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Mnzeige- und Htmlsdkalt für den Areis Kiessen.
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Tanstasi den 5. April
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VtHS vierteljährig 1 fL 13 fr.
-mit Vringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl- 29 kr.
Erscheint täglich, mit 1*8» nähme SonntagS.
Expedition: Eanzletbera, Lit. B. Nr. 1.
Meßen, am 2. April 1873.
B etreffend: Die Voranschläge der Gemeinden des Kreises Gießen für 1873.
Das Groß herzogliche Kreisamt Gießeu
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien Allendorf a. d. Lahn, Astendorf a. d. Lumda, Ettingshausen, Gießen, Heuchelheim, Klein-Linden, Mainzlar, Nieder-Bessingen und Steinbach.
Wir erinnern Sie wiederholt an Einsendnng der rnbricirten Vonnschläge binnen 8 Tagen bei 3 fl. Strafe.
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Spaniens Republik. *
Als in Spanien, nach der Abdankung des Königs Amadeus die Republik proclamirt wurde, charakterisirte ein prononcirt liberales Blatt dieses Ereigiiß mit den Worten: Spanien ist wieder in das Leere gefallen, welches man Republik nennt.
Das war nicht blos eine pikante Wendung — sie enthielt auch eine große Wahrheit und sie legte Zeugniß ab für die große Wandelung, welche in den öffentlichen Geiste sich vollzogen hat.
Noch in den Dreißiger Jahren war die Republik das Ideal der meisten Gebildeten Deutschlands, und der liberale Philister sogar buhlte mit der Republik in stiller Verschämtheit; — und sollte es die Republik nicht sein, so schwärmte mau doch wenigstens für die Revolution quand nieme, weil man ui ihr die Glorification des Volkswillens verehrte.
Diese sonderbare Schwärmerei erhielt sich bis in das letzte Decennium hinein und — obwohl nicht mehr auf die gewaltsame Revolution und die that- sächliche Einführung der Republik gerichtet, fand sie doch eine sattsame Befriedigung in dem Bemühen, die Voraussetzung geordneter Zustände zu unterwühlen und auf „friedlichem Wege" den Postulaten der politischen Abstraction zum Siege zu verhelfen.
Die große geschichtliche Bewegung, in welche Deutschland um die Mitte der sechziger Jahre eintrat, machte diesen confusen Träumereien ein Ende und brachte die realen Kräfte des geschichtlich entwickelten Staatslebens wieder zu verdienten Ehren; und als der deutsch-französische Krieg den Sturz des französischen Kaiserthums herbeiführte, so daß Frankreich in das Leere fiel, welches man Republik nennt, brachte die republikanische Lockung keinen Zwiespalt in die Stimmung der Nation, obwohl mau von Paris aus nicht sparsam mit den aus den Congressen der Friedens- und Freiheitsliga sattsam gehörten Versicherungen war, daß nur die Fürsten und die Cabinette eine Kriegspolitik kennten, die Völker aber nur ein allgemeines Friedens-Interesse.
Die Nation ließ sich nicht täuschen und nur die unter der Maske der Humanität agirende kosmopolitische Revolution, welche die Vaterlandsidee von sich geworfen hat, machte den Versuch, das deutsche Volk von der Verfolgung seiner nationalen Interessen abzuhalten; aber die Ereignisse straften diese vcr- rätherischen Bestrebungen mit der ihnen auferlegten Nöthiguug: auch mit der Pariser Commune sympathisiren zu muffe»!
Seitdem ist die republikanische Lockung noch einmal an Deutschland herangetreten : Spanien ist Republik geworden l
Aber Deutschland hat dieses Ereigniß nur mit Achselzucken begrüßt und wiederum haben sich in Spanien die Ereignisse so rasch entwickelt, daß nun die kosmopolitische Revolution Zeit gewann, sich selber zu compromittiren, aber nicht so viel Zeit, um einen Zwiespalt in die öffentliche Meinnug zu bringen.
Wenige Wochen sind erst verflossen und die spanische Republik hat das Chaos geboren.
Es war ihr freilich durch den abenteuerlichen Versuch, das Königthum auf deu politischen Radikalismus zu stützen, wacker vorgearbeitet und als die politischen Phantasten, welche sich Republikaner nennen, an die Herrschaft kamen, hatten sie nur die Consequenzen des Radikalismus zu ziehen, um die Anarchie herbeizuführen.
Selten ist ein Land so frei gewesen, als das heutige Spanien. Eine Negierung, ohne Schatten von Autorität, ohne Möglichkeit, ihren Willen durchzusetzen, da sie keine Organe besitzt, um denselben Nachdruck zu geben ; eine Gesehgebung, welche sich völlig frei gemacht hat von jeder Rücksicht auf die historische Entwickelung, auf den Zwang realer Bedürfnisse und bestehender Verhältnisse; eine Armee, welche dem Ideal des Radikalismus entsprechend, von jeder Disciplin befreit worden ist, sich mit ihrem Hunger mit) mit ihren Officieren herumschlägt, aber im Angesicht des Feindes auseinander läuft; eine Bevökerung, welche in freien Versammlungen sich von den Emissären der Internationalen für den Communismus gewinnen läßt, völlige Abgabensreiheit, da Niemand thöricht genug ist, Steuern zu zahlen und Niemand deu Muth hat, solche einzufordern — nichts als Freiheit — Freiheit überall und von Allem; auch Freiheit von der Arbeit.
Wie gesagt: es hat nur weniger Wochen bedurft, um diesen Zustand der Dinge herbeizuführen; aber unsere deutsche Demokratie hat doch Zeit gefunden , inzwischen ihrem Unmuth darüber Luft zu machen, daß die monarchischen Pegierungen sich nicht beeilt haben, die spanische Republik — anzuerkennen ; ja die demokratischen Zeitungen haben uns sogar verrathen, daß es im Werke sei, deshalb eine Interpellation an den Fürsten Reichskanzler zu richten, „falls derselbe eine solche nicht für inopportun halte."
Die Demokratie hoffte, der gegenwärtigen Negierung Spaniens durch eine solche Anerkennung eine moralische Unterstützung zu schaffen; also eine von Außen her übertragene Kraft, da sie eine solche aus sich selber und aus der Proclamirung der Republik nicht schöpfen kann!
Man kann die republikanische Schwärmerei nicht boshafter persifliren, als unsere Denwkratie es durch die Motivirung ihres Anerkennungs-Verlangens gerhaa yat!
Anerkennung der spanischen Republik — und die Carlisten sind bereits auf dem Marsch nach Madrid.
Deutschland.
Darmstadt, 4. April. Die Vorarbeiten bezüglich des kaum vorgeleg- teu Volksschul - Gesetzes sind durch den Referenten, Realschuldirector Greim in Offenbach, bereits so weit gefördert, daß der Gesetzgebungs-Ausschuß schon Mitte d. Mts. zusammentreten wird.
Berlin. Das Handelsministerium — schreibt man der „K. Ztg." — hat anläßlich eines Specialfalles, wo ein französischer Commiffär Erkundigungen über die baulichen Verhältnisse deutscher Bahnen eingezogen haben soll, an die Verwaltungen der Staatsbahnen eine dahin gehende Verfügung erlassen, daß Seitens der Beamten keinerlei Mittheilungen gemacht werden sollen, welche sich auf die Construction einer deutschen Eisenbahn beziehen
Berlin, 2. April Für die zweite Berathung des Münzgesetzes hat der Abg. Braun (Hersfeld) beantragt, folgenden neuen Art. 17 zuzufügen: „Von dem Zeitpunkte ab, an welchem dieses Gesetz in Kraft tritt (conf. Art. 1) dürfen Staatskassenscheine für einzelne Bundesstaaten nicht mehr als Zahlungsmittel verwendet werden. Die Einziehung der jetzt cursirenden ist bis zu dem genannten Zeitpunkte von den Einzelstaaten zu bewirken."
— Der „W.-Ztg." ist von dem Uebungsgeschwader die Mittheilung zugegangen , daß dasselbe seinen Aufenthalt an der columbischen Küste dazu benutzt hat, die vou ihm als ganz falsch befundenen Karten derselben zn berichtigen. Der „Hamb. Börsenh." aber geht von Berlin ein Schreiben zn, in welchem darauf aufmerksam gemacht wird, wie widersprechend die Nachrichten über die Gründe sind, aus denen die Absicht, das Geschwader die Reise um die Erde machen zu lassen, aufgegeben worden. „Es scheint," schreibt man dem genannten Blatte, „als wenn mit dem Hauptschiff der Expedition, der Panzerfregatte Friedrich Karl, nicht Alles in Ordnung sei."
— Die interimistische Bewaffnung der gesammten leichten Cavallerie mit Chassepot-Carabinern ist kürzlich von Sr. Majestät genehmigt worden. Dem zufolge sind die Artillerie-Depots angewiesen worden, die Anfertigung von Zündnadel-Carabinerpatroncn zu sistiren, ohne Rücksicht darauf, ob die Vollbestände an derartigen Patronen gegenwärtig complet sind oder nicht Dataillirte Bestimmungen, besonders hinsichtlich der bezüglichen Munition, werden Seitens des Kriegsministerims noch erfolgen.
Berlin, 4. April. Die Vossische Zeitung unterwirft den im Deutschen Reich zwischen Staat und Kirche ausgesprochenen Streit einer Vergleichung mit demselben Conflict in der Schweiz. Während die Dinge in Deutschland zwischen heißen Reden, übergroßem Zandern, mehrfachen Umarbeiten und sehr wenig Handlung hin und her schwankten, hätten sie in der Schweiz einen raschen und .energischen Verlauf genommen. Erledigt sei die Sache auch in der Schweiz noch nicht, aber daß dort in längerer Zeit ein großer Vorsprung gegen Deutschland gewonnen ist, sei Thatsache. Der Verfasser findet das Geheimniß der Kraft der Schweiz gegen die Kirche darin, daß sie mit dem heiligen Stuhle, 'nne mit einer politischen Macht, handelte, daß sie den Clerus nicht zur Untcr- istntzung des Staats suchte und that, als ob Staat und Kirche zwei natürliche


