Ausgabe 
31.12.1872
 
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Dlcnstag dm 31. December

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H Nr. 116,

jen Orchester __ (5917)

Erscheint

Sonntag, Mwch, Pkltag.

$tet$ vierteljährig 1 p. 12 h. «tt Nrinarrloh«. Durch dis Post bezogen vierteljährig 1 fL 29 fx.

T)cr Herzog von Gramont beruft stch auf Zusicherungen, welche ihm von Seiten Oesterreichs gemacht worden wären, welches erklärt härte, daß die Sache Frankreichs auch die seinige wäre und daß man demgewäß auch auf dessen mili­tärische Unterstützung rechnen könne. Außerdem erklärt sich der ehemalige französische Gesandte in Wien und nachmalige Minister L. Napoleon'S erbötig, durch Vor- lequng von Actenstücken den Beweis für seine Behauptung zu erbringen.

L^arvb großes Aufsehen aller Orten; vor Allem aber großes Aergerniß und peinliche Verlegenheit in Wien.

Zn Frankreich selbst mögen die Enthüllungen des Herzogs einen gemischten Eindruck gemacht haben; denn da alle Parteien, mit Ausnahme der Bonapartisien, übereingekommen sind, den unglücklichen Krieg, eben weil er unglücklich ausgefallen ist, der kaiserliche» Regierung allein zur Last zu legen und sie ganz besonders wegen des Leichtsinns zu verdammen, welcher sie verführte, sich ohne g.sicherte Alliancen in den Krieg zu stürzen in Frankreich wirb ms» nur mit Widerstreben und ohne Dank den Nachweis führen lass.», daß die Regierung d?S Kaisers minder schuldtg sei, als man sie ansehen will.

Es wäre denn, raß die verletzte Nationaleitelkeit eine größere Befriedigung darin finden sollte, das. nationale Unglück einer fremden Treulosigkeit, statt der Unbesonnenheit der eigenen Regierung zuzuschreiben.

Um so mehr aber muß man sich in Wien aufs Peinlichste davon berührr fühlen, durch die Auslagen Gr^mont's und dessen angekündigte Enthüllungen sowohl Frankreich als Deutschland gegenüber cowpromittirt zu werden, und es ist bereits der Anfang gemacht worden, den unerwarteten Schlag durch einen Contre- Coup zu pariren, indem man den französischen Diplomaten als den Narren seiner eigenen Einbildungen darstellt. .

SUian hat in letzterer Zeit viel von dem Particularismu- und de« Kirch- thurme-Intereffen der Provinz Oberheffcn zu reden gehabt. Wir glauben aber, daß es sich bei unserer Landes-Universität nicht um die Interessen einer Provinz, jonoern um die des ganzen Landes, also fämmtlicher Provinzen wohl han- oeln dürfte! Also wird man uns wohl nicht des Particularismu» und der Kirchthurms-Intereffen beschuldigen, wenn wir sagen: es ist hohe Zeit, daß auch für unsere Universität Gießen einmal etwas gethan wird!

Wir müssen uns tief beschämt fühlen, wenn wir auf die Entwickelung, die Frequenz der Universität Heidelberg einen Blick werfen. Dort wird nicht grknau- sert ober auf Kosten Heidelbergs die Unterrichtsanfialten Karlsruhe'» in die Höhe zu bringen versucht. Nein, man gibt mit vollen Händen, man bietet Alles auf, um den alten Ruf Heidelbergs und seiner Universität unter allen Umständen zu erhalten, zu bewahren.

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Deutschland.

Aus Hessen. Ein Hauptaugenmerk wird der neue Landtag auf ^unsere Landes-Universität Gießen zu richten haben. Unter den wichtigen Aufgaden, welche ' einer befriedigenden Lösung von Seiten unserer LandeSvrrtretung entgegensehe», * nimmt die Universität Gießen eine der ersten Stellen ein. Zurückgegangen, jju- A rückgesetzt in Allem, muß ihr Luft geschafft werden, soll sie überhaupt wieder jene Stellung einnehmen, welche sie vor dem Jahre 1848 besessen.

Es ist eine allbekannte Thatsache, wie bis zvm Jahre 1848 unsere Uni­versität florirte und sich den bestbesuchtesten Universitäten Deutschlands würdig an ' j t>ic Seite zu stellen vermochte. Da kam die unglückliche Reactionsperiobe von | 1849 und legte sich bleiern um die Füße unserer so lebenskräftigen, frischen Lau­bes Universität. Mehr und wehr wurde sie gefesselt, eingeengt und derart kärg­lich mit Mitteln bedacht, daß sie seit langen Jahren dahinßecht, ohne die ge­ringste Hoffnung auf eine baloigc Genesung zu haben.

Das Dalwigk'sche Regime hat sich schwer an diesem so gewaltigen Factor unseres Landes versündigt. Nicht minder aber auch jene verflossenen Landtage, welche weder Sin» noch Ohr für unsere so schwer darniederliegenve LandeS-Uni- 1 versilät gehabt habe»!

So ist es denn gekommen, daß die feindlichen Elemente unseres Universität Gt.Zen darunter besonders unsere Herren Ultramontanen in Mainz, einen Stern nach dem andern aus dem Fundamente derselben zu nehmen vermochten. Was diese allein nicht vermochten zu thu», dazu verhalf ihnen der schlechtrer- lanvene Particmarismus der Darmstädter, welche Alles verlangten zu haben und wenn es auch selbst auf Kosten der Universität Güße» zu geschehen habe. Nur Darmstadt hat erreicht, was es haben wollte; es hat vorlresfliche Unter­richts - Anstalten aufzuweisen, aber darunter ist Gießen so ziemlich zu Grunde gegangen! <

Gramont contra Beust.

Angeregt durch eine vor der September-Commission abgegebene Aeußerung des Herrn Thiers hat der interessante Herzog von Gramont sich durch ein der Olffcutlichkeit übergebenes Schreiben gegen den Dorwurf zu rechtfertigen gesucht, bofe er Frankreich in den Krieg getrieben habe, ohne daß er zuvor Verbündete für dasselbe gesucht und gefunden hätte.

Bei dem schlimmen Ruf des Herzogs v. Gramont wurde eine solche Taktik auch des Erfolges ziemlich sicher sein, zumal man sich auf ActenstÜcke berufen kann, welche das Gegenttzeil dessen darthun, was Gramont behauptet und die östcr- re chische Politik des Jahre» 1870 als eine correcte und loyale charakterisiren; leider steht dem schlimmen Ruse des Herzogs v. Gramont dcr nicht minder üble Ruf des Grafen Beust gegenüber und es ist ja sehr wahrscheinlich, daß Altenstücke vorliegen, welche, je nach Auswahl, die Anklagen des Herzogs v. Gramont unterstützen ober entkräften können.

Man hat vielle'cht eine pikante Lectüre zu erwarten; da aber die beiden prozeßführenden Parteien von der öffentlichen Meinung bereits gerichtet und von ihrem Schicksal ereilt sind, so wird rhr Prozeß nur da» Interesse eines Scanda'prozeffeS erregen, aber sehr wenig zur Ehrenrettung de» einen ober anderen TheilcS beitragen.

Möglich allerdings, daß »och andere Persönlichkeiten, oder einzelne Kreise Wiens, welche mit der Beust'schen Politik cooperirlen, sia-. im Augenblick nicht ganz behaglich finden mögen; ein Grunv, daß tu Enthüllungen de» Herzog von G amont die wieder hergest llten guten B ziehungen Deutschland» zu Oesterreich comprvmittiren können, liegt doch nickt vor.

Daß die deutsche Politik Preußens in dem Grafen Beust ihren ge- fchworenen Gegner hatte darüber war ja niemals ein Zweifel; aber die Politik des Grafen Beust trug allezeit einen so prägnant persönlichen Charakter, baß sie nach der Entfecnung der leitenden Persönlichkeit auch ihre Conseauenren verloren hat.

Um so wehr, als der Nachfolger Beusts, obwohl er in die Anschuldigungen des Herzogs von Gramont mit verflochten worden ist, stch zur Wiberlegung derselben ganz einfach auf die Unmöglichkeit berufen konnte, in welcher er sich, als damaliger ungarischer Ministerpräsivtnt, befand, eine Politik zu verfolgen, die von dem ganzen Lande perhorreScirt wurde, während er zugleich durck den wohl verdienten Rus seiner Loyalität gegen den Verdacht der Duplicität geschützt ist.

UebrigenS sind auch wir Deutschen von der sentimentalen GeschichtSauffaffang geheilt worben, seit wir selbst wieder G.schichte zu machen begonnen haben; und w'nn immerhin die Beweise sich mehren und vervollständigen sollten, daß Oesterreich im Jahre 1870 in feinen Absichten durch unsere raschen Erfolge gehemmt worden sei, so werbe» wir uns darum in der Herzlichkeit der s?geuwärtigen Beziehungen nicht stören lassen, nachdem diese aus de« Boden der Thatsachen gewachsen ist und sich in der Uederzeugung gle chlaufender Interessen bestärkt hat.

Die bereit» erbrachten und in Aussicht gestellten Enthüllungen können nur ein retrospektives Interesse hoben, es wäre denn, daß sie in Oesterreich selber den Blick für gewisse Einflüsse schärften, di-, ohne daß sie die Verantwortlichkeit «heilen, welcher die sog nannten Leiter der öffentlichen Angelegenheiten unterworfen sind, verhängnißvoll für die Geschicke de« Reiches werben könmn, während sie glsichwohl nur persönlichen oder Partei-Interessen bienen wollen.

Erschemt täglich, mit Sus »ahme Sonntags.

TxyedUion: Tanzleiberq, Lit. B. Rr. 1.

Die badischen Patrioten haben eben ein warmes Herz, das richtige Der- ßändm'ß für ihre so blühende Heidelberger Universität! Welch' kläglicher Ab- stand doch zwischen Gießen und Heidelberg? Während die Frequenz der Uni- versität liegen eine höchst bescheidene genannt werden muß (incl. der Nic-t- Jiumatricullrten 323 Zuhörer), erfreut stch umgekehrt Heidelberg einer von Jahr Zu Jahr sich steigernden Zsnahme von Seiten der fiudirenden Jugend. Selbst unsere hessische Jugend scheint sich mit besonderer Vorliebe nach Heivelb-rg zu wenden, wenigstens weist das Verzeichniß des Wintersemesters 72/73 nicht wem- ßcr als 26 Hrssen, zumcist Darmstädter Kinder, nach!

Sollte da- nicht such ein gewisses Streiflicht werfen auf die Verhältnisse anferer LandlS-Univeisität? Wenn die tonangebenden Darmstädter Kreise so leb­haft die Universität Heidelberg mit ihren Söhnen besonverS frequentiren, so muß es doch wohl in der einen oder anoern Hinsicht mit der Universität Gießen etwas hapern ? y

Wir erwarten, daß der jetzige Landtag die Universität Girßen einem ein- geyendcn Studrum unterwirft und baß er bestrebt ist, die Sünden feiner Vor­sänger wieder gut zu machen. Aber nicht auf die lange Bank schieben, das mochten wir doch freundlichst die Herren ersuchen. Wenn man Überall nach Llcht" undLuft" nun schreit, so mögt man sie doch auch unserer Landes- Universität Gießen zu Thril werden lassen. Immerhin aber durften unfm Herren Patrioten, weiche so gerne den Blick nach dem großen Ganzen schweifen lassen, 1

wohl than, wenn sie stch auch ein wenig um unsere häuslichen Angelegenheiten J

bekümmern wollten. Die Mutter Germania ist in guten Händen, aber bei der grau Hassia haben wir i*n» sagen lassen, soll es noch sehr viel Schutt in ihrem Hauswesen geben!

^Darmstadt. Der Abg. v. Rabenau hat folgende Interpellation an da» Mtnißenum gerichtet: ,Bm 10. d. Mts. hat der königl. preuß. Handel-minister dem preußischen Abgeordnetenhause Vorlage über Herstellung einer direkten Eisen­bahnverbindung zwischen Eybtkuhnen und Mttz gemacht. Von der Strecke find fertig die Strecken Eybtkuhnen-Berlin und Diedenhofen- Metz. Noch zu erbauen find die Strecken Berlin-W^tzlar refp. Lahnstein.Trier-Diedenhofen. Die Strecke "' Berlin - Wetzlar soll nach der Vorlage mit Umgehusg des zroßh. Hess. Gebiets insbesondere also nach der Stadt Gießen, auSgcführt werden, da von der im Mnttjal auf königl. prevß. »ebiet gelegen-« Main. W-s-rdahn-Station Fron- Hausen aus die »on der Natur «orgrjelchnete Richtung oitfer Bahn in Lahnthal

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