Stelle einzunehmen in der Reihe der Nationen. So sehen wir sckon im Älterthum bei den bedeutendsten Völkern, wie namentlich den Griechen und Römern der Pflege der Korperkraft und Gewandtheit die größte Aufmerksamkeit widmen, und wenn die regelmäßig wieberkehrenden Nationalfeste „der Griechen Stämme froh vereint", dann sind es Kamvfipiele im Ringen und Springen, im Wettlaufen und Wettfahren rc., die vorzugsweise sie beschäftigen, und Ehre dem Jüngling, der alS Sieger mit dem Kranz geschmückt in die Heimath zurückkehrt-, ja Ehre der Stadt, die einen solchen Sieger in ihrer Mitte besitzt! Wollen wir in unserer Zeit, die wesentlich andere Ziele zu verfolgen hat, einer einseitigen Ausbildung der Körperkräfte auch nickt daS Wort reden, so dürfen wir immerhin ihre Wickligkeit und Bedeutung auch für uns keineswegs unterschätzen, und wohl uns, daß unser deutsches Volk zu seinem eignen Heil und Besten in der Pflege der Turnerei nickt zurückgeblieben ist! Die Turnvereine, wie sie jetzt allerwärts besteben, haben zwar keine politiscke Aufgabe zu lösen oder deren Lösung berbeizufübren, sie haben aber unsere Jugend erziehen zu helfen zur Gesundheit, Kraft, Gcwant he t, Äusoauer und zur Dis-- ciplin, Dinge, die zu jeder Zeit, insbesondere aber zur Zeit cer Gefahr, wie wir sie erlebt haben und vielleicht noch erleben werden, von unberechenbarem Nutzen sind. Doch kommen wir auf unser Fest zurück!
Den Mittelrheinkreis, welcher am 25., 26. und 27. sein neuntes Turnfest hier feiern wird, bilden, wie bereit- früher mitgetheilt worden ist, die Turnvereine von Hessen, Frankfurt, Kurhesien, Rbeinpreußen, Lothringen. 1000 bis 1200 Vertreter dieser Vereine werden in jenen Tagen hier zusammen sein, und unberechenbar ist die Zahl derer, die von nah und fern berbei- strömen werden, um als Zuschauer und Gäste am Feste tbeilzunehmen. Ist ja dock die Gelegen heit hierher zu kommen so günstig, seitdem sechs Eisenbahnen von allen Seiten ber hier zusam- menführen, und manche derselben haben so bedeutende Vortheilc bewilligt, daß dadurch der Fremdenverkehr nock sehr gesteigert werden dürfte, zumal da durch die verschiedensten Zeitungen in allen Gegenden bekannt geworden ist, nicht nur, daß Gießen ein Fest feiert, sondern auck, welche Zurüstungen gemacht werden, welche Mühe man sich flieht und welche Opfer man bringt, um dasielbe zu einem glänzenden und großartigen zu gestalten. Die auf dem Festplatze im Bau begriffene Festhalle verspricht in räumlicker wie in architektonischer Hinsicht auch dm höchsten Anforderungen zu genügen, und durch Wirthschaftseinrichtungen sowohl in als außer der Fest- Halle ist gesorgt, daß auch der größten Zahl von Gästen und den Bedürfnissen jeder Art von Festbesuchern Rechnung getragen werden kann.
Samstag den 25. d. M. werden die fremden Gäste hier einziehen und am Nachmittag einen Turntag abhalten, wobei Angelegenheiten rein turnerischer Natur ihre Erledigung finden sollen. Am Abend erstes Banket in der Festhalle. Zwei Musikchöre, unsere hiesige Negiments- musik und die des 88. Regiments in Mainz, sind für die Dauer des Festes engagirt und werden durch ihre anerkannt tüchtigen Leistungen nickt wenig zur Verschönerung deffelben beitragen.' Der erste Festabend verspricht aber um so belebter zu werden, da an diesem Abend auck alle diejenigen freien Eintritt zur Festhalle haben, welche Turner ins Quartier nehmen. Am Sonntag und Montag Nachmittag bewegen sich große Festzüge durch die Stadt auf den Festplatz und folgen denselben Preis- und Schauturnen, wobei es sich zeigen wird, ob die Turner Gießens noch heute den Ruhm bewahren, welchen sie bei verschiedenen andern derartigen Festen glänzend erworben haben.
Das demnächst zur Veröffentlichung kommende Festprogramm wird über die AusfÜhrmig de s Ganzen noch ausführlichere Mittheilungen bringen. Wollen wir nun hoffen und wünschen, daß das Fest durch einmüthiges Zusammenwirken aller Einwohner und Stände, durch einen freundschaftlichen Verkehr der Festgeber und ihrer Gäste einen durch keinerlei unangenehme Vor- kommniffe getrübten Verlauf nehme, so daß , man nur mit Freude^und Befriedigung darauf möge zurückblicken können!
Telegraphische Depeschen.
Madrid, 12. Juli. Der Minister des Auswärtigen, Carvojal, hat die Vertreter Spaniens im Auslande angewiesen, die Behauptung Dorregaray's, Zabala habe ein rücksichtsloses Vorgehen gegen die Carlisten anbefohlen, zu dementircn. Moriones ist in Tasalla, Zabala in Logrono.
Nürnberg, 12. Juli Der Banquier Dessauer aus Aschaffenburg ist von dem Schwurgericht sreigesprocheu wordeu. Der Staatsanwalt hat sich die Berufung gegen das Erkenntniß vorbehalten, jedoch Freilassung gegen Caution beantragt. Die Caution ist hinterlegt worden.
PariA, 12. Juli. Heute Morgen haben 3000 Carlisten mit 7 Kanonen das Feuer gegeu Puycerda eröffnet. Prinzessin Marguerite ist wieder in Pau. Ein englisches Schiff hat in Biscaya 25 Krupp'sche Kanonen ans Land gesetzt. Die Blätter veröffentlichen eine Denkschrift Dorregaray's, welche die von den repulikanischen Truppen verübten Grausamkeiten aufzählt und erklärt, da man so Krieg führe, so werde auch er Krieg ohne Gnade führen; neulich habe er von den gefangenen Republikanern den zehnten Mann erschießen lassen; künftig werde er alle ohne Ausnahme erschießen lassen, bis die Republikaner selbst sich wieder benähmen, wie es civilisirten Nationen würdig sei.
Karlsruhe, 13 Juli Kaiser Wilhelm ist heute früh mittelst Dampfboot von der Insel Mainau nach Lindau abgereist. Derselbe wird bis dahin von dem Großhcrzog und der Großherzogin von Baden begleitet.
Brüssel, 12. Juli. Eine Depesche des „Etoile beige" aus Vilvorde von heute zufolge sieben die Carabiniers, welche zur Unterdrückung der Men rerei dorthin gesandt wurden, noch immer in der Nähe des Militärgefängnisses. Die Meuterei ist indeffen beendet. Es sind nur wenige Verwundungen ror- gckommen.
München, 13. Juli. Abgeordnetenkammer Cultusminister Lutz be antwortet die Krauffold'sche Interpellation dahin: Die Staatsregierung begt nicht die Absicht, die Genehmigung der von der General-Synode gestellten Bitte wegen der Unabhängigkeit des Ober Consistoriums vom Ministerium beim Könige zu beantragen. Die Berufring einer außerordentlichen General - Svnode kann nicht in Aussicht gestellt werden, da die Frage noch nicht reif ist. Der Wahl-Modus zur General-Synode wird übrigens aus's Eifrigste erwogen werden. Es folgt die Ostbahn-Debatte.
Paris, 12. Juli. Ein Artikel des „Universel" bespricht die Stellung der äußersten Rechten zur Regieruug und führt aus : die äußerste Rechte siebe Marschall Mac Mabon keineswegs seinselig gegenüber, bestreite die Dauer der dem Marschall auf 7 Jahre übertragenen Gewalten nicht, gebe indeffen nicht zu, daß ihre Ergebenheit gegen Mac Mahou als ein Abfall von der Monarchie betracht werde. Sie werde in die Berathung der constitutionellen Gesetze Eintreten ohne den Geist grundsätzlicher Opposition, nur denkend, daß sie der Sache der Ordnung ergeben sei und man auf Mac Mahon rechnen könne, wo die Ordnung und die bürgerliche Gesellschaft zu vertheidigen sei.
Lissabon, 12. Juli. Bei den Neuwahlen zur Deputirtenkammer sind, soweit die Resultatate vorliegen, 37 Anhänger des Ministeriums und 4 Oppositionelle gewählt worden. Die Republikaner und Legitimisten baben keinen ihrer Candidaten durchgebracht. Liffabon und Oporto haben ausschließlich Mi- uillerielle gewählt.
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Börsenberichte.
Frankfurt a. M., 11. Juli. (Vom 4. big 10. Juli.) Wie ein rother Faden zcg sich auch diese Woche durch den Börsenverkehr der qünstiqe Einfluß der Hoffnungen auf die ju erwartende brillante Ernte in beinahe allen europäischen Staaken, namentlick aber in Oesterreich. Ungarn. Die Börse erholte sich daher rasch von der durck die speciellen Verbältniffe der Nord weftbahn bcmrqcrufenen Deroute in der Vorwoche und verkehrte seit Samstag, mit Ausnahme einiger nicht bedeutender Abschwächungen, fast anhaltend in animirter Stimmung, in welcker fit wesentlich von der festen Hilltung Wiens unterstützt wurde, das sogar an erwähntem Tage eint stürmische Hausse inscenirte. Die besonders am Dienstag Mittag hervortretende kleine Äeaction in den Coursen, nahm, wie schon öfter, ihren Ausgangspunkt in Berlin, das sick zwar anfanil der steigenden Tendenz angeschloffen hatte, abet bald nieder, aus bekannten Ursachen, in seinen Pessimismus zurückgefallen war. Die Eontremine, deren Stern stark im Verblüffen ist, glaubte in den Versailler Vorgängen eine paffendes Motiv zu finden, um eine Verflauung der Tendern bewirken zu können. Da sich jedoch die politische Krisis in Frankreich nickt zu einer acuter, gestaltete, welcke allein von der Börse zu fürchten wäre und der Pariser Platz selbst eine feste Haltung bewahrte, so fand die hiesige Speculation schon im Mittwochabendverkehr ihre Zuversicht wieder und kam die kurz unterbrochene Haussebewegung seitdem von Neuem zum Durckhni-h. Auch Berlin zeigte heute ein freundlicheres Gesicht und trugen die von hort kommenden CourS Meldungen hauptsächlich dazu bei, daß sich ein recht belebtes Geschäft entwickelte, welckes, tric 'chon mehrmals in letzter Zeit, fast vergeßen ließ, daß wir uns inmitten der Saison morir befinden.
Creditactien waren seitens der Speculation sowohl, als auch des PrivatpublikumS leb- haft gefragt und hoben sich von 231 bis 235« 2 und schlossen heute 234' 2. Die Berichte über oie Prosperität des Geschäft- des Instituts lauten sehr befriedigend. In weit geringerem Öm kehre befanden sich StaatSbahnactien und Lombarden. Erstere waren hauptsächlich durch Pa riscr Verkäufe, letztere durch ihre schlechten Einnahmen gedrückt. StaatSbahnactien bewegten sich zwischen 328—24« 2 und 326, Lombarden zwischen 141* 2—38 und 140' , In den ander: österr. Bahnen war das Geschäft ziemlich belebt und haben die meisten Effecten dieses TerrainS ihren Cours aufgebeffert. Galizier aingen auf Gerüchte über die Einführung eines EingangszoL auf russisches Getreide, trotz ihrer fortgesetzt äußerst günstigen Derkchrverhältniffe, von 267 auf 264> 2 herab. Auch Reichenberg-Pardubitzer sind nachgebend. Am deutschen Bahnenmarku spielten Bayr. Ostbahnen, nackdem die Uebemahme der Bahn seitens des Staats zu guten Bedingungen ziemlich gewiß erscheint, die Hauptrolle. Beide Emissionen avancirten um je 32. Banken erzielten, bei ruhigem Geschäft, theilweise Eourserhöbungen Deutsche (tffeclenban?. Rheinische Creditbank, Nürnberger Vereinsbank und Oestcrr. Nationalbank sind bester. Für Engl. Weckslerbank, welche von der Speculation lange vernachlässigt waren, traten diese Wockr mehrfach Liebhaber auf, so daß deren Cours eine nicht unwesentliche Heraufsetzung eifuh Meininger toteben ohne besonder- stichhaltigen Grund unter pari und dürften jetzt unter Ihren wirklichen Werthe stehen. Staatsfonds wurden zu festen Coursen gebandelt. Oesterr Silber rente, am Samstag bis 68' 2 gehend, blieben niedriger. Ungarische Sa atzanweisungen schliche höher und gefragt. Amerikaner sind fast durchweg matter. Prioritäten zeigten sich mit toentgr Ausnahmen beliebt. In Looseeffecten entwickelte sich ein regelmäßiges Geschäft zu theils feste theils höheren Coursen. Ungarische hoben sich von 89 bis 91 Venetianer gesucht und fest Wechsel still. Von Sorten Doppelpistoleu einige Kreuzer höher.
Allgemeiner Anzeiger.
Besondere Bekanntmachungen.
Künftigen Donnerstag, den 16. Juli, Nachmittags 1 Uhr, Lebrerconferenz für den Conferenzbezirk Groh-Linden zu Lang- GönS.
Grob-Buseck. den 12. Juli 1874. Der Vorsitzende:
Strack.
Ob et hessische Eisenbahnen.
Bekanntmachung.
Vom L August d I. ab werden die Frachtsätze in dem directen Güter-Verkehr mit der Frankfurt-Bebraer unb Hessischen Ludwigsbcihn, ferner im Heisich-Rheinisch- Westfälischen Verband, d b im ditecten Verkehre mit der Main-Weser , der Nas säuischen-, der Köln-Mindener-, der Bergisch- Märkischen und der Westfälischen Bahn, endlich im Braunkohlen-Verkehr mit der Main-Neckar- und der Großherzoglich Badischen Bahn, die pro Kilometer ausgewor fenen Tarifsätze für Leichen, Fahneuge aller Art, auher gewöhnliche Gegenstände und Vieh eingeschlossen, um 20 Procent erhöbt und der Minimalfrachtsatz für Eilaut nuf 6 Sgr. und für Frachtgut auf 4 Sgr. festgesetzt.
Nur für Getreide, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Salz, Mehl und Mühlenfabrikate bleiben die seitherigen Tarifsätze auch ferner in Kraft.
Auherdem werden von der oben erwähnten Tariferhöhung säinmiliche Güterfrachtsätze für den Local Verkehr ber Oberhessischen Bahnen, sowie für den directen Güter-Ver- kehr mit Bayern und Oesterreich vorläufig noch ausgeschlossen.
Gießen, im Juli 1874
[3439] Die Direction.
Versteigerungen.
ß Arbeitsversteigerung
Donnerstag den 16. b. M., Morgens 9 Uhr, sollen auf dem Rathhaus ui Bellersheim' bie zur Vergrößerung bes Wasserbehälters in ber Möncbgasse ersorberlichen Erd- unb Maurerarbeiten öffentlich versteigert werden.
Villingen, am 11. Juli 1874.
Heineck, Bezilksbauaufseher j
Bekanntmachung.
In Folge der über bie lebige El i sabeth e' Böcking von Allenborf an ber Lumda wegen beren Schwachsinnigkeit angeorbneten Euratel können Rechtsgeschäfte mit bersel-. den nur unter Zustimmuna bes ihr in der. Perlon des Luowig Böcking bestellten Eurators abgeschlossen werden.
Gießen, den 27. Juni 1874.
Grobherzogliches Landgericht Gießen Erdmann.
Vergebung von Bauarbeiten
3446) Folgende zur Erbauung einer Unioet lätsgärtnerswohnung erfordetl-chen Atbeiten sollen auf dem Submissionswege vergeben werden:
fl.
fr-
Maurerarbeit, veranschlagt
zu
2584
38
©teinbauerarbeit,
721
39
Zimmerarbeit,
u
9ö2
49
Dachdeckerarbeit
w
286
19
S direinerarbeit,
1158
38
Sdilofferarbeit,
—
381
10
Glasei beit,
3*8
48
Weißbindcrarbeit
M
640
26
Spenglerarbeit,
e.
72
45
Psiasterarbeit,
M
n
26
24
Pläne, Voranschläge und Bedingunaett körnen vom 20 b M. an in unserem Ge- schäftslokal eingeschen und bicOfferten dc: ra an bis zum 22. Vormittags 10 Utz' eingercicht werden. Dieselben müssen rc: schlossen und mit der Aufschrift. „Submi' sion für bie Universitätsgärtnerswohnunz zu Gießen, unter Bezeichnung der betreffend den Arbeit versehen fein. Zur Eröffmmr der Submission ist Termin auf
Mittwoch den 22. d. M-, Vormittags 10 Ubr, in unserem Geschäftslokal anberaumt, welchem die Interessenten beiwohnen können.
Später einlaufende Offerten finden feite Berücksichtigung.
Gießen, den 13 Juli 1874
Großherzoglichcs Kreisbauamt Gießen Holzapfel-
Herren-Wäsche,
als: weiße und bunte Hemden, Kragen, Manschetten (Chemisetten, sowie Shlipse und Cravatten, Kragen- und Manschetten Knöpfe, (Hlace-, BZildleder- u. Sommer-Kanb schnhe, Hosenträger, Socken, Unterhosen u.-Jacken, wollene Hemden, empfiehlt in reicher Auswahl ju billigen Preisen.
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weiß, roth und schwarz zu äußerst billigen Preisen. (3441)
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