genbeiten, welche nicht in das Gebiet der katholischen Lehre und kirchlichen Sitte gehören, den staatlichen Anorvnungen eben.'o Folge za leisten, wie alle übrigen Lehrer.
Da- Auftreten des Erzbischofs ist daher eine entschiedene Auflehnung gegen die Regierung Sr. Majestät de« König-, welchem „uaterlhäaig, treu, gehorsam und ergeben zu sein", Graf LevochowSki vor dem Eintritt in sein Amt seierlich gelobt hat; es ist eine Aufreizung königlicher Unterthanen und Beamten zum U v gehorsam, obwohl der Erzbischof geschworen hat, in den Gemüthern der Geistlichen und Gemeinden die Gesinnungen der E-rfurcht, der Treue und de- Gehorsams gegen die Obrigkeit zu nähren und zu pflegen.
Der jetzige Borgang giebt einen n.uen schlagenden Beweis, wie nothwendig, ja unerläßlich die Gesetze sind, welche behufs wirksamer Abwehr geistlicher Neber- griffe so eben vereinbart werden sollen.
Es dedars kaum der Versicherung, daß die StaatSrrgierung ihre Anord- nungen in Betreff der Unterrichtssprache in bet Provinz Posen unbedingt aufrecht erhalten wird; die RUigion-lehrer werden nicht im Zweifel darüber sein können, daß sie den königlichen Behörden den schuldigen Gehorsam nur unter Gefährdung ihrer Amtsstellung versagen könnten.
Aber abgesehen von der Durchführung der in Rede stehenden Maßregel wird die Regierung dafür Sorge tragen, baß die Erfüllung der gelobten Unterthanen. pflicht nicht ton der willkürlichen Deutung ter Bischöfe abhängig sei. (P.-C.)
Deutschland.
Darmstadt, 13. März. Za der evangelischen Lande-synode, welche am 25. d. MtS. hier -usammentreten wird, hat der Großherzog sieben Mitglieder zu er- nennen. Al- solche werden bezeichnet: der Pfarrer Seel zu Gießen, Engelbach zu Butzbach, Walther zu Nieber-Ingelheim, Professor Hesse in G.eßen, Ländlich- ter fiöniger in Offenbach, Bezirksgericht-.Präsident Kell.r in Mainz und Dr. Max Rieger dahier.
Köln, 12. März. Von den hiesigen ZeitungS-Verlegern (mit Ausnahme zweier) ist den Schrifts.tzern Folgendes zur Unterschrift vorgllegt worden: „Unter- zeichnetet erklärt hiermit, daß er dem deutschen Buchdrucker.Verband nicht ange- hört, brzw. au- demselben ausgetreten ist und so lange er Mitglied Oer ... . Osficin ist, auch für die Folge diesem Verbände oder einem anderen, der gleiche Grundsätze verfolgt, nicht beitreten wird, widrigenfalls er ohne Kündigungsfrist jeder Zeit sofort entlassen werden kann." Dieses Schriststück zu unterzeichnen weigerten sich bei den Herren Bachem, Hieronimu-, Zimmermann, Moket und Rommerskirchen zusammen 50 Setzer. In Essen und Elberfeld verweigerte man ziemlich allgemein, in Duisburg verweigerten 12 Setzer die Unterschrift. Bei einer hiesigen Zeitung, deren Setzer zur Hälfte dem Verbände angehörten, bat die andere Hälfte, man möge die Kündigung zurücknehmen, und als diese- ver- weigert wurde, kündigten ihrerseits sämmtliche Nicht-Verbands-Setzer. Als der verband denselben die Unterstützung zusagte, erklärten sie, daß sie trotz ihrer Kün- digung die Unterstützung dankend ablehnten, weil sie Nicht-Mitglieder seien und bi- jetzt nicht die Lasten getragen hätten. Ja einer gestern Abend von den Social- Demokraten abgehaltenen und von den Setzern stark besuchten Versammlung erklärten jene, sie würden die gekündigten Setzer nach Möglichkeit unterstützen, trotzdem daß dieselben nicht geneigt seien, das Gebiet der social-demokratlschen Politik als Verbands-Mitglieder zu betreten. Unter den Verlegern ist die Vereinbarung getroffen worden, daß Derjenige, welcher durch die Kündigung nicht oder am wenigsten betroffen werde, die anderen Zeitungen setzen lassen müsse. Diese- Geschäft würde voraussichtlich Aufgabe der „Köln. Ztg." werden. In Der in Rede stehenden Versammlung schien man zu bezwecken, daß die betreffen- den Setzer sich weigern möchten, der „Köln. Volks-Ztg.," dem Organ der Katholiken, diesen Dienst zu leisten. Wenn dieser Fall eintreten sollte, dann ist auch die „Köln. Ztg." gehalten, ihren Setzern zu kundigen.
Leipzig, 12. März. Der deutsche Buchdrucker-Verein versandte den für Die Gehülsen höchst günstigen Taris-Entwurf, welcher am 24. März in Weimar verhandelt wird, und erließ eine Aufforderung an den Verband, durch die That auch feine Versöhnlichkeit kund zu geben. Dahin zielende Anträge an das Ber- bandS-Präsivium der Gehülsen sind in der Vorbereitung. Die Kündigung besteht fort und nimmt eine große Ausdehnung an.
Straßburg, 14. März. Zwei hiesige Führer der ultramontanen Partei, Rentier Heimburger und Wechselagent Morin, sind aus dem Reichslande ausge- wiesen worden. Dieselben find überführt worden, 14 Knaben an daS Pariser Comite Behufs ihrer Erziehung ausgeliefert zu haben.
England.
London, 12. März. Die Königin empfing heute früh Gladstone. Nach dem Empfang fand eine Minister-Conferenz statt.
London, 13. März. Im Unterhause zeigt Gladstone an, daß das Ministerium in Folge der Abstimmung über die Universitätsbill seine Demission gegeben habe und dieselbe von der Königin angenommen fei. Das Haus vertagte sich auf einen Antrag Gladstone's bis Montag.
London, 13. März, Abends. Dem „Globe" zufolge hätte Die Königin DiSraeli bereits berufen und der Letztere sich in Folge dessen sogleich nach Dem Buckingham-Palaste begeben. — Im Oberhause gab Lord Granville Dieselbe Erklärung ab, wie GlaDstone im Unterhause, und trug ebenfalls auf Vertagung bis Montag an, welche Das HavS beschloß.
Zum Buchdrncker-Strike.
Die großen rheinischen Druckereien scheinen sämmtlich Der ausgegebenen Parole gefolgt zu fein. So kündigten den betr. Gehülsen u. A. die Druckereien M. DuMont-Schauberg, I. P. Bachem, W. Hassel, O. Zimmermann in Köln, Sam. Lucas und Bädeker in Elberfeld, Bäoeker in Essen, Schwann in Neuß, Nieten in Duisburg, Heuser und Strüder in Neuwied rc. In einzelnea Orten machten die bisherigen NichtserbandS-Setzer alsbald gemeinsame Sache mit den Verbands-Collegen; so in Elberfeld, wo die Gehülsen Der Buch Druckerei von R. L. Friedrichs, Die ursprünglich gar keine Kündigung hatte auSzusprechen brauchen, nachträglich zum gkößten Theile dem Verbände beitraten. In einzelnen Druckereien dagegen haben die bisherigen DerbandS-Mitglieder es vorgezogen, der Forderung ihrer Principale zu cmfprech.'n und aus Dem Verbände auSzuscheiven. Uebrtgenfi ist in Den westlichen Provinzen bisher aus Anlaß Der Kündigung noch keine gesetzwidrige Arbeitseinstellung Seitens Der Gehülsen erfolgt. Wie in Karls
ruhe, sand am 8. D. in Freiburg, Heidelberg, Konstanz, überhaupt in allen Officium des Landes, welche Dem Kreisverein Südwest Des „Deutschen Bubdrucker- Verein-" angehören, denjenigen Gehülsen gegenüber, welche Mitglieder de- deutschen Bachbrucker-Derbande- sind und nicht au- dem Verbände au-zutreten erklären, die Kündigung auf den 22. d. statt. Da und dort sind in Folge dessen bereits Gehülsen au- dem Verbände getreten; z ihlreich scheint dies aber nicht Der Fall zu fein. In Augsburg ist D.r Sinke frieDlich vorübergegangen. Von Den 11 Buchvruckereien'hatten nur 3 Die Kündigung vollzogen, doch haben auch Diese ihren Entschluß wieder zurückgenommen. In Der Druckerei Der „Pfälzer Zeitung" (Speyer) hat die Kündigung sämmtliche Setzer betroffen. In Flensburg haben die Buchdruckereibefitzer Maaß und Herzbruch ihren Behülfen, soweit sie Mitglie» ver de- Gchülfenverbande- sind, zum 22 März gekündigt. Gleiches geschah in Altona, Itzehoe und Husum. Dem Personal der Hofbuchdruckerei in Gera ist für den 15. d. gekündigt, und die „Geraer Zeitung" wird Darum nicht weiter erscheinen können. Der Strike scheint also immer größere Dimensionen anzunehmen. Es ist dies wohl der größte Kampf, Der je auf deutschem Boden zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern entbrannt ist; nur in England, dem klassischen Lande Dir Strike-, ist schon wiederholt AchnlicheS dagewesen. Im „Bremer Handelsblatt" ist bereits vorgeschlagcn worden, daß die Schriftsteller als meist- beteiligte und doch unparteiische dritte Personen durch einige ihrer berühmtesten Häupter Die Vermittlung übernehmen sollten. Vielleicht könnten Die zu solchem VermiiÜeramt besonder- geeigneten Chesrcdacteure einiger Der angesehensten poli- tischen Z Hungen Die fragliche Mittlerrolle zwischen Principalen uiD Gehülsen übernehmen, oder Der Ausschuß Dc- IournalistentageS ergriffe Die Initiative.
Kirchlich e Anzeige
der evangelischen Gemeinde zu Gic^en. Gottesdienst.
» m ar ä r i i Morgens: Pfarrer Dl-. Seel.
nm io. -wara- j Nachmittags: Pfarrer Landmann-
(Collecte für die Gemeinde Sandlofs.)
Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 16. bis 22. März 1873 besorgt Pfarrer Dr. Seel.
Auszug aus den Kirchenbüchern Oer Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getaufte.
Den 8. März Dem Postsecretär, Georg Konrad Jung dahier, ein Sohn, Hermann Georg Otto, geboren den 30. Januar.
Den 9. März. Dem Schreiner aus Orleshausen, Kreis Büdingen, Ernst Kleh, eine Tochter, Christine Henriette Wilhelmine Katharine, geboren den 31. Januar.
Denselben. Dem Bürger und Bäckermeister, Karl Wallenfels II., ein Sohn- Ernst Karl Theodor Ludwig, geboren den 14. Januar-
Denselben- Dem Schreinergesellen dahier, Franz Meusel aus Burkhardsfelden, eine Tochter, Elisabeth Philippine, geboren den 2. Februar.
Denselben. Dem Bürger und Schuhmachermeister, Karl Berg, ein Sohn, Wilhelm Karl, geboren den 2. Februar.
Denselben. Dem Stationsassistenten an der Main-Weser-Bahn dahier, Friedrich Vogel, eine Tochter, &nna Marie Margarethe'Elisabeth, geboren den 7. Februar.
Denselben. Dem Müller dahier, Heinrich Zell aus Beuern, ein Sahn, Heinrich Karl Konrad, geboren den 4. Februar.
Denselben. Dem Burger zu Düsseldorf und Kaufmann dahier, Joseph Haggenmüller, eine Tochter, Elisabeth Friederike Auguste, geboren den 30 Januar.
Den 12 März. Dem Bürger und Kaufmann, Ludwig Plank, ein Sohn, Ludwig Theodor Ferdinand Emil Wilhelm, geboren den 17. December.
Den 14. März Dem Bahnarbeiter, Gotthardt Schneider aus Sichertshausen, eine Tochter, Anna Elisabeth, geboten den 25. Februar.
Beerdigte
Den 8. März. Johannes Backhaus, Hülfsrangirer an der Cöln-Gießener Bahn, des Bürgers zu Climbach, Heinrich Backhaus, ehelicher Sohn, alt 24 I. 18 T-, gestorben den 6. März.
Den 9. März. Johanne Karoline Heidt, des Bürgers in Grünberg und Schuhmachermeisters dahier, Friedrich Wilhelm Heidt, eheliche Tochter, alt 6 M. 22 T-, gestorben den 8. März.
Den 10. März. Marie Auguste Kleh, geborne Schmall, Ehefrau des Schreiners, Ernst Kleh aus Orleshausen, Kreis Büdingen, alt 21 I. 7 M- 25 T-, gestorben den 8 März.
Den 11. März- Adolf Heinrich Emanuel Karl Michael Bruchhäuserbeß Feldwebels im Großh. II. Infanterieregimente Nr. 116 dahier, Heinrich Bruchhäuser, ehelicher Sohn, alt 7 M. 25 T-, gestorben den 9. März.
Denselben. Karl Wilhelm Rudolf Faber, Gutzbesitzer auf dem Hardthof bei Gießen, des verstorbenen Großh. Hofgerichts-Advocaten, Johann Wilhelm Faber, ehelicher Sohn, alt 44 I. 6 M 9 T-, gestorben den 9. März.
Den 14. März. Martin Hermann Karl Koch, des Bürgers und Schneidermeisters, Jakob Koch, ehelicher Sohn, alt 11 I. 2 M- 20 T, gestorben den 12 März.
Denselben. Ernst Wernhard Hermann Lichtenfels, Postzögling dahier, deS verstorbenen Bürgers in Butzbach und Expcditionsgehülfen an der Main-Weser-Bahn dahier, Christian Lichtenfels, ehelicher Sohn, alt 18 I 6 M 11 T., gestorben ben 13. März.____________________________________________________
Zum erstenmale hier!!
Nächsten Sonntag und die darauf folgenden Tage werden sich hier iu Gießen auf dem Oswald 'schen Garten in dem dazu erbauten Salon die dm kleinsten Menschen der Welt von 19, 28 und 30 Jahre alt, 22 und 24 Zoll und repräsentiren ein Gewicht von nur 92 Pfd. zusammen, produciren in Gesang und Musik. Der weltberühmte Herrmann, 19 Jahre alt, 22 Zoll hoch und 28 Pfd. schwer, welcher von seinen beiden Schwestern begleitet wird, spielt sogar ein Instrument (Zither) so meisterhaft, daß er einen Preis von 100 Thlr. aussetzt an denjenigen, welcher sein Instrument so gut spielt, wie er.
Erster Platz 18 fr. Zweiter Platz 9 fr. Sodann das größte Meisterwerk, was noch jemals eine Menschenhand angefertigt hat: Die schreibende Wunderhand von Professor Peppers aus London, welche aus Wachs präparirt ist, Alles schreibt, rechnet nnd zeichnet auf Commando der Zuschauer. Ferner die neueste Construktion einer Electrisirmaschine, sowie die verschiedenen Trau-« atlantischen Kabeln.
Entrse ü Person 9 fr.
Zu zahlreichem Besuch ladet freundlichst ein
(1077) Pb. Jeucke


