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Italien.

Rom, 24. August. Einem Briefe des römischen Correspoerdenten des N. W. Tgbl." entnehmen wir die Nachricht, für die wir jedoch diesem Gewährs- manne die Verantwortlichkeit überlassen, es habe nicht nur der Präsident der fron' zösischen Republik dem Monsignore Nardi die bestimmte Erklärung abgegeben, daß Frankreich weder dem heil. Vater ein Asyl bieten, noch event. die Abhaltung des Conclave zur Papstwah! auf seinem Boden dulden könne, sondern die französische Negierung sei im Begriffe, an das belgische Cabinet eine Note zu richten, deS Inhaltes, daß Frankreich es sehr Übel aufnebmen würde, wenn Belgien dem Papste Aufenthalt böte, da die Gegenwart Sr. Heiligkeit an den Grenzen Frank.eichs die Gewütyer in Aufregung bringen und der Regierung eine sehr schwierige Si­tuation bereiten würde. Das aber, fügt der Correspondent hinzu, geschehe nur aus Besorgniß vor Deutschland und vor der legitimistischen Partei im eigenen Lande, und nicht etwa aus Sympathie für Italien, mit dem man in frostigeren Beziehungen sei, als dies vor drei Monaten noch der Fall gewesen.

Spanien.

Madrid, 27. Aug. Der Ausgang der Wahlen wird wahrscheinlich der sein, daß 80 Republikaner, 290 Radicale und 27 Conservative herauskommen. Von einigen Bezirken kennt man das Ergebniß nicht. Von den conservativen Ex­ministern sind nur Malcampo, Balaguer und Ulloa wiedergewählt worden.

weit durchrissen und die Kiefern zerbrochen wurden. Ms Oie Unmenschen das Geld wirklich nicht vorfanden, warfen sie ihr Opfer auf die Erde, riffejt die Kleider von seinem Leibe und schnitten ihm mit ihren stumpfen Taschenmessern den Bauch auf, um hier nach den verschluckten zehn Gulden zu suchen. Diese Operation hatte jedoch keinen weiteren Erfolg, als daß der arme Italiener unter den furchtbarsten Schmerzen starb worauf Alles die Wirthsstnbe verließ. Die Wirthsleute veranlaßten nun die Ueber- tragung des Ermordeten in die Todtencapelle, von wo er wahrscheinlich von den Be- thetligtcn in der Nacht auf eine geheimnißvolle Art entfernt und so gut beseitigt wurde daß es bis heute noch nicht gelungen ist, die Leiche aufzufinden. Von dem ganzen Vor­fälle soll die Gendarmerie erst am 14. d. Mts. verständigt worden fein.

* Napoleon I. nannte die Russen mit besonderer VorliebeBarbaren." Seit ihm hat sich in dem Reiche des weisen Czars zwar viel zum besseren gewendet, aber im Aberglauben leistet das russische Landvolk in allen Gegenden des weiten Reichs noch Erkleckliches. Mitunter nimmt der Aberglaube dort aber liebliche Formen an. So glaubt man in vielen russischen Ortschaften, daß die Cholera in ein Kirchspiel nicht eindringen könne, wenn um dieses in der Mitternachtsstunde mit einem Pfluge eine Furche gezogen werde. Aber das Beste kömmt erst. Diesen Pflug müssen 12 Mäd­chen ziehen und ein dreizehntes muß den Ackerknecht vorstellen, und alle dreizehn müssen Jungfrauen fein. Eine solche Umpflügung sand kürzlich in dem Kirchspiel Dawydkowo nächst Moskau statt, und die Mädchen besorgten das unter fröhlichem Lachen und Singen beim Scheine des Vollmondes. Am nächsten Tage weihte noch die Geistlichkeit die gezogene Furche in feierlicher Procession. Dawydkowo blieb thatsächlich von der Cholera verschont, und deßhalb steht tue Tugend seiner schönen Pflügerinnen in hohem Ansehen. An anderen Orten soll aber die Furche nichts genützt haben; in diesem Falle denkt das Landvolk schlecht von den Mädchen, nicht aber von der nach­träglichen kirchlichen Weihe der gezogenen Furche.

Portugal.

Lissabon, 28. Aug. Der spanische DampferPerseveranza" ist bei Oporto in Folge Nebele untergegangen, 30 Personen ertranken. Don Fernando mit der Gräfin Edla sind aus Frankreich hier wieder eingetroffen.

England.

London, 27. Aug. Der DampferNuki" bringt Nachrichten über eine Verschwörung in San Salvador und Guatemala bebufs Sturzes beider Regie- rungen. Der Hauptanstifter ist Erzbischof Piscol in Verbindung mit Jesuiten nnd einer Anzahl von Geistlichen in San Salvador.

Vermischtes.

Darmstadt, 23. August. In Weiher (im Wefchnitzthal, nächst Weinheim) fand man ehevorgestern die Leiche des früheren Bürgermeisters Schmitt mit einer bedeuten­den Wunde am Kopfe. Der muthmaßliche Mörder ist bereits gefänglich eingezogen.

(Fr. Ztg.)

Vom Odenwald schreibt man, daß der frühere Bürgermeister Schmitt 3r von Weiher, dessen Leiche in diesen Tagen aufgefunden wurde, von einem sehr achtbaren Bürger Weiher's in Nothwehr erschlagen wurde. Schmitt hatte schon vor längerer Zeit entmündigt werden müssen.

Michelstadt, 25. August. Zimmermann Wege! von Erbach, welcher feine Frau euf fo schauderhafte Weise ermordete, hat sich diese Nacht seinem irdischen Richter ent­zogen. Er hängte sich mit seinem Halstuche an das Fenstergitter, und so fand ihn der Gefangenwärter halb sitzend auf dem unterhalb dem Fenster liegenden Strohsacke. Da der Großherzog die Todesstrafe nicht mehr vollziehen läßt, fo hätte er den Rest seines Lebens er war 56 Jahre alt in dem Zuchthause zubringen müssen. Dieser Zu­kunft wollte er sich entziehen, fein Verbrechen selbst hat er nicht im geringsten bereut.

(Gräßlicher Mord.) DemTagesboten aus Böhmen" schreibt man: Bei dem Baue des Gußwerks und der chemischen Fabrik nächst Lipschitz sind gegenwärtig nahe an 400 Arbeiter beschäftigt, die, aus aller Herren Länder zusammengewürfelt, eine Gesellschaft bilden, welche der ganzen Umgebung zu den ernstesten Befürchtungen gerechte Ursache bietet. Täglich bringen Nachrichten über verübte Diestähle, Rauban- frille u. f. w. ins Publikum. Am 11. d. Mts. ging es, wie gewöhnlich, in dem Wirths- hause in Lipschitz lustig zu; außer dem Tanz und Trunk wurde auch dem Spiele ge- fröynt, und da der Wochenverdienst der männlichen Arbeiter sich zwischen 25 bis 30 Gulden bewegt, so war der Einsatz bei dem beliebten Einundzwanig auch kein g ringer. Ein Arbeiter, wie es heißt, ein Italiener, hatte bereits an zwanzig Gulden verloren und setzte feine letzten zehn Gulden auf eine einzige Karte. Das Glück war ihm wieder nicht günstig und er faßte nun die auf dem Tische liegenden Banknoten, steckte sie in den Mund und versuchte es, sich ins Freie zu bringen. Er wurde daran verhindert und von seinen Mitspielern aufgefordert, die zehn Gulden an den Gewinner auszufolgen. Der Italiener weigerte sich dessen, und verschluckte, als die anderen ge­waltsam Hand an ihn legten, das Geld. Die Mittheilung dieser sonderbaren Bergung des verlorenen Besitzes wurde von den Mitspielenden ungläubig aufgenommen und der Mund des Italieners sofort einer Untersuchung unterzogen, bei welcher der Mundwinkel >

Börsenberichte.

Frankfurt a. M., 28. August. Trotz schwierigem Ultimo verkehrte die Börse heute doch bei prononcirt guter Stimmung, d. h. für Bankeffecten. Bahnwerthe blieben auch diesmal wieder im Hintergrund. Auf spekulativem Gebiet waren Credilactien, welche heute in großen Sum­men comptant und für Medio gekauft wurden und eine Avance von 5 fl. erzielten. Man schreibt diese Bewegung starken Wiener Kaufaufträgen zu. StaalSbabn dagegen schlugen bei geringem Geschäft weichende Tendenz ein, während Lombardcn 1 st. höher gingen. Von Banke» waren heute offenbar Frankfurter Baubank am gesuchtesten, dieselben wurden bei 110 in Summen ge­kauft und blieben zu diesem Course gesucht. Sodann erfreuten sich Amsterdamer, Englische und Frankfurter Wechslerbank, Deutsche Handelsgesellschaft (1V2 Proc. höher). ProvinzialdiSconto (4 Proc. höher) Hahn'fche Effectenbank, Oesterreichisch deutiche großer Beliebtheit. Deutsche VercinSbank und Frankfurter Bankverein fest. Bahnpapiere fanden bet herabgesetzte» Courseu wohl willige Käufer, die Umsätze blieben jedoch in bescheidenen Grenzen. Böhmische West und Elisabeth besser. Von Prioritäten waren Donau-Drau, Albrecht, Elbthal und Livorneser gefragt und gut bezahlt. Deutsche Staatenfonds am Markt und gut bezahlt. Oesterretchische Renten bessern sich wieder langsam. In Loosen blieb das Geschäft schwach. Amerikaner 1882er beliebt und fest.

Sörsennac^richtea.

28. August 1872.

Aeaiea.

5% östr. F» St. E. B. 3631/2 Lombard. Bahn 228 Ludwlgsh.-Bfax.baeh 202 Maxbaha 147

Bayer. Ost bahn 138% Rheiu-Nahebahn-Aot. 50 Hess. Ludwigs b.-Acf. 184 Oberhessen 83%

Prioritäten.

30/0 öster. Stsb.-Pricr. 587/g 3% öst. s. Lombard 52 3% Livorneser 39</8 50/0 Tosoaner 62

5% Elisabeth.-Prior. 84% do. II. Emiss.

Anlehenaloofie.

Darmstadter ll.50l.oose 200 » »25 55

Kurh. 40 Thlr. Loose 72 Nassau 25 fl. 451/3 Braunschweiger 22 3% Oldenburg, ä 40Thlr. 385/s 4% bayr. Präm.-AnL 113 4% badische Loose 111/2 Badische fl. 35 Loose 713/4 Oestr. fl. 250 v. 1854 86 1858r Prioritätalooae 1860r Loose 94/4 1864r 1621/4

eetMsel.

Amsterdam k. S. 981/8

Augsburg k. 8. 993/4

Berlin k. 8. 104%

Bremen k. 8. 175t/8

Brüssel k. 8. 93

Hamburg k. 8. 873/8

Leipzig k. 8. 105

London k. 8. 1181/»

Lyon k. 8.

Paris k. 8. 923/8

Wien k. S. 106%

ditto m. 8.

ditto 1. 8. 1063/g

Dis conto 4 %

Geldgorten. fl. kr.

Pr. Friedrdor 9 5859

Pistolen . . 9 4042

doppelte 9 4042

Holl. fl. 108t. 9 5355 i

Ducaten . . 5 3436

20 Frankens!. 9 20 Vz211 /2,

Engi. Sover. 11 4749

Buss. Imper. 9 4345

Dollar in Gold 2 25 - 26

Preusß. 4i/a % ObHg. 103 Frankf. 81/3% Obi. 873/8 Nass. 4i/a o/o Obi. 995/g Kurhess. 40/g 94 Gr. Hess. 5% Obi. 40/o 985/g

3i/8% 93

Bayer. 5% IOOV2

41/3 o/o 1jährige 1001/z r 4O/o 1jährige

Würtemb. 4Va% Obi. 99/8 Baden 41/3% Obi. 0. E. L.

Oesterr. Silberrente 655/8

Papierrente 6O5/Q Spanier, neuest. 3% 291/a Amerik. Bonds 188ir 993/Q

1882r 96%

, » 1885r -

n 1887r 97%

Aetleia.

Frankf. Bank 143i/2 Frankf. Vereins-Kasse 152 Dtarnst. Bankaot. 521 "Wien BarkaotJen 940 Oest. Creditact. 370 Galizien 260i/2

Allgemeiner Anzeiger.

Besondere Bekanntmachungen.

Bekanntmachung.

5)

2)

3)

4)

das Eifenbahn-Personal statt. ,

Von gleichem Tage an werden abgefertigt:

1) die Personenpost von Grünberg nach Laubach um 625 Vorm., Laubach nach Schotten um 740 Vorm., Grünberg nach Ruppertenrod um 230 Nachm., Ruppertenrod nach Ulrichstein um 350 Nachm.,

y. Grünberg nach Homberg a. Ohm um 2 o Nachm-,

6) das Privat-Personenfuhrwerk von Ruppertenrod nach Ermenrod um 4 Nachm-,

7) die Botenpost II von Romrod nach Zell-Romrod um 11^ Vorm.,

8) Zell Romrod nach Romrod um 1220 Nachm.

Die Botenposten zwischen Grünberg und Londorf und zwischen Mühlheim und Offenbach a. M. sind aufgehoben worden-

Gießen, den 27. August 1872. ®atfernd?e§ Postamt.

D ' Loch mann.

Dom 1- September er. ab werden auf der Linie Fulda-Gießen der Oberhessischen Eisenbahnen die Posttransporte mit Conducteurbegleitung aus den Zügen 6,0Ubr früh und l53 Uhr Nachm. von Fulda nach Gießen in die Züge 910 Uhr Vorm. und 613 Uhr Nachm. von Fulda verlegt. Mit den bisherigen Postconducteur-Zügen (6 Uhr früh und IM Uhr Nachm. von Fulda) findet die Beförderung geschlossener Bnefpackete durch

Oeffentliche Aufforderung.

4007) Nachdem Katharina Feller, ledig, von Groß-Linden mit Hinter­lassung eines Testaments verstorben ist, in welchem sie ihre Schwestern Christine und Elis ab et he zu Erben eingesetzt hat, fo wird der abwesende Bruder Georg Feller hiermit aufgefordert, binnen drei Monaten über jenes Testament dahier Er­

klärung abzugeben, widrigenfalls Aus­schlagung der Erbschaft von seiner Seite unterstellt und die letztere den Testaments­erben überlassen werde.

Gießen, den 24. August 1872.

Grobherzogliches Stadtgericht Gießen.

Dr. Muhl, Becker, Stadtrichter. Stadtgerichts-Assessor.

Versteigerungen.

Die Versteigerung eines städtischen Grundstücks am Gänsacker.

3995) Ein Grundstück der Stadt Gießen, am Gänsacker gelegen:

Flur XXXVI. Nr. 252 und 253 enthaltend, 252 lUKlafter Fläche, soll als Bauplatz

Samstag den 31. August 1872, des Vormittags 11 Uhr, auf hiesigem Rathhaufe an den Meistbieten­den versteigert werden.

Gießen, den 27. August 1872.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

Vogt.

Grummetgras-Versteigerungen der Fürstlich Solmsischen Rentei Sich.

Gemarkung Lich.

4001) Donnerstag den 5. September, Vormittags präcis 8 Uhr,

Wiesen der Peinmühle gegenüber, den Wiesen­grund herab bis zum Bleichgarten am Dietert, zusammen 120 Morgen.

Zusammenkunft an der Saubrücke, nächst der Peinmühle.

Gemarkungen Mühlsachsen, Ober-- und Nied er-Bessingen- Freitag den 6. September, Vormittags präcis 8 Uhr, Hainwiese, Krummwiese, Riedchen, Seewiefe, Sautenkor, im Ganzen 136 Morgen.

Zusammenkunft zu Mühlsachsen.

Gemarkung Burkhardsfelden.

Montag den 9. September, Vormittags präcis 9 Uhr, Mönchwiese und Strauchwaldwiese, tm Ganzen 67 Morgen.

Zusammenkunft in der Mönchwiese.

Die Ausgebote geschehen in Abteilungen von ein bis zwei Morgen.

Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft roirb Zahlungsfrist bis Martini l. I. gestattet.

Lich, den 28. August 1872.

Fürstlich Solmsische Rentei Lich. Kreutzer.

3996) Samstag den 31. August d. I., Nachmittags 2 Uhr,

soll die Gerstenerndte von 132 lDKlftr. Acker unter dem Gießener Weg an der Landwehr meistbietend versteigert werden.

Zufammenkunft bet dem Wegweiser an der Heuchelheimer Chaussee.

Gießen, den 28. August 1872.

Großherzogliches Ortsgericht Gießen»

S e m m l e r.