Einzelbild herunterladen

an der neugeschaffenen Ordnung der Dinge im Reiche und nur eine kleine An­zahl vaterlandslojer Menschen schied sich von ihren Mitbürgern!

Aus anderen Orten des Wahlkreises sind noch keine sicheren Nachrichten eingelaufen; nur aus Nidda vernimmt man, daß von 399 Wählern 222 abgestimmt haben, sämmtlich für den nationalen Candidaten, Freiherrn v. Rabenau.

Darmstadt, 11. Januar. Gewählt: Bezirk Darmstadt-Groß-Gerau: Ober-Steuer-Rath Weicker, liberal; Worms-Heppenheim: Fabrikant Heyl, liberal.

Mainz, 11. Januar. Nach genauer Zählung der hier abgegebenen Stimmen ergibt sich, daß Görz (liberal) 1746, Mousang (ultramontan) 5209, Jacoby 1343 und Oechsner (Demokrat) 1211 Stimmen erhielten. Es kommt sonach zur engeren Wahl zwischen Görz und Moufang.

Berlin, 10. Januar. Die Kaiserin Augusta hat an das Central» Comit^ der deutschen Vereine zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger folgendes Schreiben erlaffen:

In alter Gesinnung warmer Theilnahme und Dankbarkeit erwiedere Ich die Glückwünsche des Central - Comitös der deutschen Vereine zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger mit dem Bewußtsein, daß auch das verflosiene Jahr unsere gemeinsame Thätigkeit in ersprießlicher Weise gefördert hat. Wir haben alle Veranlassung zu hoffen, daß in unserer Organisation und Aufgabe ein Schritt weiter gethan ist, und daß die wichtige Veranlassung, welche die Weltausstellung in Wien dem rothen Kreuze darbot, seinen erhabe­nen Ruf zu vergegenwärtigen, nicht versäumt worden ist. Insbesondere danke Ich dem Central-Comitö auch für seine Mir dabei gewährte Hülse, sowie für das treue Zusammenwirken auf dem großen Gebiete der Humanität, das in unserer ernsten Zeit nie genug zur Geltung gebracht werden kann und unser Vermächtnis für die Zukunft sein muß.

Berlin, den 2. Januar 1874. gez. A u gu sta."

Berlin, 10. Januar. In Bezug auf die Ausführung des Münzgesetzes liegen, wie vor einiger Zeit gemeldet worden, verschiedene Anträge vor. Die selben betreffen die Ausprägung von Füufpfennigstücken, das allgemeine Verbot der österreichischen Gnlden und Thalerstücke (erstere sind bisher nur an öffent­lichen Kassen unzulässig) u. s. f. Die Bevollmächtigten sind aufgefordert wor­den, sich möglichst bald mit Instructionen zu versehen, da die Angelegenheit schleunig zum Austrag gebracht werden soll. Ueber das Verbot des öster­reichischen Silbers als Zahlungsmittel gehen übrigens die Ansichten im Bun- desrath zur Zeit noch auseinander. Den vereinigten Ausschüssen für Handel und Justizwesen ist ein Antrag des Präsidiums dahin unterbreitet worden, die dem letzten Reichstage übersandte Vorlage wegen Abänderung der Gewerbeord­nung (also strafrechtliche Verfolgung des Contractbruches rc), welche wegen des SessionSschluffes unerledigt blieb, wieder vorzulegen, jedoch mit einigen Abänderungen, über die wir schon berichtet. Auch diese Angelegenheit wird für so dringlich erachtet, daß man ihre Erledigung schon durch die Frühjahrs­session des Reichstages erwartet.

Stuttgart, 10. Januar. Der König empfing heute den bayerischen Gesandten Frhru. v. Gaffer und nahm dessen Abberufungsschreiben entgegen. Ein Telegramm desSchw. Merkur" aus dem 15. württembergischen Wahlkreis (Blaubeuren-Ehingen) berichtet von einem unerhört heftig geführten Wahlkampf. Ein katholischer Geistlicher habe in einer Wahlversammlung mit einem Revolver geschossen. Die Wahl des national-liberalen Candidaten, Finanz­raths Schmidt, sei indessen gesichert.

Straßburg, 11. Januar. Eine heute hier abgehaltene zahlreich be­suchte Arbeiter-Versammlung hat sich gegen die Wahl sowohl Lauth'S als Bergmann's ausgesprochen und Bebel als Candidat für den Reichstag für Straßburg aufgestellt.

Frankreich.

Paris, 10. Januar. Das Rundschreiben des französischen Cultus- Ministers an die politisirenden Bischöfe lautet nach der Times, der es die Mehrzahl der pariser Blätter nachdruckt, wie folgt:

Paris, 26. December 1873.

Monseigneur! Einige Ihrer Ehrwürdigen Amtsbrüder haben, die gegen­wärtige Lage Europas prüfend und die jüngsten Ereignisse nach ihren Bezie­hungen zur katholischen Kirche und ihrer Einwirkung auf die heutige Gesellschaft beurtheilend, neulich Hirtenbriefe erlassen, in denen sich Aussprüche finden, die nicht verfehlen konnten, in einigen Punkten die Aufmerksamkeit der Regierung auf sich zu ziehen. In der That konnten dieselben geeignet scheinen, im Aus­lände Empfindlichkeiten zu erregen, die zu wecken stets verdrießlich ist. Die hohen Prälaten, die an die Gläubigen ihrer Diöcese die bezüglichen Briefe ge­richtet haben, würden vor Allem solche, ihren Absichten schnurstracks zuwider­laufende Folgen bedauern. Dafür bürgt mir die erprobte Vaterlandsliebe, von der der französische Episcopat beständig so Helle und ruhmreiche Beweise abgelegt hat. Trotzdem konnte die Regierunng bei solchen Thatsachen nicht gleichgültig bleiben, und sie wünscht lebhaft, daß dieselben sich nicht wieder­holen. Ew. bischöfliche Gnaden wissen wohl, mit welcher Theilnahme die Re­gierung der Kirche und dem h Stuhle ergeben ist. Sie versteht wohl die Beunruhigung der katholischen Gewissen und die Schmerzen zu würdigen, als deren Wortführer die Bischöfe in diesem Augenblicke auftreten. Aber solche Empfindungen können mit aller gebührenden Freiheit und Kraft ausgedrückt werden, ohne daß man zu ihrer Kundgebung zu Angriffen schreitet, über die sich die Regierungen benachbarter Staaten beunruhigen könnten. Zwischen den Staaten bestehen gegenseitige Rücksichtsnahmen, die man nicht vergessen darf. Wir müssen überall die Achtung vor den bestehenden Gewalten bekennen, wie wir dieselbe unsererseits für die Regierung verlangen, die in unserem Lande durch den souveränen Willen der Volksversammlung ausgerichtet ist. Ist noch nöthig hinzuzufügen, Monseigneur, daß die Bischöfe inmitten der schweren Eonflicte, die heute die Welt beunruhigen, hauptsächlich durch Mäßigung den legitimen Einfluß ihres Wortes vermehren und wirksamer zu jenem Werke der Beruhigung und des Friedens beitragen können, das der Gegenstand unserer gemeinsamen Beruhigung sein muß? Ich würde es mir selbst zum Vorwurfe rechnen, wenn ich Betrachtungen weiter aussühren wollte, die sich von selbst der Beachtung Ew. Gnaden empfehlen. Außerdem halte ich mich versichert.

daß Sie Sich nicht über die Denkweise täuschen werden, die mir diesen Brief eingegeben hat, deffen Inhalt ich Ihrer Einsicht anempfehle.

Genehmigen u. s. w. De Fourtou.

Pari-, 10. Januar. Obgleich Broglie sehr entmuthigt, weil 90 an­wesende Mitglieder der Rechten sich am Donnerstag der Abstimmung enthielten, entschloß er sich doch, am nächsten Montag ein Vertrauensvotum zu verlangen. Vorwand ist, daß Mac Mahon die Entlastung der Minister ganz bestimmt verweigert habe, bis sie nochmals eine Niederlage erlitten haben würden.

Der General Lapaffet hat dieRepublique" von Toulouse auf drei Monate suspendirt, weil sie die Neujahrsrede des Gouverneurs von Paris albern und gehässig gefunden.

Die AgenturHavas" behauptet, auch die äußerste Rechte habe be- schloffen, am Montag für das Ministerium zu stimmen. Dieses ist keineswegs sicher.Univers" undUnion" sprechen sich gegen die Regierung aus. Erste­res meint, daß die Mehrheit für die Regierung keineswegs gesichert sei und letztere fordert die äußerste Rechte auf, die Gelegenheit zur Beherrschung der Lage nicht vorübergehen zu lasten. Unbegründet ist, daß Audiffret - Pasquier mit der Bildung eines Ministeriums betraut sei. Audiffret ist bei der Rechten noch verhaßter als Broglie.

Regien.

Brüssel, 9. Januar. DieJndependance" hat ein Telegramm aus St. Jeau de Luz erhalten, welchem zufolge Moriones Verstärkungen an Artille­rie erhalten hat. Don Carlos nnd Elio sind mit 25,000 Mann und 8 Ka­nonen nach Santona abgerückt. Bilbao ist von den Carlisten vollständig blo- kirt. Der Angriff der Carlisten gegen Portugalete wird vorbereitet.

ifiolTanö.

Haag, 9. Januar. Officiell wird aus Singkel vom 6. d. Mts. ge­meldet, daß seit dem 26. December kein neues Gefecht mit den Atschinesen vorgekommen ist. Der Artilleriepark ist ausgeschifft und die erste Parallele gegen den Kraton eröffnet. Die Expedition nach Pedir zerstörte das Fort Kampug-Pedir und kehrte nach Atschin zurück. Die Holländer hatten bei der Expedition einen Verlust von 2 Todten und 90 Verwundeten. Der Radsatz Gigbin hat sich unterworfen und angeboten, eine Vermittelung mit dem Sul­tan herbeizuführen. Die von englischer Seite gebrachte Nachricht von Krank­heiten , die unter den holländischen Truppen herrschen sollten, wird durch die Nachrichten der Regierung nicht bestätigt.

Spanien

kNadrid, 9. Januar. Die amtlicheGaceta" bringt ein langes Ma­nifest des Ministeriums an die Nation. Es wird darin das Ereigniß vom 3. Januar erläutert und gesagt, die am Nnder stehenden Parteien hätten die Revolution von 1868 und die Verfassung von 1869 gemacht; sie wollten ihr Werk weder verdammen noch zerstören; durch die freiwillige Abdankung des Monarchen und durch die Verkündung der Republik sei nur ein einziger Artikel abgestellt; die Regierung werde den Absolutismus und die Anarchie bekämpfen. Das Decret, welches die Cortes auflöst, besagt, die Regierung werde die Cortes in gewöhnlicher Weise einberufen, sobald die Ordnung gesichert sei und die allgemeine Abstimmung vor sich gehen könne.

Madrid, 11. Januar. Das Fort Atalaga bei Cartagena ist von den Negieruugstruppen genommen. General Dominguez bewilligte den Insurgenten in Cartagena eine 24stündige Frist für die Ueberqabe.

Madrid, 12. Januar. DieGaceta" publicirt ein Decret, welches die Auflösung solcher politischen Vereine nnd Versammlungen anordnet, die wörtlich oder thätlich gegen die öffentliche Sicherheit und Integrität des Lan­des inspirirten.

Barcelona, 8. Januar, Abends. Der Aufstand begann heute Mor­gen durch Ansammlung zahlreicher Trupps von föderalistischen Arbeitern auf den öffentlichen Plätzen. Die Truppen trieben die Arbeiter in die Vorstädte zurück. Nachmittags begann der Bau von Barrikaden, die von den Truppen mit der Artillerie genommen wurden. Auf beiden Seiten große Verluste. Der Wiederbeginn des Kampfes wird morgen erwartet. Es heißt, der Aufstand werde von der Internationale geleitet.

FigueraS, 10. Januar. In Barcelona ist am 8. d. Mts., Nachmit­tags ,^ein Aufstand ausgebrochen. In den Vorstädten sind Barrikaden gebaut. Die Stadt wird vom Fort Moujuich aus beschoffen.

England.

London, 9. Januar. Die Mittheilung derDaily News", daß die Expedition des Capitäns Glover am Voltaflufse hinauf wegfallen solle und Glover sich au Geueral Wolselcy's Corps augeschloffen hätte, wird stark an- gezweifelt. Im Colonialamt und sonst in amtlichen Kreisen ist nichts von einer solchen Veränderung des ursprünglichen Kriegsplanes bekannt.

Prinz Leopold und Prinzessin Beatrice sind vorgestern vom Bischof von Winchester in der Kirche zu Whippingham confirmit worden. Prinz Lud­wig von Battenberg, Vetter des Prinzen Ludwig von Heffen, hält sich seit einigen Tagen in Osborue bei der Königin auf und soll, wie man sagt, mit Aussicht auf Erfolg, sich um die Hand der Prinzessin Beatrice bewerben.

Erzbischof Mauning, der tapfere Streiter für den Ultramontanis- mus, dessen Stimme zufällig dann immer am lautesten vernehmbar wird, wenn von vacanten Cardinalshüten die Rede ist, wird auf dem neuesten Carton un­seres Punch deshalb aufgezogen. Der Papst steht in einem Hutlager und be­merkt dem mißstimmt auf einen kleinen Hut in der Hand des päpstlichen Hut­machers blickenden Erzbischöfe mit süßer Miene: Thut mir leid, daß wir Ihnen nichts in dieser Fa^on anbieten können. Wir haben augenblicklich nur Hüte für kleine Köpfe vorräthig.

äfien.

Penang, 10. Januar. Nach Mittheilungen aus guter Quelle haben