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Gießener Anzeiger

Anzeige- und Amtsötatt für den Kreis Kießen

Donncrstng den 2. Januar

Nr 1

vierteljährlich

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Damit wir nun in den Stand gesetzt sind,-die Auflage des

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Deutschland.

Bnlm- Ts ist ein authentischer Abdruck der päpstlichen Alloeution vo« 23. Deccmber hierher gelangt, aus welchem sich ergeben soll, daß die in den

Derselbe erscheint täglich, mit Ausnahme Sonntags, und kostet für die Abonnenten in der Stadt Gießen 1 fl. 12 fr., frei ins Haus geliefert.

Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, im I. Quartal 1873 zusenden und den Abonnementsbctrag durch Quittung erheben lassen.

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Grschetm tätlich, mit Wu» nähme SonntagS.

Sxnebitien : 6ax|ltibcx g, Stt. V. 9br. 1

Bor zwei Jahren

blickten wir am Tage des Jahresschlusses zurück auf eine Reihe der glänzendsten Stege, vor uns aber lag rie Aussicht auf wettere blutige Kämpfe; denn not4; i Var dos große Bollwerk des Feindes n cht bezwungen, noch fcautrun die An i strengungcn Gambetta'S fort, Paris zu entsetzen oder durch eine Diversion iw i Rücken unserer Armeen eine neue unerwartete Wendung herbeizuführen. Nichts- destowentger war damals berutS die Ueberzeugung allglmein, daß ke ne Gewalt t uns das werde entreißen können, was in den Ricsenkawpfen deö obgUaufeneti ' Jahres gewonnen. Elsaß-Lolhringeu w r bereits unser Besitz, und die deutsch- 1 Verwaltung richtete sich häuslich in den neuen ReichSlandrn ein. Herr v. Btui hatte stch überzeugt, daß ein Umschwung des KriegSglückS nicht mehr zu erwarten fei: Oesterreich hatte seine neve Stellung zu Deutschland genomr-in. Da». Deutsche Reich war neu erstanden, aus der treuen Waffenb üdeischsft im Kampfe wider den Feind des Vaterlandes war vut unwiderstehlicher Kraft die politisch Einigung h rrorgegangen. Schon hatten die Vertreter des Reichstags in Lew < stolzen fianzöfischen KönigSschlcß dem deutschen Kaiser gchuidigt. Europa hotte I jedem versuche entsagt, sich zwischen die Kämpfenden zu stellen. EU Wiedelher- stellung des Deutschen Reichs und die Wiedervereinigung der geraubten Reiche- lande mit dem alten Stammkunde, das waren die großen Ergebnisse der Kämpfe von Metz und Sedan : Ergebnisse, die von ganz Europa als vollendete Thutsachen angesehen wurden, während Frankreich noch v rgcblich s^ne Kräfte erschöpfte, um das Geschehene rücksängig zu machen.

So begann des neue Jahr noch unter Stürmen, aber Deutschland hatle den SiegeSpreiS in Händen, und es wußte, daß es nur noch einer kurzen, »rnr auch kräftigen An'pannung ^ller Kräfte beiürfm werde, rm d m Feinde die letzten Waffen aus der Hand zu winden. Schon rüstete man sich auf die Frirdensaroeit; denn daß der Friede eine reiche Fülle gewaltiger Arbeit bringen werde, das sah man klar voraus; aber man schickte sich wit frischer B.gcisteruug an, die großen Ausgaben zu bewältigen, die für Volk uno Regierungen aus der Gründung d>s neuen Reichs sich ergeben muhten.

Und wir können ja auch in der That auf die rastlose politische Friedens arbeit mit Befriedigung zurückblicken. Der Grund zu dir Organisation der Reichs ist Btt sicherer Hand entworfen und gelegt worden; die Gesetzgebung des Reiche ist in raschem Fortschritt begriffen; der KteiS der ReichScompetenz erweitert sich allmälig; die RcichSeinheit ist angrbahnt und ihre Vollendung können wir von einer nicht allzufernen Zukunft erwarten.

Das Deutsche Reich hat noch Innen seine Lebenskraft und Entwickelung-, fähigkert glänzend bewährt. Dem Auslände steht es mächtig und geachtet ge-en- über. Wohl haben die Kriege von 1866 und 1870/71 eine Veränderung der Machtverhältmssc innerhalb des europäischen StaatensvstkmS herbeigeführt, wie sie durchgreifender f«uw gedacht werden kann. Der Schwerpunkt des Systems ist aus dem beweglichsten Punkte der Peripherie in das feste Eentrum gerückt worden, und Europa hat diese Verrückung deö Schwerpunktes als eine Bürgschaft des Weltsrieder.S aulgefaßt. Wenn noch hie und da in einigen, besonders (leimren, Staaten sich Stimmen vernehmen lasse», die sich und Anderen eine psn ich« Furcht vor den Eruberr ng-gelüsten des Deutschen Reiches bineinzureden suchen, so ist dies, soweit man es nicht mit bestellter Arbeit zu thun oat, Nichts als eine abgeschmackte Marotte, die überall nur Lächeln und Achselzucken hervorrust. Im Großen und Ganzen aber ist der Grundzug der europäischen Politik gegenwärtig daS vertrauen in die Erhaltung des Friedens, während zu den Zeiten der fran« zvflschen Suprematie in allen ihren verschiedenen Phrasen der Welt daS wahre Frierensgefnhl stets abhanden gekommen ist, so daß der Frieden immer nur als ein Waffenstillstand galt: o war es unter Ludwig XIV., der ersten Republik, dem ersten und dem zweiten Kaiserreiche; die Uebrrmacht Frankreichs war immer eine Quelle der Beunruhigung und Unsicherheit.

zum Alwmu'ment

auf den

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Das Deutsche Reich hat sich die Aufgabe'gestcllt, den Weltfrieden zu eihült.n und zu sichern, und Europa hat das Vertrauen, raß es nicht daran denkt, seine Nacht zu mißbrauchen. K?in Staat fürchtet deutsche Eroberung-- und Ein- mischungsgeluste: wenn dem grieitn eine Gefahr droht, so könnte düs.lbe nur von dem Verlangen der Franzosen auSgehen, für ihre N>.Verlagen Rache zu nkhmtn. Das verlangen nach Rache wird in Frankreich, das können wir uns Nicht verhehlen, von alftn P rteien geflifflNtlich genährt, und die Regierung selbst verschmäht.es ntcht, pelktzcntlich mit der nationalen Leidenschaft zu coquettiren. Aber gepVn die von Vieser Sette drohenden Gefahren halten wir uns gerüstet. Außerdem fldt die Zustande Frankreichs der Art, daß One Friedet-Sstörung in der nackstrn ZNtunft von S i?en riefts StaatcS sich gar nicht erwarten laßt. Konn aber Fiakfkreich in den nach st«n Jahren Nicht an einen Rachekrifg denken, o ist ort Hoffnung nicht ganz unberechtigt, daß die Ze t ihre abkülftende und »eilende Einw rkung auch auf die französifchtn Leidcnschaflen ausüben wird, z mal Da die deutsche Politik dafür gefortzt hat, F ankreich die Hoffnung auf europäische Verwickelungen abzuschmiden, die es zur Verwirklichung seiner Ruchepläue benutzen könnte.

Denn darin eben liegt ja die große Bedentung der Berliner Dreikaiser- Zusammenkunft, daß die drei mächtigsten Staaten de- Eontinentß Europa ein neues starkes Uvterpfand de- Weltfriedens haben bieten wollen. Deutschland und Oesterreich haben die Avfrichl.'gkeit ihrer Aussöhnung, die durch die Jndiscretio- r.en und Entstellungen eines unzuverlässigen uno frivolen französischen Diplomaten in keiner Weise getrübt werde» kann, öffentlich und feierlich documenlirt, und Rußland hat sich mit ihnen zum Zweck der Befestigung des Friedens vereinigt. Damit ist Frankreich eine Lchre und eine Warnung «rtheilt, die es wohl Verstan­den hat, und die es, wenn auch mit Widerstreben, wird beherzigen müssen. Der Kaifercongreß bezeichnete insofern den formellen Abschlsß der großen Kriegsperiode; tr drückte daS Siegel auf Vie aus derftlsen hervorgegongenen Ergebnisse; tt nimmt daher unitr den die europäische Gesammtpolitik betreffenden Ereignisien de- Jahre- 1872 unstrittig die erste Stelle ein.

Auf die verhältniffe von Stac.t und Kirche hat die im Allgemeinen fried- liche Weltströmung den gewünschten Einfluß uo« nicht au-geübt. Der Kampf zwischen Staat urD Kirche hat im verfless-uen Jahre besonder- auf deutschem Boden zu scharfen Eovflicten geführt. Ucberoö ist die der reale Demagogie be­müht gewesen, durch falsche Vorspiegelungen die Massen gegen den Sta^t uno seine Gesetze auszureizen. Aber schan der Staat die Maßregeln in Angriff genommrn, d e, cvnftquevt durchgesührl, dem Reiche den kirchlichen Frieden wie­der bringen werden. Die feste Begrenzung der kirchlich«« Gewalt durch kae Ge­setz de- Staate-, da- ist da- Ziel, dem wir zustreben. Die Ueberzeugurg, daß der Staat auf diese» Wege beharren werde, hat im ultramontanen Lager bereit« Muthlostgkeit hervorgerufen. Don Rom au- versucht man den Kawpfeewbth neu anzufachen. Die neueste Rede de- Papstes überbietet an Heftigkeit der Angriffe gegen die höchstrn Lenker de- Deutschen Reiches Alle-, wa- früher von jener Stelle aus gesprochen ist. Die Wi.kurg dtesir allem völkerrechtlichen Brauch Hohn sprechenden Jnvectiven kann aber nur die sein, daß Vie Regiirung mit um so größerem Nachdruck ihre kirchenrechtiich Polit k durchführt. Wenn da-angetretene Jahr un» den ersehnten kirchlichen Friesen bringen soll, so darf die Regi rung nicht einen Augenblick in der Verfolgung de- in'- Aage gefaßten Zieles nach, lassen. Rur nach der vollständigen Niederlage des jesuitlfch - ultramontanen Kir- chenprincips kann der kirchliche Frieden auf fester und unzerstö. barer Grundlage wiederhergestellt werde».

Blattes bestimmen zu können, ersuchen wir Alle, welche auf den Gießener Anzeiger abonniren wollen, dies sofort bei der ihnen zunächst gelegenen Postanstalt oder den Landpostboten zu lhun, da wir und sonst nicht verbindlich machen können, vollständige Exemplare ;u liefern.

Die Redaction.

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