mehr. Die Aufrührer hatten in der ganzen Stadt Waffen- und Pulvervorräthe, einquartiert werde. Die Rädelsführer des Aufstandes sind geflohen. Nur ein zusammengeschleppt, die Zahl der Kämpfenden wird auf 2500 angegeben, geringer Theil der Bevölkerung ist in der Stadt geblieben.
Während des Kampfes hatten sie die den Markt einschließenden Häuserreihen! __________________
in Brand gesteckt.
Da nun der Widerstand aufhörte, zerschmetterten die Meuterer mit Axtschlägen die Thore des Rathhauses, drangen in dasselbe ein und tödteten zwei Gensd'armen und 16 Polizisten, gegen welche der Pöbel eine ganz besondere Wuth an den Tag legte. Was den Bürgermeister betrifft, so schleppten die Wüthenden ihn auf den Balcon und fragten die Menge, welche den Platz anfüllte, ob sie ihn todt oder lebendig haben wollten, und als die Antwort erscholl „lebendig", wurde er herabgebracht und auf dem Platze ermordet. Der Leichnam wurde in unmenschlicher Weise verstümmelt. Auch der Steuer-Einnehmer wurde ermordet, und unter Anderen, wie es heißt, gleichfalls der beigeordnete Bürgermeister Don Antonio Cabrera. Die Zahl der Opfer dieses scheußlichen socialistischen Gemetzels wird auf mehr als 30 angegeben.
So war denn die Stadt ganz in der Gewalt der Aufständischen, welche im Rathhause einen Wohlfahrts-Ausschuß einsetzten, allen Männern verboten, die Stadt zu verlassen, und nur den Frauen erlaubten, mit Pässen versehen, sich zu entfernen. Viele derselben flüchteten sich in die benachbarten Ortschaften Man traf Anstalten, einige der brennenden Häuser zu löschen, andere aber am Marktplatze wurden mit Petroleum begossen und in Brand gesteckt. Einigen Ladenbesitzern erlaubte man noch, einen Theil ihrer Maaren zu retten.
Inzwischen war im Alicante eine Commission ernannt worden, die sich nach Alcoy begeben sollte, um den Frieden zu vermitteln Diese schwere Aufgabe hatten Cervera als Delegirter des Gouverneurs und die Provinzial-Depu- tirten Beltran, Charques und Nogueras übernommen. Sie scheinen jedoch nicht viel ausgerichtet zu haben, und es folgte ihnen der Gouverneur von Ali cante mit einigen Truppen. Er steckte die Parlamentär-Flagge aus und es kam aus der Stadt eine Commission von 6 Mitgliedern, mit welchen er sich zum Rathhause begab und mit dem Wohlfahrts-Ausschüsse eine Besprechung hielt. Es scheint, daß man hierbei übereinkam, die Einwohner von Alcoy, welche sich an den Blutthaten beteiligt hatten, straflos ausgehen zu lassen, dagegen diejenigen, welche außerhalb Alcoys den Aufstand gefördert hatten, zu verfolgen, und für die in der Stadt angerichteten Schäden durch eine nach Maßgabe der directen Steuern zu vertheilende Auflage Ersatz zu schaffen. Das Ergebniß dieser Art von Besteuerung wäre natürlich das gewesen, daß die Beschädigten selbst für den größten Theil des Schadens aufzukommen gehabt hätten, während die Uebelthäter frei ausgegangen wären.
Unter diesen Bedingungen wurden die Geißeln in Freiheit gesetzt, und so wird wohl der General Velarde, mit seinen Truppen und Freiwilligen, anrückend, seinen Einzug in die Stadt ohne weiteren Widerstand gehalten haben.
Es stellt sich heraus, daß viele Arbeiter der Fabriken in Concentaina, Penaguila, Bocairente, Baneras und anderen industriellen Ortschaften der Umgegend mit den Aufrührern gemeinschaftliche Sache gemacht haben. Bemerkenswerth ist noch, daß die vielen Barricaden, welche in Alcoy aufgerichtet waren, von den Aufständischen ganz militärisch bewacht wurden. Losung und Feldgeschrei waren: Wer da? Spanien. Was für Leute? Petroleum.
Nach der obigen Darstellung würde den Bürgermeister Albors die Schuld treffen, durch seinen Schuß auf die Menge das erste Signal zum Angriff gegen ihn und die Behörden gegeben zu haben. Andere Berichte thun dessen keine Erwähnung. So auch nicht der Minister des Auswärtigen, Maisonnave, als er von den Cortes mit zitternder Stimme Auskunft über die entsetzlichen Ereignisse gab. „Der Bürgermeister von Alcoy", sagte er, „der unglückliche Don Augustin Albors, welcher mit uns die Beschwerden der parlamentarischen Thä- ti^keit in den constituirenden Cortes von 1869 getragen hat, der Mann, der vom Jahre 1844 an Opfer für die Freiheit und Republik gebracht hat, der Mann, der sich durch seine Rechtlichkeit, seine Thatkraft und seine Liebe zu der gegenwärtigen Staatsform einen großen und verdienten Ruf erworben hatte, widersetzte sich entschlossen den Anmaßungen der strikenden Arbeiter und verteidigte ihnen gegenüber sein Recht und das der Behörden, an deren Spitze er steht. Die Strikenden wollten davon nicht hören; sie stellten ihm eine Frist von drei Stunden, um abzudanken. Der Bürgermeister weigerte sich dessen und schloß sich mit einigen Bürgern, die ihm ihren Beistand anboten, einer Anzahl Freiwilligen und Gensd'armen in das Rathhaus ein. Die Drohungen verwandelten sich leider in Thaten, die Aufrührer griffen das Rathhaus an. Es waren ihrer 8—9000 unter den Waffen." Der Minister erklärte weiterhin, daß ihm haarsträubende Nachrichten zugegangen seien, die selbst den kältesten Gleichmuth erschüttern könnten. Nicht nur seien viele Privathäuser lind Fabriken von den Flammen verzehrt worden, sondern auch das Nathhaus, unter dessen Trümmern viele Unglückliche umgekommen seien, die doch das Recht, die Gerechtigkeit, die Freiheit und die Republik vertheidigt hätten. „Was soll ich Ihnen Schandthaten erzählen, wie die, daß das Volk aus den Fenstern des RathhauseS gefragt wurde: Wie wollt Ihr den Elenden haben, todt ober lebendig? Soll ich Ihnen das Schicksal eines meiner besten Freunde weitläufig erzählen, den man wie einen tollen Hund durch die Straßen verfolgt hat, worauf man ihn unter den größten Schmerzen verhöhnt, auf die grausamste und brutalste Weise umgebracht hat? Gestatten Sie mir, meine Herren, den Blick von diesem Schauergemälde abzuwenden." Der Minister meint hier jedenfalls den Republikaner Don Camilo Garcia, den die menschlichen Bestien auf der Flucht ergriffen, entkleideten, mit Petroleum bestrichen, erschossen und mitten auf dem Markte verbrannten. Ein ähnliches Loos hatte Antonio Pascual, gleichfalls ein bekannter Republikaner. Im Vergleich zu der Größe der Städte können sich die Ereignisse von Alcoy den Gräuelscenen der Pariser Commune kühn an die Seite stellen. Wie der Mercantil Valenciano berichtet hätten auch wirklich an der Spitze der Mordbrennerbande mehrere Franzosen gestanden, die ihre Lehrzeit in der Commune von Paris durchgemacht. Möglicher Weise aber möchte man in Spanien die Schuld an jenen Gräueln lieber Ausländern als eigenen Landeskindern aufbürden.
Die letzten Nachrichten aus Alcoy lauten: Die Truppen sind am 12. b. Mts. ohne Widerstand eingerückt; bie Bevölkerung hat sie mit großen Freu- benbezeigungen, mit Glockengeläute und ausgesteckten Fahnen empfangen unb Hochrufe auf ben General Velarbe unb bie Miliz von Valencia auögebracht- Die Freiwilligen von Alcoy bilbeten bie Vorhut. Der General Velarbe hat befohlen, baß Niemand in den 500 Häusern, die beraubt worden sein sollen,
Demfdj fcmö.
Darmstadt, 20. Juli. Kaiser Wilhelm traf Nachmittags 2y2 Uhr m Jugenheim ein, verweilte daselbst iy2 Stunden und kehrte sodann nach Ems zurück. Kaiser Alexander verläßt Jugenheim am 23. d. M , die Kaiserin am 27. d. M.
Darmstadt, 21. Juli. Die zweite Kammer genehmigte das Finanzae- setz für 1873^75 nach der Fassung des Ausschusses.
Berlin, 19. Juli. Die Versicherungen der officiösen und „liberalen" Organe, daß die Staatsregierung fest entschlossen sei, die neuen Kirchengesetze mit aller Energie und bis zu den letzten Consequenzen durchzuführen, hat in letzter Zeit manche Bestätigung erfahren. Dem gegenüber ist indessen zu con- ' atiren, daß Episcopat und Clerus nicht minder fest entschlossen sind, auf ihrem genügend klar gelegten Standpunkte zu beharren, und sich durch keinerlei Maßregeln bewegen zu lassen, den Pflichten ihres kirchlichen Amtes untreu zu werden. Zum Beweise dessen schreibt ein Korrespondent der „Germania": „An die Erzpriester und Pfarrer der Diöcese Breslau ist nunmehr von ihrer geistlichen Behörde die mit Sehnsucht erwartete Mittheilung ergangen, daß sie jede Seitens der Landrathsämter an sie gelangende Aufforderung, auf Grund der neuen Kirchengesetze über Anstellung u s. w. der Geistlichen Auskunft zu geben, in angemessener Form ablehnen sollen. Es ist diese Instruction nur eine Consequenz der Collectiv-Eingabe der Bischöfe vom 26. Mai dieses Jahres, worin die Unmöglichkeit, zum Vollzüge der Kirchengesetze mitwirken zu können, erklärt wird; sie wird aber auf's Neue Zeugniß geben von dem einen Geiste, der Bischof und Clerus durchdringt. Sollten schon hier und da die von den Landrathsämtern gestellten Anfragen eine Beantwortung gesunden haben, so erklärt sich das eben dadurch, daß die Eile, mit welcher die Beantwortung der Fragen gefordert wird, Einzelne überrascht. Indessen ist dann wohl immer nur unter Protest gegen die neuen Gesetze, auf welche hin die Erhebungen gemacht werden, den Forderungen der Staatsbehörden Genüge geschehen." — Die „N. A. Z." bemerkt zu diesen Auölaffungen: „Ueberraschend kann in dem Vorstehenden wohl eigentlich nur die Dreistigkeit sein, mit welcher die Auflehnung der geistlichen Functionäre gegen Gesetz und Obrigkeit hier als Ehrenpflicht promulgirt und gepriesen wird. Glücklicher Weise haben Schwierigkeiten in der Ausführung Preußische Regierungen noch nie von kräftiger Handhabung der Gesetze abzuhalten vermocht und so wird es gewiß auch diesmal geschehen, mag die Schamlosigkeit, mit welcher der Widerstand gegen die staatliche Autorität gepriesen wird, sich auch noch so zuversichtlich bre't machen."
L rauttsch>weig, 21. Juli. Die Großh. Burg, Schloß Heinrichs des Löwen, ist in verflossener Nacht durch eine Feuersbrunst zerstört worden. Das Montirnngs-Depot des 67. Regiments ist gerettet und die nahe gelegene Burgkirche unversehrt geblieben.
Eisenach, 20. Juli. Der Kaiser von Rußland trifft am 23. Juli beim großherzoglichen Hoflager in Wilhelmsthal zu mehrtägigem Aufenthalt ein.
München, 20. Juli. Die Spitzeder ist des betWgerischen Bankerotts für schuldig erklärt und zu drei Jahren Zuchthaus verurtheilt worden. Sie wurde ohnmächtig hinausgetragen; die Ehinger erhielt 6 Monate Gefängniß, welche durch die Untersuchungshaft getilgt sind. Die übrigen Angeklagten ebenso.
München, 20. Juli. Unter dem Vorsitz des Frhrn. v. Loe fand heute Nachmittag dahier die zahlreich besuchte Wanderverfammlung des Vereins deutscher Katholiken statt, wobei Frhr. v. Loe, Stadtrath Baudri (Köln), Racke (Mainz), Pfarrer Huhn und Westermeyer, sowie der Redacteur des hiesigen „Volkösreund," Bucher, als Redner auftraten. Eine von Letzterem beantragte Petition an den König gegen die weitere Ausdehnung des Jesuitengesetzes auf die Franziskaner, die englischen Fräulein und die Schulschwestern wurde einstimmig angenommen.
Schmerz.
Genf, 21. Juli. Der Schah von Persien traf gestern hier ein und wurde auf dem Bahnhofe durch den Bundespräsidenten Ceresole und ben schweizerischen Gesandten in Paris, Dr. Kern, empfangen. Auf bie bewillkommnenden Worte des Bundespräsidenten erwiderte der Schah, daß er die Schweiz habe sehen wollen und deßhalb nach Genf gekommen sei. Nachdem ihm der General Dufour besonders vorgestellt worden, bestieg der Schah einen Wagen und fuhr inmitten einer ungeheueren Menschenmenge nach dem „Hotel des Bergues," wo er für die Dauer seines hiesigen Aufenthalts logirt. Bald nach seiner Ankunft im Hotel fand daselbst großes Diner statt.
Jranftreid).
Paris, 19. Juli. Der Schah ist um 1 Uhr abgereist. Wie aus Konstantinopel telegraphisch gemeldet wird, ist dort die officielle Anzeige eingegangen, daß der Schah doch den Sultan besuchen werde.
— Philarete Chasles, der namhafteste Vertreter der deutschen Literaturgeschichte in Frankreich, ist heute gestorben. Geboren war er am 8. October 1798 zu Mainvilliers bei Chartres und seit 1841 Professor der fremden Sprachen und Literaturen am College de France.
— Nach dem „Soir" soll der spanische Geschäftsträger von der französischen Regierung die Auslieferung des der Brandstiftung und sonstiger gemeiner Verbrechen bezüchtigten Santa Cruz verlangt, aber eineu abschlägigen Bescheid erhalten haben.
— In der gestrigen Sitzung der Nationalversammlung erklärte Rouvier, daß er die Andeutungen Castellane's über separatistische Tendenzen, die sich im südlichen Frankreich kund gäben, zurückweise; alle Parteien und Regionen Frankreicks wollten die Aufrechterhaltung der nationalen Einheit.
Bayonne, 18. Juli. Santa Cruz hat seine Priesterkleidung wieder angelegt und ist nach Rom gereist, um sich dem Papste vorzustellen.
Spanten.
Madrid, 19. Juli. In Cartagena ist die Ordnung so wenig hergestellt, daß einem Telegramm zufolge „Kriegsschiffe von dort nach Alicante abge-


