B ö r tz e re d e r i ch t L
Betet, denn wir sind noch nicht
General du Teple ruft den Franzosen zu:
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deuten Mac Mahon und und dem Minister des Auswärtigen, Herzog v. Broglie, empfangen wurde. Am Arc de triomphe auf ^en Champs Elisses fand der Empfang durch die Municipalbehörden und den Seinepräfecten statt. Vautrain, der Präsident des Municipalrathes, hielt eine kurze Ansprache, welche der Schah kurz erwiderte. Im Palais de Bourbon wurde der Schah von dem Präsidenten der Nationalversammlung empfangen
Paris, 7. Juli. Je mehr der unfehlbare Ultramontanismus Anstrengungen macht, die drei monarchistischen Parteien in Frankreich durch Religion und Aberglauben zusammen zu kitten, desto sicherer schreitet im Schooße des Ministeriums durch Privatverhältnisse und Privatverlegenheiten der Mitglieder der Zerbröckelungsprozeß vor. Durch die angedeuteten Umstände sind einzelne Minister gezwungen, den orleanistiscken Mantel nach bonapartistischem Winde zu hängeu, außerdem traut kein Thronjäger dem Andern. Nur für kurze Zeit war Chambord aus dem Dusel erwacht, er zählt nun wieder zu den begrabenen Todten. Aumale, Lulu, der rothe Prinz, das sind jetzt die drei Löwen des Tages. — Die Nationalversammlung soll, wie verlautet, am 25. d. Mts. vertagt werden, nachden sie angefangen hat, sich mit dem Armee-Reorganisations- Entwurf zu befassen. — Ferner wird aus Paris berichtet, der Finanzminister verlange außer der bereits von der Subcommission vorgenommenen Reduction des Kriegsbudgets im Betrage von 20 Millionen auch eine Herabsetzung des Budgets des Innern von 12 Millionen, der Marine von 1 Million und der übrigen Ministerien um 7 Millionen. — Wie der Londoner „Times" nicht ganz im Einklänge mit den bisherigen Nachrichten unter dem 4. d. Mts. tele- graphirt wird, ist nun gewiß, daß der Prozeß Bazaine's in Compiegne geführt werden wird, unb zwar wahrscheinlich in der letzten Hälfte des Septembers. Ueber die Zusammensetzung des Tribunals ist noch nichts Festes entschieden, aber im Einklänge mit den Regeln des Herkommens soll der Herzog von Aumale präsidiren, und es scheint, daß er nicht Willens ist, sich dieser persönlichen Pflicht zu entziehen.
wurde, erging sich aber darauf in einem anderthalbstündigen Vortrag in heftigen Ausfällen gegen die Universität und die Stadt Gießen. Abgeordneter Oncken antwortete ihm in meisterhafter Rede, welche die Versammlung beinahe eine Stunde fesselte, Namens der Universität.
Morgen wird Abgeordneter Buff für die Stadt Gießen das Wort ergreifen und die Debatte voraussichtlich eine sehr erregte werden.
Den näheren Bericht über diesen, für die Stadt und Umgegend von Gießen hochwichtigen Gegenstand bringen wir später; wir bemerken nur, daß Abgeordneter Oncken nach Schluß der Sitzung von allen Seiten beglück-
Paris, 5. Juli. Die unberechtigten Versuche der Versailler Coalitions- Regierung, nachträglich an den Communisten Rache zu nehmen, machen in Paris viel böses Blut. In den Arbeiter-Quartieren macht sich bereits jene dumpfe Gährung, die Staatskassen-Katastrophen vorauszugehen pflegt, bemerk- bar. Mag sein, daß es die Absicht der Negierung ist, eine Revolution herauszubeschwören, solchen gewissenlosen Männern ist jedes Mittel recht, um ihr Ziel, die Monarchie zu erreichen. Für Deutschland könnten dergleichen Vor- kommniffe durchaus nicht besorgnißerregend sein, weil dadurch die eventuel vorhandenen Rachegelüste nur vertagt werden müssen.
Paris, 6. Juli. Unter Approbation des Papstes und der Bischöfe hat Frankreich als neues frommes Werk bekanntlich einen Pilgermonat erhalten. vom 22. Juli bis 22. August soll für Frankreichs Heil gebetet werden. Der Betriebsausschuß läßt eine Anweisung verkaufen: „Petit manuel du mois de pölerinages“, und verkündigt durch seine Blätter, daß „mehrere Deputirten- gattinnen beabsichtigen, einen Pilgerstrom nach den Heiligthümern von Paris
Norwegern vor und beerdigte sie.
Schweiz.
Bern, 5. Juli. Gestern hat das Berner Obergericht das Endurtheil, betreffend den auf dem eidgenössischen statistischen Bureau begangenen Actendieb- stahl, gefällt. Bekanntlich hatte einer seiner Beamten Listen der letzten Volkszählung centnerweise nach Hause geschleppt, um daraus Adressen für einen Lotterie-Collecteur in Frankfurt a. M. abzuschreiben; schließlich fand er aber bic Arbeit des Abschreibens zu langweilig und sandte die Listen dem Frankfurter Hause direct zu. Vom Amtsgericht Bern des Diebstahls für schuldig erklärt, wurde der Beamte zu drei Monaten Correctionshast, die dann in Einzelhaft umgewandelt wurde, verurtheilt. Der Verurtheilte appellirte, welcher Schritt auch den besten Erfolg hatte. Das Obergericht sand ihn nur der Begünstigung des Lotteriewesens für schuldig und verurtheilte ihn zu einer Biiße von 20 Frcs. Ist das nicht ein gnädiges Obergericht? - Der junge Prinz Napeleon befindet sich augenblicklich wieder zu Arenenberg.
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gerettet! , , ^hcuviivuui «nn.
Paris, 6. Juli. Der Schah von Persien traf heute Abend 072 Uhr Bcrl. Bankverein und Prov.-Disconto je 1 Proc. auf dem Bahnhose von Passy hier ein, woselbst er von dem Marschall-Präsi- Wechseln Paris und Belgische Plätze begehrt.
wünscht wurde.
Berlin, 8. Juli. Von unterrichteter Seite wird bestätigt, daß der ' Oberkirchenrath das Erkenntniß des Provinzial - Consistoriums bezüglich der 1 Amtsentsetzung des Predigers Sydow cassirt hat.
Hanau, 4. Juli. Heute fand zu Windecken in der Wetterau unter Vorsitz des Herrn Landraths Don Schrötter eine Versammlung der Interessenten der Hanau-Friedberger Bahn statt, welcher außer den Landräthen der Kreise Hanau, Vilbel und Friedberg der Präsident der Handelskammer zu Hanau, Herr Una, der Abgeordnete Herr Ziegler, die Bürgermeister der interessir- ten Ortschaften und sonstige betheiligte Gutsbesitzer beiwohnten. Die Versammlung beschloß einstimmig, entgegen dem Projecte, welches eine Einmündung der neuen Bahn in die Main-Weser-Bahn bei Großkarben befürwortet, dahin zu wirken, daß dieselbe über Windecken direct nach Friedberg, mit Berücksichtigung einer größtmöglichen Anzahl von Ortschaften der Wetterau, und zwar östlich von der Hanau-Friedberger Landstraße, geführt werde. Um die Pläne der Versammlung, bei welcher so ziemlich Aller Interessen vertreten waren, mit dem möglichsten Nachdruck zu realisiren, wurde von der Versammlung eine Commission erwählt, bestehend aus den Kreisräthen von Hanau, Vilbel und Friedberg, aus den Vertretern derselben Städte, und endlich aus zwei Vertretern der Hessischen und zwei Vertretern der Hanauischen Landgemeinden. • Diese Commission würde dann zunächst die Details der Ausführung der neuen Bahn in's Auge zu fassen haben. (Main-Ztg)
Culm, 4. Juli. Der Regens des Clerical - Seminars in Pelplin -- Diöcese Culm — Herr Dr. Wilhelm Martens, hat seine Entlassung alls diesem Amt unter Verzichtleistung auf alle und jede Beneficien erbeten und am 1. Juli von seinem Bischof, Herrn v. d. Marwitz, erhalten. Dr. Martens wird nunmehr in das Privatleben treten. Diese Angelegenheit, an sich eine ganz gewöhnliche und gleichgültige, gewinnt jedoch Bedeutung durch den Be weggrund, aus welchem Herr Martens seine Entlassung erbat. Der Herr Bischof hatte nämlich dem^ Herrn Martens aufgegeben, den neu aufzunehmendeu Zöglingen Eröffnungen zu machen, welche den Fuldaer Beschlüssen der Herren Bischöfe entsprachen und ein Widerstreben gegen die bekannten Gesetze vom Mai d. I. in Betreff der Staatsprüfungen enthielten. Herr Martens — beiläufig bemerkt, ein strenggläubiger Katholik, der auch der Glaubenslehre der päpstlchen Unfehlbarkeit anhängt — fand in diesem Falle eine Auflehnung gegen das Staatsgesetz, dem zu gehorchen die katholische Religion gebiete, und glaubte er deshalb, sich dem verlangten Mitwirken zum Widerstreben gegen jene Gesetze nicht fügen zu können, um so weniger, als jene Gesetze weder die katholische Glaubenslehre, noch die Sittenlehre berühren oder verletzen, wie er dies bei seinem Entlassungsgesuche auseinandersetzte. Um diesem Widerstreite seiner Pflichten zu entgehen, der Pflicht des Gehorsams gegen seinen Bischof und des Gehorsams gegen das Staatsgesetz, erbat Herr Martens seine Entlassung. Derselbe wird sich fortan in seiner Vaterstadt Danzig schriftstellerffchen Arbeiten widmen. Ztg.)
Hamburg, 7. Juli. Die hiesige deutsche Polarschifffahrts-Gesellschaft hat ein Telegramm aus Tromsoe vom 6. d. Mts. erhalten, wonach die von ihr ausgesandte Expedition auf Spitzbergen überwintert hat. Capttan Mack, Commandant des Schooners „Tromsoe", fand dortselbst die Leichen von 18
Belgien.
Brüssel, 7. Juli. Das Duell zwischen Ranc und Cassagnac hat heute Nachmittag unweit Bettenbourg im Luxemburgischen stattgesunden. Cassagnac ist nicht unerheblich verwundet.
Spanien.
Madrid, 6. Juli. Der Angriff der Carlisten aus das Rathhaus von Oyarzun, welches von der Miliz vertheidigt wurde, ist zurückgeschlagen worden. Die Carlisten hatten das bei ihrer ärmlichen artilleristischen Ausrüstung sehr empfindliche Unglück, daß ihre Kanone barst, was außerdem vier ihrer Leute das Leben kostete; und darauf zogen sie sich in's Gebirge zurück.
Frankfurt a. M., 8. Juli. Wie in Berlin, so fängt auch hier die Saison niorte an sich geltend zu machen Das Geschäft bewegt sich in sehr engen Grenzen, und zeigt sich besonders am Speculationsmarkte, da sich die großen Spceulanten meist zurückgezogen haben, eine lähmende Stille. Die Haltung der heutigen Börse war im Allgemeinen eine feste, und gewannen die Schwankungen, welche auf Berliner Notirungen entstanden, keine erhebliche Bedeutung. Mehr bevorzugt als Creditactien, waren heute wieder die von der Liebhaberei gegenwärtig poussirten Staatsbahn. Creditactien behaupteten sich im Ganzen fest und Lombarden vcr- barrtcn in ihrer seitherigen Stagnation. Die Contreminc in Creditactien läßt wenig von sich bören. und dürften deren Blancoverkäufe, wie es scheint, vorläufig keine Fortsetzung erhalten. Belebter war das Geschäft am Anlagcmarkte, wo außer Papierrentc und Prioritäten, auch süddeutsche Staatspapiere gefragt waren. Staatsbahn, gestern 356’ v, bewegten sich zwischen 357*/4— 356 2 und 358. Creditactien, gestern 241 »/2, variirten zwischen 242%—241 t—-242%. ....................... .. a v Lombarden fest zu 202. Oesterr. Bahnen waren durchgehends etwas matter, wie gestern, ru "bilden und"'so^ das Werk, das "ihre Gatten so wohl begonnen, fortzusetzen." Alte Bayer. Qstbahn beliebt. Neue Ostbahn matter. Bon Staatsfonds Silberrente anziehend, zu oilven unv^sv vuv lyiv Papierrentc 'i Proc. besser. In Letzterer fand mehrfacher Umtausch geacn SUberrcntc statt,
auf Grund der guten Äalutaverbältnisse. Am Bankenmarkte herrschte große Stille. Rheinische C ffectcnbank s . Proc, besser. Oesters Deut sehe fest. Lereinsbank gesucht. Matter blieben - - - * Oesterr. Nationalbank 2 fl. matter. Von
Lokal-Notiz.
Gießen, 8. Juli. Wir werden — aus Veranlassung einer im gestrigen Anzeigeblatt enthaltenen Beschwerde wegen nicht brennender Straßenlaternen — vom Gaswerk ersucht, bekannt zu machen, daß dasselbe keinerlei Einfluß auf das Anzünden oder Löschen der Laternen habe und daß dies lediglich Sache der. städtischen Verwaltung sei.
BerruifchteS.
* Vor Kurzem beging ein Zimmermann in Klagenfurt einen Selbstmord in einer so gräßlichen Weise, wie sie bis jetzt wohl noch nicht vorgekommen ist. Er tränkte nämlich seine Kleiber mit P.'troleum und zündete hierauf sich selbst mit einem Zündhölzchen an. Der Unglückliche stand sogleich in Flammen eingehüllt unb stieß nun vor Schmerz und Verzweiflung ein erschütterndes Gebrüll aus, das alsbald Hülfsbereite herbeisührte, die ihn jedoch nicht mehr retten konnten. Als er dem Krankenhause übergeben wurde, war die Haut verkohlt und der Tod des Selbstmörders erfolgte in kurzer Zeit, ohne daß derselbe scheinbar wenigstens, noch zur Besinnung gelangte oder Schmerzensäußerungen machte.
* Der h. Vater ist ein sonderbarer Mann. Während er die Kinber der katholischen Kirche, sofern sie nicht nach seinem Willen thun und die von ihm beanspruchte Unfcylbarkeit ihm einräumen mögen, von sich stößt und verdammt, behandelt er Andersgläubige, die bei ihm zur Audienz zugelasscn werden, mit „Liebenswürdigkeit und herzlicher Vertraulichkeit" und „crtheilt ihnen noch besonders seinen Segen." Dies erfuhren, dem Dürener Sonntagsbl. zufolge, ein preußischer öfficier und ein Graf v. E., beide Protestanten. „Es war ein rührendes Bild (heißt es in genanntem Blatte weiter), den jugendlichen, kräftigen Grafen E. v. E-, der unS Anwesenden durch eine männliche Offenheit und seine ernste christliche Gesinnung bekannt war, andächtig vor dem alten, greisen Stellvertreter Christi niederknieen zu sehen, um dessen Segen zu empfangen. Alle waren ergriffen bei dieser Scene, die lebhaft an den Segen be? Patri'archm des alten Bundes erinnerte, als der h. Vater seine Hand auf das Haupt des gerührten Jünglings legte und in feierlichem Gebete seinen Segen über ihn aussprach."
Berlin, 4. Juli. Unter das ewige Einerlei des Briefsortirers mischen sich doch auch manche Curiosa, wie au8 den nachfolgenden, der Sammlung eines Postbeamten entnommenen komischen Adressen erhellen wird: 1) „An den unbrauchbaren Jäger, den Kaufmann Z. M. in Storchncst." (Der Adressat war als unbrauchbar vom Militär entlassen.) 2) „An Hoch Achtung Wohlgeborgen Herr Don bauschen Kaiser in Berlin." 3) „An meinen lieben Sohn in der Türkei. Ist sckon seit dem Krimmkrieg dageblieben." 4) „An den billigen Baudladen auf der . . . Brücke. Bitte sogleich an dem Mädchen mit die rothe Bossenschlcife und dem blonden Haar abzugeben. Sito, Sito (d. h. cito)." 5) „An die steinerne Frau Topfhändler Kadenhoff Neinkcnfclde — (soll heißen Frau Steintopfhändler Kaden auf Hof Reinkenfelde) Wenn Sie Ihr nicht zu Hause treffen, legen fc man den Brief links auf den Bord in Scbafstall, der is offen und da findet Se ihm." 6) „An seine hoch Wohlgeboren dem Herrn Herrn Piust Novono, dem Herrn Papst in Nom in Italien und Kirchenstaat." 1) „An den Gekrönten, Hoch- preislichen, Hochzugeachteten und immerfort Gebietenden König, König in Schweden, Norwegen und Lappland, dem Herrn der königliche Hochgcbietcnden Hoheit, Herrn Herrn Oscar I. Hochwohlgeboren in Schweden Stockholm. Bitte sogleich, zu erbrechen und zu beantworten."


