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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hiessen
MiMooch den 16. Inti
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erhalten und eintretenden Falls neue zu gewinnen
Eine akademische Körperschaft und namentlich an einer kleineren Hochschule, die in ihren Mitgliedern der Natur der Sache nach häufiger wechselt, hat aber ein Recht darauf, nicht in vergangenen Erfolgen oder Mißerfolgen, sondern in ihrer jetzigen Zusammensetzung, ihrem jetzigen Streben, ihren jetzigen Leistungen beurtheilt zu werden. Ich muß widersprechen, wenn man die Universität dafür verantwortlich machen will, daß man die dermalen vorhandene^ Zahl von Beamten von ausgezeichneter Befähigung, umfassender Bildung, im weiteren Gesichtskreis verhältnißmäßig gering finden zu müssen glaubt. Zur Ausbildung von Talenten für den Staatsdienst wirken noch hundert andere Verhältnisse mit, als die Hochschule und die meisten unserer Beamten haben noch andere
Hochschulen als Gießen besucht. Ich erinnere nur daran, wie vielfache andere Berufszweige, die so ehrenvoll sind wie der Staatsdienst und in materieller Beziehung ungleich vortheilhastere Aussichten bieten als der Staatsdienst, heut zu Tage befähigten jungen Männern offen stehen.
Ich muß widersprechen, wenn man die Universität verantwortlich machen will nicht blos für die politische Gesinnung, die ihre Mitglieder selbst betätigen, sondern auch für die politische Anregung, die sie in ihrer Umgebung verbreiten soll. Die Universität ist nur verantwortlich für ihre wissenschaftliche Thätigkeit, für den Eifer, mit dem sie die Wissenschaft pflegt und für die Anregung zur wissenschaftlichen Thätigkeit, die sie auf ihre Studirenden auszuströmen bemüht und berechtigt ist. Aber die Universität ist nicht berufen, politische Demonstrationen zu machen oder ihre Ansichten über Regierungshandlungen der Staatsregierung kund zu geben. Der Herr Abg. Metz wird in Consequenz dessen, was er im Ausschußberichte niedergelegt hat, im Ernst sicher selbst nicht daran denken, die politische Gesinnung der Mitglieder der Universität zum
ich Sie, der gegenwärtigen Universität Gießen die Anerkennung 511 gewähren, die sie meiner vollen Ueberzeugnng nach zu beanspruchen ein wohlverdientes
Erklärung des M inisteriaL - Direktors Freiherrn v. Starck tu Sachen der Landes-Universität.
,4 fcomptomfan, 9 M 2 Expedienten, könne unb 5 Äer- ür sofort und später 1 burd) das Bureau den.
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Erscheint täglich, mU nähme Sonntags.
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Dieselbe lautet:
Sie haben gestern die Anträge des Finanzausschusses gehört, worin derselbe die Erklärung abgibt, daß es nicht seine Absicht war, durch die Ausführungen des Ausschußberichtes der dermaligen Lehrkörperschaft der Landes- Universität in ihrer Ehre zu nahe zu treten oder deren Leistungsfähigkeit zu bezweifeln und daß der beste Beweis für seine rein sachlich auf die Förderung der Universität gerichtete Absicht in dem Antrag ans ungeschmälerte Bewilligung der angeforderten Summen zu erblicken ist. Sie haben auch die Bemerkungen gehört, welche Herr Abg. Metz persönlich hinzugefügt hat, um die Abfassung des Ausschußberichtes zu begründen. Sie haben endlich die Darlegung des Herrn Abg. Ducken gehört, worin derselbe die Auffassung des Ausschußberichtes Seitens des akademischen Senats geschildert und motivirt hat.
Wenn der Herr Abg. Metz auch den Ton und die Fassung des von dem akademischen Senat eingereichten Schriftstückes nicht correct gefunden hat, so muß ich erklären, daß ich eigentlich verletzende, unparlamentarische Ausdrücke in demselben nicht gefunden habe. Hätte dasselbe solche Ausdrücke enthalten, so würde ich mich verpflichtet gehalten haben, der Bitte des akademischen Senats, das Schriftstück zur Kenntniß dieser hohen Kammer zu bringen, nicht zu entsprechen. Ebenso kann ich in denr Schriftstücke nicht den leisesten Zweifel an der Befugniß dieser hohen Kammer zur Kritik und Controle der Staatseinrichtungen finden. Was meiner Austastung nach der einzige Zweck der Eingabe des akademischen Senats ist, das ist die Richtigstellung der Thatsachen, die der Beurteilung des gegenwärtigen Zustandes der Landes-Universität zur Unterlage dienen müssen und diese Richtigstellung der Thatsachen dient gerade zur richtigen und für das öffentliche Interesse ersprießlichen Hebnng der Kritik und Controle, die dieser hohen Kammer unzweifelhaft zusteht. Daß aber der Vortrag in der Eingabe des akademischen Senats etwas lebhaft gefärbt ist, das hl H. werden sie doch erklärlich finden auf Seiten einer Körperschaft, deren Wirksamkeit und Erfolg, ja deren bloße Existenzmöglichkeit so wesentlich bedingt ist von der öffentlichen Meinung, die über ihre Tüchtigkeit verbreitet ist, deren Glieder zum weitaus größten Theile nicht genöthigt sind, in Gießen zu bleiben, wenn ihnen ihr dortiger Wirkungskreis nicht zusagt, und die mit Recht das Bewußtsein in sich trägt, daß sie mit gewissenhaftem Eifer bemüht ist, das erreichbar Tüchtigste zu leisten. Darum m. H. habe ich mich verpflichtet gehalten, die Eingabe des akademischen Senats zur Kenntniß dieser hohen Kammer zu bringen. „ _
Was nun die Sache selbst betrifft, so ist ein friedlicher Ausgleich des sicht stellt.
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Und dies, m. H., führt mich zu dem Punkte, in dem die Streiter von gestern, in dem wir Alle einig sind, zu dem Punkte, in dem auch die friedliche Lösung des entstandenen Widerstreits gefunden werden muß. Das ist der allseitige Wunsch, das Wohl und die Dlüthe der Landes-Universität zu fördern und zu pflegen, der Wunsch und das Streben, daß sie die sorgsame und eifrige Hüterin der höchsten Geistesinteressen, die Pflanzstätte schöner und edler Zwecke, männlicher deutscher Gesinnung, lebendiger unerschütterlicher Pflichttreue und der Freude an wissenschaftlicher Forschung sein und bleiben möge- Das aber kann ein wissenschaftlicher Körper nur sein, wenn er nicht bloü selbst seines redlichen Strebens sich bewußt ist, daß das Land, für das er zunächst arbeitet, !dast die wissenschaftliche Welt im großen Vaterlande an ihn und an sein red- " ‘° " Und darum, m. H-, bitte
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Maßstab seines Urtheils über dieselbe zu machen.
Wenn es aber richtig ist, daß die Universität ein Recht daraus hat, nach ihrer jetzigen Zusammensetzung, ihrem jetzigen Streben, ihren jetzigen Leistungen beurtheilt zu werden, so ist Ihnen das dazu erforderliche Material theils in dem Ausschußbericht selbst, theils von dem Herrn Abg. Ducken reichlich dargeboten worden. Sie wessen, daß die Frequenz der Universität trotz mancher ungünstigen äußeren Umstände in erfreulichem Steigen begriffen ist, daß namentlich der Besuch von Rheinhessen in rascher Progression zunimmt. Daß die Leistungen der Universitär sich auch auswärts eines guten Rufes erfreuen, beweist die Leichtigkeit, mit der ihre Zöglinge, namentlich die Kandidaten des Gymnasial- und Realschulamts, oft unmittelbar nach bestandenem Examen, Verwendung auch in anderen Staaten finden. Ich selbst, in dessen Händen erst seit verhältnißmäßig kurzer Zeit die Angelegenheiten der Universität bei dem Ministerium liegen, kann gern und freudig bezeugen, daß ich angenehm berührt worden bin von dem regen Streben nach Verbesserung und Ausbau des Vorhandenen, das fast bei jedem Einzelnen der Universitätslehrer für sein specielles Fach uiid für das Gedeihen des Ganzen sich kund gibt. Fortwährend mehren sich die Einrichtungen und Veranstaltungen, durch die die Anregung und geistige Selbstthätigkeit der Studirenden erhöht werden soll und ich constatire gern, daß die Ansprüche der Docenten sehr häufig mehr auf Vermehrung und Ausdehnung der sachlichen Lehrmittel oder auf Ergänzung von Lücken im Lehrkörper, als auf ihre persönliche Besserstellung gerichtet sind. Ich kann bezeugen, daß ein Geist des Vorwärtsstrebens ohne Rücksicht auf persönliche Anstrengung die Anstalt durchdringt, der die schönsten Früchte in sichere Aus-
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Gießen, 15. Juli. Die „Mainzeitung" brachte nntcrm 11. Juli in einer Nrnnmer der vorigen Woche einen Artikel aus Gießen voll Schmähungen des hiesigen Stadtvorstandcs und Kritisirung der hiesigen Lehrerverhaltmsse. In Folge dessen bekam die Redaktion der „Mainzeitung" eine Widerlegung von Gießen zugesandt, welcher sie denn auch in ihrer Nr. 163 Naum giebt. Dieselbe lautet: v n y
„Ihre Mittwochsnummer bringt eine Mittheilung, daß der Vtadtvorsta. o
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entstandenen Widerstreits denn doch sthr' nahe gelegt. Der Am schuß erklärt, Wenn dem aber so ist, wenn Sie alle Ursache haben, sich des Geistes daß er der Ehre und Leistungsfähigkeit der jetzigen Lehrkörperschast nicht habe, zu freuen, der in der jetzigen Hochschule Gießcn lebendig ist, dann, nv H. bitte
ui nahe treten wollen und in der That reichen die Argumente, die der Herrlich, lassen Sie doch das, was Ihnen an den früheren Zuständen nicht gefallt,
Abg- Metz persönlich angeführt hat, zmn Theil soweit zurück, daß wenigstens ruhen. Blicken Sie nicht rückwärts nach dem, was ohne Schuld der Univer-
Personen von meinem Alter sich kaum noch der von ihm als frühere Leiter berl sität nun einmal gewesen und nicht ungeschehen zu^machen ist, sondern blicken
Universitätsangelegeuheiten genannten Persönlichkeiten erinnern. Der Umstcn.d/Sie vorwärts nach dem^was der jetzige Zustand Sie zuversichtlich zu .erwarten daß die mit dem Referat in katholischen Kirchenangelegenheiten betrauten Per- berechtigt. Erschweren Sie nicht dem Lehrkörper der Landes - Universität ferne» füllen zugleich das Referat in Uuiversitätsaugelegenheiten geführt haben, erklärt mühevollen aber auch ehrenvollen Kanipf in der Mitbewerbung zahlreicher vesier- sich einfach aus einer Uebuug, die dadurch eutstauden war, daß bei der gerin siruirter Hochschulen, um sich die ehrenvolle Stellung, die es unter denselben aen Zahl von Räthen, die im Ministerium des Innern mige;ic(U sind, der Re- emnimmt, zu erhalten und seine Leistungen immer weiter zu steigern.
ferent in katholischen Kirchenangelegenheiten noch andere Geschäftszweige über- *'«" hip Don
nehmen mußte. Die neuere Richtiing der katholischen Kirchenregierung hat sich ja bekanntlich erst vom Anfang der 50er Jahre an bemerklich gemacht und was aus frisieren Jahren hier angeführt worden ist, kann daher hier kaum in Betracht kommen. Aber auch in neuerer Zeit ist es, wie die Denkschrift schon auseinandergesetzt hat, wesentlich der akademische Senat selbst gewesen, welcher die im Lehrkörper entstandenen Lücken wieder besetzt hat, und nicht der Referent im Ministerium, da die Negierung fast ausnahmslos den Vorschlägen des akademischen Senats Folge gegeben hat. In Folge dieses Verfahrens sind eine Reihe hervorragender und berühmter academischer Lehrer Mitglieder der Universität Gießen geworden; zum Theil zwar, dem natürlichen Zuge nach eitlemL,.p ... ..... .
größeren Wirkungskreise folgend, wieder geschieden, zum Theil aber uns noch liches Streben und tüchtiges Können glaubt, jetzt erhalten und auch entstehende Lücken gelang es fast immer in sehr erfreu- " ......^i<,Gon
sicher Weise auszufüllen und in Folge der uns in Aussicht gestellten größeren Mittel, wird es noch leichter sein, hervorragende Männer der Hochschule zu


