Regierung hat eine Untersuchung angeordnet. Die, welche die Flucht vermittelten oder begünstigten, werden den Gesetzen gemäß bestraft werden. Die Regierung ist entschloffen solche Handlungen nicht unbestraft zu lasten."
Die Regierung erhielt die Nachricht von Bazaine's Flucht gestern Nachmittag um halb 3 Uhr, als Mac Mahon in der Ausstellung war. Der Ministerrath wurde sofort zusammenberufen. Die Minister waren sehr erregt und beschlosten, nut äußerster Strenge zu verfahren. Der Gefängniß-Director Jaillart wurde sofort zur Untersuchung nach Ste. Margueritte abgesandt. Zugleich erhielten dortige Behörden Instructionen. Außerdem erhielt die „Rs- publique Frauyaise" folgende Note: „Mehrere Blätter melden, die Untersuchung gegen die bonapartisttschen Coinitvs sei beendet, die Acten befände,! sich in den Händen der Regierung und der Mimsterrath habe darüber berathen. Diese Mittheilungen sind vollständig falsch. Die Untersuchung dauert fort. Das Werk der Gerechtigkeit geht seinen regelmäßigen Verlauf."
Die Minister sind so aufgebracht, weil sie die Flucht Bazaine's mit bonapartistischcn Jntnguen in Verbindung bringen. Sicher ist, daß in bona- partistisch militärischen Streifen schon seit einigen Tagen bekannt war, Bazaine werde verschwinden. Mehrere Generale, darunter Colzon, ehemaliger Director des Kriegs-Ministeriums, und Castelnau, weiland Adjutant Napoleon's Hl. (bekannt wegen seiner Mission in Mexico), sollen von Bazaine's Absicht schon am letzten Freitag gewußt haben.
Ueber die Einzelheiten der Flucht ist noch nicht viel bekannt. Die Marschallin hatte eine Milderung der Gefangenschaft fortwährend umsonst verlangt. Sie und Oberst Villetle durften allein den Gefangenen besuchen. Am Sonntag sollte die Marschallin die Insel verlaffen und Billette war allein bei dem Marschall geblieben. Um 12 Uhr ging Bazaine in fein Schlafzimmer. DaS Wetter war abscheulich. Man glaubt, daß er an einer Strickleiter von seiner Terrasie sich herabließ, wo ihn das Boot, deffen seine Fran sich gewöhnlich bediente, erwartete und aufnahm Wahrscheinlich hat er dann eines der Dampf' boote bestiegen, welche den Dienst zwischen Nizza und Genna versehen und ihn zwischen Ventimiglia und Genua gelandet.
Sdjiueij.
Bern, 12. August. Die Walliser Negierung hat endlich auf bundes- räthliche Weisung die in Wallis bisher noch ausgeübte geistliche Gerichtsbarkeit in Ehe-Fragen ausgehoben.
(Engfanö.
London, 10. August. In Southsea kam cs gestern zu ernstlichen Nuhestörnngen in Folge eines Streites zwischen der „Pier Company" (Hafen- damm-Geselljchast) und dem Stadtrathe. Erstere behauptete, ans dem chr von der Stadt geschenkten Grundstücke am Strande Bauten vornehmen und eine öffentliche Passage versperren zu dürfen, und errichtete trotz stadträthlichem Ein spräche eine Barriöre auf dem Grundstücke. Der Pöbel riß diese nieder; die Polizei mußte einschreiten, konnte aber nur unter den größten Anstrengungen die Ruhe wieder Herstellen. Etwa acht Polizisten trugen schwere und alle übrigen kleinere Verletzungen davon. Die Ruhestörungen wiederholten sich, bis schließlich Militär requirirt und die Ausruhracte verlesen werden mußte.
OtiifieiL
Nom, 9. Ailgust. Der König empfing gestern Morgen die birmanische Gesandtschaft. Diese macht sich morgen über Brindisi auf den Heimweg und der König kehrt nach Baldieri zurück.
— Der Papst sprach gestern gegen einige Prälaten die Absicht aus, noch mehrere Cardinäle zu ernennen.
— lieber den Zeitpunkt des nächsten Consistoriums weiß man noch nichts Gcwiffes; man glaubt aber, daß eS im September stattfinden wird.
— Der Cardinalvicar Patrizi ist seit einigen Tagen ernstlich krank.
Nom, 10. August. Das „Popolo Romano" schreibt: Eine mächtige Partei im Vatikan besteht darauf, daß der Papst den 1. Januar 1875 als den Anfang eines Jubeljahres verkündigen soll. Diese Idee wird namentlich durch den französischen Clerus vertreten, und der Papst ist nicht abgeneigt, ihrem Rache zu folgen; aber eine andere, nicht weniger mächtige Partei, an Seren Spitze der Cardinal Antonelli (lebt, arbeitet mit allen Kräften dagegen, weil mit der Feier eines Jubeljahres die Fiction von der Gefangenschaft des Papstes nicht gut verträglich ist. Da die Ankündigung der Jubeljahre in der "Regel den 15. August, Mariä Himmelfahrt, stattfindet, so streiten sich beide Parteien heftig um die Siegespalme, und wir sind gespannt, welcher sie zufallen wird.
— Der Zustand der öffentlichen Sicherheit in Sicilien wird immer kläg. licher, so daß einige Zeitungen demselben durch außerordentliche Maßregeln aufzuhelfen Vorschlägen. Die Sicilianer, sagt die „Italic", verlangen vor allen Dingen und mit allem Rechte Sicherheit ihrer Person und ihres Eigenthums. Jedes Mittel, das dieses ihr gerechtes Verlangen befriedigt und nickt gegen die Grundsätze der Vernunft und Menschlichkeit verstößt, wird ihnen recht sein und von ihnen angenommen werden. Tie Einschüchterung, in welcher sie leben, verhindert sie vielleicht, der Regierung die Wünsche, welcke sie im Herzen tragen, offen anszusprechen, indem sie sich der Hoffnung hingeben, daß die Regierung sie errathen und die Initiative zu ihrer Erfüllung ergreifen wird.
Spanien*
Madrid, 12. August. General Moriones hat gestern mit dem ersten Corps den Carlisten die wichtigen Positionen nebst dem Dorfe von Oteiza weggenommen, wo sich Mendicii mit 18 Bataillonen, außerdem Kavallerie und Artillerie, verschanzt hatte.________________________________________
Lokal-Notiz.
Gießen, 13. August. Wir erhalten soeben folgende Zuschrift: tiinhegent) übersende ich verehrlicher Redaction »cs Gießener Anzeiger- einen Aufruf mit der Bitte um gütige Beihilfe. Sie werden darin daS Nähere sehen, Als Oberbesse wende ich mich an Sie und unsere Landsleute, im festen Vertrauen auf die so oft bewiesene Mtldthätigkett, namentlich der Bewohner Gießens. Nehmen Sie gütigst den Aufruf auf und verbreiten Sie ihn so weit Sie nur können.
Nehmen Sie im Voraus meinen herzlichsten Dank. Beste Grüße
Saarburg i. L., 10. August 1874. Dr. ö. Hansult,
Gymnasiallehrer.
Aufruf.
(Genehmigt von dem Herrn Kretsdirector von Frey berg.)
(Sin Nothstand der grauenhaftesten Art legt uns die Pflicht auf, jetzt die Hülfe weiterer Kreise anzurufen.
Vergangenen Marz ist in der Oberförster« «lberschweiler, deutsch Lothringen, mitten in den Vogesen, einer der bravsten und tüchtigsten Waldarbeiter, der 26jähnge Elsässer Raimond Dirion, mitten heraus aus seiner frischen vollen Thatigkeit genssen und auf ein einsames, furchtbares Siech- und Todtcnbett geworfen. Als der Unglückliche einen schwerbeladenen Holzschlitten über eine stark ab chüssige Stelle der Schlittenbahn führen wollte, glitt er aus: der Schlitten fuhr über ibn weg, zerquetschte ihm beide Beine, zerbrach bas Rückgrat und blieb auf ihm stehen, bis nach Verlauf einer halben Stunde Hülfe kam, der Schlitten entfernt und der arme Mensch in seine Hütte getragen werden konnte. Bei vollem Bewußtsein liegt er seit 5 Monaten dort, in der obern Körperhälfte ganz gesund, in der untern vollständig eine Leiche, deren zunehmende Verwesung die umgebenden Räume perpestet. Langsam fault ihm das Fleisch ab und fällt in Stücken auf das Lager.
Nach ärztlichem Urthetl ist eine Amputation erfolglos und ein Transport in ein'Hospital unmöglich Er ist rettungslos verloren und weiß es. Weit ab von anderen Wohnungen, in dem tiefen Waldthale liegt er einsam da, sah die letzten Ersparnisse längst schwinden und erblickt die bittere Noth der Seinen, die nur sein baldiger Tod verringern kann. Er möchte so gern sterben und er kann nicht sterben. „Nie", so schreibt ein Besucher in den letzten Tagen, „werden sich die Eindrücke verwischen taffen, welche ich aus dieser armen Vogesenhütte mitgenommen habe. Denken Sie sich nur diesen Anblick Im Krankenzimmer stehen zwei dürftige Betten, in dem einen liegt der angefaulte, noch geistig frische Mann, und vor demselben kniet die fast aufgeriebene junge Frau, und während in dem andern Bett zwei kleine Kinder schreien, welche vom 69 Jahre alten Schwiegervater beruhigt werden, gebt die Tobe Schwiegermutter un Zimmer auf und ab und fragt den Arzt laut: „„stirbt er denn noch nicht? ach, wenn et doch ein Stück Vieh wäre, dann könnte man ihn doch tobt schlagen ""
Noch einige Monate also kann dieser fürchterliche Zustand andauern. Die Eingeborenen bringen keine Hülfe, weil der Verunglückte meist im Dienste der Deutschen Forstverwaltung beschäftigt war und desbalb als Prussien verabscheut wird; von der Forstvertvaltting kann mefcti geschehen, weil bas Unglück im Privatdienste stattgefunden hat. Es ist eine Ehrenpflicht für die Deutschen, hier einzugreifen. Helfen Sie doch Alle, Alle, denen dieser Aufruf in die Hände kommt, dem Unglücklichen in seinen bangen Stunden und bringen Sie durch Ihre Gaben Trost und Beruhigung in diese entsetzliche Einsamkeit.
(Sig.) Eickhoff, Oberförster. — Francke, Director.
Müller, Oberförster. — Ott, Kreis-Assessor.
Zu Liebesgaben in Empfang zu nehmen ist gerne bereit
Die Exped. d (dießencr Anzeigers.
— — Am Samstag den 15. und Sonntag den 16. August c. finden im Wenzel icken Garten 2 Vorstellungen in der höheren Salon-Magie statt. Herr Stetnbausen und Frau, Hofkünstler aus Berlin, sind, soviel uns bekannt, keine gewöhnlichen Künstler in ihrem Fache, weSbalb wir den Besuch obiger Vorstellung allen Freunden genußreicher Unterhaltung empfehlen. — Die „Köln. Ztg." schreibt: „Wir haben wiederholt Gelegenheit genommen, den Vorstellungen des Herrn und der Frau Steinhaufen aus dem Gebiete der Zauberwelt beizu- wohnen, und können denjenigen unserer geehrten Leser, die sich außerhalb des HauseS eine an« genehme Abendunterhaltung verschaffen wollen, nur ratben, unserem Beispiele zu folgen. Eine eingehendere Besprechung des reichhaltig wechselnden Programms würde nns zu weit führen; wir begnügen uns, die Ungezwungenheit und Präcision hervorzuheben, womit beide Künstler uns aus einer erheiternden Ueberraftbung in die andere zu führen wissen."
SefcQrnpljifffjc Depeschen.
Paris, 12. Wie die „Agence Havas" meldet, ist die Regienmg ent« chlvffen, England nachzuahmen und die spanische Regierung anzuerkcnnen. In Folge deffen solle, wie versichert werde, der Marquis Veja de Armijo, Ver- tretet Spaniens in Paris, von der ipanischcn Regierung sofort seine Beglaubigungsschreiben erbeten haben. — Man glaubt nicht, daß Bazaine sich deö Seiles zur Ausführung feiner Entweichung bedient babe, nimmt vielmehr an, daß daffelbe angebracht worden sei, um von der wahren Spur abzulenken und die wirklichen Mittel und Wege zur Flucht zu verdecken.
Madrid, 12. Aug. Der „Jmparcial" versickert, daß Frankreich, Deutschland und England die Regierung des Marschalls Serrano anerkannt haben.
(t>enua, 12. Aug. Nach cimm vielfach verbreiteten Gerückt wäre Bazaine hier heimlich gelandet und sofort weiter gereist. Das Ziel seiner Reise ist unbekannt.
Newyork, 12. Aug. Hier eingegangenen Nachrichten zufolge hätten sich die Neger der Stadt Austin bemächtigt, wurden indeß von 400 Weißen wieder daraus vertrieben. Man fürchtet, daß die Neger ibnii Angriff erneuern werden. Die Bürger von Memphis sind zu den Waffen gerufen worden. General Cholmers, der auf den Schauplatz der Unruhen abzugeben im Begriffe war, bat Verstärkungen von Munition nackgesucht.
Mainz, 12. August. Seine Königliche Hoheit der Großherzog sind Iieute Vormittag, nach dreiwöchentlichem Aufenthalt in Friedberg, zu längerem Verweilen dabier eingetroffen.
Berlin, 13. Aug. Fürst Bismarck ist Nachts 12 Udr 25 Min. hier eingetroffcn
Braunschweig, 13. Aug. Den „Braunschweiger Nachrichten" zufolge ist in sonst gut unterrichteten Kreisen von einer Verlobung des Herzogs Nicht- bekannt.
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