Ausgabe 
14.4.1874
 
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Carlisten definitiv zurückgewiesen worden.

den

Paris, 11. April. Der Telegraph bringt heute die Nachricht hierher, daß ein Ausgleich zwischen der deutschen Regierung und dem Reichstage wegen des Militärgesetzes zu erwarten sei. Dieselbe erregt hier nur mäßige Befriedi» gung, und die hiesigen Blätter werden, so lange cs angcht, auch gegen diesen Ausgleich weiter argumentiren. Indessen wird die Vereinbarung auf etwaige Revancheplane euren heilsam beruhigenden Einfluß üben (So ist das ein Gesichts, punkt, der in Deutschland selbst, namentlich von der Fortschrittspartei, noch nicht genügend ins Auge gefaßt worden ist. Es kommt nicht allein darauf an, daß Deutschland stark sei, sondern auch darauf, daß die- seinen Gegnern für eine geraume Zeit als unabänderliches Factotum vor Augen stehe. Votirt der Reichstag von Jahr zu Jahr das Minimum der deutschen Heereslraft, so kann allerdings von Jahr zu Jahr die Stärke der Armee alrss Neue gesichert werden; es bleibt aber auch die Möglichkeit offen, daß das Kriegsbudget einmal erheb, lich vermindert werde. Votirt er aber ein hinreichendes hohes Minimum für eine längere Reihe von Jahren, so wiffen unsere Feinde, daß ihnen für diese ganze Zeit die Hoffnung auf eine Schwächung der deutschen Streitmacht ab­geschnitten ist. Sie werden sich das merken und keine unnützen Plane für die nächste Zukunft bauen.

Paris, 13. April. Der Justizminister hat aus Anlaß verschiedener Journal-Artikel, worin die Amtsgewalt Mac Mahon's als eine solche darge» stellt war, die zurückgenommen werden könne, ein Rundschreiben erlaffen, wel ches besagt : Da diese Gewalt durch den Beschluß der Nationalversammlung vom 20. November v. I. über jede Anfechtung gestellt ist, werden hinfort die­jenigen Artikel gerichtlich verfolgt werden, welche das Gesetz verletzen, indem sie, sei es hinsichtlich der Dauer, sei es hinsichtlich der Person, den Ver­treter der durch die Verlängerung unwiderruflich gewordenen Anitsgewalt angreifen.

Paris, 13. April. Eine Depesche von carlistischer Seite aus San Pedro Albanto vom 9. d. Mts. meldet, Marschall Serrano habe den Carli- sten durch Eilo Conventions-Vorschläge gemacht, dieselben seien indeffen von

minar 4- 6), Ablegung einer wissenschaftlichen Staatsprüfung über all­gemeine wissenschaftliche Bildung, insbesondere in Philosophie, Geschichte und deutscher Literatur (§§ 4, 8); 2) wenn der Anzustellende wegen eines mit Zucht­haus oder dem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte oder der öffentlichen Aemter bedrohten Verbrechens verurtheilt ist oder sich in Untersuchung befindet; 3) wenn gegen den Auzustellenden Thatsachen vorliegen, welche die Annahme rechtferti­gen, daß derselbe den Staatsgesehen oder den innerhalb ihrer gesetzlichen Zii ständigkeit erlaffenen Aiiordnungen der Obrigkeit entgegenwirken oder den öffent­lichen Frieden stören werde (§ 10.) Die Vorschriften sub 2 finden feine An­wendung auf Personen, welche schon vor Verkündigung des Gesetzes ein geist­liches Amt inne oder die Fähigkeit hierzu erlangt hatten; ebenso kann der Cul tusminister erleichternde Uebergangs-Bestimmungen in Betreff des Nachweises der Vorbildung erlassen und von allen den in § 4 vorgeschriebenen Erforder­nissen ganz dispensiren ($ 26); die Staatsprüfung kann beim Gegebenscin br notwendigen staatlichen Garantien auch mit der theologischen Prüfung verbun­den werden (§ 27.)

Das also sind die furchtbaren Maßnahmen des Staates, auf welche sich jene wüste, wilde Agitation in der Presse, in Parlamenten, auf Kanzeln, m Bauernvereinen und Beichtstühlen gründet; das sind die Gesetze, welche die Kirche knechten und ihr die Erfüllung ihres erhabenen Heilsberufes unmöglich machen; das sind die furchtbaren Gesetze, welchen sich nicht zu unterwerfen den preußischen Bischöfen ihr Gewissen gebietet, selbst auf die Gefahr von Gefäng- niß und Absetzung, ja aus die Gefahr der völligen Zertrümmerung des ganzen katholischen Kirchenwesens in Preußen!

(Schluß folgt.)

11. Mai zu unterwerfen, mit der starrsten Hartnäckigkeit weigern. Was ent- Wien, 13. April. D^ Herrenhalls lehnte den Minoritäts-Antrag, halten nun diese Paragraphen, das zu so exorbitantem Widerstand berechtigen über das erste confessionclle Gesetz zur Tagesordnung überzugehen, bei nament- könnte, zu einem Widerstand, der zur Vernichtung des katholischen Kirchen- licher Abstimmung mit 77 gegen 43 Stimmen ab und begann hieraus die Spe- organismus in Preußen führen muß? Sie bestimmen: daß ein geistliches cialberathung. Vor der Abstimmung traten der CulluSminister und der Mim. Amt in Preußen nur demjenigen Deutschen überlragen werden darf, gegen deffen sterpräsident unter dem Beifall der Majorität für die Vorlage ein.

Anstellung vom Oberpräsidenten kein Einspruch erhoben wurde (§ 1; nur um; -frnnhrptrh

diesen Punkt handelt es sich bei den gegenwärtigen Conflictcn) ; derjenige Can-1 JLUHIUtlUj.

didat, welchem ein geistliches Amt übertragen werten soll, ist dem Oberpräsi­denten unter Bezeichnung des Amtes zu benennen; letzterer kann gegen die Er­nennung Einspruch erheben 1) wenn dem Anzustellenden die gesetzlichen Ersor- derniffe zur Bekleidung des geistlichen Amtes fehlen; diese sind: deutsches Jn- digenat, Abjolutorium eines deutschen Gymnasiums, dreijähriges theologisches Studium aus einer deutschen Staats-Universität, eventuell einem kirchlichen Se-

DeutMKanö.

Berlin, 9. April. Mit dem Reichsgesetz über die Civilstandsfübrung wirds vorerst noch seine guten Wege haben. Baiern hat bereits den Entschlich gefaßt, seinem Landtage ein eigenes Gesetz vorzulegen. Es ist unfraglich, daß dies nicht durchgeht; die Clericalen stimmen dagegen, die Liberalen müffen es auch thun, nm keine bayerische Flickarbeit zu bekommen, sondern das Reichs- gesetz. Man wird also ohne Zweifel die Abstimmung im Bundesrath auf­schieben, bis über das Schicksal des bayerischen Entwurfs die Würfel gefallen sind. Bis dahin ist der Entwurf höchst wahrscheinlich dem bayerischen Mmi« sterium recht, weil die vorauszusehende Nichtanerkeniiung des Bischofs Reinkens die altkatholische Frage in Bayern in einem solchen Grade zuspitzen wird, daß er für gut finden dürfte, sich an alle Mittel zu halten, die Schwierigkeiten zu lösen. Das Reich hat seiner Zeit den Kanzelparagraphen gemacht, weil ihn Lutz für unerläßlich erklärte. Jetzt hat derselbe die Gelegenheit, seine oft aus­gesprochene Geneigtheit, den Altkatholiken zu Hülfe zu kommen, zu bewähren.

Berlin, 12. April. Das Bennigsen'sche Compromiß-Amendement lau­tet:Die Friedens - Präsenzstärke beträgt vom 1. Januar 1875 bis zum 31. December 1881 401,659 Mann. Die Einjährig-Freiwilligen kommen auf die Friedens - Präsenzstärke nicht in Anrechnung." Das Amendement ist außer von den gesammten National-Liberalen noch von sechs Fortschrittlern (Groß, Kreutz, Zinn, Schmidt (Stettin), Baumgarten und Heine) unterstützt. Ter Schluß der Reichstags-Session steht für das Ende der zweitnächsten Woche be-

3tllficn.

Rom, 13. April. Baron v. Rothschild hatte mehrere Besprechungen mit dem Finailzminister und dem Minister für die öffentlichen Arbeiten. Zweit der Verhandlungen ist die Trennung des italienischen Netzes der lombardischen Eisenbahn von der österreichischen Südbahn.

(EiiQlanÖ.

London, 9. April. In nächster Zeit trifft die Leiche Livingstone's hier ein. Der Neger Jakob Wainwright, dem dieselbe anvertraut ist, hat durch dieses Ercigniß Aussicht, in London der Löwe des Tages zu werden. Man erwartet von ihm nähere Mittheilungen über die letzten Lebenstage Livingstone's, über welche bisberige Berichte schweigen. Wainwright ist seiner Abstammung nach Nassick und war Sclaoe bis Livingstone seine Befreiung bewirkte, ihn nach Bombay brachte und daselbst in einer Schule für Eiugeborne erziehen ließ. Wainwright zeigte merkwürdige Begabung, verbunden mit rühmenswerthem Fleiße, und sicherte sich dadurch die besondere Gunst des Missionsvereins, so daß dieser Livingstone bewog, seinen Schützling in seine persönlichen Dienste zu nehmen. Livingstone besaß zur Zeit bereits zwei Diener vom Nafsickstamm, nämlich Chumah und Suzi, welche sich nach seinem Tode beide nach BombH zu ihren Freunden begeben haben. Wainwright bat seinem Besreier siebet Jahre lang gedient und ihn auf seinen Reisen begleitet.

Spanifit

stimmt in Aussicht.

München, 12. April. Im Saale des katholischen Casinos dahier fand heute Vormittag eine von den katholischen Vereinen berufene Versammlung statt, um einen Protest gegen den § 1 des Reichsmilitär Gesetzes zu beschließen. Die Versammlung war nicht nur von den Mitgliedern jener Vereitle, sondern auch von circa 400 Social-Demokraten besucht. Redacteur Sigl motivirte, von dem Redacteur desZeitgeist", Geiser, unterstützt, die betr. Resolution, die dann angenommen wurde. Sigl schloß die Versammlung mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland.

Graudenz, 11. April. Vor eiiliger Zeit gab ein Unter-Osficier einem Soldaten eine Ohrfeige. Der Fall gelangte zur Kenntuiß der Militärbehörde, es wurde gegen den Unter-Osficier die Unterslichilng eingeleitet und dieser durch standrechtliches Erkenntniß mit sechs Wochen und einem Tage strengem Arrest und Verlust der Treffen bestraft. Wenn das Strafmaß von sechs Wochen noch mit einem Tage überschritten ist, so ist dies eine Verschärfung in so fern, als dieser eine Tag auch den Verlust des charcheugemäßen Tractaments während der Haft nach sich zieht, das dem Verurthe^lten geblieben wäre, hätte er nur sechs Wochen Strafe erhalten.

£)e|terrek6.

Wien, 10. April. In der heutigen Sitzung des Herrenhauses erschienen wider alles Erwarten auch die Herren Leo Thun und Alfred Windischgrätz. Gras Franz Falkenhayn unternahm es, für die Minorität der consessionellen Commission zu refcTiren und Namens derselben die Aufrechterhaltung der kirch­lichen Vorrechte im Staate zu befürworten. Cardinal Rauscher hielt hierauf eine donnernde Philippica gegen den Liberalismus; am heftigsten waren die Auslaffnngen des Fürst-Erzbischofs von Wien gegen die protestantischen Macht­haber des Deutschen Reiches, namentlich gegen den Fürsten Bismarck. Den schwersten Vorwurf, welchen der gelehrte Kirchensürst w der die heutigen Staats­männer erhob, war der, daß sie, wie er herausgefunden, sich dieruchlosen" Anschauungen Spinoza's angeeignet hätten. Der Cardinal unterließ es auch nicht, neuerdings eine Klage über denConcordatsbnich" in Oesterreich auzn- stimmen. Die Generaldebatte geht »och weiter fort.

Barcelona, 12. April. Die Truppen der carlistischen Generale Tr stauy und Saballs, zusammen 6000 Mann stark, haben sich bei Vich vereinig'« vermuthlich, um Berga anzugreifen. Der General-Capitän der Provinz: zwei Colonnen bereit, sich auf den bedrohten Punkt zu begeben. Delegirte vci Gerona sind mit den Carlisten übereingekommen, daß Letztere die Einschließulij der Stadt gegen Zahlung von 100,000 Frcs. aufheben.

Lokal» Notiz.

Gießen, 14. April. Da- gestern stattgebabte Goncert der Strauß-Langenbat schen Gapelle in Wen-ci's Garten rechliertigtr in jeder Beziehung die Erwartungen, die man tc: dieser Gapelle hegte. Ohne weitere Bemerkungen zu machen, rönnen wir uns nur dem Utffrr- der Köln. Ztg. anschließen, welche die Gapelle als vollkommen auf der Höhe d;r ÜnfcTfcmmgr an eine gute Mustk, varstellte. DaS Local war sehr besetzt und lohnte daS Publikum tuK reichlichen Beifall Vie Leistungen, die Vie Gapelle demselben bot. Namentlich der Piston Virt«sts Herr Hock, leistete wabrbafi (ZrstaunlicheS auf seinem Instrument und erntete demgemäß tn* licken Applaus. Sehr zu statten kam Herrn Wenzel die bii jetzt schon stattgefundene Än größerung des alten Saales, wovurck dem Publikum viel mehr Bequemlichkeit geboten ttirk Wie wir erfahren, ist Herr Wenzel gewillt, für Vie Zukunft, wenn der Hauptanbau feM- gestellt ist, dem Publikum mehr solcke musikalische Genüsse, wie Vie gestrigen zu verschaffen bei deveutend niedrigerem Gntröe, welches durch die Vergrößerung des Lecals stattfinden fatn es Jedem möglich machen, fick einen solchen Genuß zu verschaffen. Es liegt sedenfüi in der Idee VeS Gartenbesitzers, diesem seitber viel gefühlten Mißstände abzudelfen.

B<trniifcdre».

Fromme Industrielle, so berichtet die Lack. Ztg-, verkaufen in Belgien und Franks seit längerer Zeit an gläubige Seelen das Stroh auS dem Aefängnisie Pius' IX. zu Gentimcs den Halm Da das Geschäft gut gebt, so hat man dasselbe ausgedehnt und vertäust jetzt noch Pbotograpbieen, welche Ven heiligen Vater in seinem Kcrkerkäsig darstellen. Man ibn durch die Giienstangen mit gefaltenen Händen im Gebete für seine Femke. Die Photcgrarbn erklären vie Verkäufer, ist nack der Natur ausgenommen; sie kostet l'^Fr., für Personen jekc» Vie sich als Mttgli<ver emeS religiösen Vereins auswei'en, nur 50 Gentimes. Die Hälft« M-' Ertrages wirb an den Petersvfennig abgeliefert.

Im Londoner Bezirk Horton, im Hau'c eines Schubmackcrs Namens Newmar. spielte sich am Sonnabend Morgen eine grausige Tragödie" ab. Die Frau des Schubmackn-t war in vem Souterrain des Haines mit der Zubereitung des Frübstücks beschäftigt, als ne plötzlicher Paroxismuo erfaße. Mir einem großen Küa enmrsier rannte sie zuvörverst aus ibre' mit vem Oeffnen des Ladens be'chästtgten 11jährigen Sohn zu, der aber, die wilve Phvsiegncml-