Vermischte».
ßcHetreitö.
Alls Frohsdorf wird die Ankunft des Herzogs Der Großherzog von Badell wird demnächst zum hier eiutrcffeu. — Der Kaiser ist heute nach Un-
ftrner, Bazame habe niemals die ernstliche Absicht gehabt, Metz zu verlassen. Die Lesung des Berichts wird morgen fortgesetzt, sonst ereignete sich kein Zwischenfall. Die Haltung Bazaine's ist ruhig.
Wien, 6. October, voll Nemours gemeldet. — Besuche der Weltausstellung garn abgereist.
Wien, 7. October.
lich ansgebentcte Stelle aus einem Hirtenbriefe des Bischofs von Paderborn ausgewählt, welche lautet: „Seit den Tagen eines Diocletian haben wir eine so heftige Verfolgung dcS Namens Christi nicht gesehen." Der Gedankcngang bei Behandlung dieses Themas ist etwa folgender: Das moderne Heidenthum habe mit dem Judenthum abermals ein Bündniß gegen daS Christenthum ge- schlosien, an dessen Spitze der Reichssacristan Bismarck prange. Er copire die Gesetze des abtrünnigen Julian gegen die Christen im römischen Reiche und des nordischen Diocletian Nikolalis gegen die Katholiken von Polen, aber er wetteifere mit jenem all Haß und Bosheit, mit diesem an Brutalität und Verschmitztheit. Schließlich wird dem „Wiener Pöbel in Seidenhüten" der Rath erthetlt, Bismarck, falls er nach Wien käme, einen gleichen Empfang zu bereiten, wie jüngst dem Sardenkönig Victor, die Sache des Liberalismus würde nach solchen Ausschreitungen um so sicherer zu Falle kommen.
•fninfucid).
Paris, 5. October. Der Brief, durch welche» Herr Thiers die Ein- ladling des Maires von Nancy zu einem Bankett ablehnt, ist eine politische Kundgebung von größter Bedeutung. Eimnal spricht sich der Expräsident mit
sich Sonntag den 5. d. Mts. zur Eidesleistung nach Berlin begeben wird. Die Vereidigung wird von dem Herrn Cultusminister geschehen, „Unser Bischof", schreibt der „Deutsche Merkur", „schwört hiermit nicht dem „kirchenfeindlichen" Staate, wie die vaticanischen Bischöfe dem unfehlbaren Pontifex, blinde Eide, sondern gelobt, auch dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist, während er in Freiheit und Frieden seines geistlichen Amtes im Namen Gottes waltet. Die Urklmde seiner Anerkennung als katholischer Bischof ist am 19. September vom Könige unterzeichnet worden. Gleich nach der Rückkehr des Bischofs wird die Syllsdal-Repräscntanz bet den Regieruilgen von Bayern, Baden und Hesien den ausführlich motivirten Antrag stellen, nunmehr auch ihrerseits den Bischof anzuerkeuuen. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß auch von Seiten dieser Negierungen die Anerkennung ohne Schwierigkeit, hoffentlich auch ohne Aufschub ausgesprochen werden wird."
Posen, 6. October. Der Erzbischof Ledochowski ist wegen Androhung der Exconnnunication in einem amtlichen an den Geistlichen Schröter gerichteten Bries zu einer verantwortlichen Vernehmung am 21. October vor das Cri- minalgericht vorgeladen worden.
Posen, 7. October. Erzbischof Ledochowski ist von dem hiesigen Kreisgerichte wegen der gesetzwidrigen Anstellung der Vicare Baraniecki zu Czarnt- kau und Wendland zu Schrimm in eine Geldbuße von 400 Thalern, event. 4 Monate Gefängniß vernrtheilt worden.
Stettin, 7. October. Die hiesige „Ostsee-Ztg." theilt mit, daß das Posener Oberpräsidinm veranlaßt sei, den Erzbischof Ledochowski zur Niederlegung seines Amtes anfzufordern.
Baden-Baden, 7. Oct. Der Großherzog und die Großherzogin von Baden werde,, gleichzeitig mit dem deutschen Kaiser nach Wien reisen und dort, einer Einladung des Kaiser- Franz Joseph folgend, in der Hofburg Wohnung nehmen.
Speyer, 6. Oktober. Die Cholera tritt Hierselbst wieder heftiger auf. Vom Sonntag zum Montag sind 34 Erkrankungen und 14 Todesfälle vorge- kommen. Im Ganzen werden seit dem 25. August 192 Erkraukungen und 89 Todesfälle gezählt.
In Oesterreich bereitet man sich gegenwärtig aus den Besuch des Kaiser Wilhelm vor; in den verschiedenen Parteilagern ist natürlich die Vorbereitung je nach dem politischen Standpnnkte eine verschiedene Das „Vaterland" hat zu diesem Zweck eine schon von der „Germania" weid-
„ , ., vu« der Wetterau, S. Octobcr. Das landwirlhschaflliche Casino d-s Äreife« ffrUbbtro 6at >m vorigen Jahre den Versuch gemacht, in ietzgenannter Stad, eine Productenbörse, als Mittelpunkt des sehr bedeutenden Getreidehandels der W-tt-iau zu schassen. Obwoh der Vorstand der Börse sich grob- Milbe gegeben hat und di- getroffenen Veranstaltungen als zweckmäßig bezeichnet werden können, muß die Sache nachdem jeht die Erfahrung eines Jahres hinter uns liegt, als gescheitert betrachtet meiden. Die Handelsgewohnheiten unserer ackerbautreibenden Bevölkerung, sowohl der zOckonomen als der Mittel- und kleinen Bauern, widersprechen einer solchen Einrichtung, und leider ift unsere Landbevölkerung für Neuerungen, seien sie auch noch an 5rn’ gemeint und vortheilversprechcnd, wenig zugänglich. Die Landwtrthe der Wetter au sind gewohnt, ihre Produkte im Hause zu verkaufen; es ist das die Folge davon, daß der Getreide- und Liehhandel unserer Gegend ausschließlich in den Händen bcr zahlreichen, bis in dre kleinsten Dörfer verbreiteten israelitischen Bevölkerung ist. Diese israelitischen Händler und Makler kaufen in den Dörfern die Waare auf, die dann an die Kroßen Fruchthändler in Friedberg oder zum Weiterversandt an die Stationen der Main-Weser-Bahn geliefert wird Daß es für die Produzenten in vielen Fallen vortheilhafter wäre, einen Fruchtv'arkt zrr befahren oder doch eine Produkten- borse zu besuchen und dort an die Müller und Fruchthändler direkt zu verkaufen, wie d cs z. B. auf dem bedeutenden Fruchtmarkt in Grünbcrg Seitens der Vogklsberger Bevölkerung geschieht, ift klar genug, trotzdem aber bleibt es beim Alten; cs wirken neben der einmal hergebrachten Indolenz in vielen Fällen auch finanzielle Verbindlichkeiten und andere Mißstande mit, welche die Landbewohner uo» der seitherigen Verkaufsmethode und von den Aufkäufern abhängig machen, so daß eine Aenderung wohl kaum zu erwarten ist. Wenn deßhalb die Friedberger Produktenbörse auch nach em gem Scheinleben aufgehört hat, zu existiren, so ift der Fruchthandel, der sich in dieser Stadt concentrirt, doch so bedeutend, daß die Notirungen desselben auch für wei cre Kreise von Interesse sind und daher in größeren Organen für Handelsnachrichten nicht fehlen dürfen. (N. Frkf. P.)
* 'Von der Arbeit« scheu der Russisch en Bau em-Bevölkerung mag Folgende« einen Begriff geben. Außer den Sonntagen und anderen Festen, Kirchen- oder Staatsfesttagen, welche überall solche Tage sind, an denen die ländliche Arbeit ruht, haben sich in den verschiß denen Thcilcn de« Reiche« mehr und mehr selbstersundcne und durch die Bauern selbst eingesetzte, häufig sogar durch die Kirche verbotene Feste cingcschlichcn, welche der Arbeit in mehr als einer Beziehung Abbruch thun. So werden in Minsk noch Festtage heidnischen Charakters eingchaltcn, wie die Kachatotagc u. s. w.; heidnischen Ursprungs sind auch die z. B. in Kursk vorkommende« Tage, an denen man nicht pflügen, andere, an denen man nicht spinnen ober mit dem Beil arbeiten darf; in Poltawa findet sich sogar ein Fest dcS „Zähnespülens." Die Folgen für die Arbeit liegen auf der Hand; die Zahl der Arbeitstage hat ficb im Ganzen seit 1K61, dem Iah" der Aushebung der Leibeigenschaft, sehr vermindert, die Zahl der Tage, an denen nicht gearbeitet wird, vermehrt sich fortwährend. Beispielsweise bat das Gouvernement Nowgorod 120 Nlchtarbcitötage; Pokow 150; Ssmolensk über 100; Ntshnij-Nowgorod 148, Rjasan 100; l'obolien 180 u. s. w. Daß die Bauernwirthschasten vielfach die Zeit in unverantwortlichster Weise verschleudern, dazu mögen folgende Belege dienen: Im Kreise Staraia, Ruffa, in Nowgorod, verhalten sich in diesen Wirthschasten die Arbeitstage zu den Feiertagen wie 2 zu 1, in Jwer wie 3 zu 4, in Jelatma, im Tambow'schen Gouvernement, fallen in die Zeit vom 1. April biS zum 1. November nicht weniger als 70 Feiertage, int Mariupol scheu Kreise des Gouv. Iekatcrinoßlaw arbeiten die Bauern nur die Hälfte de« Jahre«, ebenso in MinSk, noch weniger in Pobolien, au« Bessarabien endlich verhält sich bei den Zarancn die Habt der Festtage'zu den Arbeitstagen wie 9 zu 2. Neun Fest- und zwei Arbeitstage, unglaublich, und doch that- s/Alich 1 Angesicht« dieser Mißstände soll die Negierung damit umgehen, die Festtage gesetzlich festö."stellen und jede Uebertretung streng zu ahnden. Wir wünschen ihr den besten Erfolg, zweifeln aber an der Ausführbarkeit, da die Russischen Popen da« unwissende Bauernvolk in Handelt haben und letztere« nur den Popen gehorcht," Wir meinen, daß Mitzstand und Abhilfe gleich „Russisch" ist. Den Leuten verbieten nicht gu arbeiten, ist eine nur im Lande der Knute mögliche Maßregel. Statt Volksuntcrricht und Aufklärung ein RegierungSedict. Und sobald da« erlassen, zweifelt man in den Kreisen der Russischen Regierung auch nicht einen Augenblick daran, daß bald der Mißstand auch beseitigt. Da« sind die Früchte de« Russischen Büreaukraten- wesenS, da« tief eingewurzelte Mißstände durch Erlasse und Edicte beseitigen zu können glaubt.
<>. Octbr. Vergangene Woche, in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, wurde, wie man uns mittheilt, der in der Nähe de« Gremberg und de« dortigen Schießplatzes an der Gießener Bahn stationirte Bahnwärter von einem Mtlitärpostcn darauf aufmerksam gemacht, daß in nicht weiter Entfernung neben dem Schienengelcise ein Fuhrwerk halte. Nack einiger Zeit setzte sich der mit einem Pferde bespannte, hoch beladene und mit einem Tuch überdeckte Karren in Bewegung und fuhr in Begleitung von vier Männern an der Bahnwärterstcllc vorbei nach Köln zu. Auf Befragen gaben diese zur Antwort, daß sie weit hcraekommen seien und nach der Stadt zum Markte führen. Am anderen Morgen fanden sich am Platze, wo der Karren gehalten hatte, in Stroh gewickelt eine Menge zertrümmerter und noch 11 ganze Einmachgläser mit verschiedenen Früchten. Bei der in Folge dessen cingeleitetcn Untersuchung soll sich herauSgestellr haben, daß von einem Gütcrzuge, der zur Nachtzeit den Gremberg passirt hatte, eine bedeutende Anzahl Collis verschwunden, wahrscheinlich an besagter Stelle abgeworfen und dann von der avisirten Bande aufgeladen und fortgeschafft worden war. Die Untersuchung ist noch int Gange. Köln. Ztg.)
Rom, 2. Oetbr. Wer die Ausgrabungen in Pompeji besucht hat, wird sich der menschlichen Körper erinnern, die dort in der trockenen Asche aufbewahrt geblieben sind und noch dieselbe Lage zeigen, in welcher der Tod über sie gekommen ist. Diese Körper sino fast alle sormlo«, ohne feinere Gliederung, die MuLeulatur und die Physiognomie nicht mehr kenntlich , weil der eingedrungcne Aschenstaub sich mit ihnen zu einer Masse verbunden hat. In der letzten Zeit ist ein neuer derartiger Fund gemacht worden, und zwar ist man auf einen vortrefflich erhaltenen menschlichen Körper gestoßen. Nach der Beschreibung neapolitanischer Blätter ist die Phvsiognomte in den einzelnen Zügen genau erkennbar: lange, starkgebogene Ablernasc, bie Lippen bick unb halb geöffnet, die Ohren außergewöhnlich groß; keine Muskelzusammenziehung, die auf einen gewaltsamen Tod hindeutet; die Lage deS Körper« wie die cmes Menschen im ruhigen Schlafe. Er ruht auf der rechten Seite, den Körper auf den rechten Arm gelegt, während bie linke Hanb über die Brust hinabgestreckt ist. Die Beine sind ungleichmäßig gebogen. Um die Hüften hat er ein Tuch gebunden, welches die Beine zum Theil bedeckt; die Brust ist nackt, aber unter der linken Achselhöhle zeigt sich ein Ucberrest desselben Tuche«, lieber dem Körper, von dem man einen trefflich gelungenen Gypkabguß gemacht hat, fanden sich kupferne und silberne Münzen.
* Wenn der trapezunter Correspondent deS Levant Herald recht unterrichtet ist, wäre der „Komg der Könige" auf seiner Rückreise nach Persien, acht Meilen von Elisabethpol, einer zwischen Baku und TifliS gelegenen Stadt, beinahe in die Hände von Briganten gefallen. Etwa 50 wohlbcwaffnetc und berittene Briganten forderten, plötzlich au« einem Walde hervor»
England.
m 7- Stober. Ein Telegramm, welches der hiesige Agent des
New-Dorker „Daily graphic" gestern aus New-Dork erhalten hat, meldet, daß der viel besprochene Ballon Morgens 9 Uhr ausgesticgcn und in östlicher Rich- tunß abgegangen ist.
einer ungewohnten Entschiedenheit gegen das Beginnen der Monarchisten ans, welches ohne Necurs an das Land, in Abwesenheit der Nationalversammlung, die Geschicke Frankteichs zu entscheiden sich herausnimmt. Er fordert, daß das Land um seinen Willen befragt werde, das Land, welches der einzig legitime Souverän sei. Damit reißt Thiers andererseits alle Schwankenden mit sich und stellt sich an die Spitze der großen nunmehr beginnenden Bewegung in dem Momente, wo die Royalisten bereits die künftige Regierung organisirt und die Nollen unter sich vertheilt haben. Thiers giebt im weiteren Verlaufe des Schreibens sein offenes Dekenntuiß ab zu Gunsten der Republik, der einzigen Regierungsform, welche möglich sei. Diese Republik muffe vertheidigt werden und mit ihr alle bedrohten Errungenschaften seit 1789. Thiers verkündet , daß die entscheidende Krise eingetreten, und daß sie überwunden werden wird mit den Mitteln des kalten, starken Verstandes. — Wie telegraphisch gemeldet wird, erwartet man Chambord's Erklärung auf die an anderer Stelle mitgetheilten von den monarchischen Reunionen gefaßten Beschlüffe schon nächster Tage.
rianpit, 6. Ortober. Proceß Bazaine: Der Herzog v. Aumale leitet die Geschäfte als Präsident des Gerichtshofs mit großer Klarheit und Bestimmtheit. Sobald er sich an Bazaine wendet, spricht er mit der grüßten Höflichkeit und gibt ihm den Titel: „Herr Marschall." Dieser ist in Uniform mit dem Großcordon der Ehrenlegion und sitzt in einem Fanteuil. Ihm zur Seite sitzen sein eVerthcidigcr, der berühmte Advocat Lachaud und deffen Sohn. Beide werden für militärische Dctailfragen von dem Obersten im Generalstabe Vilette assistirt. Von den anfgerusenen Zengen fehlen nur wenige. Die Namen JnleS^. w . .. . - , — „------
Favre, Regnier und der des Feldhüters Scalabrino erregen Sensation unter siurzenb, bcni König unb sem Gefolqc auf, sich zu ergeben. Nafr eb-din ließ sich auf keinen D,. & L »™„,»»,. .?*£'ÄJRSS
gann um 3 Uhr. Die Sitzung wurde 4 Uhr 20 Min. aufgehoben und wird einigem Verlust in bie Flucht.
morgen Mittag wieder anfgcnommen. Bazaine folgte der Lesung mit größter Stuttgart, 3. Oct Gestern unb vorgestern fanben in dem benachbarten LubwigSbtirg Aufmerksamkeit. Wettrennen von Offieieren Statt, zu denen auck von Stuttgart in Extrazügen eine große
.r n-.Ä t k -i ^cn9c toDn 3ufd)auern sich cingefunbcn hatte. Leiber würbe da« gestrige Rennen durch einen
^trianon, v. Xjcfobtl. Proceß Bazame, Fortsetzung . Es wurde mit schweren Unfall gestört. Der Verunglückte, Premier-Lieutenant Maicr-Ehehalt von den babtschen
Ztg." b-stätigt, di- Synodal-R-präscntanz werbe nunmehr auch bei den R-gie- d-r Verlesung d-s vom General Niviöre verfaßten Berichts beaonnen D-ri-lb, runge» von Bayern Baden und Hessen die Anerken.u>ng beaMragen. macht den Marschall zunächst dafür verantwortlich, daß er den von aroß-r
Bonn, 4. Oetober. Von h>er geht dem „Deutsch. Merkur" die De- Uebermacht angegriffenen General Frosiard nicht unterstützt habe und bebauvwt stätigung der Nachricht zu, daß der hochwürdigste Herr Bischof Dr. Neinkeus ferner, Bazaine habe niemals die ernstlicke Absickt aehabt TO,h


