Strassburg, 1. April. Julius Klein hat die Annahme des Bürqer- rneister-Amts definitiv abgelehnt. Die „Straßb. Ztg." knüpft an diese Mit- theilung den Wunsch, daß die durch die Deputation der Gemeinderache bet bcm Ober-Präsidenten eingeleiten Unterhandlungen mit der Regieruug zu einem t>er Bevölkerung willkommenen Ergebnis führen möchten.
Oesterreich.
Wien, 1. April. Einem Telegramm der „Neuen Fr. Presse" ans Konstantinopel zufolge hat der serbische Agent Kristic dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten Raschid Pascha osficiell einen für Mitte April festgesetzten Huldigungs-Besuch des Fürsten von Serbien in Konstantinopel angezeigt.
England.
London, 31. März. Der Unterstaatssecretär des Innern theilte auf eine Anfrage Ragan's mit, daß der englische Conful in Bilbao ein Gebäude in der Nähe des Consulats als Zufluchtsort für die englischen Unterthanen rm Falle eines Bombardements eingerichtet habe und die Generale der beiderseitigen Armeen die Schonung des Gebäudes versprochen hätten. — Das Unterhaus vertagte sich bis zum 31., das Oberhaus bis zum 14. April.
London, 30. März „Daily News" räch der deutschen Negierung, aber nicht weniger auch dem Reichstage, sich Ailgesichts der ernsten Berhäit- nisse, welche der Krieg geschaffen, zu verständigen und nicht über die Heeres- stärke uufruchlbare Kämpfe auszufechten. „Das deutsche Parlament" — heißt «s im Laufe des Artikels — „wird nicht versuchen wollen, den Kaiser, der sein Leben in der Uniform zugebracht hat, in seinem 78. Jahre zu einem con- stitutionellen und parlamentarischen Souvcrain nach britischem Muster zu bc- kebren. Mau muß ihn nehmen, wie er ist, aber die wichtige und Haupter- wägimg, daß man nicht durch Zersplitterung der moralischen Kräfte des Reiches dem Feinde in die Hände spielen dürfe, sollte für die Räthe der Krone sowohl, wie für die Majorität im Parlament ein hinreichender Beweggrund iur Mäßigung sein."
London, 31. März. Theilweise wegen Bismarck's Krankheit verschob die deutsch-sympathische Protestanten-Deputation die ursprünglich auf den 8. April bestimmte Abreise nach Berlin. Das um kurze Zeit verschobene Sympathie-Meeting in Liverpool findet nächstens statt, ebenso die Meetings in Manchester und Cambridge. ,
London, 31. März. Dem osficietlen Telegramm zufolge ist in Indien die Lage unverändert. Die von der Negierung getroffenen Vorkehrungen erweisen sich als genügend. Die letztwöchentliche Reißlieferung an1)ie Nothgegen- den betrug 36,000 Tonnen, davon 21,500 aus Negierungs - Speichern. Die Eisenbahn nach Durbungah wird um Mitte April fertig. Im Ganzen sind bis jetzt sechs Fälle von Hungertod festgestellt. Der Vice-Gouverneur Campbell bezweifelt, daß derselben noch mehr direct aus Hunger erfolgen würden, indessen seien Greise und Kinder sehr geschwächt. Der in London gesammelte Hülfsfonds beläuft sich auf 59,000 L.
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Rom, 30. März. Pio Nono, erzählt das „Popolo Nomano", hat den Bischof von Vannes, Monsignore Becet, in ganz außerordentlicher Weise, umgeben von den Cardinälen Bizarri, Bonaparte, Franchi und Martinelli, empfangen. Der Bischof betheuerte in seiner Rede, daß die ganze Bretagne an dem Schicksal des heil. Vaters den wärmsten Antheil nimmt und vor Begierde brennt, im päpstlichen Heere den Ehrenposten wieder einzunehmen. Auf diesen Punkt ging der Papst in seiner Antwort nicht ein, er betonte aber die Leiden, welche die katholischen Bischöfe überall auszustehen hätten; in Italien seien sie mit Ketten überladen. Wir bitten, sagt das „Popolo Nomano", die um Vergebung, denen das noch nicht stark genug ist.
— Die „Jtal. Nachr." schreiben: „Der österreichisch-ungarische Gesandte beim heil. Stuhle, Gras Paar, hat dieser Tage in Folge des päpstlichen Schreibens an den Kaiser Franz Joseph und des an die österreichischen Bischöfe gerichteten Briefes lange Unterredungen mit dem Cardinal Antonelli und dem Papste selbst gehabt, um sie zu überzeugen, daß die neuen Gesetze nichts weniger bezwecken, als die Freiheit der Kirche zu unterdrücken. Bei dieser Gelegenheit soll der Graf Paar Pio Nono die Antwort des Kaisers auf den an ihn gerichteten Brief des Papstes überreicht haben." Die letztere Nachricht wird auch von der „Bohemia" gebracht.
Amerika.
Washington, 31. März. Der Betrieb auf der Eisenbahn ist wieder hergestellt. Die Unterbrechung war dadurch verursacht, daß die Arbeiter der Eisenbahn, welchen im Februar nicht ihre Löhne ausgezablt waren, von den Gebäulichkeiten Besitz ergriffen und den Gang der Züge verhinderten, bis dann die Truppen jene räumten und die Wiederaufnahme des regelmäßigen Dienstes ermöglichten.
Lokal-Notiz.
B e s (!) I ü f f c
des Gemeinderaths aus der Sitzung vom 26. Februar 1874.
Anwesend waren: der Großherzogl. Bürgermeister Vogt, die GcmcindcratüSinitglieder Bücking, Gail, Haustein, Heß, Hombergcr, llörber, Lüdeking, Nagel, Noll, Pietsch, Wallenfels und Wenzel.
Eine Eingabe der Bewohner vor dem Neustädterthor um Errichtung von noch weiteren Laternen an der Straße daselbst wurde der BUcuchtungs - Commission zur Prüfung und Aeuße rung überwiesen
Der von I. B. Singer angebotene Austau von KelänDe an seinem Hau'e auf dem NabrungSberg, zum Zwecke der Verbreiterung des städtischen Wegs daselbst ist nach statigcfnndcner Prüfung und Antrag des Bauausichuffes genehmigt worden.
Bei drm vorgelegten Baugesuch des Anton Rüsing, we'chcr ein Gebäude jenseits der Main-Weser Bahn, neben der Besitzung des A. Schleisinger aufführen will, sindet der Gemeiade- rath nichts zu erinnern.
lieber die zur Beseitigung der Mißstände auf dem Bnrggraben nöthigen Arbeiten kam Kostenberechnung mit 1180 st. zur Vorlage. Dc'chloffen wurde hierauf, daß dreie von der Stadtkaffe voigelegt, die Arbeiten aber im Taglobn ausgeführt und die nöthigen Materialien durch Aceorde auS der Hand beschafft werden sollen.
Das Gesuch deß Tapezier» Theodor Brück, um die Srlaubniß zur Errichtung eine! Lagerhauses in dem Garten der fi. Zutt Wwe links am Asterweg, konnte wegen der dort bevorstehenden Verbreiterung der Straße nicht befürwortet werden.
Damit die Banquete an der Staatsstraße vom Friedhof bis an den Lutherberg nicht mit Unterhaltungsmaterial belegt werden und für's Publikum zum Paifiren frei bleiben, wurde auf desfallsiges Gesuch der Baubehörde beitblofien, zur Lagerung der erforderlichen Steine einen Theil der ausgegrabenen Stelle am Lutberberg mit der Bedingung einzuräumen, daß diese Bewilligung jeder Zeit zurückgezogen werden könne.
Wegen des Gesuchs von PH. Bauer II und Andere um Eröffnung der Straße von dem Reichensand bezw. Schoor nack dem Bahnhof, ist der Gemcinderath dem Antrag deS Aus'chuffes beigetreten, wonach auf das Gesuch nur bann eingegangen werden soll, wenn die betreffenden Grundbesitzer das in die Straße fallende Gelände zu 4 fl per □Rlafter abzutreten bereit seien.
Um den Wünschen von verschiedenen Setten zu entsprechen, ist bestimmt worden, daß au6 der Grube am Lutherberg, welche vorerst nur für Zwecke der Stadt bestimmt war, auch Sand an Private gegen eine Vergütung von 21 kr pro Wagen abgegeben werden soll.
Verwischte-.
— Es kommt allerdings nicht gerade selten vor, daß französische Gencktsblätter Anlaß haben, Verhandlungen zu veröffentlichen, denen eine corsische Vendetta zu Grunde liegt, aber es dürfte schwer fein, einen Fall zu finden, der für die allgemeinen Zustände der Insel so bezeichnend wäre, wie der kürzlich von dem Schwurgerichte in Bastia beurtbeilte der Vettern Peretti. Zwischen den Söhnen der Brüder Pereiti, Grundbesitzer in Leoie, herrschte schon seit längerer Zeit unausgesetzte Fehde. Ein VersöhnungSveriuch, den der eine der älteren Peretti auf seinem Todesbette machen wollte, änderte daran nicht-, seine Neffen ließen die zu diesem Behuf an sie ergangene Einladung unbeachtet. Am 25. Februar 1871 unterhielt sich Jean hui Peretti, der Sohn deS Verstorbenen, vor der Kirche von Levie mit einigen Perionen und sagte scherzend, er werde von nun an Rochefort beißen, sich zum Präsidenten der Republik ernennen lassen und, einmal in diese Würde eingesetzt, allen Störenfrieden und Stutzern der Insel das Handwerk legen. Seine Vettern Alexander und Anton Franz Peretti stanken in der Näße und lauschten seinen Worten. Nachdem die Gläubigen sich schon zur Meffe in der Kirche versammelt hatten, wandte sich ein italienischer Arbeiter, der troy aller gerichtlichen Nachforschungen von jenem Tage ab nicht mehr gesehen wurde, mit einem Anliegen an Jean Paul, welcher sofort den Gottesdienst verließ, um in dem nahegelegenen Hause seine- Schwiegervaters den Arbeitern die verlangten Lebensmittel verabfolgen zu laffen. Alexander und Anton Franz folgten ihm auf dem Fuße, bald ertönte ein Schuß, die Hcrbeieilenden, durch die sich die beiden Brüder mit Pistole und Dolch bewaffnet Basin brechen, fanden Jean Paul von hinten durchschoffen In seinem Blute liegen. Er bezeichnete Alexander als den Mörder; dieser war unsichtbar geworden und hielt sich in den Macchi verborgen, sein Bruder Anton Franz kam dagegen nach einiger Zeit wieder zum Vorschein, wurde im December 1871 vor ein Schwurgericht gezogen und frei- gesprochen. Kurz darauf trafen sein Pater, Peter Peretti, und der ältere Bruder des verwundeten Jean Paul, Don Georg, sich auf offenem Felde, legten beinahe gleichzeitig auf einander an, Don Georg blieb tobt auf dem Platze, sein Mörder und Cheun stellte sich den Gerichten und wurde als einer provoeirten Tödtung schuldig zu drei Jahren Gefängniß verurtsieilt. Der Verwendung gemeinsamer Verwandten gelang es trotzdem, zwischen den beiden Familien einen Friedensvertrag zu bewirken, auf den Jean Paul um so eher einging, als er selbst in Folge seiner Verwundung am Unterkörper gänzlich gelähmt und um das Leben seines achtzehnjährigen Bruders, des nunmehrigen Stammhalters, dem die Verwaltung der Güter oblag, bescrat war. Erst jetzt kam auch Alexander aus seinem Verstecke hervor und behauptete vor dem Sckwur» qerichte, er und sein Bruder hatten sich nothgedrungen gegen I'an Paul, Der sie mit einer Pistole in der Hand angriff, zur Wesir gesetzt. Zugleich (December 1873) stellte er drei männliche und zwei weibliche Zeugen auf, die theils mit seiner Familie verwandt, tsieils durch Dienstverhältnisse von ihr abhängig waren und betbeuerten, die Sache hätte sich zugetragen, wie er und Anton Franz vorgaben. Bis jetzt war von einer solchen Deutung des T atbestandes noch nie, weder im Publikum noch vor den Gerichten, die Rede geweien, und da Alles gegen die fünf Zeugen sprach, wurden sie selbst in Anklagestand versetzt. Von den zahlreichen Personen, die auf den Knall herbeneeilt waren, will Niemand einen der fünf Zeugen in der Nähe gesehen haben; den beiden Frauen und den Zeugen Jean Paul Nicolai weist die Untersiichung sogar nach, wo sie während des Vorfalles waren. Dieser Letztere ist wie der Zeuge Marcilesii Bruder eines zu lebenslänglichem Zuchthaus ocrurtheilten Mörders, eine der wegen falschen Zeugnisses angeklagten Frauen, Maria Lavinia Peretti, beschuldigt ihren ei icnen Oheim, dm Priester Nicoli, daß er 'sie auf Anstiften des Staatsanwalts Farinole wäbrenD ihrer Untersuchungshaft bestechen wollte, damit sie ihre Aussage ändere. Sie läßt ihre Worte von vier Mitgefangenen Weibern bekräftigen, von denen die Eine zu zwei Jahren Gefängniß verurtsieilt ist, weil sie eine Pistole auf ihren Verführer abgefeuert hat, die Andere ihren Liebhaber umbringen half und dafür mit sieben Jahren Gefängniß büßt, die Dritte in Untersuchung sitzt, weil sic Den Maire ihres Dorfes, von dem sie guter Hoffnung zu sein vorgiebt, mit Erschießung brdrohte, und die Vierte ihr Urtheil erwartet für zehn Arthiebe, die sie nach dem Manne führte, mit Dem sie lebte und der sein Eheversprechen nicht zu halten geneigt schien. Die Belastung-zeugen sagen einstimmig aus, daß Jean Paul, als er die Kirche verließ, keine Pistole in der Hand hielt, wie seine Vettern behaupten, er trug eine solche in der Rocktasche, wo man sie, als er nach feiner Verwundung ausgezogen wurde, fand. Er selbst wird, krank und gelähmt, in die Gerichtsverhandlung gebracht. Auf die Frage, ob und in welchem Grade er mit den Angeklagten verwandt sei, erwiderte er bewegt: „Ich war mit ihnen verwandt, ehe Alexander mich io elend zurichtete, ehe sein Vater meinen Bruder, Don Georg, töotete." Der Staatsanwalt trägt auf eine strenge Ahndung des Mordversuches sowohl als der falschen Zeugenaussagen, „eine Der Plagen Der Insel", an. Die Jury spricht Alerander P.'retti und die fünf Zeugen frei. Bei der Verkündigung dieses Urtheils bricht die junge Frau des Opfers I'an Paul P.'retti in ein laute! Wehegeschrei aus, die Zuschauer geben ihre Ucberraschung laut kund. Die Vertheidiger hatten, auf Die vorherrschenden bonapartistischen Svmpathieen gestützt, die Frage in eine politische um gewandelt, aus Jean Paul einen Sevtembermann gemacht und den Geschworenen ;u verstehen gegeben, sie seien der öffentlichen Meinung eine Genugthuung schuldig — ein Wink Den die Manner der Gerechtigkeit, wie man sicht, auch gründlich beherzigten.
Pans, 28. März. Der Poltzei-Präfeet hat verboten, daß Frauenzimmer ebne männliche Begleitung auf Den Stühlen vor Den Boulevards Kaffeehäusern Platz Maßregel ist gegen Die Dämchen gerichtet, die sich von <> Uhr Abends bis 1 Den sogenannten Terrassen dcv Boulevard Eafös einzufinDen pstegten. Dieselben eiiirc wenn sie allein sind, nur noch im Innern Der Cafes aufhalten. Die Läden mit Bildern unt Photographiecn werden in neuester Zeit noch schärfer überwacht wie bisher. Ein großer Tbeil der Bilder, welche die Schauspielerinnen in ihren Theater Eostumen darstellen, mußten als nicht anständig genug auS den Schaufenstern hinweggenommen werden.
Literarisches.
Hat Nr. 3 vom „Dattcrich" ihr Sckerflein an Humor zu Fastnacht reichlich gewendet, so feiert Nr. 4 in der ihr eigenthümlich sinnigen und gemütlichen Weite deS Frübli-'gs Anfan,, daS neucS Leben erweckende Osterfest und erzählt unter Anderem gar schnurrige Geschichten, fc sich am 1. April ereigneten. Unter den Persönlichkeiten aus Darmstadt'- Vergangenheit bringt sie das Portrait vom Hutmacher Hobeck, den sie im Ter! drastisch charafterifirt. Auch diese Nr. 4 ist, wie Die vorhergehenden, von C. W. Lkskk in Darmstadt, gegen Einsendung von 6 Kreuzern (in Briefmarken) zu beziehen.
Vcrloosungcn.
Karlsruhe, 31. März Bei der heutigen Gewinnziehung Der badischen 35-fl.-Loose fielen 35,000 fl. auf Nr. 120717, 10,0 0 fl. auf Nr. 130164, 5000 fl. auf Nr. 3107H4, 2000 fl. auf Nr. 73*4 201094 224949 22X794 242512, 100 > fl. auf Nr 75250 76034 134250 1339I* 15015^ 15*904 166879 197308 22*753 260610 297557 298137.
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