Bar-
Versailles , 1. December. Die National - Versammlung nimmt die Wahl des constitutionellen Ausschusses wieder auf. Lucien Brun (Rechte) ist der Einzige, dessen Wahl erzielt wirb. Morgen wieder Fortsetzung der Wahl und Ernennung der Commission für das Gemeindegesetz. Nachdem ohne Er- gebniß die Wahl eines Schriftführers der Kammer versucht worden, wird die Sitzung aufgehoben.
Frankreich.
Paris, 1. December. Das neue Preß-csetz wird das Verwarnungs- und UnterdrückungS-System wie nach dvm Staatsstreich einfübren. Ta man aber nid)t vollständig das Kaiserreich nachahmen will, so wird das Gesetz bestimmen, daß Beschlüsse der Regierung gegen die Presse von einer besonderen Abtheilung deS Staatsraths gutgeheißen werden sollen.
— Laut Ordre verweigert Mac Mahon jede Erhöhung seines Gehaltes. Die Uneigennützigkeit des Marschalls gefällt allgemein.
Paris, 2. December. Die Ursache der heutigen Börsen-Baisse wird einer Kundmachung des Finanzministers zugeschrieben, worin derselbe diejenigen Zeichner der Anleihe, welche rückständige Raten zu bezahlen haben, daran er- innert, daß jeder Certificate - Inhaber, welcher in Frist von einem Monat die
Dellerreid).
Wien, 1. December. Zur Feier des Regierungs-Jubiläums des Kaisers waren Abends die Straßen gläuzeud illuminirt. Das Kaiserpaar und der. Kronprinz, welche die Straßen durchfuhren, wurden überall enthusiastisch begrüßt. Ein Armee-Befehl des Kaisers stiftet eine Erinnerungs-Medaille für Alle, welche seit dem Jahre 1842 einen Feldzug mitgemacht haben. Ein anderer Befehl des Kaisers amnestirt alle wegen des Verbrechens der Majcstäts Beleidigung Verurtheilten und verlangt schleunigen Bericht wegen Ertheilung der S'.rafn ach sieht an die einer Berücksichtigung würdigen Personen. Der von den Bischöfen zur Beglückwünschung des Kaisers entsendeten Deputation antwortete der Kaiser mit dem Ausdrucke besonderer Befriedigung und sprach die Zuversicht aus, daß es dem freundlichen Zusammenwirken der geistlichen und der weltlichen Macht gelingen werde, die durch die Strömung der Gegenwart sich entgegenstellenden Schwierigkeiten zu beseitigen. Er wünscht lebhaft, daß Gottes Segen das berufsmäßige Wirken der Geistlichkeit begleite, welches darauf abzielt, den in der Religion wurzelnden Frieden in die Herzen der Bc völkernng zu tragen. Er halte sich versichert, die Bischöfe werden es an ihrer einflußreichen Mitwirkung zur Erreichung dieses hohen Zieles nicht seh len lassen.
atnfiert
Nom, 1. December. Der Papst hat durch seinen General-Kanzler seinen Truppen anzeigen lassen, daß sie vom 1. Januar den bis dahin fortbezogenen Sold nicht mehr gezahlt erhalten würden. Die „Voce del Popolo" fügt hinzu, es scheine, als ob der heilige „Vater" nunmehr jede Hoffnung auf die Wiederherstellung seiner weltlichen Macht aufgegeben habe.
(EnQfnnÖ.
London, 1. December. Der Untergang des französischen Dampfers Ville du Havre verursacht den Versicherungs-Gesellschaften einen Verlust von 80 bis 90,000 L.; für das Schiff allein, die Ladung ungerechnet.
— Osficielle Depeschen deS Generals Wolseley schildern das Aschanti- Heer als völlig in Verwirrung gerathen, die Auflösung vor Erreichung des Prahflusses sei wahrscheinlich, Viele Sclaven wurden befreit.
stärker ist "
München, 1. December. Der Ausschuß der Kammer der Reichsräthe hat den Völk'schen Antrag betreffs Ausdehnung der Rcichscompetenz auf die Civilgesetzgebung in einer von dem Prinzen Ludwig beantragten modifieirteu Fassung angenommen. — Die Fortschrittspartei hat bezüglich der Reichstagswahlen folgende Resolutionen gefaßt: 1) Gesetzliche Regelung des Verhält- niffes von Staat und Kirche, obligatorische Civilehe und Übertragung der Standesregister an die Civilbehörde. 2) Wahrung des Geldbewilligungsrechtes des Reichstages, kein weiteres Pauschquantum und FiLirung der Präsenzziffcr für das Militär auf unbestimmte Zeit 3) Ein freisinniges.Preßgesetz. 4) Aushebung der nach der Kopfzahl an das Reich zu zahlenden Matriknlarbeiträge und Übertragung einer bestehenden directen Steuer an das Reich. 51 Ent- schäoigung der Reichstags-Abgeordneten. 6) Wahrung der Schwurgerichte. 7) Gesetzliche Regelung des Verhältniffes zwischen Arbeitgeber und Arbeit- liel)mC@fra£burfl, 2. December. Durch eine Verordnung des Ober-Präsidenten ist das Knaben - Seminar in Finstingen, dessen Vorstand den Vorschriften der Regulative vom 10. Juli den Gehorsam verweigerte, geschlossen worden.
(Eingesandt.)
Ucbcr ben vielgerühmten Violin-Virtuosen Miska Hauser, ver in seinem Conccrte — Freitag den 5. d. Mts., Abends 6 Uhr, im Leib'schcn Saale — die hiesigen Musikfreunde durch seine Muster-Leistungen erfreuen wird, brachte die Kölner Zeitung jüngst folgendes
Trotz der augenblicklich hier von Musikproductionen überfluthetcn Zeit, bot das Concert des sowohl durch sein Spiel wie durch seine Reisen berühmten Violinisten Miska Hauser Den Anwesenden einen hohen Genuß. Der Künstler eröffnete sein Concert mit der G-moIl Sonate von Tartini. Sein Ton ist groß, weich, ansckmiegenb, klangvoll und namentlich in der Cantilene ist er so geklart und systematisch, voll von reinstem Wohllaut und Beseelung, daß auch der verwöhnteste Zuhörer wie mit wurderbarem Reiz erfaßt wird. Gleich im Largo ließ Hauser es errathen, daß sein Feld nicht jene Gaukelkünste sind, worin viele oft gepriesene Vir- tuosen ihr Heil suchen, sondern das seelenvolle zum Herzen redende Spiel. Wie trat diese hervorragendste Eigenschaft Hauscr's in dem Larghette von Mozart bei-toT? Meisterhaft spielte" er dasselbe, und die idealste Tonschönhcit paarte sich mit einer ,o edlen Auffassung, daß die Zuhörer ergriffen wurden tief biS ins Herz hinein. Die übrigen Vorträge waren eigene Eompositionen des Concertgebcrs, und zeugen dieselben von poetischer Erfindung, und eine geschmackrciche, den äußern fesselnden Effect vermeidende Einfachheit. Eine wunderbare Anmuth, eine reizende Lieblichkeit, tönt, wie in Wohllaut getaucht, in den beiden Stücken „Abnung" und „Wiegenlied" aus seiner Straduari - Geige. Die ungarhche Rhapsodie, ein eigcnthünüich phantastisches Gebilde, bald klagend und wchmüthig, halb mätfltig bewegt, würbe stürmisch zur Wieberholung verlangt. In schöner Vcrebclung fuhrt uns Miska Hauier's Bogen mit wenigen Stricken eine ganze Scenerie jenes feurigen Zigeunerlebens vor wie es'8 en au gesckildert. In der Scklußpiöce des Programms, nachdem er sein eigenes Wesen schon enthüllt batte, ließ der Künstler allen Glanz moderner Diolintechnik in der vielgenannten „Vogel-Eaprice" ausströmen. Ein Traum, ja ein Mahrchen umgaukelte uns da mit langen Sätzen von Flageolet-Tönen, die ohne Gleichen, und mit wunderbarer Licblickkeit articulirt, uns einen ganzen Frühling befiederter Sänger vorzauberte. Immer und immer treten aber in der Erinnerung jene schönen und wundersamen Töne vor die Seele, die nur Hauser eigen sind. Sein ihm vorangegangcner Ruf bat sich glänzend gerecktfertigt, und die großen Meister der Violine finden an' ihm einen Genossen, den sie mit Stolz den Ihrigen nennen. —
sind Dr. Schröder aus Worms und Prof. Thudichum in Büdingen. DenZ verfallene Rate nicht bezahlt, seines Rechtes verlustig erklärt werden kann. — Abg. v. Rabenau (Wahlkreis Gießen) wird die Partei keinen Candidatenantrag Mac Mahon hat dem Kaiser von Oesterreich zu dessen 25jährigem Regierungsstellen. Von den drei starkenburgischen Wahlkreisen bleibt Offenbach-Dieburg Jubiläum ein Glückwunschschreiben geschickt. — Dem „Journal de Paris" zu- uiiveräiidert. (Abg. Dernburg ) Für Darmstadt-Groß Gerau ist O. St. R. folge wird der bisherige Gesandte in Washington, Marquis de Noailles, wahr-
Welcke an Stelle des ablehnenden Dr. K- Hoffmann empfohlei'. und unterstützt, scheinlich durch den ersten iLccretär bei der Botschaft in Petersburg, Bar-
Zweifelhaft ist es zur Zeit noch, ob für den Oberwaidkreis Bensheim (bisher tholdy, ersetzt und die Botschaft in London dem Grafen Jarnac angeboten
Abg. Martin) eine Neuwahl nöthig wird. Interessant unter Anderm war die werden, wenn Larochefoucaulb bei seiner Weigerung, sie anzunehmen, behar-
Darlegung der Gründe, welche zu der Candidatur L Bamberger's in dem reu sollte.
WablkreiS Bingen-Alzey und zur Aufstellung der Candidatur des Herrn O. 4 ™ r * ....
G. R. Görz führten und die darauffolgenden Mittheilungen über die Lage in < Mainz, woselbst Compromißverhandlungen mit der demokratischen Partei schwe- 1 den. In Worms - Heppenheim ist Fabrikant W. Heyl in Aussicht genommen, nachdem Ministerialrath Finger abgelehnt hat. Die Demokraten sollen Dumont anfzustellen beabsichtigen. Für den oberhessischcn Wahlkreis Alsfeld (Solms-Laubach) ist Prof. Öncken vorgeschlagen, welcher persönlich seine Stellung zur hessischen Fortschrittspartei und sein früheres Verhalten als Abgeordneter der hessischen Kammer erläuterte. (N Frkftr. Pr.)
Münster, 1. December. Der Ober-Präsident der Provinz Westfalen hat den Bischof von Paderborn anfgefordert, die seit Jahren durch Pfarrverweser verwalteten Pfarrstellen in Altasterberg, Affinghausen, Bonakirchen, Der seid, Grönebach und Silbach bei Strafe von 200 Thalern für jede Stelle binnen 4 Wochen dauernd zu besetzen. Der Bischof hat sein sämmtliches Mobiliar gleich nach dem Erscheinen der Kirchengesetze vorsorglich verkauft und ist im Mobiliar unpfändbar.
München, 30. November. Der altkathoUsche „Deutsche Merk." ver öffentlicht den Wortlaut einer schon im Marz d. I. von Rom aus erlassenen .Apostolischen Instruction an mehrere Bischöfe Deutschlands." In dieser In struction heißt es: „Unter den gegenwärtigen Verhältnissen könnte jede Nachsicht bezüglich der Benutzung von Kirchen zu Gunsten der Neuketzer als Gleichgültigkeit und als Mangel an der nöthigen Festigkeit angesehen werden und die Gefahr des Aergernisseö und für die Einfältigen der Abfalls vom Glauben herbeiführen. Zur Beseitigung der Gefahren und Aergernisse ist darum der Simultan Cultus in der nämlichen Kirche mit den Neuketzern weder zuzulassen, noch zu dulden. In dem Fall, um den es sich handelt, wenn nämlich die bürgerliche Behörde eine katholische Kirche gegen den Willen des Bischofs den Neuketzern einzuraumen sich vermißt, ist von Dem Diöcesanbischof, nachdem die geeigneten Proteste und auch schriftliche Reclamationcn vor dem Gerichte vorausgeschickt worden sind, wenn dies alles erfolglos bleibt, die den Neuketzern eingeräumte Kirche zu interbicircn unb so gut es geht, für bie Bebürfnisse ber katholischen Gläubigen zu sorgen. Wenn daraus auf der einen Seite einjna- terieller Nachtheil oder Verlust erwächst, so bleiben doch auf der andern ^eite wenigstens die Principien gewahrt. Es wäre sehr zu wünschen, daß alle Bischöfe in ähnlichen Fällen gleichmäßig handelten, weil die vereinte Kraft
Lokal-Notiz.
Beschlüsse
des Gcmeinderaths aus der Sitzung vom 13. November 1873.
Anwesenv waren: ber Großh. Bürgermeister Vogt, bie Gemeinberathsmitglieber Bücking, Diery, Felsing, Gail, Heß, Homberger, Keller, Körber, Lübeking, Nagel, Noll, Pietsch, Silbereisen, Wallenfels u. Wenzel.
1. Die Großherzogl. Bürgermeisterei legte heute bie ihr in ber Sitzung vom 23. Oct. b. I. aufgetragene Berechnung über Den Verbrauch bes Garnison Lazareths an Fleisch, Brob unb Brennmaterialien in den Jahren 1859, 1870, 1871 unb 1872 vor unb würbe auf Gründ berselben beschloßen, als Oetroirückvergütung für besagte Artikel ein Aversum von 40 fl. pro Jahr zu offeriren.
2. Zu ben Baumpflanzungen ber Stabt Gießen sinb im Jahre 1873 aus beut Pflanzgarten bes Stabtwalbes Birnen-, Aepfel- unb Kirschbäumchen im Anschlagspreis zu 27 fl. 48 ft. abgegeben unb verwenbet worben, wozu ber Gemeinberath seine Einwilligung nachträglich ertheilte.
3. Von ber Hanbelskammer kam eine Zuschrift vom 8. November zur Vorlage, worin ber Bauplatz für bas "zu errichtenbe öffentliche Lagerhaus vorgeschlagen wirb. Diese wurde mit ben Voractcn bem Bauausschuß zur Antragstellung überwiesen.
4. Auf ein Gesuch ber Bewohner ber Kornblumengasse, wurde nach Antrag bes Ausschusses beschlossen, bie frag!. Gasse zum Zwecke ber Entwäfferung erhöhen unb auf Kosten ber Stabt pflastern zu lassen, wenn bie Bittsteller bas Eigenthum berselben an bie Stabt abtreten unb etwa nöthig werbende Erhöhungen in ihren Gcbäuben auf eigene Kosten übernehmen.
5. Die Bauunternehmer Krausgrill unb Koch, welche ben Zimmerplatz von Otto zum Verbauen erworben haben, unb wovon ein Theil in bie bort projeetirte Straße fällt, haben ber Stadt einen Austausch offerirt. Die desfallsige Eingabe wurde zur Prüfung unb Antragstellung dem Bauausschuß überwiesen.
6. Heber Die Herstellung von Zufahrten von bet Auffüllung ber Lubwigsstraße nach dem Bauplatz für bie Realschule wurden Aeeorbe vorgelegt, welche vom Gemeinberath gut geheißen werben.
7. Vom Comite kam bie mit einem Ueberschuß abgeschlossene Rechnung über bas am 2. Sept. b. I. abgehaltene Nationalfest zur Vorlage. Nach genommener Einsicht erklärt ber Gemeinberath, baß Abschrift bavon zu ben Bürgermeisterei-Acten zu nehmen sei.
8. Verschiedene Rechnungen über aus der Hand vergebene Arbeiten kamen zur Vorlage unb würben zur Auszahlung genehmigt.
9/ Eine Eingabe ber Fabrikanten Kauffmann & Comp. „bie Auffüllung ber Alicenstraße" betreffenb würbe bem Bauausschuß zur Aeußerung überwiesen.
BekiniscbteS.
Kassel, 1. December. Die heute morgen auf per Strecke Kassel-Gunters hausen erfolgte Entgleisung eines nach Frankfurt gehenben Güterzugs ber Main-Weserbahn ist jedenfalls durch einen Schienenbruch veranlaßt worden. Zweiundzwanzig Wagen sind größtenthcils gänzlich zertrümmert. Der Personen-Verkehr auf der Main-Weserbahn und der Hessischen Nordbahn ist.natürlich, da die Passagiere an der Unglücks-Stelle umsteigen müssen, durchaus gestört; fast alle Züge kommen mit mehrstündiger Verspätung hier an. Der Güter-Verkehr ist gänzlich sistirt. Vom Fahr-Personale des Güterzugs ist glücklicherweise Niemand erheblich verletzt. Der Schaden ist sehr bedeutend. _____________________________


