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Berlin, i. April. Einer Nachricht derEpen. Ztg." zufolge werden die Reichstags-Abgeordneten Volk und Hinschius demnächst einen Gesetzeuiwurf, betr. die obligatorische Civilehe, einbringen.

Stuttgart, 1. April. DerSchwab. Merk." meldet, daß am Sonn­abend die Verlobung des Erzherzogs Karl Ludwig mit der Pinzession Mana von Braganza ans Schloß Brambach in Baden, dem Wohnorte der Mutter der Braut, Prinzessin Adelheid, Wittwe des Exkönigs Miguel von Portugal, stattgefnndcu habe. ~ - r k

Straßburg, 30. März, lieber die Zahl der Optronserklaruugen sind iekt folgende Ziffern fcstgestelit: Es haben optirt 1) in Lothringen 28,639, 2) im Untere,saß 39,190l 3) im Oberelsaß 91,962, zusammen 159,791 Personem Durch Nichtauswauderung sind unwirksam gewordene 1) m Lothringen 6900 oder etwa 2) im Uuterelsaß 27,483 oder etwa/v 3) Oberelsaß 75,260 oder etwa Vs der Optionen. Die Uiigültigkeitserklärungen stiid noch nicht ab^ geschlossen; im Oberelsaß schweben z. B. noch 7645 Fälle. In Frankreich habe» 378,777 Persviien optirt, jedoch sind auch hier die lliigültigkeits- oder Gültigkeitserklärungen noch nicht abgeschlossen. Der hiesige Klerus hat sich die vollständig überflüssige Mühe gegeben, seige Uebereinstimmung mit dem Wir­ke» des Ge»eral-Vicars Ropp durch folgende, an denselben gerichtete und ui. französischer Sprache abgefaßte Adresie zu dociimentiren:

Herr General-Vicar! Unserem Schmerze Ausdruck verleihend, erachten wir es, bevor sich »och nuser theiirer Oberhirt bei de» Gläubigen des Bis- tbums und der ganzen Welt über die Gewaltmaßrcgeln, welche uns Alle in Jhneii treffen, ausspreche, als Pflicht, öffentlich Ihrem so edel» und kräftige» Proteste beiz»stimmen. Unsere Herze» folgen Ihnen in die Verbaimung, und Ihr Beispiel wird uns stärken. Wie Sie, werden aiich wer ohne Furcht unsere Pflicht erfülle» und, wenn uns heute ein ungerechter Krieg erklärt wird, den gute» Kampf kämpfen. Vortrefflich ermuthigt uns Pius IX., iiiid von seinem Kerker im Vatikan aus ermahnt er uns, wie die Katholiken des Mainzer Ver­ein«, vor der Gefahr nicht zurückzubeben und zur Wehr gegen die Feinde der Kirche alle Kräfte zu sammeln. Genehmige» Sie, Hr. Ge»cral-Vicar, mit dem Ausdrucke imseres Dankes auch die Versicherung unserer hochachtiingsvollste» Anhänglichkeit.

Frankreich.

Paris, 29. März. Das orleanistische Organ, derSoleil", setzt seine Ansfälle gegen Deutschland fort. Heute bringt er Folgendes:Man scheint in Berlin und in mehreren anderen Hauptstädten sich mit der Lage zu beschäfti­gen, welche in der Pariser Welt dem Grasen v. Arnim, BotschafterPreußens" bei unserer Regierung, bereitet wird. Sicherlich ist diese Lage keine sehr ange­nehme. Graf Arnim findet hier nur die Rücksichten, die seiner officiellen Stel­lung gebübren: nichts weniger und nichts mehr; kaum könnte es anders sein. Die Gründe dieser Lage der Dinge sind eben so leicht zu begreifen, als unnütz zu erklären; sie haben übrigens nichts Persönliches für den Grafen v. Arnim. Diepreußische" Regierung" kann nicht überrascht sein, daß in Folge dessen, was sich zugetragen hat, es schwierig ist, zwischen den beiden Ländern andere Beziehungen herzustellen als solche, die einen officiellen Charakter haben. In allen Fällen wirdPreußen", wenn es wegen dieser Lage besorgt ist, wohl daran thun, sie nicht durch sein Auftreten gegen die unglücklichen Bevölkerungen von Elsaß und Lothringen zu erschweren. Es kann nicht hoffen, uns geneigter zu finden, ihm etwas Anderes zu bewilligen, als das, was der gewöhnlichste Anstand verlangt, so lange es durch seine Polizei-Agenten Priester und Greise aus dem Elsaß hinauswerfen läßt."

Paris, 2. April. Thiers ist officiell nach Wien eingeladen. Remu- sat's Wahl gegen Ledru Rollin ist gesichert. Die Stimmung der Börse bessert sich.

Nom, 31. März. DieOpinione" meldet: Herr Ozenne reist mor­gen nach Frankreich ab, nachdem die Vorconferenzen mit den Delegirten der italienischen Regierung geschlossen sind. Zweck der Abreise sei die Theilnamhe an den Berathungen der Commission zur Prüfung der mit England und Bel­gien abgeschlossenen Handelsverträge. Der Papst empfing in besonderer Äu-

dienz den Prinzen Ludwig von Hessen-Darmstadt und dessen Gemahlin Prin-' zessin Alice.

Spanien.

Madrid, 31. März. Der bisherige General-Capitän von Valencia Velarde, ist, der amtlichen Zeitung zufolge, an Stelle des abgetretenen Con­treras nach Barcelona versetzt worden. Wie verlautet, liegt es in der Absicht, Barcelona in Belagerungszustand zu erklären. In Barcelona herrscht eine große Erbitternng gegen die Carlisten. Vorsichtsmaßregeln gegen die Anzündung der Kirchen und Gewaltthaten der Priester werden getroffen.

Perpignan, 1. April. Aus Barcelona sind folgende Meldungen vom 30. v. Mts. eingegangen: Der Ausschuß der föderativen Republikaner hat gestern ein Figueras erhalten, worin derselbe ausspricht: Es sei die erste Pflicht eines guten Rupublikauers, die Ordnung aufrecht zu erhalten; die Regierung habe geeignete Maßregeln zur Abhülse der Unglücksfälle von Ripoll und Berga getroffen; sie versäume Nichts, den Krieg zu beendigen und die Ruhe und das Vertrauen wieder herzustellen. Mehrere Kirchen sind durch die bewaffnete Macht besitzt. Die Volksmassen sind durch die Erfolge der Car­listen sehr erbittert und versuchten in der letzten Nacht die Kirche Sanct-Jacob anzuzünden. Die Kirche ist von Freiwilligen umstellt und einstweilen in eine Kaserne verwandelt. Die Volksversammlungen dauern fort.

(Engl'ani).

London, 29. März. Vor einigen Tagen war in Plymouth eine Ver­sammlung zur Unterstützung des von dem wohlbekannten Parlaments-Mitgliede Henry Richard eiugcbrachten Antrages auf Einsetzung internationaler Schieds­gerichte. In derselben erregte ein Redner die Aufmerksamkeit durch den Ein­spruch, den er gegen die dem kaiserlichen Prinzen Louis Napoleon gewährte Erlaubniß zum Besuche der Militär - Akademie in Woolwich erhob.Warum geben wir, die friedlichste Nation in der Welt, dem Prinzen eine Erziehung und die Macht, welche ihn in den Stand setzt, späterhin die Völker Europas in Unruhe zu setzen? Lassen wir den Knaben doch in Ruhe und Frieden in unserer Mitte als fremden Flüchtling leben, laßt uns ihn aber nicht unterrich­ten und befähigen, eine Brandfackel in die Mitte unserer französischen Nach­barn zu schleudern." Der Redner fand eine solche Politik ganz und gar un­begreiflich, und bezeichnete sie als geradezu erbärmlich.

Plymouth, 28. März. Der italienische DampferJndia ', welcher im Suez-Canal gestrandet war, ist ohne Schaden wieder flott gemacht worden und hat seine Fahrt nach dem Mittelmeer fortgesetzt.

(E i n g e s a n d t.)

Seit den letzten Jahren hat in Gießen eine bedeutende Zunahme des Verkehrs stattge­funden. Wesentlich hat hierzu der Aufschwung der Bergwerksindustrie in der Provinz Ober- hesien, welche durch die Oberhessischen Eisenbahnen in einer kaum geahnten Weise ermöglicht wurde, beigetragen. Außer dieser haben noch andere Jndustrieen in Gießen sich angesiedelt unv die bereits vorhandenen eine bedeutende Vergrößerung erhalten. Namentlich rechnen wir dahin auch die Bauindustrie, welche durch die kaum glaublichen Einzüge Fremder in Gießen forthin gefördert wird. Häuser werden gebaut und sind noch nicht fertig, bereits an Dritte verkauft. Ein großes Verdienst bei der Vermittelung dieser Verkäufe gebührt dem Commissionär Herrn Friedrich Kreuderdahier, dessen geschickten soliden Operationen cs bisher gelungen ist, eine große Anzahl solcher Verkäufe zur Zufriedenheit der Verkäufer und Käufer zu Stande zu bringen. Wir können diesen Herrn nur auf's Beste empfehlen. (1596)

Ein weibliches Phänomen.

Von Donnerstag den 3. April an ist in einem hübsch deccrirten Locale im Oswald'schen Garten einN i e s e n k i n d," ein wahrhaftes Naturwunder, dem Publikum zur Ansicht aus­gestellt, das wohl verdient, gesehen und bewundert zu werden. Ohne das Kind gesehen zu haben, ist man nicht im Stande, sich auch nur annähernd einen Begriff von den ungeheueren Dimensionen desselben machen zu können. Dieses merkwürdige, erst 11 Jahre alte Kind, ein Mädchen, wiegt jetzt schon 350 Pfund, ist nicht etwa häßlich oder unproportionirt, sondern macht vielmehr einen recht freundlichen Eindruck auf den Beschauer. Das Kind ist bei dem riesenmä­ßigen Körperbau fast gar nicht oder doch nur sehr wenig im Stande sich fortzubewcgcn und muß meist getragen werden, ist aber sonst lebhaften Geistes. Trotzdem man bei dem Kinde, daS bereits 5 Fuß groß ist, eine ältere Person vor sich zu haben glaubt, so macht dasselbe dock den Eindruck eines Kindes, besonders wenn es auf die Fragen der Besucher Antwort giebt. Möge Niemand versäumen, dieses außerordentlicheNatur-Phänomen" in Augenschein zu nehmen

B r i e f k a st c n.

Herrn S. R. hier. Hinsichtlich der Indienststellung des Sprengfasses müpen Sie sich an die bercgte Stelle wenden. Daß in anderen Städten die Straßen schon besprengt werden, kommt am Ende daher, daß cs dort wohl mehr Bedürfniß ist und die Leute nicht so gut Staub vertragen können, wie hier in loco. Im Ucbrigen: Gut' Ding' will Weil' haben

Ä l l si e m e i n e r 1 n j n rj t r.

Versteigerungen.

1524) Donnerstag den 3 April, Nachmittags 2 Uhr, «erden im Hauie des Herrn Hofgerichts­raths Buff am Wallthor dahier eine Partie entbehrlich gewordene Fenster, Kisten und andere Hausgeräthschaften öffentlich versteigert.

Gießen, den 31. März 1873.

________________M. Pilger.

Holzversteiqermiaen.

1582) In der Fürstlichen Oberförsterei Hohensolms soll nachverzeichnetes Gehölz an Ort und Stelle versteigert werden:

I. Montag den 7. April c., Morgens 9 Uhr, in dem DistrictPfaffenmark," Abthl Handschmiedskohl anfangend:

96 R -Meter Buchen-Scheitbolz,

96 und Eichen-Prügel-

holz,

146,5 dergl. Stockholz,

2280 Wellen dergl. Reisbolz,

2200 Buchen-Forstreiser > Classe,

1390 .. dergl U Classe,

40 starke Eichen - Stämme von 26 bis 53 Zentimeter Durchmesser und 7 bis 14 Meter Länge 41,43 Festmeter;

II. an demselben Tage, Nachmittags 4 Uhr, in dem DistrictAnnewald," zunächst Blas­bach:

1800 Wellen Buchen-Forstreiser II. Classe;

HI. Dienstag den 8. April c., Morgens 9 Uhr, in dem DistrictGr. Kreutzheege", zunächst Bellersdorf:

4800 Buchen - und Eichen - Stockschlags­wellen I. Classe;

IV an demselben Tage, Nachmittags 1 Uhr, in den DistrictenFuchslöcher" u.Junkern­wald", zunächst Oberlemp:

20 N. Meter Tannen-Prügelholz,

1600 Wellen dergl. Reisholz,

5100 Buchen - Forstreiser I. und II.

Classe,

4 Kiefern-Stämme mit 1,58 Festmeter. Hohensolms, am 29. März 1873.

Fürstliche Oberförsterei Hohensolms.

Dörmer, Förster.

Mühlen - Versteigerung.

1574) Dienstag den 6. Mai d. I., Mittags 12 Uhr,

soll die dem Karl Diehl gehörige unterste Sornmersmüble bei Harbach, mit einem Mahlgang und einer Oelrnühle mit Steinen

eingerichtet, nebst einer ganz neuerbauten' Scheuer, sowie Schweineställe und Holz­remise und circa 22 Accker und Wiesen, zwangsweise öffentlich versteigert werden.

Die Mühle liegt an dem von Harbach nach Quickborn führenden Vicinalweg, un­gefähr '30 Minuten von der Staatsstraße von Gießen nach Grünberg und 40 Minuten von der Gießen-Fuldaer Eisenbahn entfernt und hat sowohl im heißesten Sommer als im kältesten Winter stets vollständiges Wasser, auch läßt sie sich zu jedem anderen beliebigen Geschäfte leicht einrichten.

Harbach, den 27. März 1873.

Großherzogliches Ortsgericht Harbach.

Münch.

Holzversteigerung in den Gemeinde- waldungen Leidenhofen.

1599) Die Herren Schulz & Wehren- >bold von der Justushütte lassen in den jGemeindewaldunaen Leidenhofen nach- verzeichnetes Gehölz öffentlich versteigern, !und zwar:

Montag den 7. April l. 3,

Vormittags 9 Nh. anfangend,

618 N. Meter Buchen-Scbeitbolz,

232 Prüaelholz,

103 Stockholz,

915 R -Meter Bnchen-Reisholz;

Dienstag den 8. April l. I.,

Vormittags 9 Nhr anfangend, 126 Eichen-Stäinme von 13 bis 55 Centi- meter Durchmesser und 5 bis 17 Meier Länge, mit 46,75 Cubikmcter, 9 Tannen-Stärnme von 15 bis 32 Cenri- metcr Durchmesser und 12 bis 20 Meter Länge, mit 7,07 Cubikrneter. Die Bedingungen werden im Termine bekannt gemacht und ist die Zusammenkunft jedesmal an der Straße von Winnen noch Leidenhofen auf dem s. g. K a l t e n - S t a l l. Allendorf a. d. Lda., am 31 März 1873.

In Auftrag:

Bieber, Gemeinde-Cinnebmer.

1584) Freitag den 4. April, Nachmittags 2 Uhr,

sollen die den Erben des Carl Ebel 1. gehörigen Grundstücke' wie solche in Nr- 64 und 66 des Gießener Anzeigers näher beschrieben sind, einer nochmaligen Ver­steigerung ausgesetzt werd n. Bemerkt wird, daß bei annehmbaren Geboten alsbald der Zuschlag erthcilt werden wird.

Gießen, den 1. April 1873.

In Auftrag:

Semml cr, Ortsgerichtsnian n