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Nr. 1OI
Dienstag den 30. April
1872.
• Ob der Zweck die Mittet heiligt?
Börse mehr, als nöthig ist, wenn man ihr alle die Sensalionsnachrichkln, welche
scheint es uns, als ob die
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Beängstigungen der Politik zu vernicht auch aus diplomatischen Quellen an deutsche Quellen zu denken haben, selten darauf Ansp.uch machen, klar
adressirten Drohnote, haben sollte, hat sich in’6 Wasser gelassen
Stück sind ihr ton
stecken sucht.
Warum soll der „Daily Telegraph" geschöpft haben, wobei wir durchaus nicht Die Diplomatie kann ja ihrer Natur nach
wie Bergkrystall zu sein. Zm Gegentheil; man weiß ja, baß die Diplomatie sich oft gar seltsamer Mittel bedient, um einen bestimmten Zweck zu erreichen. Es käme also im vorliegenden Falle darauf an, sich darüber klar zu werden, warum die Diplomatie gelogen hätte.
Denn erlogen waren doch die in Umlauf gesetzten Nachrichten — erlogen, daß fein Wfcnintir—titn—irrt nuuiviuwiu—•'»p"—------ •
Und da könnten Erwägungen zu dem Resultat kommen, ,
guten Absicht gedient, daß man Allarmgerüchte vreüetcht im Gunsten des Friedens ausgestreut habe.
Ganz Europa hat ja das dringendste Interesse daran, consolidtre, und jedes Cabinet wird die Pflicht fühlen, zur 1 zu wirken und daher jeden Anlaß einer Störung zu
sich hinterher als unrichtig erweisen, in die Schuhe schiebt; während sich die Sache meistens so verhält, daß die Börse, wenn sie sich durch Überladung den Magen verdorben hat, ihre Beschämung über den aus der Natur der Dinge leicht erklär- lichen Katzenjammer hinter angeblichen
Die Sensationsnachricht von einer nach Versailles welche die frappanteste Aehnlichkeit mit einem Ultimatum als eine Ente erwiesen, die von dem „Daily Telegraph" worden ist.
Der armen Ente ist es schlecht ergangin. Stück für
Es ist möglich, daß wir uns irren; aber fast ______, _ _ ...
lind ablehnende Haltung, welche Herr Thiers und seine Minister in der ersten Sitzung der Nationalversammlung nach ihrer Wiedereröffnung den mancherlei hitzigen Anforderungen gegenüber bekundeten, einen Umschwung — wenn auch nicht ihrer Politik, so doch der Modalität ihrer Verfolgung bekundete.
Vielleicht haben die falschen Allarmgerüchre dazu beigetragen, die wahre Situation Frankreichs von Neuem zu prüfen, und vielleicht hat man sich in Folge dieser Prüfung zu dem Entschlüsse vereinigt, Alles zu vermeiden, was auch nur zu einer diplomatischen Verwickelung führen könnte!
und Farbenreichthum verleihen. _
Berlin. Die „Provinzial-Correspondenz" laßt sich über die in der ver-
Bestellungen auf den Gießener "Anzeiger ML LMemgeg^^7mmen°""°^'^ ». i,.»tri aum Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Expedition adholen lassen, erhalten denselben für die Monate Mai und ^uni zu 40 fr.
^Mtion ist freilich stark genug, daß cs mit Selbstbewußtsein die Dinge an sich herankommen lassen kann. Aber nicht alle Staaten sind in der Lage, eine euro- i pasche Entwicklung mit gleicher Ruhe entgegenfthen zu können, und ihre Diplomatie wird daher drohenden Eventualitäten entgegen zu wirken versuchen.
Wir wissen sehr wohl, daß die Abschreckungstheorie von unseren heutigen Crimtnallstin verworfen wird; aber im gewöhnlichen Leben zeigt sie sich sehr ofr von ,groß«w praktischen Nutzen und die hohe Politik bedient stch ihrer namentlich in ,der Form von demonstrativen Mobilmachungen.
I Warum aber könnten die SensatiollSnochrichten des „Daily Telegraph" nicht
iauch einen demonstraliven Character gehabt haben? Denn, wenn allerdings J11"0*/ was er als Thatsache angab, dementirt worden ist, so sind doch die Ver- 'hältniffe dkr Art, baß Alles Thatsache werden könnte, was bis jetzt nur Fiction blieb. Wenn aber diese Möglichkeit der französischen Regierung gewissermaßen gegenständlich gemacht wird, sollte diese nicht daraus eine dringende Veranlassung entnommen Huben, sich zu fragen, was sie zu thun, oder vielmehr zu ertragen hätte, wenn der jetzt blos gedachte Fall eine positive und thatsächliche Verlegenheit würde?
Gießen, 29. April. Man wird nicht ohne Interesse vernehmen, daß der vereinigte Senioren-Convent sämmtlicher Eorps auf allen deutschen Unive»sitätcn (der sog. S. C., dieselbe Vereinigung, welche jährlich zu Pfingsten auf der RudelS- burg bei Kosen zusammen tagt, dort auch den von den Corps im Kriege mit Frankreich Gefallenen ein Denkmal hat setzen lasten) beschlossen hat, daß jeder Senioren-Convent aus den einzelnen Universitäten und folglich die Corps lammt-
den officiösen Entenjägeru die schillernden Federn auSgerupft worden; schließlich hat man sie bei den Beinen gepackt, in cie Höhe gehoben und den kahlen Rumpf! einem verehrlichen Publikum mit einer bezeichnenden Grimasse und den Worten;! „eine Börsenerfindung!" vorgezeigt, und bas verehrliche Publikum ist zufrieden' damit, daß es sich mehrere Tage lang ohne Grund geängstigt Hot. ' ^U£6'
Also eine Börsenerfindung? Nun — wir denken, man verleumdet die
Reden nach Versailles gelangen ließ; erlogen, daß die bezügliche Kundgebung an die Notar eine« Ultimatum« streifte; -ilog-n, daß Graf Arnim der Ueberbrmg-r dieses sogenannten Ultimatum« war; erlogen, daß eine Notrnsenlung überhaupt
^Nun, Alles doch nicht. Over sind denn die französischen, nach emem ganz crorbitanten Maßstabe vorgenommencn militärischen und soruficalonschen Rrsttun- aen keine Thatsache; sind denn die Reben und FriebenSbetheuerungen des Herrn gen reine ‘ fcifjTejt6 für baare Münze genommen worden Senioren-Eonvent aus oen einzelnen univtiiimit» unu w y.r-
Th'ers so unverfänglich, daß sie dleffettS für vaar z S F,ankreichs licher Universitäten durch Deputirte in Straßburg vertreten werden sollen. Auch und genommen werden können? M- eine«-Wort . ifM)w 8^ ließen geht eine Deputation de« 8. C. nach Straßburg. Diese lugendlichen
^^‘ÄS« Sed/aien v^on Seittn Deutschlands beanspruchen dürste? Leider Gestalten werden sicher dem Festzuge und der ganzen Feier nicht wenig Frische nein! Wir können dies an einem fleinen Beispiel deutlich machen. „ , unC ^BerlinDie' Provinzial-Correspondenz" läßt stch über die in der »er-
Ä AL '“•«*“£ä».« v-iww» «"*“ ®“w"
bildungSkrast mit der Aussicht zu schmeicheln, daß man cbeV Haliuüg " ^"Falsche Gerüchte über die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich
der Lage sein werde, um lrie8enf»en «•«««•« taten mit über eine angeblich von dem Reichskanzler Fürsten Bismarck an die französische
begegnen zu können, und die „Nordb. Allg. Zig. entnahmau - ' g„,chme Note haben in der verflossenen Woche vorübergehend eine
der „Patrie" Veranlassung, m einem Enirefilt d » F'anz°sen zu »erstehen zu h«,vorgerufen. Durch entschiedene Widerlegung von zuver-
geben, daß aüch deutscherseits Vorsichtsmaßregeln nicht h J IPfl läffiaer Seite ist alsbald festgestellt worden, daß die Gerüchte durchweg auf Er-
Was kann ein solches Entrefilet m der „Nordb Allgem - 3/"^ fm einen Seite ist al«aw IM Stellung Deutschlands zu Frankreich nichts Zweck haben? Offenbar den Zweck, die Franzosen, z wieber verändert bat Wenn hierdurch in den politischen Kreisen volle Beruhigung wieder-
bekannt ist, vor Erhitzung zu bewahren. Wenn e Ehauvinismu« sich wud nde, had -m < 0 beklagen, welche jene Ge>
zu regen beginnt, so kann e« lein wirksamer s « den, um seinen Ber^ gekehrt cie JU allseitigen Widerlegung
lockungen zu begegnen und dieselben wirkungslos zu machen, als daß „forderlich waren, in den geschäftlichen Kreisen, namentlich an einzelnen europai-
Franzosen sagt, wir wissen sehr gut, wessen wir JLfit utlC M,en Bgrsen durch Erschütterung de« öffentlichen Vertrauen« geübt haben. Die
Aber vielleicht reicht eine solche Mahnung °°r sranzo chen Ette kett und schen , n durch «w« ^9^ ,^btn englischen Quelle; sie wurden aber Leichtfertigkeit gegenüber doch nicht au« ; vielleicht '^ !«. ^aus nolh g, d N fl !T ( unb unverantwortlicher Weise gerade von Stellen
Franzosen begreiflich zu machen, in welch mge Verlegenhe.ttn »" Chauvinismus m D.ui eblanv leichi,er g r toäre, fld) eon rem Ungrunv
sie verstricken lönnte, wenn sie sich ihm lucksichtslo« hmgebe . Z I _ berfelbeu ohne Weitere« eine sichere Ueberzengung zu »erschaffen. Je weniger in diplomatische Verwicklungen, mit den verschiedenen Formen und ' . „ Strafgesetze hinreichende Waffen gegen die Verbreiter falscher Nachrichten
peiselben bi« zum — Ullimalum! des Dail» Zele- darbieten, welche oft größere Vermögensbeschädtgungen bewirken, al« die den Ge-
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de?Nachrich.°v°n der Ettrankung eine« Wegen ttogt^wa« hat der ME für Weise mißbrauchen ^e will die „Frks. Pr.° erfahren haben,
eine Ursache, krank zu sein? - so sollten wir fragen; warum hat „Da.lp Dele ^MN, ^n betreffenden Kreisen bezüglich der Gewehrfrage nun endgültig ^Äkten wir doch wohl Ä
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I raß der Frieden st» in liegender Stellung und mit losen, bequem zur Hand befindlichen Patronen ,Ür Erhaltung desselben Schuß in der Minute aus die kleine Eolonnenscheibe abzugeben, worunter etwa entsernen Deutschland« 20 Treffer. Mit der bereit« feil 1869 im Gange befindlichen Umänderung de«
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Anzeige- und Amtsölatt für den Kreis
Preis vierteljährig 1 fl. 12 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 st. 27 kr.
Erscheint täglich, mit Ausnahme Sonntags.
Expedition: Canzleiberg, Lit. B. Nr. 1.


