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Lxlra-Rkilage zu Ni. 304 Sks Jjictiencr flnaeincrs.

Die Auswanderung nach Brasilien.

Mittheilungen aus der Schrift- Mahnruf gegen die Auswanderung nach Brasilien von Sch-Ntke.

Unfere Regierung hat die vorliegende Schrift an die Großh. Kreisämter geschickt mit dem Wunsche, daß der Inhalt derselben weiter verbreitet werden möge. Warum? Der brasilianische Colonisationsminister erklärte 1858 in der Kammersitzung,daß cs der Regierung gelungen sei, 40 deutsche Zeitungen für ihr System zu gewinnen." Er fügte hinzu daß diese Sicherung der Presse allerdings 40,000 Thaler koste, daß aber die günstigen Erfolge auch gewiß seien Auch stellte die brasilianische Regierung Auswandernngsagcnten in Deutschland an, um deutsche Arbeiter für die dortiaen Colonien zii fangen. So ist es denn auch gelungen, eine nicht ganz geringe Anzahl unserer Landsleute zu verleiten, großentheils blindlings ihrem Verderben entgegen zu gehen. Nur einige Beispiele statt vieler. Vor einigen fahren wnrden 99 Preußen für Rechnung eines Majors Magalhaeus auf Parceria-Contracte, d. h. daß ihnen Land zur Bebauung auf Halbpacht übergeben werden sollte, nach Bahia geschickt, und die Contracte bei ihrer Ankunft auf eenen berüchtigten Sclavenhändler nmgeschriebe», welcher von der Regierung 40,000 Thlr. als Vorschuß für seine Colonisa­tions-Bestrebungen -.halten hatte. Di-Einwanderer" wurden dann nach dem Fieberflusse das Coutas gebrachr, wo

häufige Kumgersnoth herrscht. Auch diesmal mußten die Leute sehr bald auf halbe Rationen gesetzt werden. Die Re­gierung, benachrichrigt von diesem Elende, verzögerte die Hülfe wieder um vier Mouate. Das Journal de Bahia be-

richtet'nun weiter:Man sagt, die Regierung will die Leute nach dem Süden schicken und ihnen dort Land auf

Kredit geben. Aber, was kann den Menschen in ihrer Lage eine solche Aussicht helfen, da sie nichts zu hoffen haben und schon bedeckt sind mit Krankheiten? Die Leute sind dem Wahnsinne nahe. Der Gedanke des Verbrechens äußert sich bereits bei mehreren Familienvätern, nie, indem sie laut protestirc.i gegen den scandalösen Mißbrauch, der mit ihnen Getrieben worden ist, geradezu aussprechen, daß, wenn nicht schnell Hülfe geschafft wird, sie ihre Kinder mord en werden, damit sie nicht länger gefoltert würden, uuv dann Selbstmord begehen w o l l e^n« sjjovcm6er 1872 kamen 504 Deutsche in Victoria (Provinz Espirito Santo) an; sie fanden nicht eine Parzelle der Kolonie vermessen, wie ihnen versprochen war. Es müssen, sagt ein Zeitlingsartikel aus- jener Zeit, no* 4 5 Monate vergehen, ehe sie am eigene» Heerd sitzen können, und während dieser Zeit können sie verhungern." Die eben daselbst im Juli 1872 augekommenen Einwanderer lagen noch in Lagern, . aber auf dem Lehmboden des Empfanqschuppens auf Sauta Leopoldina, weil sie ihre Colonie noch nicht hatte» in Besitz nehme« können, und weil sie selbst den ihnen versprochenen ersten Waldschlag machen sollten. Von den erwähnten 504 Kolonisten wurden endlich im Januar 1873 einige nach ihrer Colonie gebracht.Uuter Thränen haben sie ihre Reise angetreten," sagt eine deutsche Korrespondenz aus Victoria,kenn sie wußten ja, daß sie auf der Colonie kein Unterkommen finden wurden. Erklärte doch kürzlich selbst ein brasilianischer Deputirter, daß überall, wo die Regierung colonifire, Alles schlecht werde, am Ende- zu Gruiide ginge, daß ihre Colonisten dreimal mehr kosteten, als andere, und daß das ganze Land­system'wie die angeblichen Vermessungen ein bloßer Betrug seien.*) , ,

Von einer schon bestehenden Colonie heißt es Seite 37: Rach zwanzigfahngem Bestände und bei emer Bevölke­rung von circa 4000 Seelen prvducirt die Colonie B l u m e n a n nichts Nennenswertbes für den Export außer -mi- aen Hunderttausend Cigarren und einigen hundert Dutzend Brettern, während sie ihre Lebensmittel, Kleidungsstücke, getrocknetes Fleisch, Zucker, Kaffee, kaufen muß. D.e widerspenstige» klimat>,che» Verhältnisse vereinigen sich mit den wilden Bewohnern des Urwaldes, um diese Schöpfung und ihren Zweck zu ersticken, während gerade sie so oft dazu haben dienen müssen, das Colonisations-Genie des Hamburger Coloniiations-Pereuis von 1848 und des Herrn Blu- menau zu verherrlichen. Rachden. erst im Jahre 1869 ein ganzes Jahr andauernde Regengüsse dre Ernten ast gänz­lich zerstörten, Ueberschwemmungen im vorigen Jahre ganze Cultnren vernichteten und Viele in den Finthen ihren Tod fanden, wiederholten sich die Einfälle der Indianer auf Blumenau seit 10 Jahren fast ohne längere Unt-rbr-chimg und find auch im vorigen Jahr- wieder viermal vorgekommen, so daß sich die brafiliamsche Regierung erst kürzlich veranlaßt gesehen hat, eine Sendung Flinten und Munition zur Vertheilung an die Colonisten zu beschaffen. Dreimal bei den Ueberfällen des vorige» Jahres waren die Opfer pommersche Landl-ute (welchen dort d,e unschätzbare Ehre zu Theil wird, als äußerster Vorposten gegen die Indianer vorgeschoben zu werden), das vierte Mal der Colomst jtnet in gtio Benedicto, wobei die ganze übrige Familie ermordet, ein zweijähriges Kind aber mitgeschleppt wurde, ^»ähn­licher Weise wie Blumenau schleppt auch Dona Franziska sein sieches Dasein an den Subventionskrucken der Regie- runa bin Die Colonie laborirt zunächst an den Schwierigkeiten des Terrains, welches die Provinz Santa Katharina überhaupt charaktcrisirt, so daß das Urtheil eines dort lebenden Deutschen nur zu wahr ist:Die Co °n,e» von Santa Katharina sind nicht lebensfähig und das um so weniger als wegen des Mangels guter Häfen und Wege, sowie jeglicher Anlage zu r Bin n-n sch-fffahrt uud wegen nichtBeste- hens einer h l u ter l i eg en d - n Bevölkerung kein Aufschwung durch Handel und Industrie zu """Was'nun aber Th er-sop ° l is, ebenfalls in Santa Katharina, anbetrifft, so liegen di- Ansiedelungen dieser Colonie in enqcn Felsenthäleru, welche mit wenigen Ausnahmen geringe Flächen zum Anbau, überhaupt aber gar keine iiir Anwendung des Pflnges darbieten. Nur beharrliche Anstrengungen können den Colonisten ihr Leben erhalten, denn nach Art des Deutschen hängen sie an ihrem einmal erbauten Hause. Die am schlechtesten placntcn Colonisten durften schwerlich j- im Stande sein, ihre Schulden an die Regierung zu bezahlen. Die Schicksale dieser Colonie lassen sich

*) S. 30, 31 des Schriftchens.