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in Oesterreich gesperrt werden!" tönte ihm der Rnf entgegen: „Dann sollten sie es and) werden!" Der Unterrichts-Minister Stremayr unterzog sich der Aufgabe, ein Wort für die Beibehaltung dieser Facultät zu sprechen, und erinnerte daran, daß die Negierung das Bertragsverhältniß mit den Jesuiten gelöst, die Professoren den allgemeinen staatlichen Bestimmungen unterordnet habe, daß namentlich die Stadt Innsbruck Gewicht darauf lege, diese Facultät um ihres zahlreichen Besuches willen erhalten zu sehen — Alles vergebens. Dr. Giskra bedauerte, daß die Negierung, die in anderer Richtung so Rühmliches auf dem Gebiete des Staatsschulwesens leiste, gerade in dieser Frage an Gedächtnißfehlern leide, und Referent Dr. Sueß zog mit einem ganzen Arsenal von Anschuldigungen gegen die Jesuiten-Austalt zu Felde: Von mehr denn 200 Hörern seien in Innsbruck bloß 60 Oesterreicher, der Rest recrutire fick) aus den Rheinländern und der Schweiz, und man könne den österreichischen Steuerträgern nicht znmuthen, die Kosten für die Heranbildung Fremder zu tragen. Die schlagenden Argumente dieses Redners, der nicht im Gerüche der Popularitätshascherei steht, wirkten so nachhaltig, daß der Ausschußantrag: „Es sei die theologische Facultät in Innsbruck mit Ende Juli d. I. zu schließen und an demselben Tage aufzulösen," mit allen gegen die drei Stimmen deS Ultramontanen Lienbacher und der Polen angenommen wurde.
Oesterreich.
Wien, 4. Februar. In die Monotonie der Berathungen des Budget- Ausschusses brachte ein Zwischenfall in der gestrigen Abeudsitzung Abwechslung. Anläßlich der Berathung über den Etat der Universitäten beantragte der Referent Prof. Sueß die Aufhebung der theologischen Facultät in Innsbruck und Streichung des auf dieselbe entfallenden Beitrags aus Staatsmitteln. Daß es sich hierbei nicht um eine Geldfrage, sondern um eine politische Angelegenheit handle, wurde sofort erklärt. Dr. Giskra befürwortete diesen Antrag, indem er die dunkeln Eigenthumlichkeiten des Jesuitenordens beleuchtete, aus dem sick) der Prosessorenkörper dieser Anstalt recrutire, wie denn überhaupt diese Facultät eine Pepiniere für die Heranbildung von Jesuiten des In- und Auslandes sei; daß nach den neuesten Bestimmungen der Regierung die Professoren auch den Eid auf die Verfassung ablegen müssen, ändere an der Sache gar nichts, da bekanntlich für die Jünger Loyola's das Hinterpförtchen der reservatio mentalis bestehe. Der clericale Abgeordnete Lienbacher warf sich zum Anwalt der Facultät auf, mit sehr geringem Erfolge allerdings. Als er ausrief: „Wenn man alle diejenigen Lehrer ausschließen wollte, die an den Syllabus und die Encyclica glauben, dann müßten alle theologischen Anstalten
Schweiz.
Bern, 9. Februar. Die neue strafgesetzliche Bestimmung des Cantons St. Gallen, welches die Geistlichen im Falle des Kanzelmißbranchs mit einer Geldbuße bis zu 1000 Frcs. und bis zu vierjährigem Gefängnisse belegt, wurde in der Volks-Abstimmung mit 19,800 gegen 16,500 Stimmen angenommen.
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Stuttgart, 9. Februar. David Friedrich Strauß ist gestern in Ludwigsburg gestorben.
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Frankreich.
PariK, 4. Februar. Nachrichten, die uns aus dein Süden ^ugehen, bezeugen, daß die Noth unter de» arbeitenden Classen daselbst fast ebenso groß ist, wie zu Paris. Viele Werkstätten stehen leer, weil es an Geld und an Bestellungen fehlt. Mehrere Seidenfabriken zu Nimes sind im Begriffe, geschlossen zu werden. Ein empfindlicher Ausfall für den Export. Ebe» so stockt die Production im Rhonethale. Zn Lyon, Saint Etienne und Tarare sind die Industriellen in übler Sage. Ebenso leiden in den Vogesen die Spinnereien und Webereien durch Anhäufung von Fabrikaten, die nicht abzehen wollen. Die meisten Spinnereien in den Bergen von. Beaujolais stehen still und beschäftigen ihre Arbeiter nur auf halbe Tage. Im Norden sieht cs nicht besier ans. Bor dem 24 Mai producirtcn die Hochöfen von Longwy monat lich 15 Millionen Kilogramm Gußeisen. Heute ist dieses Quantum bereits auf ein Fünftel gesunken und die Preise stehen bedeutend niedriger. Zn Mont Saint-Martin, zu Mhon und in benachbarten Ortschaften stehen zwei Drittel der Hochöfen leer. Die Bergwerks-Gesellschaft von Mont Saint-Martin hat von 300 Arbeitern nur 35 bcibehalten. In der sonst so blül,enden kleinen Gemeinde von Mont Saint-Martin baßen fünf große Hänscr fallirt und man sieht weiteren Katastrophen entgegen. In der Bourgogne ruht das Wein geschäft fast vollständig Die neuen Provinzen leiben eben so sehr, wie die alten. Zu Annecy in Savoyen werde» 732 Familien aus öffentlichen Mitteln unterstützt, das sind 2110 Personen von 12,000, welche die Einwohnerschaft bilden. Die Zahl der Hülfsbedürftigen nimmt dabci noch täglich zu. Heute hat Mac Mahon seine Rundgangsbesuchc in Paris zu machen. Die pariser Kaufleute und Industriellen hoffen, daß er bei dieser Gelegenheit eine genauere Vorstellung von der Roth der arbeitenden Claffen gewinnen werde. Ter erst« Besuch galt dem Hotel Dieu. Rach demselben hat er vor den Mitgliedern des Handelsgerichts einige Worte gesprochen über seine Absicht, das Septen »tum aufrecht zu halten. Der Marschall hofft, daß die Geschäfte wieder auf blühen werden. Wenn nur seine Minister dem nicht im Wege ständen, Magm
Berlin, 7. Februar. Die mit einem gezogene» 21-Centimeter-Mörser auf dem Schießplätze bei Tegel angestellten Versuche haben ein voriresfliches Resultat geliefert. Das Geschoß wiegt 160 Psund, doch beträgt die Ladung nur 1,5 bis 3,5 Kilo, je nachdem nach freistehenden Zielen geschossen werden soll, wobei die starke Ladung zur Verwendung kommt — oder nach gedeckten Zielen, für welchen Fall durch die schwache Ladung die starke Krümmung der Flugbahn bewirkt wird. Als Pulver wird das sog Krupp'sche grobkörnige verwendet; die Größe der Körner variirt zwischen einer Erbse und einer Bohne; die Farbe ist ähnlick der des englischen Pulvers und erscheint dasselbe — abweichend von dem bisher gebräuchlichen — wie blank polirt.
Berlin, 9. Februar. Das Abgeordnetenhaus hat in dritter Lesung den Gesetzentwurf, betr. die Berliner Stadt-Bahn, angenommen und die Eisenbahn-Anleihe von 50,600,000 Thlrn. an eilte Commission von 21 Mitglieder
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Wie es von einer Versammlung ans der Mitte des englischen Volkes zu erwarten war, hat bei dem londoner Meeting eine ernste Auffassung der rely qiösen Fragen den Grnndton der Verhandlungen gegeben, und die zwiefach große Bedeutung der londoner Kundgebung besteht darm, daß einerseits das ernst evangelische Bewußtsein der Mehrzahl des englischen Volkes es an der Zeit hielt, lautes Zeuguiß feiner Gemeinschaft mit Deutschland in dem Kampfe wider Rom abzulegen, daß andererseits das freisinnige England sich iiickhaltlos dafür ausgesprochen hat, wie die ^ache des deiitscheii Kaisers in diesem Kampfe die Sache der Freiheit ist.
Berlin, 6. Februar. Der „Köln. Ztg." schreibt man : Unsere Reichs tags-Abgeordneten hatten sich zur gestrigen Eröffuniig des Reichstages zahlreich eingesundeu — so zahlreich, alS ob sie zeigen wollten, was die freie Ei)enbahn- fahrt der Reichstagsmänner für eine gute Einrichtung fei. Beiläufig bemerkt, Herr Sonuemann, der, angeblich als Verfassungstreuer, das Freibillet nicht angenommen hat, wird von den hiesigen Witzblättern gehörig durchgehechelt. Sie behandeln dieses Muster eines Deutschen — wie er nicht sein soll! — als einen eitlen Narren, der blos Aufsehen erregen wolle.
nächst zu Geldstrase», und für de» Fall, daß diese nicht eingezogen werden konnten, zu Gefängniß verurtheilt worden. Da er die Zahlung der Geldstrafen verweigert hatte und Execution nicht ausführbar war, ist das Gericht dazu geschritteu, dem Gesetze durch Abführung des Prälaten ins Gefängniß weitere Geltung zu verschaffen. Nachdem er von der beabsichtigten Maßregel bereits am 2. d. M. im voraus in Kenntniß gesetzt war, wurde er am 3. m aller Frühe aus dem erzbischöflichen Palast abgeholt und in das Kreisgerichts- gesängniß zu Ostrowo geleitet.
Der Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten wird am 11. d M. zu einer Sitzung znsammentreten. In dieser wird u. A. darüber Beschluß gefaßt werden, ob mit Rücksicht auf den Ausfall der Voruutersuchung das Verfahren gegen den Erzbischof Ledochowski einzustclle» oder ob derselbe zur mündlichen Vcrhandlimg vorzuladen ist. Selbllrcdcnd wird das letztere geschehen.
Zu den großen Sympathie-Meetings in London bemerkt die Provmc,al-
verwiesen.
Posen, 7. Februar. Der „Orendownik" tbeilt mit, daß schon vor der Verhaftung deS Erzbischofs Ledochowski von demselben für die Erzdiöcese ein Verwaltungsrath von Domherren, der ihn während seiner ^Abwesenheit zu vertreteu hätte, ernannt fei. Man bezweifle indeß, daß die Staatsregierung dieses Arrangement genehmigen weite.
Posen, 8. Fibruar. Dem Erzbischof Ledochowski ging nach Ostrowo eine Vorladung des Kreisgerichts von Posen auf den 24. Februar zu zur öffentlichen Verhandlung wegen Vergehen gegen die Maigesehe.
Ostrowo, 7. Februar. Erzbischof Ledochowski steht mit her Dtöcese iw keiner Verbindung. Derselbe hat e5 abgelehut, die im Jnspections-Zmimer gestatteten Besuche zu enipfangen; dagegen für seinen Haus Caplan die Eclaub- niß, ihn täglich besuchen zu dürfen, erbeten, sowie die Genehmigung der Ein- richtung einer besonderen Bet-Eapelle nachgesucht. Das Kreisgericht hat das Posener Appellgericht befragt.
Fulda, 4. Februar. Wie zu erwarten war, sind .auf her au das Capitularvicariat wieder ziirückgelangten Candidateuliste alle fünf Präsentanten gestrichen worden, nachdem sie sich geweigert hatteii, den neuen Homagialeid ohne Vorbehalt und Reservation erforderlichen Falles leisten zu wollen. Das Capitularvicariat erhielt aber auch ziigleich vont Ober-Präsidenten die Weisung, eine andere Candidateuliste einzureicheu. Da es iudessen dem Capitel unmöglich sein dürfte, eidwillige Candioaten präsentiren zu können, so will es, wie man vernimmt, dieser Aufforderung vorerst iiicht nachkommen. Es '.st demnach zu erwarten, daß die Vacatur des bischöflid)en Stuhles uoch lauge dauern wird. Für den Staat kann das übrigens ohne großes Bedenken sein, zumal das gegenwärtige hiesige Domcapltel keineswegs kriegssüchtig ist und namentlich btr zeitweilige Generalv>:ar Dr. Laberenz für einen verständigen und in seiner Art auch aufgeklärten Geistlichen der älteren Schule gilt, der dem Treiben und oftmals wahrhaft wahnwitzigen Gebühren der heißblütigen Caplane von je her abhold gewesen ist. Dagegen ist es die Partei der Fuldaer Zeitung, welck)e auf die verzweifeltste Weise danach strebt, sick) der Leitung der geistlichen Angelegenheiten des Bisthnms zu bemächtigen und schonungslos selbst gegen die greisen Capitnlare zu Felde zkebt. Das neue Blatt hat sich übrigens auch durck) seine mehr als gemeinen Schimpfereien schon selbst gerichtet und so der guten Sache im Grunde nur Nutzen gebracht, da sich auch die gläubigsten hiesigen Katholiken voll Abscheu vou diesen Ausgeburten des wahnsinnigsten Fanatismus abwenden.
München, 6. Februar. Die Ausschüsse des liberalen Kreisvereins für
die Einverleibung." Es folgt eine rührende Belobung des confessionellei'. Zusammengehens der Protestanten mit den Katholiken gegen Deutschland, eine Verhöhnung der Autonomisten, die als Gimpel behandelt werden, eine weitere Belobung der „Coalition der Republikaner und Ultramontanen" und eine Anfrage, „ob Frankreich seit drei Jahren alles aethan habe, was es dielen theuren und unalucklichenProvinzen gegenüber hätte thunsollen " Diefranzöwcht Preffe übersieht bei ihrem Triumphgesl'rci ganz die in manchen Wahlkreisen recht bedeutenden und fast an die Majorität hinanreichendcn Minoritättti, welche ein Beweis dafür sind, daß die den Franzosen so mißliebige „elsässische Partei" schon eine starke Stellung im Reichslande gewonnen hat.
mit seinen Steuern und Broglie durch seine clericale Politik.
Paris, 5. Februar. „Wenn es etwas gibt, das Frankreich in feiner i Trübsaleu trösten kann," beginnt beute das voltairiauiscbe Siede feinen Leit und Trostartikel über die Französischen Brüder in Elsaß-Lothringen, die Ultra montanen, „so ist es die so tiefe Anhänglichkeit, welche ihm die von der Brust gerissenen Provinzen zeigen. Mit Ausnahme von Hagenau, und auch hier nur in Folge eines falschen Wahlmanövers, sind die fünfzehn Wahlen, die am ver-
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folgendes Telegramm an die morgen in Berlin unter Gneist s Vorsitz stattfindende Versammlung: „Auch wir im Süden des deutschen Vaterlandes sprechen der Versammlung von Kampfgenoffen gegen die Uebergriffe der Hierarchie nn-> sere dankbare Zustimmung zur Resolution deS Londoner St. James-Meetings aus unter der Hoffnung, daß die Freunde der Bildung in allen Völkern gemeinsam und in lebendiger gegenseitiger Fühlung den Feind bekämpfen werden, welcher seine Herrschgelüste hinter dem Vorwande einer Gefahr für die Reli-


