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Special-Debatte werden verschiedene Anträge Freytag's auf Ablehnung der vom Ausschuß genehmigten Positionen sämmtlich abgelehnt. Ein Antrag Marquard- sen's auf Erhöhung der vom Ausschuß bewilligten Summe um 230,000 fl. für den Bau von Baracken auf dem Lechselde, ferner ein Antrag Schmidt's auf Erhöhung der Ausschuß-Summe um 700,000 fl. für die Erneuerung der Festungs-Artillerie und Ergänzung des Belagerungsparkes wurde angenommen, ein Antrag Dürrschmidt's auf Bewilligung von 350,000 fl. für Granatenzün­der nach preußischem Muster mit 88 gegen 63 Stimmen abgelehnt. In Folge dieser Abstimmungen stellt sich die für das Militär -Retablisiement bewilligte Summe atif 9,457,660 fl., wovon 9,379,160 fl. aus den Kriegs Entschädigung?- geldern und 78,500 fl. aus dem Erlös früherer Militärbestände bestritten wer­den. Das Militär-Retablissement wird in dieser Gestalt mit 136 gegen 13 Stimmen angenommen. (Die Regierung hatte 10,826,900 fl. verlangt.) Im Lause der Debatte protestirte Abg. Freytag unter dem lebhaften Beifall eines Theils der Patrioten gegen die gestrige Aeußerung Mahr's hinsichtlich des Fah- nen-Eides und des unbedingten Gehorsams des Militärs.

Frankreich.

PariÄ, 6. Juli. Au dem Leichenbegängnisie Goulard's nahmen heute über 300 Deputirte Theil. Minister Decazes sprach am Grabe und spendete dem Verstorbenen hohes Lob. Er sprach von dessen versöhnlichem Auftreten, als Mac Mahon ihn mit der Bildung des Cabinets betraut hatte, mahnte schließlich zur Versöhnung und sagte:Vergessen wir unsere unheilvollen Strei­tigkeiten und denken wir nur ans Vaterland!" Diese Rede bildete heute das Tagesgespräch in der Kammer; besonders bemerkt wurde, daß Decazes teil Marschall Mac Mahon nurPräsident der Republik" nannte, welchen Titel Fourtou demselben vor einigen Wochen in der Kammersitzung nicht geben wollte. Die Deputirten sind nur von der morgen anstehenden Interpellation in An­spruch genommen. Die äußerste Rechte glaubt sicher zu sein, daß sie das Ca- binet stürzen werde. Sie rechnet auf 120 Royalisten, einen Theil des linken Centrums und auf die übrige Linke. Das linke Centrum hielt heute eine Ver­sammlung, ohne zu einem Beschluß zu kommen. Die Anhänger Casimir Pe- rier's wollen das Cabinet stützen unter der Bedingung, daß es die Tagesord­nung annimmt, die, gegen die Legitimisten und Bonapartisten gerichtet, zugleich die endgültige Republik bekräftigt.

Christoplc's fortschrittsparteiliches Centrnm ist gegen das Cabinet, da es kein Vertrauen verdiene. Die Perieriften verlangen ferner Magne's Ent­lassung. Die äußerste Rechte will folgende Tagesordnung ansstellen:Die Versammlung, in Erwägung, daß sie das Gesetz vom 20. November allein auslegen kann, gehj zur Tagesordnung über."

Figaro", den man in parlamentarischen Kreisen für das Leitorgan Mac Mahon's betrachtet, behauptet, der Marschall werde die Minister nicht entlassen, sondern, wenn sie morgen auch überstimmt werden, mit ihnen weiter regieren und das von der Kammer votirte Gesetz ausführen, ohne sich sonst weiter um sie zu kümmern. Aus anderen sicheren Quellen erfahre ich, daß man im präsidentschaftlichen Palais glaubt, die Kammer werde nach der Niederlage des Cabinets sich binnen 14 Tagen selbst auflösen.

Der Verfassungs-Ausschuß hat heute den vierten Artikel des Antrags Ventaron angenommen, welcher Mac Mahon das ausschließliche Recht gibt, die Kammer aufzulösen. Daß Graf Chambord sich in der Nähe von Versailles befindet, ist unbegründet.

Die Polizei - Agenten im St. Lazare-Bahnhof traten heute wieder sehr brutal anfj, obgleich wenig Leute anwesend waren. Die gemäßigte Linke, die äußerste Linke und die Bonapartisten haben noch keine endgültigen Beschlüsse für morgen gefaßt.

(Enijfani).

London, 7. Juli. Die Minen-Arbeiter in Baresley in Vorkshire lehn­ten die Herabsetzung der Löhne um 10 pCt. ab und steht in Folge dessen ein Strike von 20,000 Arbeitern bevor.

Earl Dalhonsie ist gestorben.

. Spanien.

Tafalla, 30. Ium. So eben rückt auch die Nachhut der Armee hier ein und die kleine Stadl ist von Truppen überfüllt. Sie bat vorgestern und gestern noch viele Kugeln mit den Carlisten gewechselt, die übrigens ihrer Ge­wohnheit gemäß nicht ans den Laufgräben hervorgekommen sind. Nur ein ein­ziges Mal haben die Carlisten den republikanischen Soldaten da^ Vergnügen gemacht, sich auf dem Erdboden zu zeigen, indem vorgestern fünf Schwadronen ihrer Reiterei auf die Nachhut losgingeu. Sofort hielten sich drei Schwadro­nen Husaren unserer Armee bereit, sich mit dem Feinde unter gleichen Bedin­

gungen zu mesien. Das Gefecht währte nur einen Augenblick und endete mit der vollständigen Vernichtung der carlistischen Schwadronen. Heute fand bier ein feierliches Leelenamt für Marschall Concha statt, dem der Generalstab und die Qfficiere der Armee beiwohnten. Heute Abend wird der Kriegs-Munster hier erwartet. Die Soldaten sind bei guter Laune uud besonders vergnügt, daß sie nach viertägigen Entbehrungen wieder etwas zu esien und zu trinken finden.

Lokal-Notiz.

Gießen, 8. Juli. Bei dem heute Nacht stattgefundenen Gewitter schlug der Blitz in Melbach ein und zündete. In Folge dessen brannten eine Scheuer und ein Stall total nieder.

--In der gestern Abend stattgehabten Sitzung de» Großen Comite'» zum Turnfeste wurden den Herren L. Textor, Fr. Leid im Rappen und Jacobi Wittwe die drei noch zu besetzenden Wirthschaften auf dem Festplatze übertragen. Die Wirthsckaft in der Turnhalle be­kam Herr E. Junker. Außerdem kommen auf den Festplatz noch 2 Mineralwasterbuden zu stehen, so daß für den Durst hinreichend Sorge getragen ist. Die Sammlunq von freiwilligen Beiträgen zum Turnfeste haben bis heute einen reckt erfreulichen Ertrag geliefert. CS wurden gezeichnet 1958 fl. und stehen noch recht bedeutende Beträge aus. Nur mit Quartieren will et noch nicht recht ziehen und hofft man trotzdem, daß die Bewohner unserer Stadt in letzter Stunde einen oder mehrere Festgäste beherbergen, zudem ein Turner mit Wenigem vorlieb nrh, men wird. Hoffentlich werden dann auch die Gäste untergebracht werden und verspricht da» Fest ein recht schönes und großartiges zu werden.

--Auf dem heutigen Viehmarkt waren aufgetrieben: 932 Stück Rindvieh und 536 Stück Schweine und fand ein lebhafter Verkauf statt.

(Eefegrapfjifdjc Drjicfcfjcn.

Leipzig, 7. Juli. Ein Erlaß des Justizministers an das hiesige Han­delsgericht ordnet an, daß die amtlichen Verfügungen des Letzteren bis ^um Schluß des Jahres nicht im jetzigen Amtsblatte, denLeipziger Nachrichten", sondern wieder imLeipziger Tageblatte", dem früheren Amtsblatte, inserirt werden sollen.

Wien, 7. Juli. Erzherzog Albrecht ist heute nach Warschau zur Be­grüßung des Kaisers von Rußland abgereist; derselbe wird voraussichtlich Ian» gere Zeit in Rußland verweilen.

Bern, 7. Juli. Der Gesandte der Schweiz in Berlin, Oberst Ham­mer, wird die Schweiz auf dem völkerrechtlichen Congreß in Brüsiel vertreten.

Versailles, 7. Juli. Die Nationalversammlung beendigte in ihrer heutigen Sitzung die Berathung des Municipal-Wahlgesetzes, wobei die Erfor­derlichkeit eines zweijährigen Domicils für die Wahlberechtigung beschlossen wurde. Die Discussion der Interpellation Lucien Brun wurde auf morgen vertagt.__

Paris, 7. Juli. Betreffs der Stellung zur Interpellation Bcun's herrscht noch immer zwischen den verschiedenen Gruppen der Republikaner ein großer Zwiespalt der Meinungen. Das linke Centrnm will nicht mit der äußersten Rechten stimmen, hoffend, daß es dafür von dem rechten (Zentrum die Zusicherung erhalten werde, später für den Antrag Perier's zu stimmen. Auf dem Boulevard wurde neueste Anleihe zu 96. 92 gehandelt.

Belfast, 7. Juli. Da die hiesigen Spilmerei-Besitzer die Arbeitslöhne um 10 pCd. herabsetzen wollen, haben circa 30,000 Arbeiter seit gestern die Arbeit eingestellt. Die Spinnerei-Besitzer haben daher beschloffen, die Werk stätten nach 14. Tagen vollständig zu schließen.

New-Bork, 7. Juli. Die Cheyenne-, Cvmanche- und Iowa-Indianer drohen, 3000 Mann stark, mit Krieg. Die Regierung hat Truppen gegen sie abgeschickt.

Saarbrücken, 7. Juli. Bei der gestern vernommenen Verhaftung des Kaplans von Namborn derselbe hat wegen rechtswidriger Amtshandlungen 28 Monate Gefängniß zu vwbüßen kam es beim Passtren des nltramoiita- nen Hauptquartiers St. Wendel, von wo aus der Verhaftete per Bahn hier her gebracht werden sollte, zu ernsten Unruhen. Einige der ultramontanen Heißsporne und Mitglieder des Mainzer Katholikenvereins hatten es verstanden, in den unteren Volksschichten die zu der geplanten Demonstration erforderlichen Marionetten zu werben. Gegen 3 Ihr traf der arretirte Märtnrer zu Fuß in St- Wendel ein, begleitet vom Bürgermeister und einem Gensd'armen, und umschwärmt von einem großen Theil der Namborner und anderer benachbarter Gemeinden. Unterwegs waren die beiden Beamten beständigen Insulten aus gesetzt; man warf nach ihnen mit Steinen und stieß die schlimmsten Drohworte aus. In dem Geleite des Märtvrers befanden sich auch zwc i andere Geist licbe, die dem Tumult aber nicht steuern konnten, oder nicht wollten.

Konstantinopel, 8. Juli. Der Sultan hat vergangene Woche den Khedive durch ein sehr verbindliches Schreiben eingeladen, ihm im Laufe des Sommers in Konstantinopel einen Besuch abznstatten.

Allgemeiner Anzeiger.

Versteigerungen.

Dienstag den 14. I. M.,

g Bormittags 9 Uhr,

sollen auf dem hiesigen Rathhause verstei­gert werden:

1) das Anfahren von 600 (5bkmtt . Mauer­sand,

2) die Lieferung von 450.000 Backueinen, 3) die Lieferung von 100 Gntr Luftkalk, 4) die zur Fertigung eines Röhreiikanals erforderliche Maurerarbeit, Schlos­serarbeit und Eementliefcrung.

Gießen, den 8. Juli 1874.

Großherzogliche Bürg rmeisterci Gießen. _________Bogt.__ Z Holzversteigerung.

Montag den 13. d. M- soll in dem Stadtwald zu Hungen, Distric-

ten Buchwald, Hubback und Wellheu, nach- verzeickneteS Bau und Werkholz, welckrs von dem Steigerer nicht übernommen wurde, nochmals versteigert werden:

8 Buckenstamme 7,90 Festmeter,

3 Haiubuckenstämme 1,01 Festmeter,

30 Eickenstamme 29,13 Festmeter.

Der Anfang ist Morgens 9 Uhr im Di­strikt Buckwald, an der Straße von Hun­gen nach Billingen.

Hungen, den 8. Juli 1874. Großherzogliche Bürgermeisterei Hungen.

I. E d. St.:

Bender, Beigeordneter.

cn Montag den 13 d. M, von Morgens 9 Uhr an, sollen die dem Großh. Bürgermeister Bogt gehörigen Aecker in der Gemarkung Gießen, sowie die Erndte auf denselben an Cd und Stelle versteigert werden.

Zunächst wird die Versteigerung der Eindte vorgenommen und alsdann werden die Grundstücke zum Verkauf ausgeboten.

Die Verkaussbcdtngungcn werden im Termin bekannt gemacht, bemerkt wird aber, daß der Kaufpreis für die Erndte erst Martini d. I. zu bezahlen ist.

Der Anfang wird am Hardtweg zunächst der Textor'schen Brauerei gemacht

Gießen, den 7- Juli 1874.

In Auftrag:

Müller.

Donnerstag den 30. Juli, Nachmittags 2 Uhr, ! sollen auf dahiesigem Nathhaus die Immo­bilien des Wilhelm und Hermann j W a gner dahier : Flur-Nr. DÄlftr.

| 1 io69 19 Hofraithe in der Wetz-

steinsgaste,

aa 1M 238 Acker am Nahrungsberg,

*u 3M 114 Acker auf dem Sand,

versteigert werden.

Gienen, den 23. Juni 1874 Großherzogliches Ortsgericht Gießen. Lüdeki n g M ü l le r.

3353) Bei der bei Kaufmann Frech, Donnerstag Mittag fortgesetzten Waaren-Bersteigerung, komme» auch Lampen zur Ber< steigerung.

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