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11. Eoncurrenzeröffnungen. Erledigt sind : die evang. Pfarrstelle zu Wöll­stein mit einem jährlichen Gebalt von 1510 fl. 7 fr.; die evang. Pfarrstelle zu Biebelnheim mit einem jährlichen Gehalt von 1101 fl. 16 fr.; die evang. Pfarrstelle zu Queckborn mit einem Gehalt von 889 fl. 4 fr. jährlich; die evang Schulstelle zu Sichenhausen mir einem jährlichen Gehalt von 400 fl.; die evang. Schulstelle zu Maffenheim mit einem jährlichen Gehalt von 400 fl.

Berlin, 8. Mai. In hiesigen Regierungsfreisen bricht sich mehr und mehr die Ueberzeugung Bahn, daß die weltlichen Gewalten Deutschlands in Gemeinschaft den Uebergriffen der Infallibilisten entgcgenlreten und als ge­schloffene Phalanx dem UltramontaniSmus sich entgegenwerfen muffen. Man hält es bei der offen ausgesprochenen Prätension der Curie, daß, wo immer ein Kirchengesetz mit einem Staatsgesetz im Widerspruch steht, das letztere zu weichen habe, für ein eitles Beginnen, sich auch nur mit der Idee eines Ver­suches zu beschäftigeit, die Hierarchie zum Einlenfen zu einer Uebereiufunst über «inen modus vivendi, über das prafnsche gegenseitige Verhalten zu bewegen. Die Geschichte zeigt allerdings, daß, je lebhafter und hastiger die Angriffe wurden, denen das Oberhaupt der Kirche ausgesetzt war, um so unbedingter der Episcopat, überhaupt der ganze Clerus sich dem Primat der römischen Kirche unterordnete. Diese Erscheinung hat darin ihren Grund, daß der Ka- tholicismus, soweit er sich durch seine berufenen Organe ausspricht, mehr und mehr ultramontan geworden ist. Die Kirche betrachtet sich als im Kriegszu­stände befindlich, und unter der Fahne ist Subordination die erste Pflicht Ob die mit diesem straffen Zusammenziehen der hierarchischen Organisation nothwendig verbundene Steigerung der firchlichen Ansprüche dem wahren In­teresse der Kirche entspricht, darum fümmert man sich wenig. Mit Recht hält man es deshalb für um so nothwendiger, mit dem Aufgebot aller Kräfte des Deutschen Reiches und mit der größten Entschiedenheit dem ultramontanen Treiben zu steuern.

Berlin, 8. Mai. Das Abgeordnetenhaus nahm zunächst das Zwangs- enteignungs-Gejetz in definitiver Schlußabftimmung an und setzte sodann die zweite Berathung des Declarations-Gesetzes zu dem Malgesetz über Vorbildung und Anstellung der Geistlichen fort. Der Cultusminister erflärte im Einver- ständniß mit den von dem Abg. Wekrenpfennig beantragten Zusatzartifeln, wo­nach die Besetzung erledigter geistlicher Stellen eventuell durch den Patron oder die Gemeinden erfolgen soll, die Regierung würde, falls die von Weh renpsennig beantragten Zusatzartifel abgelehnt werden sollten, eine ähnliche Vor­lage einbringen. Sybel erflärt sich für den Zusatzartifel, schildert das Trei­ben der ultramontanen Fanatifer in Bonn und im Saarbrücker Kreise zur Vethörung der Volfsmaffcn, und fordert die Mitglieder des Centrums auf, die Fanatisirten vor Ausschreitungen zu bewahren, widrigenfalls Die Verantwortung dafür ihnen zufalle. Derselbe Redner führt an, in Bonn hätten die Ultra­montanen bei dem letzten Wahlfampfe verbreitet, Fürst Bismarck wolle selbst Papst werden, und noch schlimmer wie Bismarck seien die Liberalen Bonns, sie wollten, daß der Papst nach Deutschland geschleppt, ihm der Bauch aufge schlitzt und die Eingeweide herausgerissen würden; am 15. Mai sollten die katholischen Kirchen zugeschloffen und die Katholifen eingesperrt werden. Im

Vermischtes.

Cin düsteres Familiendrama hat sich dieser Tage in Neuscköneseld bei Leipzig ab* gespielt. Lin dort wohnendes, in Unfrieden lebendes Ehepaar war in Streit gerathen und der Mann batte sich hierbei so weit hinreißen laßen, seine Frau ie gröblichster Wehe zu mißhandeln und am Halse zu würgen. Auf da« entstanden, Geräusch bin eilte die in der Küche belästigte achtzehnjährige Tochter herbe, und bemüdte sich, ihren Tater von der mißhandelten Mutter bin* wegzuziehen Ein Schlag ins (Besicht war die Antwort, die sie vom Vater erhielt, der hierauf auf« Reue über die gequälte Frau herfiel. Da versetzte die Tochter mit einem Hackemesser, welche- |tt zufällig aus der Küche mir in die Stube genommen, ihrem Vater mehrere Hiebe über den Kopf, io baß er zusammenbrach. Das Mädchen stellte sich später freiwill,, dem Gericht. Der Later ist glücklicher Weise nicht lebensgefährlich verwundet.

Hunt losen (Oldenburg), 19. April- Em sehr trauriger Unglücksfall ereignete sich nach Mittheilung der O. Z. am Freitag den 17. d. in der benachbarten Gemeinde Sroßkneten. Abend« */, nach 10 Uhr, alS die Bewohner im ersten tiefen Schlafe liegen, gerälh da« einsam stehende Haus bes Reubauers und Schlesiers Hellbusch m Flammen unv die ganze Familie, bestehend aus fünf Personen, Later, Mutter und drei Kindern, wird ein Raub derselben. Ein Landmann aus Großkneten, der auf dem Heimwege be.iriffen, sieht das emiam stehende Hau- brennen, eilt hin, schlägt die Fenster ein und ruft in die Stube hinein, die tndeß längst rem Feuer ergriffen ist-, keine Antwort mehr, nur das Gerassel der Flammen ist laut genug ver* nehmbar, keine menschliche Stimme ist zu hören. Den Umständen nach zu schließen, sind sämmt* liche Personen, bevor die Flamme sie erreichte, erstickt Rur daS 14jährige Mädchen, welches am heutigen Tage confirmirt werken sollte, bat wohl in einem halbbewußteu Zustande noch ihre Füße in die vor dem Bette stehenden Holzschuhe gesteckt, ist aber dann wieder bewußtlos auf ihr Lager zurückgesunken.

St. Avold (Lothr), 27. April. Verflossene Nacht geschah auf der vabn von Hom­burg nach St. Avold em sehr bedauerliches Unglück. In der Nähe der Neu: Mühle war ein Trupp Arbeiter mit Bahnarbeiten beschäftigt; um dem herankommenden saarbrücker Train aus* zuweichen, begaben sich die Arbeiter auf das andere Schienengeleise; im selben Augenblicke aber brauste der metzer Zug heran und überfuhr di« Arbeiter, die, wie es scheint, ihre Aufmerksamkeit nur auf den saarbrücker Zug gerichtet hatten. Zwei blieben auf der Stelle tobt; zwei sind mehr oder minder schwer verwundet. Die Verunglückten sind Familienväter aus der Umgegend.

(Eaarg. Z.)

Neuß, 3. Mai Auf dem in der Nähe gelegenen Reuschenberger Hofe bat diesen Morgen ein Kneckt eine ebenfalls dort in Dienst stehende Magd au« Unvorsichtigkeit erschoßen. ES ist die alte, schon hundert Mal dagewesene Geschichte. Der Knecht nimmt da« mit starkem Schrot geladene Gewehr des Verwalter«, welche« in einem Gange an der Wand hing, her» unter, legt dasselbe in Scherz auf da« Mädchen an, welches die Treppe hinaufging, und drückt, im Glauben die Flinte sei nicht geladen, ab. Die ganze Schrotlavung dringt der Unglücklichen in die Brust, welche in wenig Augenblicken eine Leiche war, so daß der von dem verzweifelten Knechte von hier berbeigebolte Arzt nur den Tod constatiren konnte. In unserer Nachbar­gemeinde Rosellen steht schon seit Mittwoch ein etwa 10 Morgen große- torfbaltige- Gemeinde« grundstück in Brand. Bei der großen Trockenheit ist es bi« jetzt nicht gelungen, da- Feuer, welches an dem Torf und dem dürren, den Boden bedeckenden Schilf reiche Nahrung ßndet, eilizuschränken, viel weniger zu löschen. Die allgemeine Vermuthung geht dahin, daß da« Feuer durch böswillige Brandstiftung entstanden ist

Borghorst (Wests ), 1. Mai. Am Dienstag, 1 Uhr Mittag«, wurde unser Dorf durch Feuerlärm in Schrecken versetzt. Es war Feuer ausgebrochen in der Nähe des Krankenhauses und griff so schnell um sich, daß bald vier kleine Wohnungen in Flammen standen. Trotz schneller Hülfe waren die Häuser rettung-lo- verloren, auch konnte nur Weniges darau« ge« rettet werden, die beiden anderen, unter diesen da« neue Armenbau-, wurden nach mühsamer Anstrengung gerettet. Eine Scene zu Anfang de- Brandes war herzzerreißend. Au- einem brennenden Häuschen schrie ein krankes Mädchen, daß dem Tode nahe war, mit letzter Kraft um Hülfe. Man eilt hinein und findet die Kranke verzweiflungsvoll in dem Bette, worauf schon Flämmchen züngelten. Ohne ihr schützende Kleidung anlegen zu können, muß sie heraus« getragen werden. Ein Dienstmädchen aber, von Mitleid gerührt, reißt sich einen Unterrock vom Leibe und umhüllt damit die arme Kranke, die dann zum Krankenhause geschafft wird.

Kreise Saarbrücken werde prophezeiht, Anfangs Juni stehe ein Krieg bevor, die Franzosen färnen zur Rettung der heiligen Kirche. Rach längerer Debatte wur­den die Zusatzartifel Wehrenpfennig's angenommen, die Anträge Cnny's be­treffs der Succursal - Pfarreien, gegen welche sich der Cultusminister erflärte, zurückgezogen. Morgen findet die dritte Berathung deö Gesetzes über Derwal- tung erledigter Bisthümer und des Declarations - Gesetzes zu den Mai- Gesetzen statt.

Berlin, 9. Mai. Abgeordnetenhaus. Dritte Berathung des Gesetz- Entwurfs Über die Verwaltung erledigter Bisthümer. Rach langer General- Debatte, in welcher Reichensperger, Wierzbinsfy, Respondef, Baudri und Windthorst gegen, Bethnsy-Huc, Hänel und Aegidi für Die Gesetzvorlage spre­chen , wird ein Antrag Windthorst's abgelehnt, wonach das Gesetz erst noch­mals an die Commission zur Berichterstattung darüber zurückgewiesen werden sollte, welche Aenderungen der preußischen Verfaffung der Annahme des Gesetzes vorausgehen müssen. Hieraus werden die einzelnen Paragraphen des Gesetzes ohne Debatte angenommen, sodann das ganze Gesetz mit 257 gegen 95 Stirn men genehmigt. Das Haus nahm im Fortgänge der Sitzung in Dritter Be­rathung die Gesetzvorlage wegen Declaration resp. Ergänzung des Gesetzes über die Vorbildung und Anstellung Der Geistlichen unverändert nach dem Bc- schluffe der zweiten Lesung an.

Stuttgart, 8. Mai. Die Trauung Des Herzogs Eugen von Würt­temberg und Der Großfürstin Vera hat heute Mittag im föniglichen Schlöffe in Anwesenheit des Kaisers von Rußland und der andern hohen Festgäste stattgefunden.

München, 6. Mai. Auf Betreiben Der Gläubiger der Adele Spitzeder ist gegen den früheren Redacteur desVolfsboten", Karl Zander, eine Klage ans Rückzahlung eines von Der Spitzeder erhaltenen Darlehens von 12,000 fl. rc. bei dem fönigl. Bezirfsgerichte dahier eingereicht worden; da Zander abwesend ist (er weilt in Der Schweiz), so wird die Klagestellung durch Den Staatsan­walt am Bezirfsgerichte öffentlich ausgeschrieben.

tfuinfireirij.

Paris, 8. Mai. DerSoir" versichert, Der Herzog von Brogliel habe sich Dafür ausgesprochen, Daß Der Gesetz-Entwurf, betr. die BilDnng einer ersten Kammer, einer dringlichen Behandlung unterworfen werde.

Paris, 9. Mai. DerAgence Havas" wird gemeldet, Die Carlisten seien mit starfer Streitmacht in die Rähe Bilbaos zun'ickgefebrt und hätten die Straße nach Galacomo besetzt. General Concha habe Den Vormarsch einge­stellt, um die Armee zu verproviantiren.

Spanien.

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Landwlrthen von grownem Werth.

(Dresch Maschinen). Eine der wichtigsten Erfindung für Landwirthe ist eine neue Dresch-Maschine, welche durch 2 Leute betrieben, in einer Stunde soviel dreschen soll, als 3 Drescher in einem ganzen Tag. Alle Getretdegattunaen soll sie gleich gut ausdreschen, daß nicht ein Körnchen im Stroh bleibt, aber auch fein« beschädigt wird. Der Anschaffungspreis fei nur: Thlr 6066, franco jeder Bahnstation.

In den meisten Provinzen Deutschland- sollen diese Maschinen zu Tausenden verbreitet fein, aber auch in hiesiger Gegend sollen schon mehrere fein. Die ssirma Ph. Mayfarth & Co in Frankurt a. M wird als beste Bezugsquelle geschildert Bestellungen können daselbst briefflid) gemacht werden. [2127]

Üörsennacbricbhn.

9. Mai 1874

Actlen.

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Aule heiiNlooNe, Darmstädter fl. 50Leoee 223 . 25 , -

Kurh. 40 Thlr. Lo.»ee 73*/, Naeeau 25 fl. Braunschweiger 22* , 3° 0 Oldenburg, a 4OThlr. 39/ 4° 0 bayr. Pram.-Anl. 4U y badische I>oee 1124 , Badische fl. .35 l^uee 69^/, Oeatr. fl. 250. 1854 95 I858r Prioritätalo-xe 187 lH60r lx>oee 98* , lM64r . 159

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Augsburg

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Berlin

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Zur gcfl. Btuchlung.

Madrid, 8. Mai. Auf eine Ansprache Becerra's erwiderte Serrano, baß er die Versöbnung der Parteien wolle, er verlange nur_ eine Frist von ackn Tagen, um über Die beste Lösung Der obschwebenDen Differenzen mit sich ju Ratbe zu geben. Für Das neu zu bilDenDe Cabinet (leben Zabala, Topete und Castelar im Vordergründe. Bilbao ist vollständig verproviantirt. Gc- rudttweise verlautet, Daß Der Carlistenfübrer Velasco Durch feine Soldaten er» mprDet worden ist. Einer der beiden Carlistenführer, Cucala, ist an Den Wun­den, die er in Dem ihm neulich gelieferten Gefechte erhalten, gestorben.

Portotarife der Kaiser!. Poft mit An gäbe fämmtlicher im Umkreis von 10 geo­graphischen Meilen um Gießen belegenen Postan- ftalten sind in der Erpcd. d. Bl. ü 6 fr. pr. Stück zu haben.

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