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auf 6 800 zu steigern sei? In Leipzig allein z. B- sind sämmtliche wichti­gen Fächer mit durschnittlich 4 Docenten besetzt, bei uns mit einem.

Deuischland.

Darmstadt, 7. April. Gestern Nachmittag überzog unsere Stadt ein heftiges Gewitter mit Hagel. Ein gegen Ende durch das ihm folgende Krachen sofort als gefährlich signalisirter Blitzschlag traf das Monument Lud- Wig's I., dessen Standbild die die Stadt weit überragende Spitze krönt. Eine alsbald 'vorgenommene Untersuchung ergab merkwürdigerweise, daß Beschädi- dungen nicht vorhanden waren, jedoch zeigten sich die Spuren des Blitzes in­sofern, als vom oberen Untersatz der Broncestatue bis weit herunter einzelne Fugen vom Mörtel befreit waren. Der Blitz ist durch die Bleifütterung der Lagerfugen nach abwärts dirigirt worden. Der 6. April ist zugleich der To­destag des durch das Monument Verherrlichten ein eigenthümliches Zusam­mentreffen. (In Hochheim schlug der Blitz in die Kirche ein , fuhr dicht am Nebenaltare vorbei und versengte das Altartuch.)

Darmstadt, 8. April. Seine Königl. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht, am 3. April den Director am Gymnasium zu Gießen, Dr. Eduard Geist, den Director am Gymnasium zu Worms, Dr. Wilhelm Wiegand, den Lehrer am Gymnasium zu Gießen, Professor Dr. Earl Glaser, auf ihr Nachsnchen und unter Anerkennung ihrer langjährigen, treuen und eifrigen Dienste in den Ruhestand zu versetzen; sowie den Director an der Realschule zu Alzey, Dr. Adalbert Becker, zum Director am Gymnasium zu Worms zu ernennen.

Berlin, 6. April. Die Vorsitzenden der Jury für die 26 Gruppen der Wiener Welt-Ausstellung sind jetzt nach den einzelnen Ausstellungsländern ver- theilt. Deutschland führt in zwei jener Gruppen, für die Chemicalien und für die Kurzwaaren-Jndnstrie, das Präsidium; einen der zwei Vice-Präsidenten stellt es in den Gruppen für Bergbau und Hüttenwesen (neben Oesterreich), für Textil- und Bekleidungs-Industrie (neben Belgien) und für bildende Kunst der Gegenwart (neben Frankreich )

Berun, 7. April. Es würde dem Interesse der preußischen Regierung entsprochen haben, wenn dieselbe von vornherein gegen das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes Protest erhoben hätte, und zwar ausschließlich auf der Basis politischer Momente. Indessen fehlt es nicht an genügender Veran­lassung, dies nachträglich zu thun. Zu diesem Zweck dürfte auszuführen sein, wie die Staatsregierung bei dem großen Vertrauen, welches sie dem Papste und Deutschlands katholischen Bischöfen gewidmet habe, von dem Wunsche ge­leitet worden, die interna der katholischen Kirche als ein Heiligthum zu respcc- tiren, und daß sie eben deshalb über die Bedenken hinweggesehen habe, welche sie im vaterländischen Interesse zum Widerspruch gegen alle aus dem qu. Dogma sich naturgemäß ergebenden staatsgefährlichen Consequenzen hätten bestimmen sollen. Die damals unterdrückten Bedenken hätten jedoch im Laufe der Zeit so große Dimensionen angenommen, daß die Staats-Regierung (aus den näher zu entwickelnden Gründen) genöthigt sei, jeder organischen Verbindung des Pap­stes mit der deutschen katholischen Kirche so lange mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten, bis Ersterer eine völlig ausreichende Garantie dafür gewähre, daß er seine Macht über die katholische Kirche der er auf Kosten der welt­lichen Obrigkeit eine ganz unberechtigte Ausdehnung gegeben habe nicht §u Deutschlands Verderben ausbeuten werde. Im Uebrigen bleibt zu wünschen, daß die Staatsregierung, ohne irgend noch Rücksicht auf den Papst und die Bischöfe zu nehmen, mit Nachdruck für alle deutschen Katholiken eintrete, welche aus innerer Noth unter das in Rede stehende (der heiligen Schrift widerspre­chende, und genau betrachtet, eine Gotteslästerung involvirende Dogma sich nicht beugen wollen. Weisheit, Pflicht und Ehre fordern gebieterisch, daß diese armen Leute gegen die unleugbare Gewissens-Tyrannei geschützt werden, mit welcher die katholische Geistlichkeit sie bedrückt. Wenn die Staatsregiernng diesen Schlitz thatkräftig gewährt, eben deshalb sich auch mit materieller Abhilfe der Noth der Altkatholiken annimmt, die mannigfache Bedrängniß zu erdulden haben; und wenn sie gleichzeitig mit dem Worte in der Handfacta loquun- tur die gottesfürchtigen Glieder der evangelischen Kirche davon überzeugt, daß sie sich aufgemacht hat, ihnen zu helfen: so kann es nicht fehlen, daß sie in dem Conflict mit der katholischen Kirche in kurzer Zeit eine kräftige Unter­stützung erlangen wird, derer sie dringend bedarf, und die ihr leider noch immer noch fehlt. Höchst wichtig ist es aber, daß auch die Preffe für diese, des Vaterlands Zukunft bedingende Angelegenheit eine rege Theilnahme entwickele. Namentlich muß es ihr Ehrensache sein, jene Gewissens-Tyrannei zu bekämpfen und das eines deutschen Mannes so unwürdige, überdies mit dem Kirchen-Amt so wenig in Einklang stehende Verhalten zu kennzeichnen, welches mehrere Bi­schöfe sich haben zu Schulden kommen lassen. Und zu dieser Erhebung der Presse und des Volkes sollte die Anregung von den deutschen Ehrenmännern ausgehen, die mit solcher Begabung Gottesfurcht und Vaterlandsliebe verbinden, denn wie wir schon früher gesagt, der Kampf, nachdem er einmal begonnen, muß zu Ende geführt werden. (Post.)

Königsberg i. Pr., 8. April. Am Ostersonntag findet hier der erste altkatholische Gottesdienst statt. Das Hochamt hält der Pfarrer Grunert, die Predigt Dr. Wollmann aus Braunsberg.

Königsberg, 7. April. Die strikenden Arbeiter der Ostbahn nehmen größtentheils morgen die Arbeit wieder auf, nachdem die Verwaltung verspro­chen hat, die Ausbesserung des Taglohns zu beantragen. Die Betriebsstörung wird dadurch hoffentlich beseitigt. Die Rädelsführer bleiben unangestellt.

Dresden, 8. April. DemDresd. Journ." zufolge bat das Gesammt- ministerium einstimmig dem Könige die Sanction des Volksschnlgesctzes ange- rathen. Diese Sanction ist erfolgt und werden das Volksschulgesetz, sowie die damit zusammenhängenden Organisationsgesetze in der nächsten Zeit publicirt werden.

Braunschweig, 4. April. Die dem Herzog durch eine Depu­tation der Landesversammlung überreichte Adresse wegen Abschlusses einer Militarconvention mit Preußen schließt nach eindringlicher Darlegung des Wunsches der Landesversammlung mit folgenden Worten: «.Wir hoffen end­lich, daß durch den Abschluß eines Vertrages, wie wir Ew. Hoheit ehrerbie­tigst anheimgeben, Ew. Hoheit und dem Lande gewonnen und erhalten werden wird, was ohne dieses zn erreichen, unsicher ist. Wir meinen die Freude in ten hoffentlich lauge dauernden Zeiten des Friedens unsere gesammten Trup­pen in ihrer Heimath, in unserer Mitte zu sehen und die vollständigere und dauernde Aufrechterhaltung der Erinnerungen, welche Ew. Hoheit Truppen als

die würdigen Nachfolger derer erscheinen lassen, als deren Führer einst der hochselige Vater Ew. Hoheit, der unvergeßliche Herzog Friedrich Wilhelm den Kampf der Erhebung gegen den Unterdrücker Deutschlands begonnen hat. Sol­ches zu erreichen wird Ew. Hoheit mit uns das zu bringende Opfer nicht zu hoch erachten.

Jranfcreid).

Paris. Die Französische Nationalversammlung hat es nun glücklich zu einem Präsidenten napoleonischen Andenkens gebracht. Herr Buffet war College des berühmten Carambolage-Spielers Oüivier. Bereits in der Sitzung am 5. hat Herr Buffet den Vorsitz übernommen. Er dankt der Kammer für seine Wahl, erkennt die Schwierigkeiten seiner Aufgabe an, zumal da er der Nachfolger eines Grövy sei. Diesem spendet er Lobsprüche. Die Thätigkeit eines Präsidenten, fährt er fort, müsse allen Parteigeist unterdrücken. Er bit­tet alle Parteien ohne Unterschied um ihr Vertrauen. Alles was die Autori­tät schwäche, würde ein Unglück für das parlamentarische Regiment sein.Wir haben einen Theil unserer Aufgabe mit dem Beistände des erlauchten Präsi­denten der Republik erfüllt; wir haben noch die andere Aufgabe, dem Lande die Ruhe und Stetigkeit zu geben. Sie können auf meine vollkommenste Hin­gebung zählen, womit ich den Rechten der Versammlung Achtung verschaffen werde." Am meisten mag Herr Thiers den Rücktritt Gr^vy's zu beklagen haben. Es ist eine natürliche Folge, daß die Republikaner sich von Herrn Thiers zurückziehen, die Verjöhnungsrolle Gr^vy's, derPatriot und Republi­kaner" war, ist nicht mehr möglich. Die innere Politik muß in eine active Phase treten; bei der Rückkehr der Deputirten wird sich ein harter Kampf zwischen den beiden mit der Regierung vereinigten Centren und zwischen der von Gr6vy und Gambetta geführten Linken entspinnen. Herr Thiers scheint sich durch Rückwärts-Concentrirung auf die Orleans zweifelhafte Lorbeeren zu suchen. Die Betheiligung des Präsidenten der Republik an der Aufnahme des Herzogs von Aumale in die Französische Akademie hat in Paris nicht den besten Eindruck gemacht. Herr Thiers hat dem Herzog als Pathe gedient, und es wird ihm dieseThat" um so mehr verübelt, als er es jedenfalls nicht ge- than haben würde, wenn derselbe nicht ein Prinz gewesen wäre. Nun ist der­selbe aber Mitglied einer der Familien, die Anspruch auf den Thron erheben und Alles aufbieten, um die Französische Republik zu stürzen. Thiers traf erst 5 Minuten nach dem Herzog in der Akademie ein; er hatte nämlich einen Reiter nach dem Palais des Herzogs gesandt, und dieser meldete ihm genau, wann derselbe nach dem Palais Mazarin abgefahren sei. Man befürchtete, daß Demonstrationen gegen den Herzog von Aumale gemacht würden; doch bei der Ankunft des Herzogs im Palais Mazarin blieb Alles ruhig, nur bei seiner Rückfahrt wurden einige Demonstrationen gemacht. Man rief:A bas les ducs! A bas dAumale! Thiers hatte schon vorher das Palais verlassen und wurde mit einigen »Vive Thiers!, aber mit äußerst zahlreichenVive la Republique! begrüßt.

Paris, 4. April. Das Univers giebt zu verstehen, Thiers habe sich nur geringe Mühe gegeben, Grövy zur Zurücknahme seiner Entlassung zu be­wegen, weil er ungleich freieres Spiel habe, wenn der Präsident der Nativnal- Versammlung keine Macht an sich fei, sondern ein untergeordneter Mensch. Aber Thiers könnte sich doch verrechnen, wenn er so speculirte, wie das ultra- montane Blatt es ihm zutraut. Mit Grvvy's Rückzüge vom Präsibentenstuhl und Aumale's Akademierede ist eine Wendung eingetreten, die längst im Anzüge war: die Republikaner haben in Grevy einen Führer, um den sie sich ohne Ansehen der Schattirungen schaaren können, gewonnen und dadurch sieht Thiers sich gezwungen, entweder offen mit den Orleanisten zu brechen oder offen mit Aumale Arm in Arm zu den Wahlen zu schreiten. Das alte Schau­kelsystem wird nicht mehr aushelfen. Die Erklärung der Republique Fran^aise läßt über diesen Punct kaum noch einen Zweifel. Die Republikaner nehmen es aber Thiers nicht blos übel, daß er mit den Orleans trotz ihrer öffentlichen Bekämpfung der Republik fortwährend liebäugelt, sondern mehr noch, daß er zugleich die Ultramontanen unterstützt und gewähren läßt, daß diese offen den Kreuzzug für die Restauration von Thron und Altar unter der weißen Fahne und dem Syllabus auf den Kanzeln, in Hirtenbriefen und in den Blättern predigen. Thiers ist Voltairianer, aber es gehört zu den Eigenthümlichkeiten der liberalen Franzosen, daß sie sich täglich alsGottlose," alsdie schlech­testen der Menschen u. s. w. von Priesterzungen beschimpfen lassen und mit lächelndem Angesichte sich beugen, als fei ihnen eine Gnade widerfahren und als fühlten sie, wie schlecht es sei, Franzosen zu fein und vorurteilsfrei in Kirchenfachen zu denken. Gr6vy scheint nach und nach das Herz so voll Gift und Galle über Thiers, über die Orleans, über die Rechte geschluckt zu haben, daß er nicht länger mehr für die Fuchspelzwäscherei des Herrn Thiers mitwir­ken will.

Figaro" theilt folgende Einzelheiten über das Testament des Ex- Kaisers der Franzosen mit:

Napoleon 111. hat zwei Testamente hinterlassen: das eine hatte er vor dem italienischen Kriege, das andere kurze Zeit vor seinem Abgänge zur Rhein­armee gemacht. In dem ersten Testamente, das hauptsächlich ein politisches ist, übergiebt der Kaiser der Kaiserin die Leitung der Staatsgeschäfte; in dem zweiten vertraut er in ganz besonderer Weise den kaiserlichen Prinzen der Armee an. Was das Vermögen Napvleon's 111. anbelangt, so betrug es bei seinem Tode 2,500,000 Fr (?), auf welche aber 1,500,000 Fr. für Schulden u. f. w. zu bezahlen sind. Napoleon 111. hinterläßt also ungefähr eine Million, d. h. 50,000 Fr. Rente.

Paris, 4. April. DiePatrie" meldet:In der Absicht, den Bed waffimngsdienst und die Proviantirung mit Munition durch den Gebrauch der­selben Waffe und derselben Patrone für die ganze Armee zu vereinfachen, hat der Kriegsminister einen Carabiner des Bewaffnuugsmodells von 1866 ange­nommen, der für die Mannschaft der Artillerie zu Fuß bestimmt ist. In Kur­zem wird die ganze Armee: Infanterie, Cavallerie, Gendarmerie und Artille­rie, eine Bewaffnung nach demselben Modelle, dem Chassepot von 1866, be­sitzen , mit demselben Mechansmus, demselben Ladungsverfahren, derselben Patrone und nur durch die Länge des Laufes oder die Abwesenheit oder das Bestehen des Bayonnetsäbels, je nachdem die Waffe für Fußvolk oder Reiter bestimmt ist, unterschieden."

Le Monde ' äußert:Die Republikancr ziehen sich von Herrn Thiers zurück und die von Herrn Grcvy unternommene Versöhnungsrolle ist zur Un­möglichkeit geworden. Alles deutet darauf hin, daß die innere Politik in eine andere Phase treten wird, die Republikaner sich vollständig von Herrn Thiers