Einzelbild herunterladen

barer Weise beurteilt worven. General Wimpffen sah sich in einer Art blvS gestellt, die sein Ehrgefühl auf das lebhafteste verwunden mußte; mit ihm glaubten mehrere Corpsführer der Armee von Sedan sich über die Formen beschweren zu dürfen, welche bei dieser Untersuchung vorgewaltet. Da erschien D" Kaiser, um großmüthig und wahrheitsgetreu, ein Lamm, das eine Welt von Sünden trägt, die Verantwortlichkeit für die Waffcnstreckung allein auf sich zu nehmen und alle die mehr oder minder gerecht Angefchuldigten zu entlasten. Der Fcchterstreit war schlau ersonnen. Er stellte die menschltchen Empfindungen des Kaiser» im besten Lichte dar, brachte den Verunglimpften Trost und Hilfe und pflanzte gerade in dem Augenblicke die Fahne der Prätendentschaft auf, in welchem man in Ver­sailles durch die 48stün^ige Redeschlacht dem BonapurtiSmuS den Garaus gemacht zu haben wähnte. Das alles folgte Schlag auf Schlag, als ob man in Chisel- hurst inzwischen mit Muße und Elfer preußische Taktik studirt und sich angeeignet hätte. In der Armee muß da» Vorgehen des Kaisers unzweifelhaft von günstiger Wirkung sein; um so mehr, da es in einer Zeit eintritt, in welcher durch die verschiedensten Untersuchungscommissionen, durch Bazaine's Prozeß und die An- klagen Audiffret.PaSquier'S die schmutzige Wäsche des Heeres auf offenem Markte gewaschen wurde und es sich die Regierung der Republik gewissermaßen angelegen sein ließ, alles, was noch an der Heeresverfassung Frankreichs Achtung zu erfor­dern schien, in den Augen der M't-unv Nachwelt um jeden Preis zu diScreditiren. Daß Napoleon III. gerade jetzt für die Generale eintrat, daß er sie jeder Der- antwortlichkeit entband, mußte ihm in den so schon gereizten militärischen Kreisen hoch angerechnet werden, und darum verdien^ Vie Berechnung, welche ihm sein Benehmen dictirte, alle Beachtung.

Paris, 24. Mai. Ja Paris besteht seit einer Reihe von Jahren unter dem NamenCercle commercialtt eia Verein von Kaufleuten und Mäklern, die mit Del, Mehl, Frucht, Spiritus u. dergl. handeln und die sich des Morgens in ihrem Lokal versammeln, um Geschäfte zu machen. Gleich nach dem Kriege hatte dieser Verein beschlossen, daß die Deutschen keine Mitglieder mehr sein sollen. Am letzten Dienstag wurde die deutsche Frage im Verein wieder zur Sprache ge­bracht. Die großen Kaufleute waren für die Aufhebung der Maßregel, da, seit das deutsche Element fehlt, viel weniger Geschäfte gemacht werben, aber die kleinen Händler und die Mäkler, welche die deutsche Concurrenz befürchten und natürlich die Majorität bilden, sprachen sich gegen die Deutschen aus, die also auch noch fernerhin von dem Verein ausgeschlossen bleiben. Die Führer der antideutschen Partei find übrigen» einige deutsche Händler, die sich zu Franzosen haben naturali- siren lassen. Eine ziemlich naive antideutsche Demonstration hat sich dieser Tage dasSiecle" zu Schulden kommen lassen. Dasselbe wies nämlich Annoncen zurück, welche ihm Haasenstein u. Vogler, das bekannte deutsche Annoncenbureau, zugesandt hatte. Man erfährt dies aus derGironde" (von Bordeaux), deren Pariser Correspondent einer der Mitarbeiter des genannten Pariser Blattes ist. Derselbe erzählt die Heldenthat seines Blattes und meint, daß man von einem so barbarischen Raubvolke keine Annoncen aufnehmen dürfe. Dieser Ausfall des Correspondenten der Gironde und des Mitarbeiters des Siecle macht sich insofern äußerst komisch, als einer der Mitarbeiter des letzteren Blattes keineswegs die Ehre ver- schmäht, Correspondent eine» der bedeutendsten Blätter zu sein, die in deutscher Sprache bei dem barbarischen Raubvolk erscheinen. Schimpfwörter, wie sie der Correspondent der Gironde gebraucht, dürfen jedoch im Munde von Franzosen nicht zu hoch ausgenommen werden, da, und dieses sogar in der Nationalver- sammlung die Dircusfion über die Rouher'sche Interpellation beweist Letzteres zur Genüge, sie sich ähnliche freundschaftliche Bezeichnungen tagtäglich gegen­seitig an den Kopf werfen.

Paris, 24. Mai. DerGaulois" veröffentlicht einen Brief, welchen der Ex-Kaiser Napoleon au» Anlaß der über die Capitulation von Sedan eingeleite­ten Untersuchung an die bei diesem Acte beteiligten Generale gerichtet hat. Der­selbe lautet:

An die Herren Generale, welche die Armee-Corps bei Sedan befehligt haben. General! Nach de» Verfassungen des Kaiserreichs vor dem Lande verantwortlich, kann ich nur dasjenige Urtheil gelten lassen, welches die in aller Regelmäßigkeit befragte Nation aussprechen würde. Ich habe mich daher auch nicht über den Bericht der Untersuchungs-Commisfion über die Capitulation von Sedan zu äußern; ich will mich nur darauf beschränken, die Hauptzeugen Vieser Katastrophe an Die kritische Lage zu erinnern, in welcher wir uns befanden. Die Armee hat, von dem Herzog von Magenta befehligt, glänzend ihre Pflicht gethan, sie hat Helden- müthig gegen einen zweimal stärkeren Feind gekämpft; als sie an Vie Mauern der Stadt und in die Stadt selbst zurückgedrängt wurde, bedeckten 14,000 ToDte und Verwundete va» Schlachtfeld, auf welchem ich sie kämpfen sah. Die Position war eine verzweifelte. Da die Ehre der Armee durch die von ihr entfaltete Tapfer- keii gerettet war, so Übte ich unter diesen Umständen wein Recht als Souverän aus und gab ven Befehl, die Parlamentärsflagge aufzuziehen: ich nehme mit Entschiedenheit Vie Verantwortlichkeit für Viesen Act in Anspruch. Die Hinschlach­tung von 60,000 Menschen konnte Frankreich nicht retten; Vie erhabene Hingebung Der Führer und Soldaten wäre ein unnützes Opfer gewesen. Wir haben also einer harten, aber unerbittlichen Nothwendigkeit gehorcht; sie zerriß mir Vas Herz, ließ mir aber ein ruhiges Gewissen. Seien Sie, General, von weinen wohl­wollenden Gesinnungen Überzeugt.

Camden-Place, 12. Mai 1872. Napoleon.

(Wie derAuzsb. Allg. Z." vom Rhein mitgetheilt wird, hat man dem Kaiser Napoleon "dringend das so berühmt gewordene Soolbad Krankenheil bei Tölz in Oberbayern empfohlen, welches er, wenn die bayerische Regierung nichts Dagegen einjuwenden habe, im Monat Juli besuchen werde.)

Paris, 25. Mai. Wie verlautet, will Herr Thiers allen Polen die Sub­vention entziehen, Vie sie bis jetzt bezogen haben. Fürst Orlow, Der russische Bot­schafter, soll dies vurchgesetzt haben. Thiers hat jetzt ein neues Großkreuz (er bat Deren jetzt 19) erhalten. Der Bey von Tunis hat ihm nämlich Den Groß- Cordon seines Nicham Ettica zugesandt. Derselbe verleiht die Würde eines Pascha'» unv Thiers wird sich Deshalb in Zukunft Thiers Pascha nennen können. Nach Den Erklärungen, welche Der Kriegs-Minister in Der Commission Herrn Bamberger gegeben hat, ist die Regierung entschlossen, den General Wimpffen nicht vor das Kriegsgericht zu stellen, da der Act, welchen der General Betreffs der Copitulu- tion von Sedan abgeschlossen, durch einen Befehl des Ex-Kaisers gedeckt sei. Der Minister erklärte ferner, daß Vie Regierung den Bericht veröffentlichen werde, wel­cher Dem Kriegsrath bei seinem Gutachten über Sedan als Basis gedient. Die Zeugenaussage könne man jedoch nicht der Oeffentlichkeit übergeben, da dieses mit zu vielen Unbtquemlichkeiten verknüpft sei. Der Bericht beweise Übrigens zur Ge-I

nüge, wem die Derantworlichkeit für Sedan zugeschrieben werden müsse. Die Com­mission erklärte sich mit Dem Min'ster einverstanden. General Uhrich wird eben­falls vor kein Kriegsgericht kommen. Die Commission hat Die Dokumente über Straßburg verlangt, um zu untersuchen, ob Deren Veröffentlichung nothwendig sei. Der Minister kündigt Dann noch an, Daß Der Kriegsrath jetzt sein Gutachten über Die Kapitulationen von Longwy und Peronne abgegeben habe. Die Kom­mandanten Der beiDen Plätze seien getadelt oder mit Disciplinarstrafen belegt wor­den. Wie verlautet, hat Der Kriegs - Minister Den Herzog von Aumale als Richter über Bazaine verworfen. Ein Gesuch des Marschalls stützt sich darauf, daß Der Herzog von Aumale Der Onkel 'Der Kaiserin Charlotte von Mexico sei unD deshalb ihm gegenüber nicht als unparteiisch betrachtet werden könne. In oen excentrischen Vierteln von Paris haben dieser Tage viele Verhaftungen statt­gefunden. Es sollen auch Waffen mit Beschlag belegt worden sein.

Italic».

Rom, 23. Mai. Heute Abend begibt sich der Kronprinz Humbert nach Mailand und wird am Samstag Morgen mit der Prinzessin Margarethe die Reise nach Berlin antreten. In seiner Begleitung befinden sich Der General Desonnaz und zwei Fiügeladjutanten.

Spanien.

Madrid, 25. Mai. Das neue Ministerium wird wahrscheinlich folgende Zusammensetzung haben: Topete Vorsitz und Krieg (bis zur Ankunft Serrano's, Der ihn wahrscheinlich ersetzen wird), Augusto Ulloa Auswärtiges, GroizarD Justiz, Elduayen Finanzen, Bslaguer Colonieen, CanDau Inneres, Antequera Marine. Es bestände also zum überwiegenden Theile aus Unionisten.

Madrid, 25. Mai. Die letzte Ministerliste verzeichnete Topete für Vorsitz (interimistisch), Marine unD Krieg, Augusto Ulloa für auswärtige Angelegenheiten, Groizard Justiz, Elduay.n Finanzen, Balaguer öffentliche Arbeiten, Ayala Colo- nieen, Candau Inneres. Man glaubt, Die Minister werDen heute Abend Den Eid leisten.

San Sebastian, 25. Mai, Abends. Serrano nahm heute in Bilbao die Unterwerfung aller Insurgenten in Biscaya entgegen, welche ihre Waffen abliefer­ten. Die einzige noch in Navarra gebliebene Bande Carasa'S ist umzingelt von Moriones' Truppen.

Türkei.

Konstantinopel, 24. Mai. Bei dem feierlichen Hochamte, welches der neu­ernannte Exarch vor einer zahlreichen Versammlung bulgarischer Kirchengenoffen celebrirte, sprach Derselbe in Der Liturgie, ohne Den Namen des Patriarchen irgend­wie zu erwähnen, nur vom orthodoxen EpiScopat. Nach Abhaltung des Hoch­amtes verlas Der Archimandrit ein Schriftstück, welches die Unabhängigkeit der bulgarischen Kirche proclamirt.

Amerika.

Washington, 26. Mai. Der Senat genehmigte mit 42 gegen 9 Stimmen Die Ratification des Zusatzartikels zum Washingtoner Vertrage, betreffend die Zurückziehung der tnDirecten Schadenersatz - Ansprüche unter der Bedingung, daß England und Amerika künftig nicht für indirekte Schäden verantwortlich gemacht werden können. Es waren 21 Senatoren abwesend oder enthielten sich der Ab- stimmung. Die Ratification Dürfte nach Eintreffen Der LonDoner Antwort er­folgen.

Die amerikanischen Postnachrichten führen Die durch Den Telegraphen bereits bekannte Nachricht weiter aus, daß der Senatsausschuß, vor welchem die Verhöre wegen der Waffenverkäufe an Frankreich stattfanden, seinen Bericht abgefaßt hat. Der Ausschuß meint, daß die Regierung sich durchaus im Rechte befunden, daß sie den gesetzlichen Bestimmungen pünktlich nachgekommen, daß sie keine völkerrecht­liche Verpflichtung unterlaffen, daß wissentlich keine Waffen an die Agenten einer kriegführenden Macht verkauft wurden, obgleich man auch dazu das Recht gehabt hätte, daß keine Unterschleife stattgefunden, kurz, daß Alles sich in Der schönsten Ordnung befinde. DieNewporter Handelszeitung" glaubt indessen, daß der Senatsausschuß die Sache doch vielleicht etwas anders auffaffen würde, wenn die deutsche Regierung sich auf Die nämliche, streng moralische Weise gegen Amerika benommen hätte. Zu einem nicht ganz so rosigen Resultat ist übrigens Die Mi­norität des gleichartigen Ausschusses des Repräsentantenhauses gelangt. Auch dort wird zugestanden, daß weder eine direkte Gesetzverletzung noch ein Unterschleif stattgefunden, aber das Gesetz, welches den Verkauf von Waffen unD Munition erlaubt, sei viel zu liberal ausgelegt worden, und die Regierung habe wohl oiffen können, für wen die verkaufte Waare bestimmt gewesen. Auch ist die Mi­norität der Meinung, daß, wenn die deutsche Regierung nicht so sehr nachsichtig gewesen wäre, Die Vereinigten Staaten in arge Verlegenheiten hätten kommen können. Dieses Gutachten möchte ein klein wenig mehr moralischen Werth be- sitzen, als das anDere.

Vermischtes.

Ein geistlicher Mörder. Das ungarische BlattAlfürd" berichtet untrem 2. Mai: Der Solymoser rumänische Dechant Kocsuba ist vorgestern mit bewaffneter EScorte zum Arader könig­lichen Gerichtshöfe gebracht worden, wo er eingestand, daß er am 10. October 1870 den Land­mann Popovics ermorden ließ, um dessen schönes Weib ungehindert besitzen zu können. . Cin ganzes Jahr hatte er sich den Kopf darüber zerbrochen, wie er den Mann der schönen Rumänin auf die Seite schaffen könne. Zu diesem Zwecke hieß Kocsuba sie Gift in eine Speise thun, die sie ihrem Manne vorsetzte; allein bei seiner starken Natur erholte sich der Rumäne von den Folgen der Vergiftung. Einige Monate später miethete der Dechanl Meuchelmörder und gab ihnen seine geladenen Pistolen, damit sie mit Einwilligung der Frau deren Mann erschießen. Allein in den Betreffenden erwachte das Gewissen und sie unterließen es, den Auftrag ihres Seelsorgers zu voll­ziehen. Endlich fand dieser doch zwei Walachen, die es für gutes Geld unternahmen, Vapovic« zu ermorden. Diese beiden erschlugen den Unglücklichen, als er eines Abends am MaroSufer seine Schweine besichtigte, mit einer Art und warfen den Leichnam in di- MaroS. Jetzt wurden der Dechant, die schöne Wittwe, die seitdem bei ihm als Wirthschasterin lebte, und die zwei Meuchelmörder durch Joseph KovacS, Untersuchungsrichter Grafen Raday, eruirt und werden, nachdem sie über den Verlauf d-S Verbrechens ein umfassendes Geständniß abgelegt, am Freitag nach Szegedin tranSportirt.

Börsenberichte.

Frankfurt a. M., 27. Mai. Die Tendenz der Börse war in ihrem Grundton nicht schlechter; em et oaS beschränkterer Verkehr als Samstag und Freitag und ausgedehntere Berück­sichtigung d-S Ultimo trugen jedoch dazu bei, der Börse eine mattere Färbung zu gebe». Für

Wir Haltei

bestens emi

Die tungs-Expe peditionen

Gros stigen Bed nung fran

finden wäre". Paritäten

s hi <" w»" Wagner sch/" an'pn'che be> foM sow" H

2381) bemerkten Pa weis über ba oen, nämlich

1) Jto

2) Bai markung.

3) Kon Gemarkung.

4) 3°h

5) Kon

6) Joh

7) Heil

NB. L niflt, daß er iiM jetzt zuge

8) Phi nb. r baß er sie m

9) Hei IXX/70 dasig

10) Lu! ÄVIII/42, XXt

11)

12) Ko

13) Je

14)

45) §

NB.

GWuitfi en

17) . _ 18' I Gasiger Gem

19) P

20) L,

21) I 1811, XI/18 Gemarkung.

W23, Hi

114 1 , 23) He S (Stift )

NB. S »on Söaubrin werben.

24) ( 25)$

26) C

27)

E

29) 8I| , Nb.

81) K

^Her 32) j

33H

3a)

37); b°f>0er3@ei7

'Urdr Mr,