Einzelbild herunterladen

die wilde Heize des Erwerbs, die rohe Jagd nach sinnlichem Genuß ganze Clas- sen unseres Volkes verheert.

Meine Herren! Ich gehöre erst seit drei Jahren dem Verbände der Hochschule und lediglich eadurch dem Großherzogthum Hessen an. Man wird an dieser Hochschule rascher heimisch, als au mancher anderem Jeder Neuve- rufene wird Ihnen das bestätigen und auch den Grund verrathen. ES liegt; in dem Geiste, der den Lehrkörper beherrscht. Wir haben uns unseren kleinen; Freistaat der Wissenschaften zu einer Lehranstalt eingerichtet, in der wir selber in die Schule gehen, in der der Lehrende ie vergißt, daß er immerdar ein Lernender bleibt, bis der letzte Faden seiner Straft verbraucht ist im Dienst der Wissenschaft. Das erzeugt eine Waffenbrüderschaft gemeinsamen Arbeitens, gegenseitiger Fortbildung, aber auch gemeinsamen Empfindens, die Jung und Alt mit Herz und Seele aneinander knüpft und an die unsere in die Ferne berufenen Eollegen mitten in ihren glänzenderen Stellungen ost mit stillem Heimweh zurückdenken. Ich persönlich bin dieser Hochschule zu großem Dank verpflichtet. Sie hat mich berufen zu einer Zeit, die entscheidend war für mein ganzes Leben; sie ist mir seitdem eine wahre Alma Maler gewesen und in dem Amte erst, daß sie mir gab, habe ich mir Mühe gegeben nach und nach zu werden, was ich noch md)t war, als man mich aus Vertrauen berief. Ich statte der Hochschule heute meinen Dank ab. Sie aber, meine Herren, die Sie in Hessen geboren und groß geworden, die Sie dieser Hochlchule ihre gelehrte Bildung verdanken und Ihre Söhne ihr zu gleichem Behufe anver traut, Sie bitte ich, lassen Sie sich durch den Neuling, den Nichthessen nicht beschämen, der Ihre Hochschule vcrtheidigt, lassen Sie die Universität Gießen nicht sinken, darum bitte ich Sie im Namen der Ehre und der Zukunft unseres Landes."

Nach dieser Rede wird die Verhandlung abgebrochen; der Redner empsaltgt Glückwünsche von allen Seiten und in großer Erregung trennt sich die Ver sammlnng. Das ganze Ministerium war anwesend und die Galerien gefüllt.

f Darmstadt, 8. Juli. Bei Beginn der Sitzung verliest Herr Mi nisterialdirector v. Starck eine Erklärung, welche eine eklatante Genng'hunug zn Gunsten der Universität enthält, das Recht dcö Senates zur Bcichwerde ausdrücklich anerkennt und schließlich in begeisterten Worten des Aufschwungs der Universität, des strebsamen Eifers der Lehrkräfte und der ausgezeichneten Erfolge in mehreren Fächern gedenkt. Diese Erklärung wird in ihrem vollen Umfang bekannt gemacht werden und tu dem Universitätsstreit, der guten Sache von der gesamnrten öffentlichen Meinung zu ihrem vollen Recht ver­helfen.

Abgeordneter Buff vertheidigt darauf die Stadt Gießen gegen die Angriffe, welche Metz aus ihre politische Gesinnung geworfen, er constatirt ihre treu nationale, rcsp. lieberale Gesinnung, von der außerhalb mehr bekannt sein würde, wenn die Gießener es liebten, jede politische Rede an die große Glocke zu hängen. Duff beantragt mit Goldmann und Edinger zusammenmit Rück­sicht aus die Erkläriingcu des Ausschusses vom 7. Jnli über den Protest des Ausschusses zur Tagesordnung überzugehen."

Frank erwidert in ausführlicher Rede aus die Auslassungen des Abge­ordneten Metz.

Matty spricht Befriedigung über die Erklärung der Regierung aus, wen­det sich aber scharf gegen den Protest und den Antrag Bliff. Dumont spricht für den Antrag Duff, weil er den ehrenvollen Ausgleich ermögliche und tritt den Ausführungen entgegen, welche Metz an die Erklärung des Ausschusses geknüpft Mit wahrer Wärme bekennt er sich als Schüler von Gießen, wo allzeit Lehrfreiheit im schrankenlosesten Umsang bestanden hat und rechtfertigt dann leit Protest der Universität in scharfen Worten.

Nachdem Königer, Schröder, Ellenberger, Kn hl, v. Rabenau und Gold mann gesprochen, erhält Abg. Oncken das Wort. Er spricht dem Herrn Ministerialdirektor herzlichen Dank für seine Erklärung ans, constatirt, daß dieselbe erstens das Recht des Senates anerkannt, zweitens die volle Richtig feit der von ihm behaupteten Thatsachcn amtlich bezeugt und drittens dem Glau Len an die Zukunft der Hochschule den beredtesten Ausdruck gegeben habe. Gegen die Motivirnng des Tagesordnungs-Antrags wiederholt er seinen Wider sprnch, weil er als Abgeordneter nicht indirekt vernrtheilen könne, was er als Professor in gutem Glauben gethan habe. Nach langer Gegenrede des Abg. Metz, werden die geforderten Summen im Betrage von 130,000 fl. einstimmig bewilligt und dann die Tagesordnung mit 37 gegen 11 Stimmen (v. Rabenau, Goldman«, Buff, Oncken,' Büchner, Dumont, Edinger u. s. w) angenommen, nachdem der Finanzausschuß, Metz an der Spitze, erklärt, sie würden sanrnrt und sonders ihr Mandat niederlegen, wenn die Annahme nicht erfolge Trotz dieses Votums kann der Senat vollauf zufrieden sein. Er hat erreicht l) daß sein Protest vor versammelter Kammer verlesen, 2) dem gedruckten Protokoll einverleibt ward, 3) daß die Großh. Regierung sich kräftigst seines Rechts mit seiner Ehre wehrte, 4) daß der Ausschuß selbst in dem gestern erwähnten Be­richt ihm eine feierliche Ehrenerklärung gab.

Die Tagesordnung war das Zugeständnis;, durch das die Mehrheit der Kammer ihrem Führer ein Mißtrauensvotnm ersparen wollte. *)

Course anzunehmen und welcher Cours für die etwa zu bezeichnenden Münzen sestzusetzen fein würde.

Berlin, 8. Juli. Der Geh. Nach Wagener ist derKreuz-Ztg." zu­folge auf seinen Antrag zum 1. September peusionirt und der Geh. Rath Jacobi zum ersten vortragenden Rath im Staatsministerium ernannt worden.

Berlin, 8. Juli. Die Rekurs - Entscheidung des Oberkirchenraths in der Sydow'schen Disciplinarsache, welche seit einigen Tagen zum Zwecke der Publikation und Vollziehung an das brandenburgische Conststorinm abgegangen ist, lautet derSpen. Ztg." zufolge dahin, daß die Entscheidung des Consistc- rinms vom 2. December 1872, welche die Absetzung Sydow's ansspricht, dahin abznäudern ist, daß demselben wegen des durch einen öffentlichen außerordent­lichen Vortrag gegebenen schweren Anstoßes ein geschärfter Verweis zu ertheilen ist und ihm auch die Kosten des Verfahrens zur Last zu legen sind.

Fulda, 6. Juli.Non possumus \u hat nunmehr auch der Bischof Christoph Florentins Kött von Fulda auf gut Fuldaer Deutsch (denn der latei­nischen Sprache ist er nicht besonders mächtig!) den von Kassel zur Visitation des hiesigen Seminars geschickten Delegirten des Oberpräsidenten geantwortet, und seine getreuen Rathgeber haben ihm in dieser Beziehung getreulich secun- dirt Der Regens des Clerical- und Knabenseminars, der als Erzjesnit be­kannte Dr. Cvnip, verweigerte den Commissaren unter dem ihm eigenen süß­höhnischen Lächeln eine jede Auskunft und berief sich statt auf bischöfliche In­struktion lediglich auf die bekannte Collectiveingabe des preußischen Episkopats, die als solche und in ihren gewünschten Folgen den Subalternpriester doch eigentlich gar nichts angeht. Unverrichteter Sache kehrten daher die beiden Herren, Oberregierungsrath Mittler und Schulreferent Ernst, nach Kassel zu­rück, um dm Oberpräsidenten über die Erfolglosigkeit ihrer Mission zu refe- riren. Daß mit unserem Seminar alsbald ein gleich kurzer Prozeß gemacht wird, wie mit demjenigen in Köln, liegt ans der Hand, und es dürfte, wenn nicht alle Anzeichen trügen, ein daraus bezüglicher Erlaß noch im Laufe dieser Woche zu erwarten stehen. Ob daun die gänzliche Aushebung des Knaben­seminars erfolgt, steht noch dahin, wird aber in klerikalen Kreisen kaum noch bezweifelt. Als ich Ihnen kürzlich über eine beabsichtigte Manipulation des hiesigen Bischofs, junge Capläne zunächst auf weimarische Posten zu schicken, um so den Conflict wegen nicht erfolgter Bestellungsanzeige hinauszuschieben, berichtete, zweifelte ich gleich an der Richtigkeit des bischöflichen Kalküls. Es wird übrigens jetzt versichert, daß die zur Visitation des Seminars hierher ge­reisten Beamten auch diese Angelegenheit zur Sprache gebracht und dem alten Kött die Unhaltbarkeit der mit der neuen Veisetzuugsmethode ausgesprochenen Theorie klar gemacht haben. (Rat. Ztg.)

Tilfit, 8 Juli, Abends. Unter den bei dem Bau der Eisenbahn Tilsit-Memel beschäftigten Arbeitern sollen einige Fälle von Cholera vorgekom­men sein.

Leipzig, 7. Juli. Die Generalversammlung des Vereins für Verbrei­tung der Voltsbildung hat heute Vormittag eine zweite Sitzung gehalten. Die in den beiden Sitzungen gefaßten Beschlüsse enipsehlcn außer den bereits gemel­deten Maßnahmen noch die Vermehrung der Wanderlehrer, mib der freiwillig ober gegen Entgelt zu haltenben Vorträge zu Bilbnngszwecken, sowie bie Er­richtung von Volksbibliotheken auf bem Laube. Eine besondere Anfmerksam- hit soll der Erziehung verwahrloster Kinder zugewandt und für die Verbrei­tung von Leitfäden der Geschichte, Land und Hauswirthschaft und Gesetzes- knnde Sorge getragen werden. Ein Antrag, betreffend die Uebernahme des Schulwesens durch das Reich wurde nach lebhafter Debatte an die Schulcom­mission verwiesen.

Passau, 8. Juli. Der österreichische KriegsdampserLeitha", der bis Straubing vorgedrungen war. ist unter Eskorte dreier bayerischer Jäger-Officiere hierher zurückgeschickt worden.

Ikllei leid).

Prag, 8. Juli. Auf der süd norddeutschen Verbindungsbahn zwischen Eisenbrod und Semlin fand eine Entgleisung der Maschine und mehrerer Wagen des Personenzuges statt. Der Maschinenführer ist tobt, mehrere Personen sind verwundet

«fiankreicf).

Paris, 7. Juli. Nationalversammlung. Lamy will eine Interpellation stellen über ben Belagerungszustand von Paris und der Departements. Es wird ihm gestattet und als der Tag dazu der 15. d. Mts. bestimmt. Die erste Losung des Gesetzentwurfes über die Armee-Reorganisation wird erledigt und der Uebergang zur zweiten Lesung beschlossen. Das Hans vertagt sich darauf bis Freitag

In beii ersten fünf Monaten b. I. hat bie französische Handelsein­fuhr im Ganzen 1284 Millionen, 118 Millionen weniger als im gleichen Zeitraum voiigen Jahres, betragen; die Gesammtausfnhr 1635 Millionen, 192 Millionen mehr als im vorigen Jahre. Zölle und indirekte Steuern haben 424 Millionen, 96 Millionen mehr als im vorigen Jahre, eingebracht.

Der Schah von Persien hat gestern über den ihm zu Theil gewor-

*) In dem gestrigen Anzeiger Sritc I, Zeile 12 v. u., erste Spalte soll es heißen: Mücke statt Munke.

Darmstadt, 8. Juli. Der Kaiser von Rußland wird, nachdem er seine Kur beendigt hat, Ems verlassen und morgen früh 10 Uhr mit seinem Gefolge in Jugenheim eintreffen, woselbst er bis zum 27. b. Mts. verwei len wird.

Berlin, 7. Juli Die Am schüssc für Handel und Verkehr mib für Rechnungswesen haben bem Bnndesrath so eben ihre Anträge zum Vollzüge- des Münzgesetzes unterbreitet- Dieselben beziehen sich zunächst ans die Form

denen Empfang seine lebhafte Befiiedignng und über die Pracht von Paris seine Bewunbernng mit den Worten ausgedrückt:Ich finde hier die Sonne wieder; dies crinne.t mich an Persien!"

Paris, 7. Jnli. Gestern nm 7 Uhr Abends gingen 35 Millionen in Gold und Silber für bie K'iegseutscbädigung von hier nach Köln.

Paris, 9. Juli. DasJournal officiel" meldet, daß am 5. Juli 250 Millionen Kriegsentsckädigungsgeleer, welche das zweite Viertel der fünf­ten Milliarde bilden, an Deutschland gezahlt worden sind.

der Prägung und schlagen vor, außer den Reichs-Goldmünzen und 20 und 10' OtllliCIL

Mark, zunächst hauptsächlich: 1 Markstücke, 20-, 10 , 2 und 1-Pfennigstücke Rom, 7. Juli, lieber bie verunglückte Wallfahrt ber weilanb spaui- prägen zu lassen. Schließlich beantragen die Ausschüffe, baß an die hohen scheu Königin Isabella lesen wir in der WienerPresse" :Tieferschüttert Regierungen bas Ersuchen gestellt werben möge, bie Annahme ber östeircichi I mib in ihren schönsten Hoffnungen g«täuscht, hat bie Exkönigin Isabel 11 mit scheu 1 und 2-Guldenstücke, sowie ber uieberlänbifchen 1 und 2^Gulden-,ihren Kindern den Vatikan und die ewige Stadt wieder verlaffen. Sie hatte stücke bei den Staats und sonstigen öffentlichen Kaffen sofort zu verbieten und so sehr ans ihre persönliche Liebenswürdigkeit und aus die Erinnerung an das darüber an das Reichskanzler Amt zu äußern: a) ob einem auf Grnnd des einstige vertrante Verhältnis; zwischen Vatikan und dein Palacio real in Madrid Art. 13 Ziffer 1 des Münzgesetzes zn eilassenden allgemeinen Verbot dieser gebaut, sie hatte so sicher gerechnet, Papst Pio IX werde sich mit dem ganzen Münzen Bedenken entgegenstehen, und b) ob und in wie weit ein Bedüifniß Ansehen seiner Stellung für ihre, bezw. für die Sache ihres Thronerben, Don besteht, ausländische Münzen bei Reichs- und Landeskaffen zn einem festen Alfonso, erklären! lind statt dessen nun nichts als Ausflüchte, zweideutige