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Erscheint täglich, «dt flud- nahme Sonntags.
Expedition Lanzletber», 8tt D. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kiessen.
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Kv. »2. Dienstag den 3. März ß8V«
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Bekanntmach u n g.
Wir sind veranlaßt, unsere früheren Warnungen vor dem Genufle amerikanischer Speckseiten zu wiederholen, indem deren neucrdinas wieder mit Trichinen in großer Zahl behaftet befunden worden sind.
Gießen, am 27. Februar 1874.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Röder.
Haydn. Beethoven. Schumann.
Haydn.
es 5V2 Uhr.
Betreffend: Gesetz über die Quartierleistunp für die bewaffnete Macht während des Friedenszustandes vorn 25 Juni 1868 — hier Nachweisungen über die Belegungsfähigkeit der einzelnen Ortschaften im Großherzogthum Hessen.
Gießen, am 28. Februar 1874.
Das Großherfsgiichr Kreisamt Gietzru
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien Allendorf a. d. Lahn, Allendorf a. d. Lda., Alt-Buseck, Burkhardsfelden, Daubringen, Eberstadt, Gießen, Klein-Linden, Ober-Bessingen, Oppenrod, Steinbach, Watzenborn und Wieseck.
Wir erinnern Sie an die Erledigung der Verfügung vom 13. Februar 1874 binnen drei Tagen.
v. Röder.
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Bezüglich des Rechtes der Freiheit der Wiffenschaft erweckt schon das
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Der Vorsitzende: Strack.
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Wenn man aber Unermüdlichkeit im Wirken, Rastlosigkeit im Orakeln dem Bischof von Mainz nicht absprechen kann, so muß man doch gestehen, daß er in diesem Geschäfte nicht von besonderem Glück begünstigt ist, daß er viel- mehr — wie man zu sagen pflegt — entschiedenes Pech hat. Gerade in den wichtigsten Dingen haben nämlich seine Aufstellungen, seine bischöflichen Orakelsprüche, vollständige Dementis erfahren vom Oberorakel in Rom. Seine wichtigeren Schriften wären sicherlich um ihres ganz falcheu, unkirchlichen Inhalts willen auf den Index der verbotenen Bücher gekommen, wenn man in Rom nicht gewußt hätte, daß der Bischof, trotz aller falschen Ansichten, doch der Gesinnung, dem Willen nach, also in potentia, stets vollkommen römisch und jesuitisch rechtgläubig, d. h. stets bereit sei, seine ausgesprochene Ucberzeugung fahren zu lassen, wie einen Handschuh auszuziehen, und sich dafür die römischbefohlenen Grundsätze anzuscknallen. Womit dann der Bischof zugleich noch die schätzbare Eigenschaft verbindet, alle, welche dieses Kunststück des Aus- und Anziehens von Ueberzeugungeu nicht zu Stande bringen können, unablässig zu bekämpfen, und als „Apostaten" zu schmähen. (Eine Bezeichnung, mit welcher er seinen Grundsätzen gemäß freilich auch die Apostel selbst belegen müßte.) Wir wollen all' dieses erweisen.
Im Jahre 1862 gab unser Baron und Bischof eine Schrift heraus mit dem Titel: „Freiheit, Autorität und Kirche. Erörterungen über die großen Probleme der Gegenwart." Sie hatte den Zweck, die wahren Grundsätze der Kirche über die genannten Probleme allen kund und zu wiffen zu machen, und die böswilligen Verleumdungen der Feinde derselben zurückzuweisen. Insbesondere wollte darin gezeigt werden, daß in der katholischen Kirche der Gebrauch der Vernunft nicht verboten oder unmöglich gemacht, daß die Freiheit der wissenschaftlichen Forschung keineswegs versagt oder gehemmt sei, endlich daß nur die eigentlichen Dogmen, oder vielmehr nur das apostolische Glaubensbe-
ung und beim Ein-
Der Bischof von Mainz gegen den Cultusminister Ideen, denselben mit den Trugbildern von Universalherrschaft, Gött- Dr. »kalk. !lichkett, Uebernatürlichkeit u. dergl. erfüllen, wie es bei den römischen Kaisern
>der Fall war, die bekanntlich bis zur Selbstvergötterung schritten. Der Bischof Von I. Froschhammer in München. !von Mainz stellt demnach von diesem „höchsten Orakel" nur ein Nachbild, eine
Art deutscher Filiale dar, und wir dürfen ihn sicherlich so bezeichnen, denn es ist damit offenbar eine Auszeichnung gewährt, eine ursprünglich heidnische freilich, aber nunmehr jesuitisch-päpstliche!
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Lehrer-Konferenz
Donnerstag den 5. März Lehrer-Conferenz zu Groß-Buseck Nachmittags 1 Uhr. Groß-Buseck, 28. Februar 1874.
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Gott, mit der fraglichen Bezeichnung geschmückt zu werden pflegt. Die Jesuiten v z . .......
lieben es nämlich, den Papst selbst als das „höchste Orakel" zu bezeichnen, um keuntniß, als unnahbar^für wissenschaftliche Forschung und als Schranken der seinen übermenschlichen, übernatürlichen Charakter zum Ausdruck zu bringen — Wissenschaft gelten, während alles andere der freien Forschung überlassen sei. wenn sie dabei auch in's Heidenthum zurückgreifen, heidnischer Anschauungs- Der Bischof spricht über all' dies mit bekannter Entschiedenheit und mitunter weise sich anbequemen müssen. Der Papst also ist ein Orakel, dazu gehört, in sehr erhitzter Weise. Hören wir ihn selbst:
natürlich auch ein Dreifuß nebst allen übrigen Requisiten eines solchen, den Bezüglich des Rechtes der Freiheit der Wiffenschaft erweckt schon das Dämpfen u. dergl. In der That, auf dem durch maßlose Eroberungs- und Motto der Schrift eine günstige Aussicht: Si tollis libertatem, tollis dignita-
Herrschsucht blutgedüngten Boden Roms läßt sich ein solcher Dreifuß wohl lern, wozu wir natürlich unsere ganze Beistimmung geben. In dem Abschnitte
^,1 paßend ausstellen, und die aufsteigenden Dämpfe können wohl den gesunden dann, der vom Glauben und von der freien Wissenschaft handelt, und der offen-
Md christlichen Geist verwirren und, statt mit guten vernünftigen Gedanken und bar veranlaßt ist durch des Referenten kurz zuvor erschienene Schrift „Ueber
hahier^ wir wagen es kaum, ihm diese Bezeichnung beizulegen, da ein unendlich Höherer, vor dem sich der Bischof in den Staub wirft, als wäre es sein Herr und
Wieder ist eine Kundgebung des Bischofs von Mainz, Frhrn. v Ketteler, erschienen, dieses unterworfensten Dieners des römischen Papstes und erbittertsten Feindes des Liberalismus. Viele dergleichen Broschüren sind von ihm bereits ausgegangen, denn er ist sehr rührig und unermüdet in Bekämpfung aller Gegner der päpstlichen Herrschsucht und des Ultramontanismus. Er hat sich zu einer Art bischöflichen Pcnnphletisten ausgebildet, der gewandt und klug seine Sache darzustellen und schönzufärbeu versteht für ein größeres Publikum, ttenn auch freilich dem denkenden Leser der wahre Werth der dem Wesen nach rur oberflächlichen Geistesproducte nicht lange verborgen bleiben kann. Aber Liese selbst treten mit großer Prätension auf. Wie der Bischof dem niederen Klerus gegenüber eine „unendlich höhere Jurisdiction" in Anspruch nimmt, so wollen natürlich auch seine schriftstellerischen Kundgebungen eine unendlich höhere
in §lll,delb Auctorität besitzen als die voll gewöhnlichen Schriftstellern. Wo der Bischof das Wort ergreift, da hat Jedermann unbedingte Wahrheit zu vernehmen; er vertritt nicht blos die Sache Gottes den Feinden Gottes gegenüber, d. h. allen gegenüber, die das Unglück oder vielmehr die Schlechtigkeit haben, anders zu denken als er, sondern was er sagt, muß auch unbedingt als Wahrheit gelten. Wer ihm widerspricht, ist ein Feind der göttlichen Wahrheit und Gottes Director! selbst. Wir haben es also bei ihm stets mit Göttersprüchen für die Sache Gottes zu thun; demnach mit Aussprüchen eines Orakels, nicht eines Schrifr-
—"" stellet. In der That, die Function eines solchen scheint der Bischof über- 'noinmen zu haben. Kaum kommt eine die Kirche irgendwie berührende Frage auf's Tapet, flugs sitzt der Bischof auf dem Dreifuß, und bald geht aus der Umnebelung der Gottesspruch hervor, wird von den Gläubigen unterwürfigst £> auch den Ungläubigen mittelst der modernen Reclame zur Kunde gebracht. Man denke nicht, daß wir durch die Bezeichnung „Orakel" etlva den Herrn Bischof irgendwie herabzusetzen beabsichtigen. Im Gegentheil,


