Einzelbild herunterladen

IW 3i>aenb s° Mt

,lllf(r" herzlichstm >Mgendfeües. öa?

laiMi- imb ft,

1. August,

fircbcn

wnbft flott* mb labet hierzu et-

Gvudrura.

Jtiattr, Stiefel, Ä ürGeflkystandekalllliÄ ^rrRothenbngn.

6Ui§ Rothenbergrr, u obrefftren- _____

icnifriioi* frnsnbtit, '« Mn1

, v (<605 inhauaww

ST^Äb'erDet, n&e Ä»l- ^vÄu«nt-- n "«ttsHovo- S'VS,«' 8<« w leibet

. :z 111» f4 I ; i»<t

4 Uhr, die zweite £ame das hohe Seil d.

i Sirtdor:

ph Pegeln*.

stein.

reM. wn 4 Uhr ab:

Vorträge, r.) aus $öbmtn.

PreiS vierteljährig 1 fl 12 kr.

nie Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig

1 fi. 29 kr.

Glthmer Aiytigkr.

Erscheint täglich, mit Aus­nahme SonntagS.

Expedition: Canzleiber«, Lit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kiessen.

Nr. 2Ot». Montag den 8. SMrmbcr S8V3.

Frankreichs Revanche.

lieber die Revanche-Gedanken Frankreichs sollten wir uns doch eigentlich eben noch nicht viel Kopfzerbrechen machen. Nicht daß wir behaupten woll­ten, es existirten solche nicht, sie würden nicht in ganz Frankreich in allen möglichen Modalitäten gepflegt und die Unterlassung ihrer Ausführung als ein Mordversuch an der französischen Nationalebre gepredigt, nein, das alles ist ja richtig, sie waren ja schon der Liebliugsgedanke der Franzosen vor 1870. Damals war es nur Waterlo, nun kommt auch noch Sedan und was all' dazu und darum können wir sogar als gewiß annehmen, daß die erwähnten Gedanken Frankreichs jetzt noch viel tiefere Wurzeln geschlagen haben, als diese zur Zeit waren, in welcher Thiers in die 1840r Kriegstrompete stieß, und daß auch eine Zeit kommen kann, welche uns wieder mit Frankreich im Kriege steht. Nur das scheint uns nicht wahrscheinlich, daß jenen Gedanken die That schon so bald folgen wird, d. h. daß Frankreich, wie Manche fürch­ten, schon im Laufe der nächsten Jahre Krieg erklären wird. Von dem Gedanken bis zur That wird hoffentlich noch weit sein. Einen Grund für eine Kriegserklärung zu finden, wird unter Umständen Frankreich nicht in Ver­legenheit bringen, es wird ihn, wenn es KUeg will, finden und wenn er noch alberner sein sollte, als der vorige; eine andere Frage aber wird die sein: traut es sich in einigen Jahren auch wirklich die Kraft zu, wieder mit Deutsch­land onzubinden und wird es, wenn es sich diese Frage vorlegt, nicht mehr Ueberlegnng haben, als in 1870.

Was uns berechtigt, die Revanche-Gedanken und das Geschrei der Fran­zosen vorerst wenigstens als Prahlerei zu betrachten, läßt sich in wenigen Worten sagen.

In erster Linie besteht nämlich kein Zweifel darüber, daß Frankreich während des Krieges von 1870/71 unermeßliche Verluste gehabt hat, Verluste an Menschen, Geld und Land, Verluste, die sich, wenn wir nur ein Bischen Wahrheit zugestehen, gar nicht recht beziffern lassen. Die 5 Milliarden Kriegs­entschädigung werden schwerlich den stärksten Posten in dem Verlustkonto aus­machen, welchen sich Frankreich gemacht haben muß, ungleich größer wird sein, was es während des Kriegs hat auswenden müssen und an Kriegsmaterial, Geld und sonstigen Dingen, für einen neuen Krieg doch absolut nothwen- dige Requisite, eingebüßt hat. Und warum sollten denn in Frankreich nicht auch alle diejenigen, mitunter namenlosen schlimmen Folgen eingetreten fein, welche die natürlichsten eines Krieges sind? Sollten diese, etwa weil es ein reiches Land ist, so ganz spurlos an ihm vorübergegangen sein? Ver­nünftigerweise läßt sich das doch nicht behaupten; es hat Lasten getragen, wie sie nur ein so reiches Land tragen konnte, aber fühlbar sind sie gewiß gewesen, sie werden es noch Decennien hindurch bleiben und eben darum ein gewaltiger Hemmschuh für baldige Ausführung der Revanche sein.

In zweiter Linie ist es der Kampf, in welchem Frankreich eben noch mit sich selbst liegt, der uns an eine baldige Kriegserklärung seinerseits nicht glan ben läßt. Gerade dieser Kampf, seine Zerrissenheit im Innern, der Mangel einer fest n und starken, von der großen Majorität des Volkes gestützten Regie­rung, wird ihm vorerst noch viel zu schaffen machen, möglicherweise Zustände herbeiführeu, wie sie Frankreich schon mehr erlebt hat. Daß aber dieser ge­fährlichen Situation mit einem Schlage, mit einer Kriegserklärung an Deutsch­land , ein Ende gemacht, daß diese auf einmal alle Parteien einigen und im Nn eine starke vom Vertrauen des ganzen Volks getragene Regierung schaffen werde, das glaubt keine Partei in Frankreich und uns geht es auch so.

Als ein dritter Grund gegen die augenblicklichen Kriegsgelüste Frankreichs laßt sich mit Recht auch anführen, daß die Lehre, welche ihm diesmal gewor­den, denn doch eine sehr starke war. Wer einen Gegner gefunden wie der, den es diesmal herausgefordert, wer von demselben in so kurzer Zeit und so gründlich abgeführt wurde, wie das Frankreich passtrte, und wer denn bei dieser Gelegenheit seine eigene Schwäche so bloßgelegt sehen mußte, wie es Frankreich gesehen, dem, sollte man meinen, müsse doch der Geschmack nach einer wiederholten Procednr so bald nicht wieder kommen. Oder sollte man etwa annehmen können, Frankreich sei in ein Paar Jahren schon wieder so erstarkt, daß es mit gleicher Kraft wie Deutschland mit diesem in die Schran­ken treten könne? Das hieße doch wohl an Wunder glauben. So rasch läßt sich Manches nicht schaffen, was Frankreich nicht, Deutschland aber ausreichend besitzt: tüchtige Feldherren und geschulte Armeen. Und das Alles sollte Frank­reich nicht wissen, oder doch wissen und unbeachtet lassen? Gewiß nicht!

Und endlich ist es die jetzige geographische Lage Deutschlands, welche Frankreich doch auch mit in Rechnung zu ziehen genölhigt sein wird, sobald es^ über den Erfolg eines wiederholten Krieges mit Deutschland mit sich calculirt. Plätze wie Metz und Straßburg werden ihm sobald nicht in die Hände fallen, ehe diese aber nicht genommen, würde Elsaß und Lothringen nicht gewonnen fein. Oder wird Frankreich etwa glauben, es könne diese Plätze auf dieselbe Manier wieder nehmen, wie.das Deutschland gethan, und es ließen sich die deutschen Armeen so in den Sack stecken, wie das Deutschland anno 1870/71 mir den französischen Armeen machte? Gewiß nicht! Unter allen Jrrthümern wäre das wohl der größte.

Wären nun aber alle diese Gründe Denjenigen werrhlos, weicht an den baldigen Wiederausbruch eines Krieges so zuversichtlich glauben, bann dürsten wir doch wohl auch fragen, welche Umstände denn so große Furcht zu verur­sachen geeignet sind.

Wir hoffen, die französische Nation werde endlich einsehen lernen, daß es nur elende Gründe, nur napoleonischer Ehrgeiz war, der sie in den bluti­gen Krieg mit Deutschland trieb, daß es nicht in ihrem Jntereffe liegt, mit Deutschland wiederholt Händel anzufangen und daß sie jeder ehrgeizigen und übermütigen Regierung die Mittel zur Wiederholung eines solchen Rhein­spiels verweigern werde. Alles das wird Frankreich theils schon klar sein und theils noch klar werden, es wird sich endlich überzeugen, daß es an Deutsch­land auch in dessen gegenwärtiger Machtstellung keinen bösen Nachbar hat, und sich darum auch wohl hüten, sich von einer Regierung oder von einer Partei gebrauchen zu lassen, deren thörichte Unternehmung gerade wie die napoleo­nische auch nur die Ausgeburt des Eigennutzes und der Selbsterhaltungs­sucht wäre.

Deutschland.

Darmstadt, 6. September. Se. Großh. Hoheit Prinz Ludwig von Heffen wurde ü la suite des 1. Garde-Regiments zu Fuß gestellt. Befördert wurden zu Obersten die Oberstlieutenants: Ehrhardt, Führer des Großh. Heff. Jnfaut.-Regiments (Leib-Regiment Nr. 117), v. Below, Führer des 2. Nass. Jnfant.-Regiments Nr. 88, Crüger, Commandeur des Hess. Pionier-Bataillons Nr. 11. Zu Oberstlieutenants: die Majors Hoffmann vom 2. Großh. Heff. Jnfant.-Negiment Nr. 116, v. Westerweller und v. Zangen, Gerlach vom 1. Großh. Heff. Jnsant -Regiment Nr. 115.

Berlin, 5. September. Wie verlautet, unterliegt die für Preußen wichtige Frage, ob die Answeisungsbefugniß, welche die Polizeibehörden bisher auf Grund des Gesetzes vom 31. Decembcr 1842 geübt haben, mit dem all­gemeinen Reichsrechte in Einklang zu bringen sei, auf Veranlassung des Reichs­kanzlers einer erneuten Prüfung. Es war schon früher fraglich geworden, ob dieses Gesetz durch das preußische Strafgesetzbuch nicht seine Giltigkeit verloren habe. Angesichts des jetzt geltenden deutschen Strafgesetzbuchs und der Reichs- gesetzgebung über Freizügigkeit und Aufenthalt dürfte jenes Gesetz nicht mehr in Giltigkeit stehen.

Ein Königl. Befehl vom 2. September ordnet an, daß ebenso wie nach den Freiheitskriegen in allen Kirchen des Landes Gedenktafeln der im letz­ten Kriege Gefallenen aufgestellt werden.

Berlin, 6. September. DerStaats-Anzeiger" bringt au feiner Spitze ein Handschreiben des Kaisers an der Reichskanzler, welches denselben beauf­tragt, der großen Anzahl deutscher Vereine, Festgenossenschaften und einzelner Personen innerhalb und außerhalb des Reiches seine erkenntlichen Empfindungen für so viele neue rührende Beweise verehrungsvoller Aufmerksamkeit und treuer Anhänglichkeit zu erkennen zu geben, welche dem Kaiser an dem Tage zugegan­gen seien, an dem es ihm vergönnt war, einem dem Heere von dem dankba­ren Vaterland gewidmeten Denkmale die öffentliche Weihe zu geben.

München, 5. September. Kaiser Wilhelm hat an den commandiren- den General des ersten bayerischen Armee-Corps, Freiherrn v. d. Tann, ein sehr huldvolles Handschreiben gerichtet, in welchem er demselben mittheilt, daß das Fort Nr. 8 in Straßburg fortan den Namen des Generals führen werde. Der commandirende General des zweiten Armee-Corps, v. Maillmger, wird den Kronprinzen des Deutschen Reiches bei dessen Ankunft am Montag in Ansbach empfangen und denselben auf der Inspektionsreise nach Würzburg, Nürnberg und Bamberg begleiten.

München, 5. September. Der oberste Gerichtshof verhandelte heute die Nichtigkeitsbeschwerde der Adele Spitzeder. Der Advocat der Spitzeder be­antragte wegen processualer Formfehler die Cassation des Urtheils und Ver­weisung der Sache an ein anderes möglichst weit von München entferntes bayerisches Schwurgericht, eventuell wegen unrichtiger Anwendung der Art. 281 ,nnd 283 des Neichsstrafgesetzes die Freisprechung der Spitzeder. Der Ober­staatsanwalt beantragte Verwerfung der Nichtigkeitsbeschwerde. Das Unheil wird am nächsten Dienstag publicirt.

StraHburg, 5. September. Direct von Paris trafen soeben 93 Mill. Francs (rund) in Wechseln ein; 10 Mill, in Silber folgen noch heute. Wei­tere Theilzahlungen der letzten Rate der Kriegsentschädigung sind von anderen Puncten her theils eingetroffen, theils erwartet.

tzchumz.

Bern, 5. September. Aus Sanceboz wird die heutige glückliche Vollendung des großenPierre Pertius" -Tunncldurchstichs auf der Jurabahn gemeldet.

Jranüreid).

Paris, 4. September. Die Ernennung des Marquis Harcourt zum Botschafter in Wien ist gestern unterzeichnet worden und wird bald im amt-