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Preis vierteljährig 1 fl. 12 fr. mit Brmgerlohn. Durch die Post bezogm vierteljährig 1 fl- 29 fr

Gitßmtr Anztiger.

Erscheint täglich, mit It* nähme Sonntag-.

Expedition: Lanzleidera, Ltt. B. Nr. 1.

Mnzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hiessen.

9?r. 82.

Montali den 7. April

Ä82S.

B e tr effend: Die Vertilgung der Feldmäuse.

Das Grvßherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien Mach, Alleiidorf a. b. Lahn, Mendorf a. b. Lumba, Annerob, Bersrob, Burk- harbsfelben, Dorf-Gill, Eberstabt, Ettingshansen, Garbenteich, Gießen, Groß-Buseck, Grüningen, Hausen, Heuchelheim, Klein- Linben, Lang-Göns, Leihgestern, Sich, Lollar, Nieber-Bessingeu, Ober-Bessingen, Oppeurob Reiskirchen, Röbgen, Ruttershausen, Steinbach, Treis, Trohe unb Watzenborn.

Wir erinnern Sie an Erledigung der Verfügung vom 21. Februar 1873 (Anzeiger Nr. 50) binnen 8 Tagen.

v. Röder.

p o f i t i f dj ß r Thßif.

stoßenen Bruder, als vielmehr den Stammesgenossen, der sich gerade um so kräftiger fortentwickelt, je weniger er sich um die häuslichen Angelegenheiten Deutschlands zu kümmern braucht.

Wenn die Ultramontanen großdeutschen Neigungen sich hingeben, so be­greifen wir das vollkommen, denn diese großdeutschen Neigungen schließen eo ipso die Straffheit der Reichsordnung aus- Wie aber kommen Demokraten auf derartige Ideen? Dieses Näthsel ist für uns unlösbar. Denn, selbst in dem für freiheitsfeindlich ausgeschrieenen neudeutschen Reiche ist doch der Entwicke­lung einer Demokratie mehr Spielraum gegeben, als es unter dem sanften Regimente einer in Großdeutschland zur Macht gelangten römischen Partei der Fall sein dürfte. Diese künstliche, man möchte sagen auf galvanischem Wege hervorgebrachte Aufzuckung des großdeutschen Gedankens kann unter gewissen Umständen nur den sreiheitsfeindlichen Clericalen einen vorübergehenden Nutzen gewähren.

des Fürsten Gortschakoff dementirt-

_ München, 1. April. In den hiesigen ultramontanen Kreisen von beider-

Jmmer noch grosideutsch.

Wie ein Märchen aus längst verschwundenen Zeiten klingt die Kunde aus Frankfurt zu uns herüber von der Feier des füilfundzwanzigsten Jahres­tages der Eröffnung des Deutschen Vorparlamentes. Und wundersam, auch die Jrrthümer jener Zeit tauchten von Neuem wieder auf, als ob in dem ver­flossenen Vierteljahrhundert nichts sich verändert hätte. Wir sind weit davon entfernt, über jene politischen Jugendtränme zu spotten, oder gar über jene politischen Jugendsünden zu Gericht zu sitzen. Aber, daß heute noch, nachdem wir ans dem idealistischen Traumwesen erwacht, immer auf jene Zeit htnge- wiesen wird, als auf das Paradies, bevor der sündige Mensch von dem Baum der Erkenntniß gekostet darin vermögen wir weder ein Zeichen politischen Charakters, noch unerschütterlicher Ueberzeugung zu erblicken. Vielmehr liegt darin höchstens eine gewisse Sentimentalität, wo nicht etwas noch viel Schlim­meres nämlich Eitelkeit. Die erstere lähmt jede politische Thatkraft, die letztere dagegen verblendet selbst das verständigste Urtheil.

Also, so lange nicht Oesterreich dem Reiche wieder einverleibt ist, kann Deutschlands Einheit nicht für vollendet angesehen werden. Da haben wir's. Der für immer beseitigt geglaubte großdeutsche Gedanke ist also glücklich wie­der in's Dasein gerufen. Und nicht blos dies, er soll noch überdies als ein demokratisches Erkennungszeichen angesprochen werden. Was in aller Welt hat aber die Aufnahme Oesterreichs in den Deutschen Reichsverband mit der Demo­kratie zu thun? Und steht nicht die Vernunft über der Demokratie? Ist es aber wohl auch nur mit einem Scheine eines Vernunftgrundes zu rechtfertigen, dieses Postulat jetzt aufzustellen? Ob Demokrat, ob Keiner, so viel steht für jeden denkenden Menschen in Deutschland unerschütterlich fest, daß unser Staat nur auf nationaler Grundlage bestehen und bestehend gedacht wer­den könne.

Wenn wir in unfern Reichsverband einige stammesfremde Elemente haben aufnehmen müssen, so gehorchten wir der Noth, nicht dem eigenen Triebe. Ohne Noch jedoch die ethnographische Mnsterkarte Oesterreichs uns als Fußschelle anlegen wollen, heißt doch wirklich nichts anderes, als sich einfach jedes politi­schen Urrheils begeben und diesen Geistes-Bankerot als den erstrebenswerthen Zustand hinstellen.

Ja wenn es sich noch um das absolutistische Oesterreich handelte, nun dann könnte ja möglicherweise ein gänzlich urtheilsloser Staatsmann der Hof­burg für die Verwirklichung dieses sublimen großdeutschen Staatsgedankens sich interessiren allein mit dem nach 1866 reconstruirten Oesterreich geht dies

Deutsch land.

Darmstadt, 4. April. Das Großh. Regierungsblatt Nr. 14 enthält:

1. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, die Verwaltung der Brücken und Ueberfahrten betr.

2. Zusammenstellung der Ergebniffe der Staatsschuldentilgungskasse- Rechnung für 1870.

3. Uebersicht der für das Jahr 1873 genehmigten Umlagen zur Bestrei­tung der Bedürfnisse der israelitischen Religionsgemeinden des Kreises Vilbel.

4. Uebersicht der für das Jahr 1873 genehmigten Umlagen zur Bestrei­tung von Communalbedürfnissen in den israelilischen Religionsgemeinden des Kreises Groß-Gerau.

5. Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen fremder Orden.

6. Namensveränderung. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 13. März der Luise Weitz von Rüdigheim zu gestatten, daß dieselbe in Zufunft statt des bisherigen den Familiennamen Größer und der Dorothea Schmidt zu Gießen zu gestatten, daß dieselbe in Zukunft statt ihres bisherigen den Familiennamen Christ führe.

7. Ertheilung von Erfindungspatenten.

Darmstadt, 5. April. Einer Meldung derDarmstädter Zeitung" aus Petersburg zufolge wird Kaiser Wilhelm am 26. April Abends dort er­wartet und das von mehreren Zeitungen verbreitete Gerücht von dem Rücktritt

schon gar nicht an. Der Ausgleich mit Ungarn müßte erst vorher umgestoßen, München, 1. April. In den hiesigen ultramontanen Kreisen von beider- die Verfassung des Kaiserstaates suspendirt werden. Kurz, man müßte in lei Schattirung hat es großes Aufsehen gemacht, daß dem vr. Rittler, welchem Oesterreich so undemokratisch, ja so unconstitutionell als nur irgend denkbar ver-^der Erzbischof v. Scherr das Amtiren in seiner Diöcese untersagt hatte, nun führen, ehe sich nur die leisesten Aussichten für die Verwirklichung dieses von Rom aus die Erlaubniß dazu gegeben worden ist. Die Gründe, welche grotesk-phantastischen Planes eröffnen können. das hiesige Ordinariat für seine Maßregel hatte, sind seiner Zeit in der Local-

Wenn aber der Leser etwa fragen sollte, wozu einer so vereinzelten, gänz- presse angedeutet worden; aber sie interessiren weniger, als die Thatsache, daß lich haltlosen Ansicht überhaupt noch Beachtung schenken, so antworten wirklich hier wieder Rom gesprochen hat und der wahrscheinlich doch sachlich bes- hierauf Folgendes: Die Reichstagswahten stehen vor der Thür, mehr denn scr informirtedeutsche" Bischof gehorchen muß. Auch nach der Seite ist der je thut es diesmal noth, daß die gesummten liberalen Parteien aller Schatti- päpstliche Bescheid nicht ohne Bedeutung, als man darin eine Hinwendung der rungen znsammenstehen sollen, um den Ultramontanen jeden Fußbreit Erde mit,Curie zur Richtung Prcysing und Genossen sehen muß, obgleich bis dahin ver- dem Aufgebot aller Kräfte streitig zu machen; statt dessen wird unnützerweise muthet wurde, daß dasVaterland" durch die Unterstützung der Nunciatur in ein alter, abgethaner Streit wieder entfacht. Vermöge einer langjährigen Tra- Rom einen festeren Fnß habe. Der Rcdacteur muß freilich schon von dem bitten haben sich gerade in dem südwestlichen Theile Deutschlands lebhafte bevorstehenden Umschwünge der Unfehlbarkeit Wind gehabt haben, denn gegen Sympathien für das ehemalige heilige römische Reich deutscher Nation erhalten, die Semmelschmierer,'^womit imVaterland" die Bischofs- und Grasenpartei Man ist dort gewohnt, Oesterreich wie einen verstoßenen Bruder anzusehen und bezeichnet wird, werden wieder Schwadronhiebe geschlagen, welche mehr den Jeder, der seinen thränenreichen Sermon über dieses Thema beginnt, kann Muth der Verzweiflung als die Hoffnung auf Sieg verrathen. Unterdeß gust- sicher sein, den verglimmenden Haß gegen die verteufelten Preußen wieder, tirt der Bischof Heinrich von Passau ausdrücklich einen Verweis, welchen ihm wenn auch nur für wenige Augenblicke, zu entflammen. Im Norden Deutsch-.der Papst wegen seiner Abneigung gegen die Nom wohlgefälligen katholischen lands sieht man in Oesterreich weniger den Bruder und noch weniger den ver-> Vereine zugewendet hat, ohne sich irgendwie zu bekehren, und fährt fort, mit