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Erscheint täglich, mit Ä* nähme SoimtagS.
Srpeditiou: 8aaght6tta, Sit B. Nr. 1.
Mnzeige- und Wntsßtatt für den Kreis Kiessen.
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Bekanntmachung, betreffend: Trichinen.
Nachdem erst vor wenigen Monaten in verschiedenen Fällen das Vorhandensein von Trichinen in von answärts importirten Schweinfleischwaare» datier konstatirt worden ist, hat Fleischbeschauer Lony in den letzten Tagen abermals Trichinen in amerikanischen Speckseiten, welche von einer hiesigen Handlung eingeführt worden waren und in mehreren Schinken, welche ein Privatmann aus Amerika bezogen hatte, entdeckt. Wir sehen uns deßhalb veranlaßt, wiederholt vor dem Genuß der aus Amerika importirten Schweincfleischwaaren zu warnen und darauf aufmerksam zu machen, daß nur gehöriges Durchkochen oder Durchbraten des Schweinefleisches vor der Trichinenkrankheit sichert. Zugleich bemerken wir, daß es nicht möglich ist, sämmtliche, von auswärts hierher gelangenden Maaren der fraglichen Art, namentlich auch die anderwärts fabricirten Cervelatwürste, mikroscopisch untersuchen zu lassen, beim Genuß von dergleichen Maaren daher unter allen Umständen die größte Vorsicht geboten ist.
Gießen, den 23. April 1873. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Röder.
Gießen, am 22. April 1873.
Betreffend: Kostenverzeichwsse wegen Beitreibung der Communalintraden vom 1. Quartal 1873.
Das Grotzherzogiiche Kreinamt Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien zu Aliendorf a. d. Lahn, Allendorf a. b. Lda., Annerod, Bersrod, Beuern, Dau- bringen, Eberstadt, Ettinghausen, Garbenteich, Groß^Linden, Hansen, Mainzler, Münster, Rödgen, Trohe und Watzenborn.
Wir erinnern Sie an die Einsendung der rubricirten Kostenverzeichuisse binnen 8 Tagen.
v Röder
2029) Bekanntmachung.
Der Kalkbrenner Karl Haas von Steinbach beabsichtigt, in der Gemarkung Gießen, rechts vom Leihgesterner Weg, auf dem Grundstück Flur XV Nr. 240, einen Kalkofen zu errichten und in Betrieb zu setzen.
Etwaige Einwendungen gegen dieses Unternehmen sind binnen 14 Tagen bei uns vorzubringen, wiedrigenfalls dieselben in diesem Verfahren keine Berücksichtigung mehr finden können.
Zeichnungen und Beschreibung können während der Frist auf unserer Registratur eingesehen werden.
Gießen, den 9. April 1873. Großherzogliches Kreis amt Gießen.
v. Röder.
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Thoren und Dethörte.
Der Reichstag wird sich über klirz oder lang mit zwei Gesetzentwürfen zu beschäftigen haben, die für die politische Entwickelung unseres Volkes von unermeßlicher Tragweite sind, mit dem Preß- und Vereinsgcsetz nämlich. Wie -aus wirthschaftlichem Gebiete ein großer Theil der die freie Thätigkeit jedes Einzelnen hemmenden ; eschränkungen bereits entfernt ist, so soll auch auf geistigem Gebiete jedes Hinderniß des freien Verkehrs des unmittelbaren und mittelbaren Gedankenaustausches beseitigt werden. Wenn man die gesetzgeberische Entwickelung eines Volkes einer kritischen Beobachtung unterwirft, dann wird man finden, daß jed-w aus gesetzlichem Wege errungene Fortschritt im Großen und Ganzen nichts anderes ist, als der genau formnlirte Ausdruck der Anschauungen, von welchem das Volk, in seiner Gesammtheit, beherrscht wird. . Co kann auch jeder gesetzliche Fortschritt als ein sicherer Maßstab für die fortgeschrittene Erkenntniß gelten. In jedem auf gesetzlichem Wege erreichten .Fortschritt liegt implicite auch ein Zeugniß für die höher gediehene Reife des Volkes. An der wirthschaftlichen Gesetzgebung, wie sich dieselbe innerhalb der letzten Jahre in Preußen und Deutschland vollzog, kann man es Schritt für Schritt nachweisen, daß immer erst dann die betreffende Verkehrsschranke aufgehoben wurde, als bereits längst vorher der Gedanke von der Unhaltbarkeit des bestehenden Zustandes zum vollsten Durchbruch gelaugt war.
Nicht anders verhält es sich mit den bereits erwähnten, die geistige Entwickelung des Volkes betreffenden Vorlagen. Man fühlt allgemein das Drückende der bestehenden Verhältnisse. Die große, gebildete bürgerliche Gesellschaft empfindet es als eine peinliche, mit ihrer Gesammtanschauung nicht zu vereinbarende Anomalie gerade auf dem Gebiete des Vereinsrechts unter die gängelnde Bevormundung gesetzt zu werden. Der gebildete Theil der Bevölkerung fühlt und begreift, daß es mit unserer Bildungsstufe unverträglich ist, daß man den Zeitungen, diesen unverdrossenen, flinken Tagesherolden, durch allerhand quälende Gesetzes - Vorschriften ihre Freiheit der Bewegung verkümmern will. Cie verlangt demgeinäß den gesetzlichen Ausdruck für ihre längst erreichte Mündigkeit in Form neuer zeitgemäßer Bestimmungen über das Preß- und Lereinswesen.
Gerade in diesem Augenblicke tauchen in einem Theile unseres Vaterlandes Symptome recht betrübender Natur auf, die sicherlich von den Gegnern jener liberalen Gesctzforderungen in ihrem Sinne werden ausgebeutet werden. Unsere Regierung, sowohl die im Reiche, wie auch die preußische, ist in voller rrformirender Thätigkeit begriffen. Auf allen Gebieten der Verwaltung bemerken wir den rüstigen Fortgang einer verbessernden Gesetzgebung, da dringt ein
er Theil.
recht unheimlicher Klang an unser Ohr. Verblendete, von gewissenlosen Agitatoren aufgehetzte Massen durchbrechen die gesetzlichen Schranken und suchen, auf die eigene rohe Gewalt gestützt, Abhilfe irgend welcher vorhandenen oder eingebildeten Mißstände. Diese sogenannten Bier-Revolutionen in Mannheim, in Frankfurt sind gerade in diesem Momente fatal. Denn hinter diesen anscheinend improvisirten Straßen-Scandälern steckt so etwas, was nach einem System riecht. Diese Thorheiten haben bereits Bürgerblut gekostet. Die Straßen einer friedlichen, fleißigen und gebildeten Stadt hallten von dem Geschrei wilder Rotten wieder. Viele Todte liegen bereits dahingestreckt, als furchtbare Opser ihrer rasenden Verblendung. Ein geistreicher Mann hat einmal gesagt, sobald der Wahnsinn epidemisch geworden, nennt man ihn Vernunft; allein die Staatsgewalt wird hoffentlich dafür sorgen, daß diese Sorte von Vernunft niemals officielle Anerkennung finde. Die Herren Socialisten, oder wie auch immer die Anstifter jener schaudervollen Tollheiten heißen mögen, irren aber in einem Punkte gar bedenklich, und dieser Jrrthum wird für sie verhängnisvoll werden. Unsere Gesellschaft nämlich ist nicht, wie anderwärts, in der Auflösung begriffen, auf deren Trümmern die neue communistische Ordnung etablirt werden könnte. Unsere Gesellschaft, die bekanntlich in ihrer Organisation den Staat ausmacht, fühlt sich nicht blos, sondern ist auch stark genug, um diese zersetzenden Elemente zu paralisiren. Unser Staat ist noch, Gott sei Dank, kräftig genug, um sich durch solch vereinzelte, wenn auch tief beklagenswerthe Störungen, weder zum Stillstand in der freiheitlichen Gesetzgebung, noch zu rachsüchtigen Maßnahmen bewogen finden zu lassen. Schlimm ist es freilich, wenn der gesetzliche Sinn der Massen noch so wenig ausgebildet ist, daß dieselben urtheilölos jenen zerstöruugssüchtigen barbarischen Fanatikern anheim» fallen, die keine einzige wahrhaft große Jd<e zu begreifen im Stande sind. Im wüsten sinnlosen Dreinschlagen, im Zerstören von Besitzthümern, im Nie- derbrenncn von herrlichen Baudenkmälern liegen die Gewährnisse einer neuen humanen Culturepoche. Mit derartigen Brutalitäten inaugurirt man dies neue Zeitalter nicht, in welchem Gleichheit alles dessen herrschen soll, was Menschenantlitz trägt.
Die guten Bürger aber müssen dafür Sorge tragen, daß die Staatsgewalt in ihrer Vollkraft und Stärke erhalten bleiben möge, damit sie auch gegen die Gesetzesabtrünnigen nicht grausam zu verfahren nöthig habe.
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Berlin, 22. April. Von der hiesigen Mohnungsnoth wird in ganz besonderer Meise die Universität betroffen, denn sie liegt im besten und thener-


