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Staates erscheint. Gleiche Sonne und gleichen Wind: das verlangen wir für beide, und haben keinen Zweifel darüber, daß sich dann der Glaube allmählig mit dem Wissen vermählen werde.

Nicht also darin sehen wir die Bedeutung des Altkatholicismus, daß er das eine oder das andere Dogma der römischen Kirche verwirft. Seine Be­deutung liegt viel tiefer. Er hat die absolutistische Verfassung, welche in der römischen Kirche nach und nach an Stelle der ehmaligen demokratischen, später aristokratischen getreten ist, und welche in der Unfehlbarkeits-Erkiärung des je­weiligen Oberhauptes der Kirche ihren Schlußstein erhielt, durchbrochen, hat dem Laienelement (der Gemeinde), welches im Verlaufe der Zeit vollkommen rechtlos geworden war, zu dem ihm gebührenden in den ersten Zeiten des Christenthums unbestrittenen Einfluß wieder verholfen, gleichzeitig den Priester und Seelsorger aus der Abhängigkeit, ja Knechtschaft erlöst, zu welcher ihn die römische Hierarchie aus Interessen politischer Machtstellung verdammt hatte, und damit die katholische Kirche, welche in den Händen ehrgeiziger Päpste und Orden zu einer politischen Institution geworden war, ihrer eigentlichen Auf- gabe der einer rein religiösen Institution, wieder gegeben. Wir können die Bedeutung dieser Reformen nicht hoch genug anschlagen.

Der Altkatholicismus hat sich durch die Vermeidung dogmatischer Neue­rungen vor dem Schicksale bewahrt, zu einer Sekte herabzusinken, und mit seiner heutigen Organisation Millionen deutscher Katholiken die Möglichkeit ge­geben, ihrem Glauben treu zu bleiben, ohne mit ihrem Vaterland und ihrem Volke, ohne mit den Errungenschaften der heutigen Zeit und mit Allem, was der Gebildete als Segnung der gesteigerten Cultur betrachten muß, zu zerfallen.

(Neue Frkfr. Pr.)

Die hessische Landes-Synode.

Die gegenwärtig in Darmstadt tagende Landes-Synode beschäftigt sich mit dem Entwurf einer neuen Kirchenverfassung. Die Verhandlungen sind auch über die Grenzen des Großherzogthums hinaus von Interesse. Sie lie­fern von Neuem den Beweis, daß selbst heute noch Angesichts des großen Kampfes zwischen der starr an mittelalterlichen Ueberlieferungen festhaltenden römischen Hierarchie und dem vorwärts drängenden Geiste des 19. Jahrhun­derts auch innerhalb der protestantischen Kirche eine Anzahl Männer, den Buch­staben über den Geist, die Form über das Wesen, die Tradition über die Be­dürfnisse der Gegenwart, setzen möchten, mit andern Worten, daß wir auch innerhalb der protestantischen Kirche unsere Männer des non posshnus haben, welche sich für unfehlbar halten und Wehe rufen über jeden Schritt, der ihrem geistlichen Hochmuth eine Niederlage bereitet. Gleich den Ultramontanen sind auch unsere lutherischen Orthodoxen sofort bereit, über Abfall vom Glauben, vom Christenthum und der Religion zu klagen, wenn das, was sie dafür hal­ten, nicht die unbedingte Zustimmung resp. Unterwerfung aller Anderen findet.

Wir meinen doch, die Stellung, welche die ecclesia militans Roms gegenüber dem Protestantismus eingenommen hat, solle innerhalb der prote­stantischen Kirche zum engsten Anschluß aller Gruppen aller Bekenntnisse führen. Sind ja letztere doch für jeden Vernünftigen nur durch höchst unwesentliche, längst veraltete Formeln getrennt, deren Fallenlassen schon an und für sich ge­boten wäre, angesichts der großen, gemeinsamen Gefahr aber geradezu als eine Pflicht erscheint.

Trotzdem sehen wir in Darmstadt zelotische Eiferer gegen das Zusammen­fallen sämmtlicher lutherischen, reformirten und unirten Gemeinden zu einer evangelischen Kirche des Großherzogthums kämpfen, bei der Frage über die Bildung der Gemeinden wieder die Zulassung von dem jeweiligen Bekenntnis;, ob lutherisch, reformirt oder unirt abhängig machen und schließlich die luthe­rische Kirche als die eigentliche Kirche der deutschen Nation proclamiren.

Glücklicherweise waren das Alles pia desideria einer Minorität. Die Versammlung ging darüber unter lauten und energische!! Protesten gegen den Zelotismus, der auch heute noch Altar und Kirche zu einer Stätte des Strei­tes und der Feindschaft machen wolle, anstatt zu einer Stätte des Friedens, zur Tagesordnung über, und verwarf alle Anträge der Herren Graf Görz, Dr. Rieger, Pfarrer Dieffenbach und Consorten.

Der Grimm derselben ist natürlich groß, und um ihr Herz zu erleichtern, schütten sie es in derKreuzzeitung" allerdings dem ihrer Gesinnungsweise am nächsten stehenden Organe, aus.Die Abstimmung so lautet der Schluß eines längeren Berichts über die beiden ersten Verhandlungstage fiel natürlich zu Ungunsten der Minorität aus, und vom Standpunkt des Pessimismus kann man schließlich damit zufrieden sein. Eine Verfassung, die so jegliches confessionelle Recht und die Glaubens- und Gewissensfreiheit ver­letzt, kann auf allgemeine Annahme nicht rechnen und nur zu erbittertem Kampfe führen."

Herr Nathusius-Ludom glaubt das vielleicht dem Einsender. In Hessen selbst wird man von dem angedrohten Kampfe wenig gewahr werden. Dafür ist doch die Zahl der orthodoxen Eiferer im Großherzogthum zu gering, und ihr Einfluß zu schwach.

Deutschland.

Aus dem Großherzogthum Hessen, 18. September. Je näher die Tage rücken, an welchen das neue Volksjchulgesetz in oer ersten Kammer zur Verhandlung kommen soll, um so entschiedener stellen sich die Freunde und Feinde desselben gegenüber. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht die größeren und kleineren in unserem engeren Vaterland vertretenen Blätter jeglicher Rich- - tung eine Lanze für oder wider brechen, oder statistisches Material herzutragen, oder endlich die Folgen erörtern, welche eine etwaige Ablehnung oder Verun­staltung des Gesetzes in erster Kammer mit sich führen werde. Waren es früher die Adressen der Ultramontanen, von welchen die clericalen Blätter triumphirend berichteten, so sind es jetzt umgekehrt die Adressen der Liberalen, bczw. der Lehrer, von welchen täglich neue Kunde in die Oeffentlichkeit dringt. Rheinhessen thut sich dabei vor Allem hervor. Nachdem Worms, Nierstein, Oppenheim mit gutem Beispiel vorangegangen, hören wir weiter die Orte Alzey, Hohensülzen, Nieder-Flörsheim, Mölsheim, Nieder-Wöllstadt, Flomborn, Wachen- Heim nennen, denen noch eine ganze Reihe entweder bereits gefolgt sind oder zu folgen im Begriffe stehen. Aber auch in Starkenburg regt es sich, und bald wird man auch hier eine stattliche Reihe von Adressen beisammen haben, obgleich gerade hier vielfach die Ansicht laut wird, daß bei der bekannten Ent-^ stehung der ultramontanen Adresien und der notorischen Billigung des Schul- gesetzes durch den intelligenten Theil der Bevölkerung eine papierne Gegen-

Demonstration gar nicht angezeigt sei. Von Oberhesien verlautet, daß dort Alsfeld die Agitation zu Gunsten des Schulgesetzes eröffnet habe, und andere Orte nachfolgen würden. Zeit zur Verbreitung der Adressen wird man noch zur Genüge haben, denn wenn es richtig, daß die erste Kammer vor Schluß der Synode nicht zusammen kommt, so werden, da die Synode bis jetzt täglich nur etwa vier Paragraphen erledigt hat, noch mindestens vier Wochen bis dahin vorübergehen.

Berlin, 18 September. Der Bericht der Specialcommission zur Untersuchung des Eisenbahn Conccssionswesens, welcher unterm 16. Juli dem König eingereicht worden war, ist, wie früher mitgetheilt, durch Königlichen Erlaß vom 1. August dem Staatsministcrium mit der Weisung wieder vorge­legt worden, diejenigen Anträge zu stellen, zu welchen sich das Staatsministe­rium in Folge der durch die Untersuchung gewonnenen Ergebnisse in Bezug aus Aenderung und Ergänzung der gesetzlichen Bestimmungen und Verwaltungs­normen bei der Verleihung von Concessionen zum Bau von Eisenbahnen u. s w. veranlaßt findet. Während die Vorarbeiten zur Ausführung dieser Bestimmung zunächst im Handelsministerium allseitig eingeleitet und im Gange sind, war vorläufig darüber Entscheidung zu treffen, in welcher Weise dem Bericht der Special-Untersuchungs-Commission eine weitere Oeffentlichkeit zu geben sei. Die Königliche Botschaft vom 14. Februar d. I., durch welche die Commission in's Leben gerufen wurde, sagte am Schluß:Wir behalten uns vor, der Landesvertretung seiner Zeit die bezüglichen Commissionsberichte zngehen zu lassen." Mit Rücksicht auf diese Ankündigung erschien es, wie dieProv.- Corresp." mittheilt, geboten, den nicht mehr fernen Zusammentritt der Landes­vertretung abzuwarten, um derselben den in Rede stehenden Bericht zuvörderst zur Kenntnis; zu bringen und in Gemeinschaft mit derselben die Modalitäten der weiteren Veröffentlichung zu erwägen.

Berlin, 19. September. In Kreisen, die mit dem Reichskanzleramte Fühlung haben, bezeichnet man als eine der Hauptvorlagen, womit der Reichs­tag sich in seiner nächsten Session zu beschäftigen haben wird, einen die Ein- 'ührung der Civilehe betreffenden Gesetzentwurf. Der Reichskanzler sowohl als der Cultusminister sollen sich direct hierfür ausgesprochen haben, während von beiden Staatsmännern eine Garantie für die Sanction des Kaisers, der bekanntlich aus religiösen Bedenken nicht für ein obligatorisches Civilehegesetz ist, nicht gegeben werden konnte. Man befürchtet übrigens, daß die Mehrzahl der Vertreter der Landesregierungen einem Gesetzentwürfe betreffend die Ein- ührnng der obligatorischen Civilehe ihre Zustimmung nicht geben würde. Doch hofft man, daß die Preußische Regierung, obgleich sie der Einführung der obligatorischen Civilehe ans dem Wege der Landesgesetzgebung den Vorzug gebe, allen ihren Einfluß geltend machen würde, eine solche Vorlage im Bun- dcsrathe durchzubringen. Die Einführung der Civilehe argumentirt man ergebe sich eben als eine Folge der von der Preußischen Negierung in kirchlich-politischer Hinsicht getroffenen Anordnungen ganz von selbst, so daß ihre Nichteinführung sogar die Bedeutung des Nückgängigmachens solcher Anordnungen hätte. Es liege auf der Hand, daß bei der gegenwartigen^Lage der Gesetzgebung, wo in dem weitaus größten Theile des Preußischen Staa­tes die Geistlichen als Civilstandsbeamte figuriren und die Kirchenbücher mit öffentlichem Glauben führen, die in nächster Zeit unzweifelhaft eintretende Verfügung der Amtssperre über die Bischöfe eine tiefgreifende Verwirrung in die Civilstandsangelegenheiten bringen müßte.

Wie derFreien Stimme" mitgetheilt wird, hat der Herr Bisthums- verweser von Freiburg im Breisgau die Anzeige erhalten, daß er wegen Zu­widerhandlung gegen die Preußischen Kirchengesetze im Bisthumsantheil Hohen- zollcrn in eine Geldstrafe von 600 Thalern verfallen sei.

Berlin, 19. September. DieSpen. Ztg." thcilt mit, daß die lan­desherrliche Anerkennung Reinken's als altkatholischer Bischof erfolgt sei. Die königliche Anerkennungs-Urkunde werde unmittelbar nach der Vereidigung dem­selben eingehändigt werden.

Berlin, 19. September. Die Gesammt-Ausprägung in den Münz­stätten des Deutschen Reiches stellt sich bis zum 30. August d. I. auf 873,714,500 Mark, wovon 747,024,020 Mark in Zwanzigmarkstücken und 126,690,480 Mark in Zehnmarkstücken bestehen.

Der heutigeReichs Anz." veröffentlicht das Allerhöchste Privilegium wegen Emission von Prioritäts-Obligationen der Köln-Mindener Eisenbahn- Gesellschaft im Betrage von 15,500,000 Thlrn. vom 3. September 1873.

Breslau, 17. September. Wie dieSchles. Ztg " erfährt, ist der bekannte ultramontane Reichstags-Abgeordnete Frhr. v. Loe seiner Stellung beim königl. Ober-Präsidium von Schlesien enthoben worden.

Elbing, 13. September. DieLehrerzeitung für die Provinz Preußen" erzählt einen Fall aus dem Kreise Pr. Eylau, wie man dort Lehrerstellen a.nfi bessert. Behufs Erhöhung des Lehrer-Gehaltes war am 30. Juli er. in der Schule zu G. L. Localtermin anberaumt, und es ward Folgendes beschlossen: Während die freie Weide in dem Dotatiousplan mit 6 Thlr. in Anrechnung gekommen, wurde sie jetzt auf 20 Thlr. taxirt. Die Ackerungs-Kosten wurden von 4 auf 6 Thlr. geschrieben, so daß der Patron, welcher bis dahin von der Societät für Weide und Ackerung 10 Thlr. erhielt, jetzt 26 Thlr., also 16 Thlr. Zulage bekommt, der Lehrer natürlich nichts! In dem dcßfall- sigen Bericht an die königl. Regierung wird es selbstverständlich heißen:Die Lehrerstelle zu Groß-Lauth ist um 16 Thlr. erhöht."

Glogau, 16. September. Graf v. Ballestrem, Rittmeister a. D. und Reichstags-Abgeordneter, ist wegen eines Wahl-Aufrufs zu einer siebenwöchent­lichen Festungshaft verurtheilt und wird seine Strafe nächstens auf der hiesigen Festung antreten.

Kassel, 20. September. Der wegen Kanzel-Mißbrauchs zu Festungs­haft verurtheiltc Pfarrer Witzel (Schemmern) ist sofort vom Pfarramt suspen- dirt worden.

Kassel, 20. September. Gegen die renitenten Pfarrer, welche sämmt- lich die vom Consistorium verhängten Geldstrafen nicht bezahlt haben, ist deren Beitreibung auf dem Wege der Execution verfügt.

Kassel, 20. September. Landgraf Friedrich, der präsumtive Thron­erbe, hat gegen eine Jahres-Revenue von 202,000 Thlrn. die Annexion aner­kannt, seine politischen Rechte aufgegeben und auf das Hausvermögen außer einigen Schlössern verzichtet. Den Philippsthaler Prinzen werden 36,000 Thlr. Jahresrente angeboten.

Kaiserslautern, 19. September. Der Stadtrath hat auf Grund der königl. Verordnung vom 29. August d. I. bcschloffen, die confessionellen Volksschulen in confessionell gemischte Schulen umzuwandeln. Nächsten Mittwoch

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