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Mnzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kiessen.

vierteljährig 1 ft 12 fr. antf Vringerlohn Durch die P^st bezogen vierteljährig

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Erscheint täglich, ail.t Aus­nahme Sonntags.

Expedition: Canzleibrrg, Lit. B. Nr. 1.

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Nr 2N2

Samstag den 13. December

Brodpreife vom 13. bis 19. December 1873, nach eigener Erklärung der Bäcker:

2 Kilo gemischtes Brod 24 kr. 1 Kilo gemischtes Brod 12 fr. 2 Kilo Roggenbrod: erste Sorte 21 fr., zweite Sorte 17 fr.

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Amlticher Theit.

Polizeiliche Bekanntmachung.

Das Fahren auf Fußwegen betreffend.

Das Fahren, Reiten und Viehtreiben auf den Fußwegen in der Stadt, auf den Fußwegen der Chausseen und anderen Straßen, sowie auf den Fuß­wegen der Promenaden ist nach Art. 104 des Polizei - Straf - Gesetz - Buches und §. 366 pos. 10 des Reichsstrafgesetzes bei einer Strafe bis zu 20 Thalern oder Haft bis zn 14 Tagen verboten.

Es ist gleichgültig, ob die Fußwege gepflastert sind oder nicht.

Nur kleine Kinder-Wagen, denen Kinder gefahren werden, dürfen auf den Fußwegen fahren.

Da trotz vielfältiger Bestrafungen es noch täglich vorfommt, daß mit größeren oder kleineren Wagen auf dem Seitenpflaster in der Stadt und auf den Fußwegen vor den Thoren gefahren wird, haben wir uns veranlaßt gesehen, die bestehenden Verbote in Erinnerung zu bringen.

Gießen, den 4. December 1873. Großherzogliche Polizei-Verwaltung der Provinzialhauptstadt Gießen.

Nover.

Po(tHftfjer Theil.

hallte und die ihn darum doppelt laut im eigenen Lande erhob, bis sie dieser

Rache ein Opfer gefunden, sie wird durch diesen Proceß, durch die Wuth und den Zorn, den Haß und die Leidenschaft, die er entfesselte, durch den farblosen Ausgang dieses an künstlichen Effecten reichen Scheindramas nicht gewinnen. Nicht zu einem blutigen Nachspiel wird fick der Vorhang noch einmal erheben es ist ein Satyrspiel, unbewußt gegen die eigenen marklosen Schwächen der Nation von ihr selbst gerichtet, das der Schein-Tragödie folgen wird.

Entweder der Marschall war schuldig und dann ohne Erbarmen und ohne Gnade die volle Strenge des Gesetzes, oder er war es nicht, und dann mußten die Richter ihn freisprechen. So, wie man gethan, ist Schein und Comödie das Ganze.

Deutsch sand.

Berlin, 10. December. DerStaats-Anzeiger" enthält ein Bülletin aus Dresden vom heutigen Tage früh, wonach in dem Befinden der Königin Elisabeth Don Preußen, welche seit 4 Wochen an akutem Lungen-Catarrh leidet, plötzlich eine wesentliche Verschlimmerung eingetreten ist. Athemnoth und Husten nehmen beträchtlich zu und sind die Symptome um so mehr Vesorgniß erre­gend, als die Königin seit Jahren schon an einem ausgesprochenen Herzfehler leidet.

Berlin, 11. December. Nach dem Gesetzentwurf über die obligatorische Civilehe erfolgt die Beurkundung der Geburten, Heirathen und Sterbefälle ausschließlich durch von den Regierungs-Präsidenten widerruflich zu bestellenden Standes-Beamten. Als solche sind in erster Linie die Gemeinde-Beamten in Aussicht genommen und zur Uebernahme der Functionen von Standes-Beamten verpflichtet. Neben den ordentlichen Standes-Beamten des Hauptbezirks kann innerhalb örtlicher Grenzen auch ein Geistlicher als Standes-Beamter bestellt werden und Standes-Acte bezüglich der Personen, die sich an ihn wenden, mit voller rechtlicher Wirkung vollziehen. Die Führung der Standes-Register er­folgt stempel- und kostenfrei.

Frankfurt, 11. December. Wie wir hören, war kürzlich eine Depu­tation der hiesigen Handelskammer in Berlin, um wegen eines Staats-Beitrags zu dem projectirten Main-Rhein-Canal zu unterhandeln. Es scheint, daß die Staatsregierung sehr geneigt ist, aber auch von Seiten unserer Stadt eine kräftige Förderung desselben verlangt, weil Frankfurt in allererster Linie ein Interesse daran habe. (Nach dem Verwendungs-Plan für die im Ertra-Ordi- narium des Handels - Ministeriums zu Canalbauten ausgesetzten 4 Millionen sind 280,000 Thaler StaatS-Beitrag für den Canal von Frankfurt a. M. bis ^»cainz vorgesehen.

Kassel, 12. December. Heute Morgen ist der Thüringer Schnellzug bei der Durchfahrt durch Altmorschen gegen einen Rangirzug gerannt. Sechs Güterwagen sind zertrümmert, das Locomotiv-Personal contusionirt.

Fulda, 11. December. Die Staatsregierung hat, wie verlautet, an die Bischofs-Candidaten die Anfrage gerichtet, ob sie bereit seien, sich in dem zu leistenden Eide zum Gehorsam gegen die Landesgesetze zu verpflichten.

Der Soldat Frauc^ois Achille Bazaine, denn nur diesen giebt es noch seit dem am 11. d. Mts. in der Abendstunde gefällten Spruch des Kriegs­gerichtes von Trianon, der Soldat Bazaine, weiland Marschall von Frank­reich, ist zu der Strafe verurtheilt, welche den Befehlshaber trifft, der ohne zwingende Nothwendigkeit mit dem Feinde capitulirt, zum Tode durch die Kugel. Wir sind der festen Ueberzeugung, er wird diesen Tod nicht erleiden. Sofort, nachdem das Urtheil gefällt, der Wahrspruch verkündet war, thaten sich die Richter zusammen, entwarfen ein Gnadengesuch bei dem Herzog-Präsi­denten Mac Mahon, das der Herzog von Aumale diesem persönlich überbrin­gen wird, und ganz Frankreich, das heute den Gerechtigkeitssinn seines Landes preist, der selbst gegenüber dem Rufe desberühmtesten Soldaten", um die Phrase des Vertheidigers Lachaud zu gebrauchen, nicht vor einer Verurtheilung zum Tode zurückschrcckte, wird einige Zeit später mit ebenso viel Aufwand an Phrase und Selbstständigkeit dem Geist der Gnade und Milde lobsiugen, der dies Urtheil nicht zur Ausführung gelungen läßt.

Was mag in der Seele dieses Mannes vorgegangen sein, während er auf dem Platze des Angeklagten saß und drinnen im Beratbungszimmer der Richter der Würfel geworfen wurde um Tod und Leben? Umschwebten ihn die düsteren Gedanken an Queretaro, wo Maximilian von Mexico von der Todeskugel getroffen niedersank? Dachte er der Tausende, die ohne Nutzen für das Vaterland geopfert, vor Metz ihr Grab sanden, oder jenep Hunderte, die Kälte und Entkräftung dahinraffte, ehe sie das Ziel der ferneü Gefangen­schaft erreicht hatten? Oder, war es nichts von Alledem, dachte er nur der Schmach, die dem Namen der Familie Bazaine fortan und für alle Zeiten anhängen wird und wußte er, daß dieser ganze Proceß, der begonnen wurde, um die Schuld der Allgemeinheit auf einen Mann abzuwälzen, der fortge­führt wurde mit Declamation und Phraseologie, auch enden würde in der großen Phrase von derGnade der Nation?" Wußte er, daß der Comödie des Processes die Comödie der Verurtheilung und dieser die Comödie der Be­gnadigung folgen würde?

Sie wird ihr folgen; die Nation, die nach dem Ausspruch eines ihrer berühmtesten Söhne: halb Tiger, halb Affe ist, wird die Tigerkrallen bei dieser Gelegenheit verbergen. Sie hat dem kaum verhaltenen Zorn Luft gemacht ui einem Schwall von Phrasen und Verwünschungen und sie wird sich befriedigt erklären. Die Nationalversammlung wird das Gnadengesuch berathen, sie wird demberühmtesten Soldaten" die Gnade votiren, nm die selbst seine Richter Litten und fern von Frankreich wird der Marschall als Privatmann dunkel und ungenannt seine einst unter so glänzenden Auspicien begonnene Lauf­bahn enden.

Und doch hat besseres Blut schon in Frankreich den Sandhaufen geröthet, doch hat die standrechtliche Kugel dort schon bessere Herzen zum Stillstehen gebracht. Marschall Ney hat keine Gnade gefunden, wie Francois Achille Ba­zaine sie finden wird und doch war es nicht jener widerwärtige Egoismus, der aus dieses Marschalls Handlungen spricht, der Ney verleitete zu thun, wie er gethan; doch war es bei ihm die Begeisterung für eine Sache, eine Person, zu deren Gunsten er sein Schwert wandte.

Marsckall Baraine uiill Tode verurtbeilk i Doch wir wollen uns nicht zu Anklägern des gerichteten Marschalls auf- -vcariqiau «oajatne zum ^ooe verurteilt- werfen. Wir wissen nicht, was mehr Gnade ist, Den, welchen die Nation Mit 25 Jahren Lieutenant, mit 28 Capitän, mit 53 Marschall von! Verräther nennt, welchen die Geschichte so nennen wird, ein kurzes Ende fin- Frankreich" so steht auf einem Ehrendegen, den Bazaine einst trug,und! den lassen, oder ihm ein schmachbeladenes Leben zu gewähren. Die französische mit 62 Jahren schuldig befunden der Verrätherei und zum Tode verurtheilt",!Nation aber, deren Schrei nach Rache außerhalb ihrer Grenzen ungehört ver­so wird die Geschichte hinzufügen. hallte und die ihn darum doppelt laut im eigenen Lande erhob, bis sie dieser