Gießener Anzeiger
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kiessen
Freitag den 9. Mai
Nr Itz-A
Bei
in Einnahme vorgesehen.
Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 20
PretS oterteljäbrtg 1 fl 12 fr. mit Brt«g«lohn. D«rch die Post be-sgen vierteljährig 1 ft 29 ft.
Abgeordneten Möllinger in der ten und doch sehr zweckmäßigen die Regierung ans Einführung hinwirken möge.
Darmstadt, 5. Mai.
enthält:
1. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern, die Schenkungen an verschiedene Woblthätigkeits-Anstalten betreffend.
2. Bekanntmachung Großherzoglicher Provinzial - Direktion Rheinhessen, die Wahl der Geschworenen in der Provinz Rheinhessen für das Jahr 1874 betreffend. t
3. Bekanntmachung Großherzoglichen Kveisamts Vilbel, die Niederschlagung von 100 fl. der im Voranschlag der israelitischen Religions-Gemeinde Vilbel für 1873 vorgesehenen Umlagen von 592 fl. betreffend.
4. Uebersicht der für das Jahr 1873 von Großherzoglichem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfniffen in den israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Gießen.
Erscheint täglich, mit 2h* nähme Sonntag-.
Expedition: Lanzlettet». ßit B. Nr. 1.
— In Beziehung auf die Parallele zwischen Ultramontanen und Social- Demokraten und mit besonderer Rücksicht aus die Frankfurter Excesse bemerkt die „Germania" noch, die Liberalen würden zuletzt, wenn ihnen die Social- Demokraten ihre Burgen zerstörten, sich um Rettung an die Priester wenden, aber zu spät, da sie dann schon mit denselben an ein und demselben Galgen hängen würden. Uebrigens freut sie sich, für ihre neulich citirte famose Aeuße- rung über den Verstand des Reichskanzlers einen Bundesgenossen an der ,/Kreuz-Ztg." gefunden zu haben, die keine Worte finden kann zur Bezeichnung des geistigen Zustandes des Reichskanzlers.
— Die Gesellschaft für Volksbildung zählt nach ihrem letzten Geschäftsbericht über 20,000 Mitglieder. Wie nöthig ihre Wirksamkeit ist, beweisen schon wieder aus der Gegend von Essen und Dortmund, dem Sitze der rohesten Fabrikbevölkerung, einlausende Berichte über die brutalsten Morde und Todtschläge. Zu viel Geld und zu wenig Bildung, meint die „Magdeb. Ztg ", erzeugen solche Verbrechen. Da auch unter die ländliche Arbeiterbevölkerung die Contractbrüchigkeit und Strikesucht eingedrungen ist und die Gutsbesitzer dadurch oft in die größte Verlegenheit gerathen, so wird am 6. und 7. Mai in Berlin eine Generalversammlung ländlicher Arbeitgeber stattfinden, auf welcher Graf Krassow über die Auswanderung Bericht erstatten wird. Gegenüber den Klagen der Feudalen über die Auswanderungs-Agenten als die Urheber der fortwährenden Zunahme der Auswanderungen und ihrer Meinung, daß die meisten Ausgewanderten nach kurzer Zeit wieder Lust zur Heimath bekämen, wird jedoch mit Recht in den Berichten Mecklenburger Consuln an ihre Regierung hervorgehoben, daß letzteres nicht der Fall sei, daß vielmehr die Leute gerne dort blieben, weil sie daselbst die Möglichkeit der Erwerbung eines selbstständigen eigenen Besitzthums hätten, die ihnen in Deutschland, besonders in M cklenburg und Pommern, durch die Legung der Bauernwirthschaften und das Ueberhaudnehmen der Großlandwirthschaften und Majoratsstiftungen ge-
Aus dem Großherzogthum Hessen, 7. Mai. Die Einnahme lich aus Süddeutschland, daß ihre Mittel ihnen nicht gestatten, wieder ein des Staats aus Jagdwaffen-Pässen ist weit erheblicher, als man vielleicht auf! Mandat anzunehmen. . _ . „
den ersten Blick zu glauben geneigt ist. Dabei ist sie nach dem für 1872 ermittelten Ergebniß wesentlich im Steigen. Im Jahre 1871 betrug die Ge- sammtsumme 19,719 fl., darunter 7497 fl. aus Starkenburg, 7049 aus Rhein- heffen, 5173 aus Oberhessen. Für die Finanzperiode 73 bis 75 sind 20,000 fl.
~ ~ ' dieser Gelegenheit mag an einen durch den
Kammer gestellten, in der Presse kaum erwähn- Antrag erinnert werden, der dahin geht, daß von Jagdwaffen-Pässen „für das ganze Reich"
nommen sei.
Berlin, 6. Mai. Die ihrem Ende entgegengehende dritte Lesung des Münzgesetzes könnte noch dazu benutzt werden, eine bis jetzt vorhandene Lücke durch Feststellung * eines passenden Namens für die deutschen Reichsgoldmünzen auszufüllen. Die bis jetzt allein gesetzlichen Bezeichnungen: „Zwanzigmarkstück" und „Zehnmarkstück" sind ihrer Länge wegen für den öffentlichen Verkehr höchst unbequem. Um der hieraus erwachsenden Belästigung zu entgehen, hat man im Publikum sogar schon mehrfach zu der äußerst unglücklichen Bezeichnung „Neichsd'or" für das Zwanzigmarkstück gegriffen. Zur Verhütung solcher Wortbildungen oder auch des Auftauchens verschiedener Benennungen in verschiedenen Staaten des Reiches (wie etwa Johannd'or oder Peterd'or) würde es sich wohl empfehlen, dem „Zehnmarkstück" den angemessenen und durch seine Kürze bequemen Namen „Krone" zu geben. Das „Zwanzigmarkstück" hieße dann „Doppelkrone," das goldene „Fünsmarkstück" „halbe Krone." Die von früher her rechtlich noch bestehenden deutschen Goldkronen sind im Publikum niemals bekannt geworden, müssen auch in Folge der neuen Münzgesetzgebung eingezogen werden. Verwechslungen sind daher nicht zu befürchten, eben so wenig wie die Krone in die eigentliche Rechnung übergehen würde, welche selbstverständlich auf Mark und Pfennig beschränkt bleiben müßte.
Berlin, 6. Mai. Der Tod des Geh. Hofraths Borck wird in den weitesten Kreisen als ein sehr herber Verlust empfunden werden. Die Vertrauensstellung, welche der Verstorbene durch eine lange Reihe von Jahren eingenommen hatte, hatte er in zahllosen Fällen als Gelegenheit benutzt, um in selbstlosester Weise das Leid und den Kummer Vieler zu stillen, zu lindern. Wo es die Verhältnisse irgend gestatteten, da hat es der Verstorbene niemals daran fehlen lassen, seinen Einfluß ans das leicht zur Müde zu stimmende Herz des Königs geltend zu machen, und so ist denu in Wahrheit der verstor- ' bene Geh. Hosrath der Trostbringer für viele Leidende gewesen.
— Nachdem der Handesminister Graf Jtzenplitz die Frauen zur Beschäftigung in der Eisenbahn-Verwaltung zugelassen hat, folgt ihm hierin jetzt die oberste Reichs-TelegraphenBehölde, welche 250 Telegraphen-„Gehilfinnen" mit einem Jahresgehalt von je 300 Thalcrn beschäftigen will.
Berlin, 7. Mai. Seit einiger Zeit ist in der Presse von einer veränderten Haltung der Badischen Negierung gegenüber der deutschen Neichsregie- rung die Rede, Baden sei entschlosien eine Erweiterung der Reichscompetenz ferner nicht mehr zu befürworten ii. s. w. Nach dem was wir über diese Angelegenheit in Erfahrung gebracht, ist cs allerdings richtig, daß Baden in der letzten Zeit im Vundesrath mit Bayern und Württemberg und nicht mit Preußen gestimmt hat, was in den Kreisen des Reichskanzleramtes allerdings uuange'.iehm berührt hat. Indessen hieraus zu schließen, daß Baden sein Ver- hältniß zum Reiche aus andere Gnindlagen stellen werde, würde durchaus fehlerhaft sein. Der Widerstand, den Baden der Politik des Reichskanzlers auf wirthschaf.lichem Gebiete, z. V. in der Tabacksangelegenheit, in der Eiliführung
5. Dienstnachrichten.
6. Versetzung in den Ruhestand. @e. Königl. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 18. April den Kreisbauausseher bei dem Kreisbauamt Worms, Michael Kuhn, auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen treuen D.enste in den Ruhestand zu versetzen.
7. Concurrenzeröffungen. Erledigt sind: die zweite evang. Pfarrstelle zu Schlitz, im Dekanate Lauterbach, mit einem jährlichen Gehalte von 1357 fL 3V2 fr.; dem Herrn Grafen von Schlitz, genannt v. Görtz, steht das Präsem tationsrecht zu dieser Stelle zu; die evang. Psarrstelle zu Flomborn, im Dekanate Alzey, mit einem jährlichen Gehalte von 1170 fl. 49 kr.
8. Stcrbsälle. Gestorben sind: am 13. April der Oberappellatwns- und Cassationsgerichts-Präsident, wirkliche Geheimerath Hermann Felix Ludwig Benner zu Darmstadt; am 15. April der Landrichter Wilhelm Sartorius zu Lich; am 18. April der Hofwagenwärter Christian Gebhardt zu Darmstadt; am 19. April der Steuercommisjär Lehr zu Michelstadt; am 21. April der Hofgerichtssecretär August Kutscher zu Darmstadt.
Darmstadt, 7. Mai. Heute kam in dem vierten Ausschuß unter dem Vorsitze des zugleich als Berichterstatter fungirenden Abgeordneten Goldmann und in Anwesenheit des Ministeriums der schon früher erwähnte Antrag des Abgeordneten v. Rabenau wegen Ueberweisung des gesammten Eisenbahn-Con- cessionswesens an das Reich zur Berathung, ferner der Antrag des Abg. Mollin- ger auf Aufhebung des so vielfach und mit Recht angefeindeten Gesetzes wegen Beitragspflicht der Gemeinden zu dem Gelände der Eisenbahnen, endlich der damit im innigsten Zusammenhang stehende Antrag des Abg. Allmanu auf Schadloshaltung derjenigen Gemeinden, welche in Folge jenes. Gesetzes bereits zur Beitragspflicht herangezogen worden sind. Wie beinahe voranszusehen, wurde der elftere Antrag als zu weit gehend und im Hinblick auf die Reichs- gesetzgebuna, welche gerade auch mit dem Stoffe befaßt ist, abgelehnt, dagegen der zweite angenommen und in gewisser Hinsicht auch der dritte für gerech fertigt erklärt. Es dreht sich in letzterer Hinsicht freilich um den md)t unerheblichen Finanzposten von etwa 300,000 fl. - Es war vorauszusehen, daß die Wolken, welche sich am politischen Horizont durch die Differenzen der zweiten Kammer und Negierung bezüglich des Finanzgesetzes, insbesondere durch die Absicht der Kammer, die Weinsteuer innerhalb dreier Jahre successive ganz auszuheben und gleichzeitig die Grundsteuer erheblich zu mindern gebildet hat em bei dem unbestreitbar auf beiden Seiten vorhandenen guten Willen sich baldigst verziehen würden. In der That verlautet aus sicherer Quelle, daß die inzwischen geflogenen Verhandlungeii eine Ausgleichung in den beiderseirlgen Wünschen mit Sicherheit in Aussicht stellen. Im Hinblick darauf, daß der iZlnanz- ausschuß nach der Berechnung der Regierung die französische Kriegscontiibiltion, soweit solche voraussichtlich auf Hessen fallen wird, wahrscheinlich um e wa vier Millionen zu hoch angeschlagen hat, wird sich der fragliche Ans chnß ) h mit einer Ermäßigung der Weinsteuer auf etwa Vio» unter Anshebmig er angefeindeten Erhebungsart, und vielleicht einer kleinen Rcduction der Orun
steuer begnügen. ,
Berlin, 5 Mai. Die Abgeordneten klagen sehr und haben m der That Ursache zu klagen über die beständige Preissteigerung in der deutschen
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