tzrrt»vierteljährig lfl.12fr. itit Vrtngerlohn. Durch die Post ör-o-en vierteljährig 1 fL 29 fr.
Gießener AnMger.
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Expedition: Lanzleiber^.
Ltt. B. Mr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hiessen.
Ar. Samstag den 12. Juli Z8VL.
! liegt bei uns vor und zwar so handgreiflich, daß er selbst dem Herrn Berichterstatter nicht völlig entgangen ist. Freilich trägt er ihm in höchst cigenthüm»
die
Zustandes die Landes-Universität Zöglinge liefert und liefern muß, welche nicht
s? müßten wir Das als eine sinn und grundlose Verdächtigung znrückwei-
Sollte aber etwa damit die Neigung angedcutet sein, Vorschläge zu ma-
besonnene Würdigung der Einzelzisfern ausgereicht, aus denen sich Gesammtziffern unserer Frequenz in den letzten Jahren zusammensetzen.
Es erscheint zunächst als ein seltsamer Mangel an Umsicht, wenn Beurtheilung einer Land es Universität mit keinem Worte die Rede von den großen Veränderungen, welche in und mit dem Lande vor sich gangen sind, das ihr seine Jugend zusendet. Solche Veränderungen aber
bei ist ge- lie-
licher Weise Rechnung. Aus Seite 91 und 92 seines Berichts wird der jetzige Zustand der Landesuniversität als ein „unhaltbarer" und „unheilvoller" bezeichnet. Die Ziffern aber, die das beweisen sollen, geben selbst nach Ansicht des Herrn Berichterstatters „insofern ein nicht unerfreuliches" Bild, als daraus „ein gewisses Steigen der Gesammtzahl der Studirenden und der ausländischen Stu dir end en hervortritt."
Wir bekennen, daß uns jenes Maß „allgemeiner und Fachbildung" abgeht, das erforderlich ist, um zu fassen,- wie ein und derselbe Zustand gleiche zeitig ein „unhaltbarer", „unheilvoller" und doch wieder ein „nicht unerfreulicher" sein kann, wie dieselben Ziffern gleichzeitig ein unaushalt- sames Sinken und doch wieder ein „gewisses Steigen" des Besuches einheimischer und ausländischer Studirenden beweisen können. Wir verwahren uns dagegen, daß die Tüchtigkeit einer Lehrkörperschaft ausschließlich gemessen werde nach dem Erfolg, der sich in Zahlen ausdrückt. Wenn aber der Herr Berichterstatter wirklich keinen anderen Werthmcsser als diesen anerkennt, wie ist es ihm dann möglich, eine geringere Leistungsfähigkeit der Universität zu behaupten, während er selber zugesteht, daß die Frequenz in der Zunahme begriffen ist?
In Wahrheit steht es so, daß an unserer Hochschule seit dem Kriegsjahr 1870—71 in all den Fächern, die nicht unter dem Truck der oben berührten Verhältnisse leiden, theils keine nennenswerthe Abnahme, theils eine erhebliche und stetige Zunahme der Studentenzahl statlfindet, daß sich die Gesammtfre- quenz seit Winter 1871 — 72 von 280 auf 284, 304, neuerdings auf 318 gehoben hat, während die Zahl der Ausländer in demselben Zeitraum von 29 auf 44, 47, schließlich auf 64, also um mehr als das Doppelte gewachsen ist. Eine solche Zahl landesfremder Studenten ist seit 1862 nicht mehr erreicht worden und gereicht einer Landes-Universität, die mit so viel unverschuldeten Schwierigkeiten zu ringen hat, wahrlich zur Ehre.
Die Lehrkörperschaft der Landesuniversität hat das Gefühl, daß die Hochschule Gießen im Großen und Ganzen nicht im Niedergang, sondern im Aufschwung begriffen ist. Hätte sie dieses Gefühl nicht, hätte sie den Glauben an die Zukunft der Hochschule verloren, dann würden die zahlreichen Berufungen, die von auswärts au sie gelangen, ganz andere Verheerungen in ihrer Mitte anrichten, als dies bisher geschehen ist. Alle Berufungen der Großh. Regierung und alle Liberalität der Kammer würde in diesem Falle ihre fluchtähnliche Auflösung nicht hindern Der Segen unseres gesummten Wirkens hängt ab von der Überzeugung, daß wir am rechten Platze stehen, um für das Wohl der uns anvertrauten Jugend Fruchtbringendes zu leisten. Finden wir diese Ueberzeugung in unserem Wirken und seinen Erfolgen, wie bescheiden sie auch sein mögen, wohlan, dann möge man sich vor Schritten hüten, die sie uns von außen her verkümmern oder gar zerstören müssen.
Der Herr Berichterstatter beklagt in vorwurfsvollem Ton, daß „die wichtigsten Fächer nicht oder nicht genügend besetzt sind — die Pandekten liest im Sommerseinester ein Privatdocent."
Die Wahrheit ist, daß im nächsten Herbst vier wichtige Lehrstühle in ausgezeichneter Weise neu besetzt sein werden, die in diesem Sommer ohne unsere Schuld unbesetzt sind. Zwei darunter, der für Philosophie und der für Staatswissenschaften, sind im letzten Wintersemester durch das Ableben zweier allverehrter College» erledigt worden. Die Maßregeln zu ihrer Wie- derbejetzung sind im vollen Zuge Der neue Inhaber des zweiten Lehrstuhls für römisches Recht ist bereits durch allerhöchstes Decret vom 31. März, also vollkommen rechtzeitig ernannt worden. Unsere Schuld ist es nicht, daß derselbe erst im Herbst aus seiner bisherigen Dienststellung entlassen wird, aber unser Verdien e ist es, daß er für uns überhaupt gewonnen ward, ehe ihn die Universität München berief, und er war der einzige für uns erreichbare Can- didat. Mit den Gründen vollends, welche die Wiederbesetzung der erledigten Lehrstelle in der theologischen Fakultät bis vor kurzem verzögert haben, hat die Universität gar nichts zu schaffen. Vorübergehender Lücken im Lehrkörper kann sich keine Universität, auch die größte nicht, erwehren. Eine kleinere, wie Gießen, an der ein Fach in der Regel nur durch einen Ordinarius vertreten ist, wird schwerer davon betroffen, als jede andere, aber das ist nicht ihre Schuld. Andererseits ist für die Verantwortlichkeit bei der Auswahl des Ersatzes um so ernster und nur die völlige Unfunbc kann glauben, daß derselbe bei dem Docentenmangel, der gegenwärtig fast in allen Fächern herrscht, sich von Heute auf Morgen beschaffen ließe oder daß ein gelegentliches Ausfallen einzelner Vorlesungen ein größeres Unglück wäre, als ein in der Uebereilung 1 begangener Mißgriff bei der Berufung einer neuen Lehrkraft. Sollte deshalb , auf diese ausnahmsweise» Lücken in unserer Lehrkörperschast die „Thatsache" des Herrn Berichterstatters begründet werden: „daß bei Fortdauer des jetzigen
der unserigen höchst empfindlichen Verhältnisse hat die Rückwirkungen gehabt, die nicht ausbleiben konnten. Angesichts der Lage, die sich aus diesen Umständen nothwendig ergibt, muß jeder Unbefangene eine Abnahme unserer Gesammt-
Protest und Erklärung
des Senats der Großh. Landeseu-iversität gegen die m dem Finanz außschuß Berichte des Herrn Abgeordneten Metz enthaltenen Angriffe
Wir bringen in Nachfolgendem den Protest unserer Universität gegen die Auslastungen des Berichterstatters des Finanzausschusses:
Der Wortlaut ist: Der Finanzausschuß der zweiten Kammer unserer Landstände hat nach seinem uns gedruckt vorliegenden Berichte beschlossen, die unverkürzte Bewilligung der durch das Großh. Ministerium des Innern geforderten Summen für das neue Budget der Landesuniversität bei der Kammer bedingungslos zu beantragen.
Die Großh. Landesuniversität erkennt mit Dank die Liberalität an, von von welcher dieser Beschluß Zeugniß gibt; sie erblickt darin einen erfreulichen Beweis der ungeminderten Fürsorge unserer Landesvertretung für das Gedeihen der Hochschule des Landes, aber auch einen Beweis des Vertrauens in ihre Leistungsfähigkeit, und dieses Vertrauens würde sie sich unwürdig fühlen, wenn sie wehrlos wäre gegenüber den schweren Anklagen, mit welchen der Herr Berichterstatter des Finanzausschusses diesen Antrag zu begleite» für gut befunden hat.
Wir waren nicht darauf gefaßt, denselben Vorwürfen und Beschuldigungen, die leider in einem Theile unserer Presse seit einiger Zeit üblich geworden sind, in einem amtlichen Act en stücke wieder zu begegnen, das, noch ehe die Kammer Gelegenheit gehabt, sich darüber zu äußern, von Darmstadt aus zum Gegenstand öffentlicher Besprechung gemacht worden ist. Wir durfte» das um so weniger erwarten, als all diesen Angriffen von sachkundigster Seite her aus unserer Mitte mit Beweisen war entgegen getreten worden, denen irgendwie Stichhaltiges nicht erwidert worden ist, weil das eben unmöglich war. Dennoch erscheinen sie hier wieder, in einer Fassung, die selbst die Sprache jener Zeitungsartikel noch überbietet. Solchem Vorgang gegenüber hat die Langmuth ein Ende, die sich über Verkennung durch Unkundige mit ihrem gute» Gewissen tröstet. Die gehar»ischte Abwehr wird zur Pflicht, die Abwehr, sagen wir, weil von unserer Seite zu irgend einer Polemik zwischen Gießen und Darmstadt über Univeisitätssache» niemals ein Anlaß gegeben worden ist.
Der Berichterstatter, Herr Abgeordnete Metz, erhebt seine Anklagen unter Berufung auf die „schwere Verantwortung", welche auf ihm und allen Betheiligten ruhe. Wir weisen seine Anklagen zurück im Gefühle der nicht minder schweren Verantwortung, welche uns als pflichtgetreue Diener des Staats, als gewissenhafte Lehrer unserer akademischen Jugend trifft, und wir sehen uns dazu genöthigt, weil wir, falls der Bericht vollständig ist, vor dem Ausschuß einen Vertheidiger nicht gefunden haben.
Von vornherein müssen wir feststellen, daß sämmtliche Auslastungen des Herrn Berichterstatters von einer Unkenntniß der heutige en Verhältnisse unserer Hochschule zeugen, die um so befremdlicher ist, als ihr mit sehr einfachen Mitteln wäre abzuhelfen gewesen; im Nothsall hätte dazu schon eine
frequenz vollkommen naturgemäß finden, jede Zunahme aber in den einzel-die für Staatsbeamte und für sonstige akademisch gebildete Männer erforder- ii e» Fächern, die sich unabhängig von den oben aufgezählten Verhältnissen'liche allgemeine und Fachbildung sich erworben Haven und erwerben können" entwickeln können, als einen Beweis dafür erkennen, daß die Leistungsfähigkeit! — der Hochschule als Lehranstalt sich nicht verringert, in mehrfacher Beziehung sen. _ v .
vielmehr gehoben hat, vollends, wenn aus jenen Einzelnerfolgen ein entschiede-cheu über Errichtung neuer oder vollständigere Besetzung bestehender Lebrstel- ner Wachsthum der Gesammtsrcquenz hervorgegange» ist. Dieser letztere Fall len, so könnte dem Herrn Berichterstatter doch am wenigsten unbekannt sei».
gen hier in so bedeutendem Umfang vor, wie kaum bei irgend einer anderen Hochschule.
Es sind das:
1. Die Aushebung jedes localen Studienzwangs im Jahr 1848, die anderwärts wieder beschränkt worden, bei uns aber vollständig in Kraft geblieben ist.
2. Die Aushebung der katholisch-theologischen Fakultät im Jahre 1851.
3. Die Gebietsumwälzungen von 1866, die außer der unmittelbaren Einbuße durch Verlust des Hinterlandes auch die mittelbare verursacht haben, daß ein erheblicher Theil unserer »ichthessischen Nachbarschaft, der früher seine Studirenden hierhersandte, sich jetzt auf Marburg und andere preußische Hochschulen angewiesen sieht.
4. Die Undankbarkeit des Studiums der protestantischen Theologie in unserem Lande, die seit lange Gegenstand der schmerzlichsten Klagen unter der hessischen Geistlichkeit ist.
5. Die Errichtung neuer, mit Prüfungsrecht ansgestatteter Lehrstellen in technischen und cameralistischen Fächern in Darmstadt, die den unserigen »oth- wendig Abbruch lhun müssen.
Das Zusammenwirken dieser für eine Landes-Universität vom Umfang


