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Wien, 4. Mai. Im Verlaufe der heutigen Debatte des Äbgeordne- lenhaufeS über die kaiserliche Verordnung vom Jahre 1873 in Betreff der Auflösung von Actien - Gesellschaften erklärte der Finanzminister, er werde nie zugeben, daß der Steuersäckel zur Deckung «der Verluste einzelner und gewisser Geschäftskreise in Anspruch genommen werde. Auch könne es nicht Sache des Finanzministers sein, Fusionen und Liquidationen selbst in die Hand zu nehmen, weil dies Privatrechte tangire. (Beifall.)
Wien, 4. Mai. Die „Montagsrevue" meldet: Der Kaiser verlieh dem italienischen Ministerpräsidenten Minghetti, sowie dem italienischen Minister des Aeußeren Visconti-Venosta das Großkreuz des Stephansordens, dem italienischen Gesandten Grafen Robillant das Großkreuz des Leopoldordens und dem Cabmetschef des Königs Victor Emanuel, Aghemo, das Großkreuz des Franz-Josephordens.
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London, 1. Mai. Der Rath der Stadt London hat gestern beschloffen, dem General Sir (Samet Wolscley in Anerkennung seiner Verdienste um bu Sache des Friedens, des Handels und der Civilisation einen Ehrendegen im Werthe von hnndert Guineen zu überreichen und das Ehrenbürgerrecht zu verleihen. Zu gleicher Zeit sprach der Rath seine Verwunderung für die Aus dauer und den Muth aus, welchen neben dem General die gcsammten Officierc und Mannschaften der ihm anvertrauten Armee an den Tag gelegt haben.
London, 1. Mai. In dem niedern Convocationshause meldet Dr. Fraser heute einen Antrag an, daß ein Comitö eingesetzt werde, welches eine eingehende Prüfung der altkatholischen Bewegung auf dem Continent vornehmen soll, und daß gegebenen Falles Beziehungen zwischen der anglicanischen Kirche und den altkatholischen Führern angeknüpft würden.
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Paris, 1. Mai. Auf dem Congreß in Tours, wo 60 legitimlstiiche Zeitungen vertreten waren, wurden Adressen an den Papst und den Roy nub eine auf die jetzige Lage Bezug habende Erklärung verfaßt. Die Schriftstücke werden den übrigen legitimistischen Blättern zur Billigung vorgelegt und dann veröffentlicht.
— Mehrere französische royalistische Deputirte sind an der spanischen Grenze angekommen, um in das CarlistemLager zu gehen. Sie wollen sich von der Lage der Dinge überzeugen und dann in der National-Versammlung die Anerkennung der Carlisten als kriegführende Partei beantragen. Der Deputirte St. Victor ist bei den Carlisten.
Auch daö „Journal de Seine-et-Oise", ein bonapartlstlsches Organ, ist vom Gouverneur voil Paris wegen Angriffs gegen die Rational-Versamm- lung unterdrückt worden.
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Bayonne, 4. Mai. Nach lichten von carlistlscher Sein bestätigen den Einzug des Generals Coucha m Bilbao und fügen die Bemerkung hinzu, tie überlegene Artillerie der Republikaner habe die Carlisten gezwungen, ihre Steh linigen aufzugeben. Die carlistische Armee sei vollständig mtact, während die Rrgierungs gruppen 16,000 Mann an Todten, Verwundeten und Kranken ver« loren hätten und durcy bic|e Verluste auf circa 30,000 Mann zusammenae- jchmolzen seien.
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— Graf Damas, Präsident des Ausschusses der französischen Wallf.hr- ten, und andere Mitglieder des Comitös sind in Rom angekommen und vom Papst in fewrlicher Audienz empfangen worden.
Paris, 2. Mai. Frankreich soll gerettet werden! Das „Univers" bringt jetzt Näheres über die projectirte Canonisirung der Jeanne d'Arc.. Msgr. Dupanloup war ui Rom und hatte Unterredungen mit dem Papste und dem Secretär der Congregntion der Noten und der Antrag der Diöcese Orleans wurde beifällig aufgenommen. Allerdings, meint das „Univers", seien noch Schwierigkeiten zu überwinden, aber diese seien nicht unübersteiglich; man besitze Äctenstücke, welche als Ausgangspunkte für Einleitung der Sache dienen könnten. „Aber", schließt das „Univers" feine Andeutungen über die Heiligsprechung der Retterin Frankreichs, „es sind danach auch Wunder nüthig: der Glaube wird sie erlangen und Gott sie dem Glauben Frankreichs bewilligen." Die liberalen Katholiken haben Frankreich im Himmel in Mißcredit gebracht, die Gläubigen aber werden es retten. Das „Univers" wiederholt daher die Verwünschungen, welche Pius IX. am ls. Juni 1871 als Antwort auf eine Anrede einer französischen Deputation gegen die liberalen Katholiken schleuderte und worin es heißt: „Diese verderblichen Ansichten, die man liberale kaiho- lische nennt, das sind die wahren Ursachen des Verderbens der Staaten, und sie sind eS, welche Frankreich zu Grunde gerichtet haben. Glauben Sie es mir, das liebel, welches ich Ihnen bezeichne, ist schlimmer als die Revolution, ja als die Commune sogar." Wenn das richtig ist, so ist tJ ___.... w.
Zeit. die Jungfrau von Orleans heilig zu sprechen und zu dem Zwecke die nöthigen Wunder sich von Gott „beivilligen" zu lasten, feiert auch heute bereits die Völker, welche „an Gott und
3221 Las Annoncen Bureau von Rudolph Mosje, oertteten durw B. Heidingsfelder, Wallkhorstratze 96 'N Gießen, ist für die Beförderung von l*v "" als Einpfehlungsanzeigen, Kauf- und Verkaufqcsuche,
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— Das Hamburger Posldampfjchiff „Pornrncrania", Lapttän Schwenjen, vcn der Lmu der Hamburg - Amerikanijchen Packetfahrl «cl.en - SeseUichaft Irak am 29. «prU wiederum nm Reise via Havre nach New-Aork an.
— DaS Hamburger Pvstbampfschiff .Thuringia", Lapilän Meyer, von der Linie bn Hamburg «merikanischen Packetfahrl-Aclicn LScsellschasl, welches am 15. Äpr,l von Hamburg tu Ha"e abging, ist nach einer glücklichen Reise von 10 Tagen wohlbehalien m New - Aork an-v kommen.
Chemnitz, 25. April. Spaziergänger auf der In,el des Schloßteiches bemerkten »u ihrem Entsetzen, daß eine Frau, welche mit vier Kmoern auf dem Damme des Echlopleiches längere Zeil auf und abgegangen war und sich dann aus die Insel begeben Halle, zuerst »dn vier Klnoer in das Wasser warf und sich bann ebenfalls in den Teich stürzte. Durch idintü hcrbeigeeilte Hülfe der in der Nähe besinblichen Kahnführer und mehreirr Bürger gelang es, die Frau und die Kinder ans Land zu bringen, leider zwei der>elben, einen Knaben Don'mn Iabren und ein zweijähriges Mädchen, nur alS Leichen, während die Wiederdclebungsversutk bei der Frau, einem sechsjährigen uno einem fünfjährigen Mädchen von Erfolg waren. L>e cs heißt, soll die Unglückliche die Frau eines Beamten und Schwcrmuth der Grund der eat- setzlichen That sein.
— Aus Groß^Szombor wird geschrieben: Lor Kurzem wollte sich hier ernt Singspiel Gesellschaft produciren, als um 10 Uhr plötzlich der Stadthauptmann im Saal cr-dnen und die Abhaltung der Lorstellung untersagte, ohne hiefür einen Gründ anzugebcn. Als rinne Mitglieder der Gesellschaft dem Sladthaupimann Vorstellungen machten, verhetzte derselbe dein Primgeiger mit höchsteigener Hand eine schallende Ohrfeige Das anwesende Publikum l^ann zu murren und der Sohn des Gastwirthes, in dessen Local die Lorstellung S:ait nnoen fodtr, äußerte sich dahinter würde eS nicht so ruhig hinnehmen, wenn man ihm einen Schlag ins Gesicht versetzen würde. Der Herr Stadthauptmann war aber nicht faul uno verletzte auch diesem eine Ohrfeige. Die aufgeregte Menge stürzte sich hierauf auf den Stadthauptmann, warf ihn zu Boden und übte schreckliche Lynchjustiz. Schwer verwundet wurde der Mann nach seiner Wohnung gebracht. Am anderen Tage wurde er mit den Slerbe-Sacramenten verseher..
Gottesberg (Schlesien), 23. April. Ein schrecklicher Unglücksfall hat sich heule auf hiesiger Bahnstrecke, und zwar unmittelbar vor dem Stationsgebäude zugetrageii Nachmittag» 11 a Uhr kreuzen sich die Züge von Nuhbank und Dittersbach. Der elftere war eben vov gefahren und der letztere bereits in unmittelbarster Nähe. In diesem Augenblick versucht en Passagier — ein Schneidermeister aus Oisig bei Striegau — noch das Geleise auf dem eher der Zug Hera,«braust, zu überschreiten. Der Slations Ä'sistent Wemholz steht auf dem erhöht« Damme zwischen beiden »denen. Die Gefahr erkennend, will er den llnbejcnnenen ccrielkr noch entreißen, aber durch einen nicht zu erklärenden Unfall gerathen sie Beide zwischen bic Schienen und der Zua gehl über sie hin Der Assistent war direct unter die Räder geraibti und wurde, bis zur Unkenntlichkeit zermalmt, aufgehoben. Der Schneider, der mehr -wische- den Rädern gelegen, war zwar im Augenblick bewußtlos, doch scheint er mit mehr oder weniger ernstlichen Contusionen davongekommen zu sein und dürfte wieder bergestellt werden.
Paris, 2*. April. Lor zwei Tagen ermordete sich ein Pariser in Gens, nämlich b.-r Bi.omte de Gondreeourt, der von «einem Later wegen Lerschwendung unter Vormund,chask gestellt worden war. Der bekannte Pianist Heinrich Trenka (aus Gratz «n Oestcrreich) rouroe in der Nacht vom Samstag auf Sonnlag von Polizeivienern unter der Eoneordia Brücke «chla send gefunden. Zu«n Polizeieommisiar geführt, erklärte derselbe, daß man ihn in seinem Holet nicht mehr dulden wolle, daß ihn der Hunger geplagt uno er sich unter Die Brücke begeben habe, um sich das Leben zu nehmen. Dort habe cr den Muth verloren und er fei eingeichlafen Man glaubt, daß er geistesverwirrt «st und brachte ihn deßhalb nach dem Hospital Bics.'re Die Selbstmorde mehren sich übrigens tagtäglich in Paris Die meisten muffen dem in bei Er Hauptstadt herrschenden Elend zur Last geschrieben werden.
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stimmlllig glauben, und welche dadurch zu großen Anstrengungen und glorreichen Auferftchtmgeu gelangten, wie damals, als Jeanne d'Arc ihre geweihte Fahne an der Spitze der französischen Ritter entfaltete." Um diese Wiedergeburt Frankreichs zu betreiben, hat, wie der „Franyais", das Organ des äi.rzogs v. Broalic, meldet, „entsprechend einem Gedanken Pius' IX., der Cardinal Erzbischof von Paris eine imposante Ceremonie veranlaßt, die am 10. Mai in t'er Kirche Saint-Ambroise im 19. Arrondiffemeut abgehalten werden soll." Der „Franyais" weist auf die Nieterlagen, die Frankreich vor drei Jahren erlitten, und (Uif das Dunkel seiner Zukunft bin: „Jetzt gelte es, daß das Herz wieder in die Bresche^steize. und ein edler Schwung das Land in lichtere Regionen hebe, diesen ^Lchivung siude Frankreich in der Vereinigung der religiösen Idee mit der Idee des Vaterlandes."
Madrid, 2. Mai, Abends halb 10 Uhr. Marschall Serrano ist gestern m Poitugalete eingezogen. Zwei Divisionen gingen unter seinem Ober besetz! sofort aus das rechte Ufer des Nervion über. Die Carlisten haben Castrifana t : x ' --------
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Paris, 3. Mai. Eine über Bayonne hier eingegangene carlistische De-; peiche vom heutigen Tage dementirt die Nachricht von dem Emzuge der Republikaner in Bilbao Die Depesche fügt hinzu, daß die Carlisten das Bombarde-' ment gegen Bilbao kräftig fortsetzten und General Elio die carlistischeii Streitkräfte in formidabeln Stellungen bei Barracolda, Zarroza und Castrijaua concentrirt habe und dem Feinde die Spitze biete.
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sind wegen ihres Verhaltens bei ihrer 6imif|ton, „wodurch der bekannte Volks- Die Carlisten verdoppeln die Beschießung Bilbaos welche krjstia erwiberi lurnult, wenn nicht hervorgerufen, so doch unterstützt und vergrößert worden wird. Lin Telegramm Serrano's, aus Portugalete von deute daim >aä, fei", in Änklagezustand versetzt. daß d,c Carlisten alle P.sitionen ausgeben. ' 8
Madrid, 3. Mai. Neuere Nachrichten von der Nord-Armee sind nicht eingegangen. Die telegraphische Verbintung mit derselben ist in Folge an dauernden Ltnrmwctrers gestört. D-r M-liiär-Telegraph zwischen Portugalete und der Madrider Endstation ist gestern hergesiellt. Die ..Iberia" meldet die Negierniig beabsichiigc die nulitärnd)t Besetznng der baskischen Provinzen unb die Formiinng eiiecr neuen Lprakionearmee, die in fliegenden Kolonnen das ganze Königreich bis zur totalen Vernichtung der Carlisten durchiichen soll Heute fant ein Mordversuch auj Pi n Margall in desien Wohnung statt. Der Mörder töttfic sich selbst, nachdem mehrere Revolvertchüsic schlgegaiigen.
Madrid, 3. Mai. Das dritte repnblikaniichc Armee Corps ist gestern Abend in Bilbao cingerückt, wahrend Marschall Lerrano heute cinziiht. Tie Cerlisten sind total zersprengt und scheinen ihren Rückm.-rich au, Amezcuas zu nehmen.
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