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Gießener Anzeiger.

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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hiessen.

Nr. 126. Donnerstag den 4. Juni SST4L

Amtlicher TheiC

Bekanntm ach u n g.

Betreffend: Das Departements Ersatz-Geschäft pro 187ZL

Das Departements-Ersatz-Geschäft für 1874 wird im Kreise Güßen M onle^ den 15. mib Dienstag den 16 Juni d. I. fhittfintcn.

Es haben sich nach Maßgabe der besonders ergebenden Vorladungen an den genannten Tagen vor der Großh. Departements Ersatz-Commission im Be­zirk der 49. Znsanterie-Brigade jedesmal von 71/2 Uhr Vormittags an im Nathhauesaale zu Gießen zu stellen:

tue von der Kreis-Ersatz-Commission als dauernd unbrauchbar erkanntet! Militärpflichtigen;

die zur Ersatzreserve II. Classe und zur Ersatz-Neserve 1 Classe desiguirten Militärpflichtigeu;

die von den Truppentheilen zur Disposition der Ersatz-Behörden entlasseiten Soldaten;

die von den Truppentheilen abgewiesenen einjährig Freiwilligen;

die von der Kreis-Ersatz-Commission als brauchbar und einstellungssähig erkannten Militärpflichtigen, einschließlich der vorzugsweise und primo loco einzustellenden Militärpflichtigeu früherer Jahrgänge.

Ansprüche auf Zurückstellung siud Moutag den 15. Juni d. I. geltend zu machen und haben sich Familienangehörige, auf deren Arbeits­unfähigkeit der Zurückstellungsanspruch gegründet wird, au eben diesem Tage zur ärztlichen Untersuchung einzufinden.

Ten Großh. Bürgermeistereien werden besondere Ladungen für die Militärpflichtigen k. H. zugehen, welche den Betreffenden unverzüglich zuzustellen sind. Der Vollzug der Ladungen ist innerhalb 8 Tagen anzuzeigeu.

Sollte eine Ladung nicht vollzogen werden fönnen, so ist der Grund hiervon berichtlich mitzutheilen und ist, wenn ein Militärpflichtiger von seinem bisherigen Wohnorte weggezogen ist, zugleich anzugeben, wohin derselbe verzogen ist.

Die Großh. Bürgermeister haben an dem Tage, an welchem Militärpflichtige ihrer Gemeinde zur Vorstellung kommen,'selbst anwesend zu sein und sich darum zu bemühen, daß die Letzteren rechtzeitig zur Stelle sind.

Gießen, den 26. Mai 1874. Der Civil-Vorsitzende Großh. Kreis-Ersatz-Commission Gießen.

I. V.:

Gros, Kreisasjessor.

B c k a n u tma ch u n g.

Ta cs jedem Laudwirthe ermöglicht ist, gegen eine mäßige Vergütung sich bei einer Hagelversicherungs-Anstalt gegen Hagelschaden zu versichern, so hat Großherzogliches Ministerium des Jnneru ausgesprochen, daß für die Folge auch bei Hagelbeschädignngen in größerer Ausdehnung auf die Gestattung einer Collecte zur Uuterstützung der ärmeren Beschädigten nicht mehr gerechnet werden dürfe. Es gibt uns dies Peraulassung, den Landwirthen des Kreifes die Versicherung gegen Hagelschaden in ausgedehntestem Maße dritigend zu empfehlen. -

Gießen, den 2. Juni 1874. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

_____________________v. Röder.

Donnerstag den 11. Juni 187a, Vormittags 10 Uhr,

wird auf Gruud des § 21 der deutschen Gewerbeordnung und des § 14 der Großherzoglichen Verordnung vom 1. November 1869 eine öffentliche Sitzung der unterzeichneten Behörde im Regierungsgebäude dahier stattfinden.

Gießen, am 30. Mai 1874. Großherzogliche Provinzial-Direction Oberhessen.

v. Röder.

Nr. 18 des Reichs Gesetzblattes, ausgegeben den 30. Mai 1874, enthalt:

(9?r. 1006). Poftoeitrag zwischen Deutschland und Brasilien. Boni 30. September 1873.

(Sichen, den 3. Juni 1874. Großherzogliches Kreisamt Gießen,

o. Röder.

: politischer Theil.

Cine Wetterprophczeihung. !ist versiegt, ihre definitive Lösung scheint ad calendas graecas vertagt und am

Die Polilik hak ihre großen Ferien begonnen, es ist still geworden im ganzen politischen Horizont bleibt nur das spanische Gewitter die letzte Hoff- europäischen Concert, seitdem die Nachtigallen das ihre anstimmen, seitdem der!»ung der Emotionslnstigen.

Flieder blüht unb die Rosen knospen. Ällerdings ist die Atmosphäre voll Elec-! Nur dieser Stoffarmuth mag es zuzuschreibrn sein, daß man dem Prin- tricitär, aber der Mond scheint am klaren Himmel, und die seltsamen Gebilde 'M Friedrich Carl die Absicht linterschob, d,e ihm eventuell anzubietende spa- der Wolkenwelt scheinen nur dazu da, den reizvollen Eindrnck der Klarheit'zu fische Königskrviie anzuuehmen. Schon vor einigen Jahren wurde dies alberne erhöhet!, sie ballen sich zn abemeuerlicheii Gestalten zusammen und zerstreuen Gerücht colportirt, mit ihm zugleich aber circnlirte eine sehr treffende Antwort, sich wieder, ohne dauernd den Himmel zu verfinstern; nur ganz fern am Hori- die der Prwz Jemand gegeben haben soll, der ihn von demselben unterrichtete, zont zuckt es mitunter empor; ein fernes Wetterleuchten.Augenblickliche, so wird erzählt, habe der Prmz gesagt,will ich annehmen,

Das ist in diesem Aiigcnblick auch ein Bild des politischen Lebens. Es wenn nur drei preußische Aimee-Corps mobil gemacht und zur Disposition ge- ist viel Zündstoff in der Welt, jeden Auaenblick kann ein oder der andere jener stellt werden." In Wirklichkeit möchte das schwer heimgesuchte Land durch eine schwarzen Punkte, die am wimmel eben fo schnell anftanchen, als verschwiiiden, solche Arznei leicht zu pacificiren, aber das Mittel dürfte nicht eben so leicht größer werden und gefahrdrohend, aber jetzt ist Alles still und ruhig unb nur z» erlangen sein unb daher hat es, mit der Annahme der Krone Seitens des dort unten im Süden" wetterleuchtet es. Prinzen Friedrich Carl wahrscheinlich eben so gute Wege, wie mit der Wahl

Es sind jetzt drei Jahre her, seitdem der Frieden geschloffen. Damals dieses Prinzen selbst. Auch würden wir, trotz des friedlichen Horizonts, den kochte es in ganz Europa und der Besiegle selbst schien nur den ersten besten, Prinzen Friedrich Carl nicht ganz entbehren mögen, wiewohl wir unserem günstigsten Moment erspähen zu wollen, um wieder loszuschlagen, den Priissiens Vaterlande wünschen wollen, daß der nächste Krieg, in den Deutschland ver- die Milliarden nicht zu bezahlen und ihnen die geraubten Peuduleu wieder ab- wickelt wird, keinen Düppelstürmer in den Reihen unserer Soldaten finden zunehmen. Oesterreichs Haltung war in jenen Tagen nicht eben zuverlässig n'bge. Nicht die Personen allein sind es, welche in drei Kriegen siegreich

England beobachtete feine gewohnte Zurückhaltung und nur Rußland stand mit waren, )ondern der Geist, der sie beseelte, uno. dieser Geist wird hossent- feinem ganzen Einfluß auf Seiten des, trotz der eben errungeiten kriegerischen uch auch in künstigeii Generationen dem deutschen Heere inne wohnen; er Mrd Lorbeern, den Frieden liebenden und seiner bedürfenden Deutschlands. Laug- vies um so sicherer, wie das freilich kaum anders denkbar, nur durch Die Ge- sam und allmählig, aber doch dem sorgsamen Ange erkennbar, hat sich seitdem fährdung der heiligsten Guter der Nation erzwungen werden.

eine Wandlung vollzogen. Frankreich bezahlte seine Milliardett und vergaß die So dürfen nur ohne Besorgniß uns des heitern Horizonts der Gegen- gestohleneii Pendulen, Oesterreichs Freundschaft ist an Stelle jener bedenklichen wart erfreuen, dürfen ohne Besorgniß allen Eventualitäten der Zukunft entgegen Haltung getreten, die der Besiegte von Königgrätz vor, während und nach dem sehen. Inzwischen sind wichtige materielle Arbeiten zu vollenden. Wir meinen Krieg beobachtete, und England, nach wie vor neutral, sieht vor ter Hand nicht die Kriegsrüstungen, die von allen Seiten mit jo ungemeinem Eifer voll- feine Aussicht, du Waffengeschäft mit kriegführenden Mächten abzusckließen zogen worden, als stände ein neuer Krieg unmittelbar bevor, denn in dieser Selbst die orientalische Frage, diese ergiebige Quelle conflictgicriger Politiker, Beziehung dürfen wir der erprobten Thätigkeit der Männer vertrauen, die an