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Gelände- auf billige Beschränkung der Ansprüche der Grundeigentümer hin­wirken, sich nicht verwirklicht hat. Während man annahm, daß der 60fache, bezw. der 80fache Betrag der Steuerkapitalien dem wirklichen Werth und Kaufpreis der Grundstücke annähernd gleichkommen werde und. die betheiligten Gemeinden daher nur eine mäßige Summe zu tragen haben würden, ergab sich bei den oberhessischen Bahnen, daß der Kaufpreis für das Gelände sich auf 852,667 fl., der 80fache Betrag der Steuerkapitalien aber nur auf 328,210 fl. belief, so daß die Anforderung an die Gemeinden auf nicht weniger als 524,457 fl. berechnet wurde. Ebenso ist bei den Bahnbauten der Hessischen Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft, auf welche das Gesetz für anwendbar erklärt worden ist, der Kaufpreis für das Gelände auf 2,533,035 fl. 30 fr., der Mache Betrag der Steuerkapitalien auf 992,014 fl. 27 kr. berechnet werden, so daß die Anforderung an die Gemeinden, abgesehen von den in Anspruch ge­nommenen Zinsen, sich auf 1,561,021 fl. 3 kr. beläuft. Diese Ergebnisse stehen in entschiedenem Widerspruch mit der Voraussetzung und der Absicht der gesetzgebenden Factoren. Dazu kommt, daß bei der Anwendung des Gesetzes eine Reihe höchst eingreifender Zweifel und Verschiedenheiten der Auslegung des Gesetzes hervorgetreten ist, welche, wenn nicht eine gütliche Ausgleichung erzielt werden kann, wie dies bei den oberhessischen Bahnen bereits geschehen ist und auch bei den Bahnbauten der Hessischen Ludwigsbahn gehofft werden darf, zu einer unabsehbaren Zahl schwieriger und kostspieliger Proceffe Veran­lassung geben würde.

Bei dieser Sachlage erscheint es angezeigt, um die künftige Anwendung eines Gesetzes auszuschließen, das solche unbeabsichtigte Wirkungen und Schwie­rigkeiten im Gefolge gehabt hat, dasselbe aufzuheben, wobei immer Vorbe­halten bleiben kann, bei künftigen neuen Bahnunternehmungen soweit als nöthig eine Concnrrenz der betheiligten Gemeinden in einer andern, mehr geeigneten Weise eintreten zu lassen.

Ungeachtet der Aufhebung des Gesetzes kann aber die Anwendung des­selben für jene Bahnbauten nicht ausgeschlossen werden, auf welche dasselbe bereits seither für anwendbar erklärt worden ist, oder bezüglich welcher Seitens der Regierung bereits die Verpflichtung übernommen worden ist, das Gesetz für anwendbar zu erklären. In diesen Fällen haben die Unternehmer dieser Bahnbauten bereits ein wohlerworbenes Recht erlangt, das ihnen durch die spätere Aufhebung des Gesetzes nicht wieder entzogen werden kann. Die Auf Hebung des Gesetzes wird und kann daher mir die Bedeutung haben, daß dessen Anwendung auf künftige, noch nicht beschlossene, bezw. concessionirte, Bahn­bauten dadurch ausgeschlossen wird.

Berlin, 1. Februar. Die Kungebuugen in Loudon haben hier an hoher Stelle, wie man hört, einen sehr befriedigenden Eindruck hervorgebracht. Sehr bemerkt wurde namentlich in dieser Beziehung außer der Rede des Vorsitzenden der Vortrag des Predigers der hiesigen amerikanischen Kirche, Herrn Dr- Thompson, welchem auch dieTimes" nachrühmt, daß er die Bedeutung der preußischen Kirchengesetze mit großer Klarheit und Präcision entwickelt habe-

Berlin, 2. Februar. Vom Handelsministerium ist jetzt die allgemeine Durchführung der in der Unfall-Conferenz vom October v. I. gefaßten Be­schlüsse augcordnet worden. ,

Königshütte. Wie dieOberschl. Grenzztg." vernimmt, ist Redac- tcur Miarka, welcher aus Gesundheitsrücksichten aus seiner Haft vorläufig ent­lassen war und Nachurlaub erhalten hatte verduftet.

Kassel, 2. Februar. Ein Erlaß des Cultusministers bestimmt, daß bei der Neubesetzung erledigter Pfarrstellen in Niederhessen die Wünsche der betr. Kirchspiele thunlichst zu berücksichtigen sind.

Marburg, 2. Februar. Bei der gestrigen Nachwahl wurde Fenner (nat.-lib.) mit 1000 Stimmen Majorität gegen Grimm (conserv.) gewählt. Die Ultramontanen enthielten sich der Wahl.

Braunschweig, 28. Januar. Heute ist der Verleger desVolks- freund", W. Bracke jun., der Corrector, Drucker und Expedient, sowie das ganze übrige Druckerei-Personal einschließlich der Lehrlinge von dem Unter­suchungsrichter vernommen worden, um den Verfasser eines Artikels zu ermit­teln. Die Vorgeladenen haben mit wenigen Ausnahmen die Aussage ver­weigert. (Volkssr.)

Straßburg, 1 Februar. Von den rund 12,000 Wahlberechtigten der hiesigen Stadt haben bei der heutigen Reichstagswahl 9027 ihre Stimmen abgegeben. Davon erhielt Lauth 5916, Schneegans 2926, Bebel 168 Stim­men. Lauth ist also gewählt. Der Wahlact verlief in höchster Ordnung.

Schweiz.

Bern, 31. Januar. Der Urheber und die Verbreiter des in Bar-lc- Duc gedruckten Actenstücks, welches die Intervention der Mächte zu Gunsten der Ultramontanen anruft, werden gutem Vernehmen nach vor die eidgenössi­schen Assisen verwiesen werden.

ßnflüuib.

London, 1. Februar. Nachrichten aus Capecoastcastle vom 8. Januar zufolge hat der König der Aschantis zu den Engländern Gesandte geschickt und- um Frieden gebeten, der Oberbefehlshaber der dortigen Truppen indeß geant­wortet, daß er den Frieden nur in Cumasst verhandeln könne.

Türkei.

Konstantinopel, 31. Januar. DerLevant Herald" meldet, daß der Großvezir von Pariser Banken die Offerte eines Anlehens von 8 Millionen Pfd. Sterl. erhalten hat.

S e r m i f tb t e ft.

Der Mörder des berliner Cigarrenhändlers Schünemann, Schlosscrlchrling Schneider, befindet sich noch immer in dem Untersuchungs-Arrest der Stadtvoigtci, uno zwar, wie die Brg.-Ztg. berichtet, in derselben Zelle, die vor ihm der Mörder des Professors Gregv, LouiS Grothe, ein Jahr lang bewohnte. Seine Fesseln sind dieselben, die für Louis Grothe' auf Veranlassung seines damaligen Untersuchungsrichters, des Stadtgerichtsrath Ebers, ange- fertigt wurden und durch die das Anschwellcn der Hände verhindert und möglichst freie Beux Lung derselben gestattet ist. Die Fesseln sind aus etwa halbzölligem Rundcisen gefertigt, haben einen sogenannten Handsprengcr, der mit einer Fußschclle durch eine Kette verbunden ist, und sind >

nicht mit Dorhängeschlösiern, sondern mit einem Federverschluß versehen, der von dem Wärter leicht geöffnet und durch einen Druck geschloffen werden kann. In der Zelle verhalt sich der jugendliche Mörder sehr schweigsam, sowohl seinem Wärter wie dem Geistlichen gegenüber, der ihm häufig seinen Zuspruch zu Theil werden läßt. Auch dem Untersuchungsrichter gegenüber bleibt er dabei, daß er das Verbrechen allein verübt hat, obwohl Schünemann anzugeben schien, daß drei Personen dabei betheiligt sind.

Berlin, 29. Januar. Ein Unfall, der wieder zur höchsten Vorsicht mahnt, hat sich in der Nacht von Donnerstag zum Freitag in einem Hause der Linienstraße zugetragen und hätte unter Umständen tödtliche Folgen haben können. Der Kaufmann H. kam etwa um 2 Uhr Nachts nach Hause und sand ferne Frau auf dem Bett liegen, schwer stöhnend und ohne Be­wußtsein. Sie hatte ihren Mann erwartet und sich schließlich müde aufs Bett gelegt, nachdem te vorher die Petroleumlampe bis auf ein Minimuni heruntergeichraubt. Diese Angewohnheit haben viele Frauen, und wenn in diesem Falle auch die schleunige Hülfe der Hausbewohner größeres Unglück verhütet hat, so wollen wir nur bemerken, daß bei hcruntergeschraubtem Dochte, besonders wenn daS Petroleum schlecht ist, sich im Zimmer ein Dunst verbreitet, der, gemischt mit schwarzen Rußflocken in Unzahl, sich so auf Augen, Nase, Athmungsorgane legt, daß man beim Einnicken Gefahr läuft, in bester Form zu ersticken. Tage lang nachher hat man Drücken im Kopf und das Luftholcn wird schwer; der Versuch von einer Stunde wird den Ungläubigen zeigen, wie Tischtücher, Gardinen und alle andere Sachen sich mit Millionen kleiner schwarzer Stäubchen bedecken. Es ist also rathsam, entweder die Lampe ftots hell brennen zu laffen oder ganz auszulöjchen.

Literarisches.

(Mitgethcilt vom Bibliographischen Institut in Hildburghausen.)

Nochmals

ein literarisches Ereigniß!"

Unter dieser Aufschrift machte kürzlich eine identische Rcclame für das in den Verlag von Ad. Spaarmann in Oberhausen übergegangene Pierer'sche Conversationslexicon die Runde durch die Zeitungen. In derselben heißt es u. A.:Mit großer Freude begrüßen wir das Erscheinen der soeben beginnenden 6. Auflage dieses altberühmten Werkes, welche, von anerkannten Autoritäten sorgfältig umgearbeitet und ergänzt, völlig auf der Höhe der Zeit steht! Die Redactionen sprachen fernervon der Großartigkeit dieses Unternehmens, das wir als ein hoch­wichtiges literarisches Ereigniß bezeichnen können und ihr Wunsch sei es:Möge da- ebenso vollständige wie zuverlässige Werk bald in keiner Familie mehr fehlen!"

Diejenigen Redactionen, welche obigezur gefälligen GratiSaufnahme" ihnen zugegangene Neclame" in gutem Glauben an die Wahrheit des Inhalts abgedruckt haben, mögen dieselbe im Licht der Wahrheit selbst betrachten; hier ist sie: Herr Spaarmann hat schon vor einem Jahr einen bis dahin alS Hülfsredacteur bei Journalen thättg gewesenen Schriftsteller (von Haus aus Buchhändler) beauftragt, ihmein Convcrsationslexikon zu schreiben, das dem Meyer'schen Concurrenz macken könne." Der betreffende Schriftsteller ging wirklich auf cm solches Unternehmen ein. Nachdem die sechs Bogen zur ersten Lieferung fertig waren und Spaarmann mit seinem Nedacteur eingesehen hatte, daß die Absicht, dem Meyer'schen Werk zuvorzukommen, auf diesem Wege wohl schwerlick zu erreichen seine werde, da erwarb Herr Spaarmann das Verlagsrecht desPierer'schen Conversationslexikons" und beauftragte nun denselben Herrn mit der Neubearbeitung dieses Werkes. Dieser uretnzige Redactcur und Mit­arbeiter in einer Person sollte, nach Herrn Spaarmann's Anordnung, täglich zu zwei Druckbogen umgearbeitetes, ergänztes und auf die Höhe der Zeit gebrachtes" Manuscript liefern und dazu noch alle Correcturcn selber lesen.

Mit diesen Thatiachen vergleiche man nun die Ankündigungen des Herrn Spaarmann in demProspectus" zu seinem neuen Pierer! Da heißt eS:Allen unfern Mitarbeitern, an­erkannten Kräften auf den einzelnen Gebieten (!), war cs heiliger Ernst wie begeisterte Freude (!), durch, unermüdliches Sammeln und Verarbeiten alles Deffcn, was die Wiffenschaft und ihre Träger in engerem Kreise gelehrt und veröffentlicht, den weitesten Kreisen zugänglick zu machen, die Wiffenschaft ins Leben einzuführen." -Von der Verlagshandlung ist nichts versäumt, keim Mühe, keine Kosten gescheut, um diesem Werke den Vorrang vor allen ähnlichen Ency- clovädien zu sichern!"

Pierer ist seit fünfzehn Jahren veraltet (Denn die sog. fünfte Auflage war nur ein wenig veränderter Stereotyp-Abdruck der vierten, deren Druck 1857 begann). Nun beachte man: wie riesenhaft ist gerade in diesem Jahrzehnt die Wandelung und das Fortschreiten auf allen Ge­bieten des menschlichen Lebens, Schaffens und Wirkens gewesen welche Neugestaltung im Besitzstand und Verkehr der Staaten und Völker welche Forschungen, Erfindungen, Verbeffe- rungen in allen Wissenschaften, Künsten und Gewerben und dies Alles zerthcilt in bestimmte Arbeitsfächer, deren jedes seinen ganzen Mann erfordert und diese Riesensumme zu bewälti­genden neuen Materials sollte, nach Herrn Spaarmann's Anordnung, ein Mensch, dem nickt einmal wissenschaftliche Biloung dabei zu Hülfe kommt, übersehen und beherrschen und mit demselben den veralteten Pierersorgfältig bis auf den heutigen Tag ergänzen!!"

Daß dies dem Betreffenden zu viel zugemutbct hei^t, wird selbst Herr Spaarmann end­lich einseben und nach weiterer Hülfe sich umsehen müssen. Bereits ist em neuer Redactcur in Person eines auf einem Eisenbütcenwerk angestellt gewesenen Kaufmanns an Stelle des ersteren getreten, bezeichnend bleibt es aber immer noch, daß Herr Spaarmann vorgezogen hat, statt einen allerdings weit kostspieligeren fachmännischen Schriflstellerkreis, eine preisgekrönte Druck­maschine aufzustellen, die vierundzwanzigtauiend Abdrücke in der Stunde liefern soll. Daß Publikum verlangt aber für sein gutes Geld em gutes Buch, und eS kann ihm wohl gleichgültig sein, ob die Auflage desselben auf einer einzigen großen oder auf zwanzig kleineren Schnellpressen gedruckt ist. Ebenso ist die Angabe des angeblichen Papiervcrb.auchs von siebenzig Millionen Druckbogen nur für solche berechnet, welche nicht darüber nachdenken, daß sich der Papierverbrauch nach der Abnehmerzahl richtet, welche vorauszubestimmcn ein ebenso unbegreifliches Taschen» spiclerkunststück des Herrn Spaarmann ist, wie die vorerwähnte Manuikrivtbcschaffung.

Es wird im Interesse des Publikums fein, wenn Die obenbezeichneten ReDaetionen unter diesem Gesichtspunkt das Spaarmann'sche Unternehmen einer Prüfung und Würdigung unter» ziehen wollen.

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