bewilligt würde, wie er es verlangt. Tie Bonaparlisten halten den Vorschlag
d a
lautet:
Ich kann Mich leider der Ueberzengung nicht verschließen, daß Ihr wiederholtes Gesuch um Uebertritt in den Ruhestand durch Ihre leidende Gesund- 1 heit zu sehr begründet ist, um dessen Gewährung ablehnen oder auch nur wei- ter verzögern zu können. Ich gewähre Ihnen daher — aber mit schwerem Herzen — den gewünschten Abschied, indem Ich Sie hiedurch, unter Entbindung von der mit so großer Auszeichnung bekleideten Stellung als Kriegs- Minister, mit der gesetzlichen Pension zur Disposition stelle. Sie tragen in diesem Verhältniß auch ferner die activen Dienstzeichen und verbleiben auch in der Liste der activen General-Feldmarschalle, jcivie in Ihrem Verhältnisse als Chef des ostprenßischen Füsilier-Regiments Nr. 33, damit Sie der Armee, auf deren Ehrentafeln Ihr Name für alle Zeiten steht, auch durch ein äußeres Band angehören, so lange Sie leben.
Ich danke Ihnen nochmals warm und von ganzem Herzen für alles, was Sie in Ihrer langen Dienstzeit in allen Ihren inngehabten Stellungen für Meine Armee gelhan haben. Vor Allem aber nehmen Sie hier nochmals Mei neu königlichen Dank entgegen für Ihre Leistungen für Mich und für Meine Armee, seitdem Ich Sie zum Kriegs-Minister ernannte.
Sie haben Mich bei der Durchführung der Reorganisation der Armee mit seltener Umsicht, Conjequenz und Energie unterstützt, und die Früchte Ihrer schweren Arbeit haben nicht auf sich warten lassen. Zwei glorreiche Kriege haben die Tüchtigkeit unserer Kriegsinstitutionen bewährt, und bei der nunmehr erfolgten Vergrößerung ist es wiederum Ihr Werk gewesen, dieselbe in kürzester Zeit in's Leben zu rufen.
Mögen Sie Sich nach Ihrer treuen Arbeit der wohlverdienten Ruhe noch lange erfreuen und mögen Sie versichert sein, daß Ich niemals aufhören werde, Meinen in vielfach schwerer und bewegter Zeit immer bewährten Kriegs- Minister in ehrender und dankbarer Erinnerung zu behalten.
Als Andenken an den schweren Augenblick unserer Trennung sende Ich Ihnen Meine Büste in Marmor.
Berlin, den 9 November 1873. ~ (gez.) Wilhelm.
An den General-Feldmarschall Grafen Roon, .Staats- und Kriegs-Minister.
Berlin, 18. November. Der telegraphisch, bereits auszüglich mitge- theilte Artikel der „Nordd. Allg. Ztg.", bctr. den Hirtenbrief des Bischofs von Nancy, hat folgenden Wortlaut:
„Am 3. August d. Z. wurde in den Kirchen der Diöcesen Nancy und Toul, auch in den zu Deutsch-Lothringen gehörigen, ein Hirtenbrief des Bischofs von Nancy von den Kanzeln verkündet, welcher die Gläubigen zur Abhaltung von Gebeten für die Wiedervereinigung von Metz und Straßburg mit Frankreich aufforderte. In dieser Kundgebung liegt ein offener Appell zum Abfalle von dem vertragsmäßig und gesetzlich bestehenden Staatsverbande- Die kaiser lichen Gerichtsbehörden haben deshalb gegen diejenigen Geistlichen, welche in den deutschen Bezirken des bischöflichen Sprengels den fraglichen Hirtenbrief verlesen haben, einschreiten müssen. Das bezügliche Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Gleichzeitig hat die kaiserliche Negierung nicht unterlassen können, das Verhalten des unter französischer Jurisdiction stehenden Bischofs von Nancy amtlich zur Kenntniß des Pariser Cabinets zu bringen. Jede Regierung ist verpflichtet, ihre Untertanen dazu anznhalten, daß sie Provocationen Der Nach baren, durch welche die guten internationalen Beziehungen gestört werden, vermeiden. Um so mehr lag deutscherseits in diesem Falle Veranlastnng vor, sich über das Verfahren eines hohen geistlichen Würdenträgers zu beschweren, welcher sein Amt dazu benutzt, um den mühsam hergestellten Frieden zwischen beiden Völkern zu bedrohen. Es bleibt .chzuwarten, wie die französische Ne- gierimg dem ihr ausgedrückten Wunsche, daß dem Bischof von Nancy eine Zurechtweisung erteilt und für die Zukunft ihm ein correcteres Verhalten zur Pflicht gemacht werde, entsprechen will. Jedenfalls bietet sich für dieselbe hierin eine Gelegenheit, um unzweideutig darzuthmi, daß sie auch ihrerseits solche Aufwiegelungen und Bedrohungen des guten Einvernehmens mit anderen Staaten für unerlaubt hält und mißbilligt."
München, 17. November. Gelegentlich der Eröffnung der Vicinal- Bahn Jmmenstadt-Sonthofen brachte bei dem Festdiner in Sonthofen nach dem Toast auf den König der Negierungs-Präsident von Schwaben und Neuburg, v. Hormanu, einen Toast auf das Deutsche Reich aus, welcher stürmische Begeisterung erweckte. Hormanu sagte: „Friedlich und einträchtig habe ich in den Decorationen bayerische und deutsche Fahnen neben einander wehen sehen und so darf und soll es sein. Gut bayerisch und gut deutsch sein verträgt sich nicht blos zusammen, sondern ergänzt sich wechselseitig. Wir können und wollen mit der Anhänglichkeit an unser großes deutsches Vaterland jederzeit in uns vereinen: felsenfeste Treue gegen unseren allerguädigsteu König und Liebe und Anhänglichkeit für unser engeres Vaterland Bayern, welches ein notwendiger und kostbarer Bestandtheil des Deutschen Reiches ist. Sie wer
kst das Vorspiel zum Staatsstreiche!" So schlimm drohend scheint Die Lage indeß noch nicht, im Gegentheil pflegt eS gerade nach solchen Stürmen lichte Momente im Versailler Treiben zu geben. Aber freilich, im Augenblicke weiß Niemand, was der nächste Tag bringen kann. Deßhalb sind die heutigen Ur- thcile Der Blätter über die Lage nur noch in so fern beachtenswerth, als sie die wachsende Erbitterung Der Parteien bestätigen. Die Haltung der Rechten erklärt sich zlim Theil aus folgender Depesche des Univers: „Versailles, 21/2 Uhr. Mau spricht von einem Zwiespalt in Der Majorität in Folge eines Manövers der Bonapartisten. Die Rechte zeigt sich beunruhigt über Die Plane oes Herrn v. Broglie, von dem vergeblich Aufschlüsse verlangt werden. Diesen Mittag noch fand eine Versammlung der äußersten Rechten Statt." In Betreff ces Eindruckes Der letzten Ersatzwahlen hatten Die Regierungsblätter bereits „den überaus beunruhigenden Vonheil Des RaDicalismuS" hervorgehoben und betont, diese Wahlen republikanischer Generale seien eine directe Bedrohung D.S Werkes vom 24. Mai.
Paris, 17. November. Es herrscht Die größte Aufregung in Paris wegen Der Botschaft Mac Mahon'S, welche um 5 Uhr in Paris bekannt wurde Man riß sich um Die Zeitungen; doch enthielten diese nur abgerissene kurze Notizen über Die Vorgänge in Versailles. Die Vertagung der Berathung auf morgen war noch nicht bekannt. Daß Die Ne te auf die Vertagung einging, legt man so aus, Daß sie zuletzt noch einsah, sie Dürfe Die Dinge nicht zu weit treiben. In Versailles sind Truppen confignirt. Die Garnison von Paris und Der Umgegend ist ebenfalls bereit zum Ausrücken.
Paris, 19. November. Die „Liberte" schreibt: Mac Mahon drohe .it seinem Rücktritt, falls Die Verlängerung seiner Vollmacht nicht in Der Weise
Das Deutsche Reich gedeihe und blühe, es lebe hoch!"
Stuttgart, 18. November. Der „Schwäb. Merkur" berichtet ans Norddeutschland, daß das Project einer Erhöhung der Tabakssteuer seitens Der Reichsregierung Definitiv auf gegeben und Dafür eine anDermeitige ©teuer« vertheilung (nach Der Gewichtsmenge Des Ertrags statt wie bisher nach Der bepflanzten Grundfläche) vorgeschlagen sei.
llcfteiTeid).
Wien, 18. November. Die heutigen Blätter fordern Die Regierung auf, Die nothleiDeuDen Prioritäten-Coupons, welche am 1. Januar fällig werden , auch der ungarantirten Bahnen vorschußweise einzulösen, weil sonst Drei Bahngesellschaften ihren Concurs anzumelden genöthigt wären.
Frankreich.
Paris, 17. November. Man behauptet, Der gestrige verhältnißmäßig ruhige Verlauf Der zweiten Sitzung Der National-Versammlung sei Das Ergebniß einer entschiedenen Weigerung von einem Theile Der Rechten, Ten Führern weiter zu folgen. Die Aufregung war an sich schon stark genug, wnrDe aber Durch Die Botschaft Mac Mahon's noch gesteigert, weil Diird) dieselbe Der ganze Feldzugsplan Des linken Centrums über den Haufen gestürzt wurde, während Die Rechte sich nicht klar war, wie weil es gut sei, die, Botschaft auszunutzen. Zuerst hoffte sie, Durch eine Nachtsitzung in einem Rucke Die Diktatur Durchsetzen zu köni.en, aber schließlich entstand em zaghaftes Zurückhufen. Mehrere Ursachen wirkten dabei zusammen: die Zoriiausbrüche Der Linken bei Den hoch- müthigstcn Stellen Der Botschaft, die gar nicht zu verkennende Fuchsrolle, Die Broglie Dabei spielte, und schließlich Die Stimmung, Die sich aller Betheiligten, 1 so wie Der Zuhörer selbst bemächtigt hatte, bewirkten, Daß Die Rechte froh war, Die Nachtsitzung fallen lassen zu können. Als bei Der Stelle, wo Mac Mahon Die uubeDingte Gewalt verlangt, auf der Linken gerufen wurde: „Das ist eine Beleidigung Der National - Versammlung! Das heißt Frankreich herans- ' fordern!", rief die Rechte rasenden Beifall. Aber Broglie fühlte schon, während er die Botschaft las, daß sie ein Fehlgriff sei, und las deßhalb im Dritten i Absatz Den Schluß unrichtig, iuDeni er das Beiwort „suspensives“ bei Den „Vorbehalten und Bedingungen," die er sich nicht gefallen lassen wolle, wegließ. - In Den Couloirs versicherte Broglie Dann jedem, der es hören wollte, er sei vollständig unschuldig an dieser Botschaft, während Thiers orakelte: „Das
anwaltschaft zur Anzeige bringen, Ihnen aber gleichzeitig Mittheilung davon Kanzler habe Dem Bundesrathe einen Gesetz - Entwurf über die Gerichts - Vermachen. Von den einzelnen Bestrafungen wollen Ew. 2c. mir alsdann gefällige fassung des Deutschen Reiches für bürgerliche Recktsstreitigkeiten und Straf- Anzeige erstatten. (gez-) Falk. fachen, sowie einen Gesetz-Entwurf über Einführung des erstgedachten Gesetzes
Berlin, 17. November. Der Kriegs - Minister Graf v. Roon ist zugehen lasten. , . .
seines Amtes entbunden worden Die betreffende Allerhöchste Cabinets-Ordr-j Posen, November^ Gegen Len Erzbnchos Ledochowsk, wurde heute ’ vor dem Kreisgericht in vier Fallen wegen gesetzwidriger Anstellung von Geist
lichen verhandelt. Der Erzbischof wurde in contumaciam zu 2U00 Thaler oder dreizehnmonatlicher Gefängnißstrafe verurtheilt.
Berlin, 18. November. Das „Prenß. Volköbl." bestätigt nun au das Bestimmteste die Existenz eines zweiten Briefes des Papstes an Den Kaiser, indem es, allerdings wenig höflich, schreibt:
„Die Rückantwort existirt leider, mußte aber wegen /»orm und schalt in den Papierkorb geworfen werden, für den Kaiser von Deutschland existier sie nicht; wer mit ihrer Veröffentlichung Der Sache des Papstes glaubt einen Dienst erweisen zu können, dem soll eS unbenommen sein. Auf das Schreiben des Kaisers an den Papst konnte es nur eine Antwort geben, wenn derselbe Den Geboten der heiligen Schrift gemäß handeln wollte, nämlich Die bestimm teste Ordre an Die Bischöfe und den Eierns Deutschlands, unverzüglich dem Landesgesetz sich zu fügen und ihre die öffentliche^Sicherheit uuteiniinirende Aufsätzigkeit gegen das Landesgesetz und gegen Das Staatsoberhaupt sofort ein zustellen. Widerstrebte der Papst Diesem von Der Besonnenheit und seiner Amtspflicht vorgezeichneten Acte, wollte er fortfahren, anstatt von glaubwüidi- gen Personen über Die ZustänDe DeutchlanDs jmD Preußens sich zu intterrich ten, Durch die Lügen Der Jesuiten und ihrer Sippe sich täuschen zu lassen, so verbot Dem Kaiser Die Rücksicht auf die eigene Würde, von einer wiederholte:' Kundgebung Notiz zu nehmen, Deren irrtümliche Grundlage bereits einmal in höflicher, aber entschiedener Weise richtig gestellt war und Die von Dem unter gekrönten Häuptern bisher üblichen Ton nur zu weit sich entfernt. Tie unpar teiische Geschichte wird es Dem protestantischen Kaiser Wilhelm Dermaleinst ge bührend anrechnen, Daß er hochherzig genug war, trotz Der ihm zugefügten _ ... . . w
schweren Beleidigung dem greifen Papste eine erneuerte Demütigung zu erspa- Echassenaux ent]a)ieden aufrecht und verwerfen jeden Beschluß über Ver- ren, welche die Pittlication des zweiten Schreibens, das keine Aussicht auf^f.iffuiursfrageii
Beantwortung haben konnte, unfehlbar nach sich gezogen haben müßte. Sind BersarlleS, 18. November. Nationalversammlung- In der heute die Ultramontanen geneigt, ans Die Reputation ihres geistlichen Oberhauptes fortgesetzten ^iscussiou über Drn Prorogations-Entwurf ergreift zunächst La- bei Der Denkenden Welt weniger zarte Rücksicht zu nehmen, so läßt sich Dagegen bonlaye Das Wort und empfiehlt den in Dem ersten Commissionsbericht festge- nichts machen Die Gegner des Papstthnms und der Hierarchie haben keine stellten Antrag. Berthault, von der Linken, verlangt, daß Der Herzog V ranlassnug, gegen ein Derartiges Verfahren Einspruch zu e>heben." von Broglie seine Demission gebe. PraxParis fordert Die Parteien auf, für
Berlin, 19. November. Tie „Prov.-Corresp." bestätigt, der Reichs- Die Berufung an das Volk zu stimmen, und greift ebenfalls Broglie an.
en, wie vorhin, mit Begeisterung in den auf den König ausgebrachten Toast Ulch jetzt mit Vegeiftcrung einstimmen in einen Toast auf Das GeDeihen unfe- es großen, durch Blut und geistiges einigen erkämpften Deutschen Reiches:


