Einzelbild herunterladen

Geistlichen zu Mitgliedern der Kreisschulcommissionen ernannt wissen. Ausschuß beantragt diesen Zusatz abzulehnen.

Darmstadt, 4. November. (Kammersitzung) In der heutigen Sitzung der 2. Kammer wurde der Abg. Stüber wieder in den 3. und 4. Ausschuß gewählt. Der Antrag des Abg. von Rabenau auf Ueberweisuug des Eisen- bahuconcessionswesens an das Reich wird im Hinblick auf- die mittlerweile er­folgte Einsetzung eines Reichseisenbahnamtes als erledigt erklärt. Der Antrag des Abg. Dernburg auf Erbauung einer Zweigeisenbahn von Darmstadt über Arheiligen, Langen u. s. w. nach Frankfurt veranlaßte den Abgeordneten Greim, Beschwerde über die Schädigung, die Offenbach durch die Anlage der Eisen­bahnen erlitten und die Hindernisse, die den von dort aus gemachten Eisen- bahnprojecten, namentlich einer Verbindung Offenbachs mit Langen gemacht worden seien, zu führen. Dernburg beantragt im Hinblick auf schwebende Unterhandlungen Zurückstellung seines Antrags. Regierungscommissär Schleier­macher bemerkt, daß die Regierung neuerdings bemüht gewesen sei, die In­teressen Offenbachs zu wahren. Der Dernburg'sche Antrag wurde darauf von der Tagesordnung abgesetzt. Ein Antrag Heinzerling's über Einführung von Retourbillets auf den zunächst gelegenen Stationen der Main-Neckar-Bahn ist durch mittlerweile erfolgte Einführung dieser Billets erledigt. Anträge von Edinger und Dernburg über Einrichtung von Arbeiterzügen wurden nach dem Antrag des Ausschusses der Negierung empfohlen; Regierungscommissär Schleier­macher erklärt die Bereitwilligkeit der Regierung, nach Möglichkeit Arbeiterzüge einzuführen. Dernburg bedauert, daß die Regierung auf die Verwaltung der Main-Neckar-Bahn keinen größeren Einfluß zu üben vermöge. Eine Vorlage der Regierung auf Bewilligung der Kosten für Errichtung einer Haltestelle bei Egelsbach wurde genehmigt. Diese Hattestelle ist längst erbaut und sucht der Regierungscommissär zu rechtfertigen, daß die Erbauung früher erfolgt, als die Vorlage über die Kosten an die Kammer gelangt sei; die Zeit habe gedrängt. Eine Vorlage der Regierung auf Erbauung einer Güterstation bei Arheilgen wurde genehmigt. Der Antrag des Abg. Schuchardt auf Erhebung der Halte­stelle Mücke auf der Linie Gießen-Fulda zu einer Station, wurde auf Wunsch desselben und aus Anlaß der neulichen Jnspection der Oberhessischen Bahnen durch den Finanzausschuß und der in Folge dessen zu erwartenden Anträge, von der Tagesordnung abgesetzt, nachdem der genannte Abgeordnete und die Herren Habicht und Schaub auf die Wichtigkeit der Station Mücke und die dort herrschenden Mißstände aufmerksam gemacht und Metz unter Hinweisung auf die augenblickliche Lage der Sache ebenfalls für Aussetzung eines Beschlusses sich erklärt hatte. Die Gemeinden Düdelsheim, Rohrbach und Büches bitten um Errichtung einer Haltestelle bei letzterem Ort. Auch dieser Gegenstand wird, nachdem der Abg. Ellenberger die Anlage dieser Haltestelle und zwar an richtiger Stelle befürwortet hatte, von der Tagesordnung abgesetzt. Wolz be­dauert, daß er nicht auch über eine schlechte Anlage des Bahnhofs in Seligen­stadt klagen könne und empfiehlt dem Ausschuß Förderung seines Antrags auf Erbauung einer Bahnlinie Babenhausen-Seligenstadt-Hanau. Der Antrag des Abg. Heinzerling auf Aufhebung der Stempelpflicht auswärtiger Kalender,

Der, Mac Mahon mit einer Art Dictatur zn umkleiden, hat bis jetzt keineswegs ! die Mehrheit der Kammer für sich und wird wahrscheinlich das nämliche Scl ick- fal haben, wie die Chambordffche Monarchie. Die ganze republikanische Par­tei ist gegen die Verlängerung der Gewalten, wie die Monarchisten sie wollen und die Bonapartisten halten zu ihr. Auch manche Monarchisten sind dagegen, daß man Mac Mahon's Gewalten verlängere.

Paris, 4. November. Oberst Stoffel erscheint als Landes-Verräther oder als geheimer Agent der Kaiserin. Lachaud hat wahrscheinlich die Absicht, Mac Mahon die Verantwortlichkeit für Sedan zuzuschieben.

Versailles, 5. November, Morgens. Der Ministerrath wird heute früh Entscheidung treffen, ob der Marschall-Präsident heute oder morgen seine Botschaft der Nationalversammlung wird zugehen lassen. Wahrscheinlich ge­schieht dies heute. General Changarnier wird nach Verlesung der Botschaft sofort einen Antrag auf Verlängerung der Gewalten Mac Mahon's einbringen. Die Regierung wird die Dringlichkeit des Antrages unterstützen.

Trianon, 4. November. Proceß Bazaine. Oberst Stoffel beendigt heute seine Aussage mit) sagt in Bezug auf den Berichterstatter: Er empfinde für ihn nur Verachtung und Geringschätzung und theile barm die Gefühle der ganzen Armee. Der Präsident versucht, ihn am weiteren Sprechen zu verhin­dern, und verweist ihn in den Zeugen-Saal. Nach einer kurzen Suspension der Sitzung fragt der Präsident den Obersten, ob er die vorher gesprochenen Worte zurückziehen wolle. Da Stoffel dies verweigert, läßt der Präsident über den Zwischenfall ein Protokoll aufnehmen, welches dem Divisions-Com- mandanten zugeschickt werden soll, der sich damit competenteu Falls zu befassen haben wird Nach einer neuen Vernehmung der Agenten Rabeffe und Mies, welche bestätigen, dem Obersten Stoffel Depeschen übergeben zu haben, und neuen Antworten Stoffel's, welcher zugibt, Depeschen erhalten, aber, ohne sie zu beachten, zur Seite gelegt zu haben, erklärt der Negierungs-Commissär, daß er sich vorbehalte, gegen Stoffel wegen Entwendung von Depeschen eine Untersuchung einzuleiten.

Jiußfanb.

Petersburg, 3. November. Ein Telegramm der WienerDeutschen Zeitung" aus Petersburg, 31. October, lautet:Der russische Commandant in Khiwa meldet, daß ihm wichtige Papiere eines englischen Militär-Agenten in Khiwa in die Hände gefallen sind, die das Londoner Cabinet in Bezug auf fein Verhalten dem russisch - khiwesischen Kriege gegenüber sehr compromittiren. Die Papiere sind nach Petersburg unterwegs, um vom Ministerium des Aeußern benutzt zu werden." Sehr wahrscheinlich ist die Nachricht falsch oder wenigstens mißverstanden. Derselben Zeitung wurde aus Odessa, 31. October, telegraphirt:Der von Petersburg zurückkehrende General-Director der Kanz­lei des turkestanischen General-Gouvernements überbringt einen kaiserlichen Ukas, kraft dessen die Verwaltung der Provinz Turkestan mit Rücksicht auf die Kla­gen der Bevölkerung neu organisirt werden soll."

Frankreich.

Dann soll sofort die Frage

von

Condcnsirtc Milch

Emil Fischbach.

Paris, 3. November. Um 1 Uhr waren Changarnier, Andiffret-Pas- qnier, Larcier, die Präsidenten der drei Vereine der Rechten, sowie die drei Delegirten des Nenner-Ausschusses, Chesnelong, Callet und Pradier bei Mac

von der Anglo - Swiss - Condensed - Milk - Comp. in Cham (Schweiz), pr. Büchse 35 fr., empfiehlt

Die Delegirten der conservativen Parteien sind heute Morgen .... Mac Mahon empfangen worden und haben sich mit demselben über die Dauer der Vollmachts - Verlängerung und die constitutionellen Garantien ver­ständigt.

Wie aus dem vom (Sroßh. Landgericht Groß-Gerau erlassenen Steckbrief ersichtlich, hat derselbe auf seiner Flucht nochmals von Coblenz einen Brief geschrieben, worin er die Absicht aussprach, in den Fluthen des Rheins seinen Tod zu suchen, was jedoch wahrscheinlich nur eine Finte sein dürfte. Es liegen indessen Jndicien vor, daß er einen Vergiftungsversuch an

Paris, 3. November. Die Blätter melden, der Ministerrath habe sich heute Morgen versammelt und beschlossen, sich der Versammlung ohne vorhergehende Veränderungen^ vorzustellen. Dann soll sofort die Frage wegen Verlängerung der Vollmachten Mac Mahon's auf zehn Jahre gestellt werden. Hieraus würde das Cabinet seine Entlassung einreichen und Mac Mahon ein neues bilden.

Vermischtes.

Darmstadt, 2. November. Gestern Abend um 6 Uhr 31 Min. wurde hier ein von vielen Personen empfundener, schwächerer kürzerer Erdstoß beobachtet. Namentlich im Herrn- garten war die Erscheinung, wie uns Herr Hofgartendirector Geiger versichert, sehr deutlich zu vx Frankenthal, 28 October. Die Gebrüder Karl und Heinrich Hensel, Metzger in

Neustadt, welche in ihre Würste Mehl Bohnen- oder Erbsenmehl in sehr bedeutender gemischt hatten, wurden am 21. August abhin durch das Polizeiger'cht Neustadt in eine Geldstrase von 10 Thalern verurtheilt. Gegen dieses Urtheil hatten dieselben Berufung eingelegt, und wurde in der heutigen Sitzung des Zuchtpolizeigerichts, als AppellationSgericht sprechend, über diese Berufung erkannt. Das Resultat war für die Gebrüder Hensel kein gün­stiges ; ihre Berufung wurde abgewiesen und das erstrichterliche Urtheil bestätigt.

Schönberg, 1. November. Soeben Abends V27 Uhr wurde hier eine ziemlich heftige Erderschütterung verspürt. Die Richtung schien von Südwest nach Nordost zu gehen.

Pfungstadt, 1. November. Soeben 7 Uhr 35 M. heftiges Erdbeben. Zuerst rütteln des Hauses und dann ein starker Stoß von Nordwest nach Südost, daß mein Schreib­tisch unter meiner Feder wankte. Schon die vorletzte Nacht fand innerhalb 10 Minuten ein viermaliges Zittern und Beben statt, aber nicht stark.

Wie vorsichtig Eltern in Beaufsichtigung unerwachsener Kinder sein müssen, zeigt ein in diesen Tagen in Oberhessen vorgekommener tragischer Fall. Ein S'^jähriges Kind von Obertshausen bei Ortenberg ging mit anderen, etwas älteren Kindern nach dem nicht weit ent­fernteren letzteren Orte, um dort sich producirende Kunstreiter zu sehen. Nachdem dies geschehen war, traten die Kinder ihren Rückweg an. Das kleine oben erwähnte Kind konnte aber den größeren nicht nach, verirrte sich, gerieth seitwärts und übe,'s Feld in eine ganz andere Gemar­kung, wo es so lange herumlief bis es vor Ermattung hinfiel und nicht wieder auf die Beine konnte. Die Eltern und Angehörigen desselben thaten natürlich alle nur erdenklichen Schritte, um das Kind zu finden. Ihre Bemühungen waren aber ebenso erfolglos, wie die Bekannt­machungen durch die Schelle in den Nachbargemeinden. Erst nach 4 Tagen fand ein Bauer beim Pflügen eines Ackers in der Gemarkung Stockheim das arme Würmchen mit abqenaqten Fingerspitzen todt in einer Furche liegen.

Aus drm vorderen Odenwald, Hebet den- von Raunheim, wohin er von hier kürzlich versetzt worden war, durchgebranntcn Pfarrvicar B a s s e t circulircn jetzt in unserer Gegend eine Masse pikanter Geschichten. Derselbe hatte sich in seinem Kirchspiel einen gewissen Anhang verschafft, während ihm der größere Theil seiner Gemeinde schroff gegenüberstand so daß durch ihn viel confessioneller Zwist in der Gemeinde entstand. Bei seinem Weggang spen­dete Basset in generöser Weise noch 150 Gulden, damit sich seine Anhänger einen vergnügten Tag machen sollten, während ihm von Letzteren ein prachtvoller Sessel mit silbernen Füßen ver- ehrt wurde. Der Betrag für diesen Sessel (72 Gulden) wurde unbegreiflicher Weise dem da­mit Beschenkten selbst ausgehändigt, damit er denselben dem betr. Möbelfabrikanten berichtige, was er aber bei seiner Flucht vergaß und weßhalb der Fabrikant bei den Bestellern des Sessels auf Zahlung drängt, so daß die Anhänger des sauberen Patrons jetzt doppelt geprellt sind. Was von Basset's Luxus erzählt wird, klingt fabelhaft. Daß derselbe mit seiner Gattin ein ständiger Besucher des Darmstädter Hoftheaters war, ist bekannt und logirtc das Paar dann stets in einem der ersten Darmstädter Gasthöfe. Dabei hatte er eine Menge sog. nobler Pas­sionen, von denen jedenfalls das Halten eines riesigen Neufundländers die unschuldigste war. Um den Leuten, welche über diese theuren Passionen staunten, Sand in die Augen zu streuen, behauptete er, daß ihm eine Erbschaft in Amerika zugefallen sei. Wahrhaft staunenswerth ist die Ruhe, welche der Verbrecher bis zum letzten Augenblicke bewahrte, so daß er noch in heite­rer Stimmung in der Umgegend Abschiedsbesuche und in seiner neuen Stellung in Raunheim Antrittsbesuche machte.

Mahon. um ihm mitzulheilkn daß b.e Wünsch- der Rechten dahin gehen, bie S 3

(Gewalten zu verlängern und dieses auf so lange Zett und mit so langer Aus- immerhin noch möglich, daß ihn der Arm der strafenden Gerechtigkeit ereilen werde dehnung feiner Gewalten, als er es für nützlich erachte. Mac Mahon §ab- ~

noch keine Antwort. Nach Empfang feines Bescheides wird der Neuner-Aus-' schuß einen betreffenden Gesetzentwurf ausarbeiten. Der Plan der Rechten,.

wurde von dem Ausschuß dahin erweitert, auch den Zeitnngsstempel aufzuheben, womit die Regierung einverstanden ist. Abg. Heinzerling begründet seinen An­trag und wünscht, daß der Stempel schon in diesem Jahr aufgehoben werden möge. Abg. Scriba sühn aus, daß der Kalenderstempel bei uns ganz vergessen gewesen, etwa seit 10 Jahren gegen denLahrer hinkenden Boten" aus poli­tischen Gründen wieder hervorgesucht worden sei, daß auch jetzt nur daher wenige oder gar keine anderen auswärtigen Kalender gestempelt würden und es daher an der Zeit sei diese Einrichtung zu Grabe zu tragen. Nach einer kurzen Debatte zwischen dem Regierungscommissär und dem Abgeordneten Heinzerling und Welker wurde der Atisschnßantrag einstimmig angenommen. Ein Antrag des Abgeordneten Welker auf Revision des Collatoralsteuergesetzes wurde ohne Debatte angenommen. Eine Beschwerde des Gemeinderaths von Gießen gegen eine Abgabe an den Staat von den Gebühren der dortigen städtischen Waage, wurde, weil gesetzliche Bestimmungen die Erhebung einer solchen Abgabe gestatten, abgelehnt. Diese Abgaben fallen übrigens nach dem neuen Finanzgesetz für die Folge weg. Zwei Petitionen um nachträgliche Ein­lösung verfallener hessischer Grundrentenscheine wurden der Staatsregierung zur Berücksichtigung überwiesen. Die nächste Sitzung findet morgen den 5. statt und kommt eine Reihe von Anträgen tinb Petitionen zur Berathung.

München, 4. November. Der Landtag ist vom Prinzen Luitpold im Auftrage des Königs feierlich eröffnet worden. Morgen findet die Wahl der Präsidenten und Secretäre der zweiten Kammer statt. Alterspräsident ist Appell- ^ath Dingler von Zweibrücken.

Schweiz.

Bern, 5. November. Die Regierung hat gestern Abend eine An­zahl katholischer Pfarrämter wieder neu besetzt. Im Jura herrscht vollstän­dige Ruhe.