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Expedition Ganjleibert,
Ltt. B Nr. 1
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kiessen.
Tonncrstag den 5. März
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Haydn.
Beethoven. I Schumann, b Haydn.
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Lung und beim Ei»
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hricht, M m jerwcg wohv^ enslein^ i Goths.
1829.
(Fortsetzung folgt.)
2. Ueberficht der von Großherzoglichem Ministerium des Innern für das Jahr 1874 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communal-Bedürfnisse
... , , v - Sie ist dies jedenfalls für
die denkenden und gebildeten Katholiken, die nur einigermaßen die Geschichte kennen, denn diese zeigt mit aller Sicherheit die gröbsten Jrrthüme, der Papste, dis mit aller Sophisterei der Jesuiten nicht hinweggebracht werden können. Zwar dem ungebildeten Volke, das die historischen Dokumente nicht selbst zu prüfen vermag, kann man wohl einredeu, und es glauben machen, daß die Päpste niemals geirrt, dem denkenden und historisch forschenden Manne nimmermehr, so wenig als die Aechtheit des Heues aus der bethlehemitischen Krippe, das man aus der Scheune nehmen sah mit eigenen Augen.
man räsonnirt haben: Die schwache irrthumsfähige Vernunft des einzelnen Menschen habe kein Recht in Sachen der Religion, des Glaubens so unbe- dnigle, absolut gültige Urtheile zu fällen über Wahrheit und Falschheit dessen, was ein Vertreter der Kirche als Wahrheit behaupte und verkünde. Wenn ein Vertreter der gemeinen natürlichen Vernunft einerseits und ein Verkünder übernatürlichen Glaubens im Namen der Kirche andererseits einander gegenüber stehen, müsse durchaus jener sich fügen und bescheiden. Würde man solchem „rationalistischen" Gebühren und Läugnen einem Organ der Kirche gegenüber einmal nachgeben, so würde der „Rationalismus" bald weiter um sich greifen und eine Grenze ließe sich bald nicht mehr ziehen. Man müsse also nur gleich bim Anfang davon widerstehen, und solche rationalistische Opposition/ wie dieser Mann sie erhebe, im Keime vernichten. Es verrathe, würde man ferner sagen, jedenfalls einen unkirchlichen, pietätlosen, widerspenstigen, hochmüthigen Geist einem Vertreter der kirchlichen Autorität so schroff und hartnäckig zu widersprechen; wer dies in dem einen Fall thue, der zeige schon, daß er eine schlimme Gesinnung hege, daß er es auch in einer andern nicht unterlassen werde, daß man sich zu ihm zu nichts Gutem versehen könne. Kurz, der Opponent zeige sich als ein unkirchlicher, unkatholischer Mensch von schlechter Gesinnung, dem in keinem Falle nachgegeben werden dürfe, den man kirchlich wohl zu bewahren, zu demüthigen, zu besserer Gesinnung zu bringen habe, ^s dürfte dabei aber noch weiter gekommen sein, wenn man beachtet, wie man in solchen Fällen kirchlicherseits zu räsonniren und zu verfahren pflegt — wovon wir bei unserm Bischof gleich ein Beispiel werden kennen lernen. Fand man den unkirchlichen Charakter der Opposition glücklich heraus, so konnte bald auch gefunden werden, daß der Opponent gar kein Christ mehr sei, daß er insbesondere die Gottheit Christi und die göttliche Stiftung und Leitung der Kirche läugne. Denn nur Jemand, der die Gottheit Christi läugne, könne so leichtfertig annehmen, daß Gott in seiner Kirche Betrug und Täuschung znlasse in seinem Namen, und daß das göttliche Werk dadurch verunstaltet werden dürfe. Wer solches denke und annehme, müsse jedenfalls sehr schwach in seinem Glauben sein, denn der wirklich Gläubige verzichte im Vertrauen
Der Bischof von Mainz gegen den Sultusminister Dr. Falk.
Von I. Fr o h sch am m er in München.
(Fortsetzung.)
Wir wissen, daß für ein solches Verhalten nicht der Einzelne die eigentliche, wenigstens nicht die volle Schuld trägt. Es ist das System, das die Einzelnen, insbesondere wenn auch noch, außer der Glaubensfrage, ihre übrigen Interessen damit verflochten sind, fesselt, zum Unglaublichsten veranlaßt und unter Umständen nöthigt. Dem System der großen Maschine muß sich Jedermann fügen, muß sich das Ungeheuerlichste auflegen, zum Absurdesten sich verstehen, wenn er nicht vernichtet werden will- Wir wollen dies noch näher an einem Beispiel zeigen. Wolfgang Menzel, der bei den Ultramontanen lange Zeit in großer Gunst stand und ebenso seinerseits viel mit ihnen liebäugelte, bis er endlich das sich immer steigernde römisch-hierarchische Unwesen nicht mehr ertragen konnte.
aus dem Heu der Scheune wunderbar ein Heu der Bethlehem'schen Krippe zu 4. Desgleichen des Kreises Worms.
Gunsten seiner heiligen Kirche machen kann. Wer aber die Allmacht Gottes 5. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens,
läugnet, der läugnet Gott selbst, und wer nicht annehmen will, daß Gotte- Se. König!. Hoheit der Großherzog haben allerguädigst geruht: am 13. Febr. Allmacht sich in Wundern bethätige und kundgebe, der ist nur ein elender Ras dem Bevollmächtigten zum Bundesrath, Ministerialrath Dr. Carl Neidhardt tionalist, der nothwendig Atheist werden muß. Sagt doch der Jesuit Ferran- in Berlin, die uachgcsuchte Erlanbniß zur Annahme und zum Tragen des ihm
auf die Göttlichkeit des Werkes Christi auf alles voreilige und blos „fiitijec
live" Urtheilen. Der Opponent also könne als kein Wahrer, richtiger Christ in den Gemeinden des Kreises Offenbach.
mehr gelten. Endlich aber dünkt mich einen Fanatiker rufen zu hören: Was 2. Desgleichen in den Gemeinden des Kreises Bensheim.
Katholik und Cbrist! Dieser Mensch, der nicht glauben will, daß der Büschel 3. Uebersicht der für das Jahr 1874, beziehungsweise 1872/74 ge
hen wirklich aus der Krippe zu Bethlehem sei, hat gar keine Religion mehr, nehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen Relikt ist ein Gottesläugner, ein Atheist. Er läugnet die Allmacht Gottes, die gions - Gemeinden des Kreises Bingen.
Deutjcöfanö.
* Gießen, 4. März. Der fünfte Congreß deutscher Landwirthe, welcher gegenwärtig in Berlin tagt, verhandelte in seiner Sitzung vom 25. Februar auch über die Frage der ländlichen Fortbildungsschulen. Sämmtliche Redner wiesen auf die Nothwendigkeit von obligatorischen Fortbildungsschulen auf dem Lande hin. Diese Frage sei gegenwärtig brennender als die eigentliche Schulfrage. Nur allein die Fortbildungsschulen seien geeignet, die für alles Gute und Böse so sehr empfängliche, aus der Schule entlassene Jugend vor Immoralität, Ausartung rc. zu bewahren. Die deutschen Gefängnisse würden offenbar weniger bevölkert sein, wenn allerorts, auch auf dem Lande, obligatorische Fortbildungsschulen beständen. Es gelangten schließlich folgende Resolutionen zur Annahme: 1) Die Errichtung von für die männliche Jugend obligatorischen Fortbildungsschulen auch auf dem Lande zur Befestigung und Erweiterung des in der Volksschule Gelernten ist ein staatliches und volkswirthschaftliches Be- dürfniß. 2) Es ist anzustreben, daß der Elementarschul-Unterricht auf dem Lande in denjenigen deutschen Staaten, wo dies bisher nicht der Fall, auch auf die Nachmittagsstunden und auf das 8. Schuljahr, also vom 6. bis 14. Jahre, ausgedehnt werden.
Unsere Negierung hat auch in dieser Beziehung — und das muß rühmend anerkannt werden — einen großen Schritt vorwärts gethan, denn das in oben angeführten Resolutionen Erwähnte wird nach dem neuen Schulgesetze in unserm Lande in aller Kürze zur Ausführung kommen.
Darmstadt, 28. Februar. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 11 ! enthält:
dus: Gottes Allmacht sei so groß, daß er den nämlichen Kopf (Todtenschädel als Reliquie) verzehnfachen könne. So würde es einem entschiedenen hartnäckigen Opponenten gegen den fraglichen Büschel Heu ergangen sein Im günstigsten Falle hätte man ihm eine tüchtige „kirchliche" Zurechtweisung angedeihen lassen, und fügte er sich nicht, so hätte man ärgere Maßregeln ergriffen, sckließ- lkch ihn mit Excommunication gestraft. Denn die erste Veranlassung mußte bald in den Hintergrund und der Widerstand gegen die „Auctorität der Kirche" in den Vordergrund kommen und das Heu aus der Scheune führte demnach bis zur Ausschließung aus der Kirche und zur Uebergabe der Seele des Widerspenstigen an den Teufel und zur ewigen Verdammniß.
Mail sage nicht, dies alles sei übertrieben oder etwa gar eine Persifflage. Es liegt dies alles im hierarchischen System und selbst um geringerer, rein weltlicher Dinge willen, wegen Abgabenfniheit, Privilegien, Schutz von kirchlichem Wein u dergl., ist es schon zu diesem Aergsten, zu Excommunication und Jnterdict, gekommen. Man sage auch nicht, es sei hier nur vom Mißbrauch eines einzelnen Menschen die Rede, die kircl liche Auctorität selbst mache niemals dergleichen Zumuthungen, die zu solcher Absurdität führen könnten. Die Kirche selbst macht sie in der That, und zwar gerade in der Gegenwart am meisten, insofern Papst und Bischöfe zum Glauben an die Unfehlbarkeit des Papstes auffordern und dazu Jedermann mit allen kirchlichen Mitteln zwingen. Die
Wolfgang Menzel also erzählt in seiner „Geschichte der Deutschen", da, wo er den geistigen und religiöseii Zustand des Volkes kurz vor der Reformation schildert, daß unter andern ein Mönch herumgezogen sei mit allerlei Reli- quienkram und Kuriositäten, z. B. einer großen Feder aus dem Flügel des Mlu UUV1I t
Aengels Michael, einer Hand voll Heu aus der Krippe in Bethlehem rc. Forderung, den Papst für unfehlbar zu haltens d. h. zu glmiben/ daß ein
Als ihm nun einmal diese Hand voll Heu abhanden gekommen, sei er dreist Papst, wenn er das Lehramt der Kirche übe, nicht blos fortan nickt irren
die nächste Scheune gegangen, habe sich einen Büschel Heu geholt und diesen könne, sondern daß auch niemals ein Papst in der Vergangenheit in dieser
v/'b '.eueres wiederum für Heu aus der Krippe zu Bethlehem, in der Jesus Function und Eigenschaft geirrt habe, ist unerhört, abenteuerlich'unb unmög-
al* Kind gelegen, ausgcgeben. Bel dem kolossalen Unfug, der damals mit lich zu erfüllen, und um kein Haar besser als die Forderung dcs Mönches,
dem religiösen Bedürfurß und dem Hang des Volkes zum Aberglauben getrie- die Hand voll Heu, die er in der Scheune vor den Augen der Menge geholt, ben wurde, ist ein Vorkommniß dieser Art keineswegs unmöglich, nicht einmal,für Heu aus der Krippe zu Bethlehem zu halteu. ‘ ' ' - -
unwahrscheinlich. Nun nehme man an: es sei aus der Zuhörermasse eili Mann k:.....-
ausgetreten, der sich energisch diesem Unfug widersetzte, das Verkündete für Unwahrheit und Unsinn erklärte, und sich weigerte, hier Glauben und Gehorsam zu gewähren. Dem kirchlichen System gegenüber war dieser Manii mit seiner Opposition im Namen des gesunden Verstandes und der Menschenwürde Verloren, wenn der Mönch hartnäckig auf seiner Verkündung stehen blieb und der Opponent sich nicht schließlich in Demuth unterwarf. Denn alsbald würde


