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Genf, 1 Juli. DemGenfer Journal" zufolge ist Lucien Brun nicht nach Grobsdorf, sondern nach Ge; gegangen, wo er am 24. Juni eintraf. Wie es heißt, befinde sich Graf Chambord in der Nähe von Gens und verhandle durch Lucien Brun mit den Pariser und Versailler Legitimisten.

Vermischtes.

«us Hessen. Als Canvibatkn für das Bürgermeisteramt werden genannt: für Offen­bach Adv. Strecker, sowie für Gießen Adv. Diery. Die Wahl der Bürgermeister in den Städten liegt bekanntlich in den Händen der Stadtverordneten-Versammlungen, wahrend in den Land­gemeinden die Gejammtheit der OrtSbürger das Wahlrecht ausubt. (N. Hess VolkSbl.)

Darmstadt, 29. Juni. Am 27. AbendS starb der Lehrer an oem hiesigen Poly­technikum Professor Dr. Dölp. Sein Tod ist im Jntereffe des Institutes, an welchem er lehrte, ebenso wie im Jntereffe der Wiffrnschaft ungemein zu beklagen Er besaß eine^ vorzügliche ehr- gäbe und war mit der von den modernen Mathematikern geschienen Umgestaltung der höheren Mathematik vollständig vertraut, wovon sein Werk über die Determinanten das auch in den engeren Fachkreisen sehr günstig ausgenommen wurde, Zeugmß ablcgt. Der Tod unterbrach ihn in der Ausarbeitung eines größeren, gleichfalls dem Gebiet der D-terminantenlehre angehörigen 20 S' D a r m^a d t"30.^ J^unu In unserer prosaischen Zeu gehört eine Entführung 'wm"hin zu den Seltenheiten. Seit ca. 8 Tagen ist die ldiahrlge Tochter ^es hiesigen !Burg"S mit ihrem Geliebten, einem Schloffergesellen, von hier verschwunden und sind bis jefct alle Recherchen nad) dem Paar ^lglos^eblwben. Damen colportirten vorgestern Traktätchen. Die

Schönen hatten es vor Allem auf Israeliten abgesehen, an die sie sich h-randrangten und die sic mit ihren Gaben behelligten. Don den beiden Traktätchen, welche die Tochter Albions »n splendidester Weise verschenkten, enthält das eine dasEvangelium St. Marc, nach der deutschen Uebersetzung Dr. Martin Luthers" und ist zu London gedruckt, wie es heißtfür das Depot der britischen und ausländischen Bibelgesellschaft"; das andere Brochurchen nch et sich nach dem Titelan die Kinder Israels in allen Ländern, wo sie zerstreut sind, hat bereits die 3. Auflage erlebt, ist bei v. Pont und von Döhren in Hamburg gedruckt und wird von derNiedersächsischen Gesellschaft zur Verbreitung christlicher Erbauungsschriften" ausgegeben.

( sine alte Braut oder ein junger Bräutigam, wie man s nimmt. Em Gerücht « Paris will nämlich wissen, die gewesene Kaiserin Eugenic, gegenwärtig verwittwete Napoleon traae sich mit dem Gedanken herum, wieder zu hcirathen. Eine andere Version "zahlt, die Kancrin suche für den Prinzen Lulu eine Braut. In beiden Fallen gebe es etwas Besonderes, h^rachet die Kaiserin, so giebt es eine alte Braut, die Kaiserin zahtt ihre guten 48 Jahre, h i-j rathct der Prinz, so giebt es einen jungen Bräutigam, denn der Prinz zahlt nicht^cinmal^

Jahre. Das wahre an der ganzen Geschichte wird aber das fein, daß sie nicht wahr ist. Denn die Kaiserin kann keine solchePartie" mehr machen, wie sie eine mit Napoleon HI. gemacht, und es steht ihr absolut besser an, einst als Wittwe Napoleons 111 zu sterben, denn als irgend­welche Madame L oder U, zudem sie ja der Hoffnung sich nicht begeben hat, in die Tuiterien wieder einzuziehen. Aus diesem lctzercn Grunde dürfte sic aber auch für Lulu jetzt keine Braut suchen. Sie wird das Heirathen deS Kleinen jedenfalls auf eine spätere Zeit verschieben, wenn Lulu Louis geworden ist und in seine Taschentücher sich eine Kaiserkrone wird [tiefen lassen können. Freilich kann er sich bei der Gelegenheit erinnern, wie sein Papa angekommen ist, da er bei den legitimen Europäischen Höfen um Prinzessinnen ansuchte, die er behufS Festigung )eine8 ThroneS hcirathen könnte. Damals war es, daß Nikolaus, der Ezaar aller Neußcn, das böse WortParvenü" aussprach in Scbastopol zahlte Napoleon dem Russischen Kaiser die Rechnung hierfür aus. Aus Zorn heirathete er dann die einfache spanische Gräfin Montiio. Indessen die Zeiten sind veränderlich, und wer weiß, ob nicht Lulu als Napoleon IV. nicht eine mit drei Dutzend vollgültigen Ahnen behaftete Prinzessin auf dem Präsentirteller servirt bekommt. Einige Jahre später hätte ja Napoleon III. auch nur zu wählen gebraucht.

lieber den telegraphisch gemeldeten Tod der Gemahlin des Russischen Botschafters, Frau v. Oubril, erfahrt diePost" auS guten Quellen Folgendes- Herr v. Oubril hat bekanntlich seit' einiger Zeit eine Sommerwohnung in Potsdam bezogen- Er bewohnt dort die Hoff'sche Villa am Jungfernsec. Am Sonntag Abend nach dem Diner, gegen 7 Uhr, während Herr v. Oubril und der Seeretär der Russischen Botschaft, Herr v. Denkendorfs, eine Cigarre rauchten, wollte Frau v. Oubril einen Verwandten des Hauses, den jungen Herrn v. Knorring, welcher an dem See fischte, aufsuchen. Bei dieser Gelegenheit gerieth die bekanntlich sehr kurz- ichtige Dame, wahrscheinlich, indem sie ausglitt, in den See und zwar an einer Stelle, an welcher derselbe nur zwei Fuß Tiefe hat. Sie wurde, wie schon in Dem Telegramm berichtet, durch Herrn Bankier Fr. Burghalter gerettet, aber der Schrecken und der Fall ins Waffer hatten eine verhängnißvolle Wirkung bereits geübt und ein Lungenscklag machte dem Leben der Frau v. Oubril ein Ende. Dieses entsetzliche Ereigniß wird in dem Familienkreise der Der* torbenen um so erschütternder gewesen sein, als Frau von Oubril (eine geborene Fürstin Mest- scherski) nach schweren Schicksalsschlägen, welche sie getroffen, erst in der letzten Zeit angefangen hatte, sich wieder zu erholen, so daß sie gerade an dem verhängnißvollen Sonntage in einer heiteren Stimmung al8 seit langer Zeit gewesen war.

Temperarur tn Gießen, Juni 1874:

niederste 4- 3,5° R.

mittlere + 13,06

Mittel früherer Jahre + 12,98

höchste..................+ 24,0

Niederschlag - an 9 Tagen 1,86 Par. Zoll,

im Mittel früherer Jahre an 13 Tagen . . 2,73

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