Preis vrerkLjLhrig 1 fl. 12 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 st. 27 kr.
Gießener Anzeiger.
Erscheint täglich, mit AuS» nähme Sonntags.
Expedition: Canzlei berg, Lit. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Sieben.
Nr. Samstag den 27. April 1872.
Sffinzaaen—mihi ii mm
Brodpreife vom 27. April bis 3. Mai 1872,
nach eigener Erklärung der Bäcker:
2 Kilo gemischtes Brod 21 kr. 1 Kilo gemischtes Brod 10y2 kr. 2 Kilo Roggenbrod 18 kr. 1 Kilo Roggenbrod 9 kr.
Deutschland.
Darmstadt, 25. April. Unsere Stadt hat durch den gestern erfolgten Tod des Herrn Iustizrath Buchner einen herben Verlust erlitten. Warmer Patriot, feinfühlender Mensch, strebsam in Beruf und Wissenschaft, hatte er im Alter die Fülle dessen, was er in jungen Jahren ersehnt und erkämpft hatte. Sein Auge hatte noch des Vaterlandes Herrlichkeit erschaut! Die schöne Literatur verliert an ihm einen verständnisvollen und thätigen Mitarbeiter und sein Name wird auch außerhalb der engeren Heimalh in weiteren Kreisen einen guten Klang behalten.
Darmstadt, 25. April. Unser als Seelsorger und Kanzelredner so beliebter Landsmann Wilhelm Baur ist nach der D. R. zum Hof. und Domprediger in Berlin ernannt worden.
Mainz, 25. April. Die für die Armee bezüglich der größeren Herbst. Übungen kürzlich erlassenen Ordres werden dem Vernehmen noch für die hiesige Besatzung und eine größere Abtheilung der hessischen Division in der Weise zur Ausführung kommen, daß mit dem militärischen Interesse ein historischer Gesichts, punkt verbunden sein wirb. Unter der Annahme, daß die außerhalb des Rayons wanövrirenden Truppen als ein fliegendes feindliches Corps einen Handstreich auf die Festung beabsichtigen, wird ein Theil der Besatzung zu Bivouacs ausrücken und sollen die Anordnungen aller übrigen Hebungen, namentlich auch die der Festungs-Artillerie, auf die energische Zurückweisung eines solchen Unternehmens berechnet sein. Eö wird bei dieser Gelegenheit die neue Einrichtung, die Mannschaften der Festungs - Artillerie auf die Handhabung des Gewehrs und den Ge- brauch desselben bei Ausfällen neben der Bedienung der AuSfall-Batterieen einzu- üben, einer größeren Probe ausgesetzt werden.
Hanau, 22. April. Dem katholischen Dechant wurde die Schulaufsicht über die hiesige katholische Elementarschule entzogen und dem städtischen Schulinspector Iunghenn übertragen. Der Religionsunterricht bleibt der Aussicht der katholischen Geistlichkeit unterstellt. (Asch. Z.)
Berlin. Die älteren sächsischen KassenbilletS vom 6. September 1855 müssen spätestens bis zum 29. Juni d. I. bei der Finanzhauptkaffe zu Dresden oder bei der Lotteriedarlehnskasse zu Leipzig gegen neue Kassenscheine vom Jahre 1867 umgewechselt werden, da sie nach jenem Zeitpunkt völlig werthlos sind. Da die betreffenden Scheine vielfach im Verkehr sind, so scheint es geboten, das Publikum darauf aufmerksam zu machen.
Berlin, 24. April. Der Telegraph meldete vor einigen Tagen die Ankunft des Cardinals Hohenlohe in Berlin. Der Prälat ist inzwischen wieder nach Rom, sagt man, aogereist, und Wiener Blättern wird nun von hier aus bestimmt ver- sichert, daß vertrauliche Besprechungen mit ihm über kirchenpolitische Angelegenheiten stattgefunben hätten.
Berlin, 24. April. Die Verlobung des Prinzen Leopold von Bayern mit der habsburgischen Kaisertochter Gisela und die daran sich knüpfende Folge, daß der Prinz aus der bayerischen Armee ausscheiden und in den österreichischen Heeres- verband eintreten wird, scheint am Berliner Hof nicht ganz angenehm zu berühren. Aus der „Spen. Ztg." geht in die „N. A. Z." ein säuerlich-süßlicher Leid-Artikel über, worin neben der warmen Anerkennung der militärischen Verdienste des Prinzen folgende Sätze durch ihre Beziehung auffallen: „Besonders zu bedauern — heißt es da — wäre das.Ausscheiden des Prinzen Leopold im Interesse der braven bayerischen Truppen. Wie wohlthuend der Einfluß von Führung und Cameradschast kriegstüchtiger einheimischer Fürsten wirkt, davon liefert bas sächsische Heer ein glänzendes Beispiel. Die bayerische Armee entbehrt schon längere Zeit den intimeren Zusammenhang von Mitgliedern des königlichen Hauses mit ihrem Wirken und Streben, das eines solchen Vorzugs sich so wahrhaft werth gezeigt hat."
Für die Verlobung der KaiserStochtcr, die von der gesummten verfassungstreuen Presse mit der wärmsten Theilnahme begrüßt wurde, finden die polnischen Blätter kein Wort einer loyalen Kundgebundg; vielmehr entsetzen sich der Kraj und der Lemberger Dziennik Polski über eine ähnliche Kundgebung, zu der allerdings nur ein einziges polnisches Blatt sich die Mühe nehmen zu müssen glaubte. „Die Polen können nicht wie die Wiener, Tyroler oder Ungarn der Dynastie ihre Loyalität bezeigen; mit der Habsburg - Lothringischen Dynastie vereinigt uns nichts — als ein bloßes Zusammentreffen der Ereignisse.
Berlin, 25. April. Die Ausschüsse des BundeSrathes für Rechnungswesen, sowie für Landheer und Festungen beschäftigen sich jetzt mit den Liquidationen der Ausgaben aus der von Frankreich gezahlten Kriegecontribution. Diese Angelegenheit und mehrere damit in Verbindung stehende Gegenstände werden dem- nächst in weiterem Umfange den BundeSrath und den Reichstag beschäftigen.
Nach einer Mittheilung des Generalbirectors der Weltausstellung in Wien gehen demselben vielfache Anmeldungen deutscher Industiieller zur Betheiligung au der Ausstellung direct zu. Die Generalcommifsion macht in Folge dessen darauf aufmerksam, daß alle deutschen Aussteller ihre Anmeldungen nur an die Lanvescommission ihres Staates zu richten und direkte Anmeldungen in Wien Berücksichtigung nicht zu erwarten haben.
Berlin, 25. April. Der Reichstag setzte die zweite Lesung des Reichs- beamtengcsetzeS fort. §. 13 wurde nach der Fassung eines Amendements von Bernuth, welches die Beamten für die Gesetzmäßigkeit ihrer Amtshandlungen verantwortlich erklärt und auf die Vorgesetzten von den Beamten die Verantwortlichkeit nur dann abwälzt, wenn die Vorgesetzten innerhalb ihrer amtlichen Com- petenz Anordnungen getroffen hatten und letztere in gesetzlicher Form erloffen waren, trotz des Widerspruche dcS BundeS-Commiffärs und obschon SiaatSminister Delbrück den zweiten Theil des Amendements für unannehmbar erklärt hatte, mit großer Majorität angenommen. Die §§. 14 und 18 des Reichsbeamtengesetzes toftDen mit unerheblichen Modifikationen nach Amendements von Bernuth, die §§■ 15 und 17 in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen. §. 16 dagegen wird mit zwei Amendements von Bernuth und Eysoldt, betreffend die Er- laubniß zur Bekleidung eines Nebenamts und die Betheiligung der Beamten an ErwerdSgefellschaften, an die Commission verwiesen. §. 19 wird mit einem Amente- ment Bernuth's, betreffend die Steuerpflicht der Beamten, und mit einer von Wagner (Altenburg) beantragten Resolution angenommen, den Reichskanzler auf- zufordern, er möge bewirken, daß den Reichsbeamten an Orten, wo eine lieber- bürdung mit Communalsteuern vorläge, ein angemessenes Entgeld gewährt werde.
Berlin, 25. April. Die Bundesbevolltnächtigten Bayerns und Württembergs hoben, wie die „Corr. Stern" meldet, betreffs des VkrthlilungSmaßstabes ter französischen Kriegs-Contribution vorgeschlagen, daß nach Abzug der Präcipual- leistungen der Rest dir Kriegs-Contridution vertheilt werde mit fünf Achtel feines Betrages noch dem Verhältnisse der militärischen Leistungen jedes betheiligten Staates im Zeitraum vom 16. Juli 1870 bis l.Iuli 1871, wie düse Leistungen nach dem Effectivstante von Mannschaften und Pferden von der hierzu nieder- gesetzten Commission ermittelt worden, sowie mit drei Achtel seines Betrages nach dem Moßstabe der Bevölkerungszahl.
Insterburg, 25. April. Der Pfarrer Blaschy hat von dem Bischof von Ermeland den Befehl erhalten, eine jüngst von dem altkatholischen Pfarrer Grunert vollzogene Taufe in das Kirchenregister einzutragen.
München, 26. April. Die Kammer der Reichsräthe ist den Beschlüssen der Abgeordneten über ein Verbot der Betbeiligung von Staatsdienern an Industrie- Unternehmungen und über das Finanzgesetz beigetreten. — Der Schluß des Landtags wird am nächsten Montag durch den Prinzen Luitpold erfolgen.
Oesterreich.
Pesth, 23. April. Das Amtsblatt veröffentlicht ein Rundschreiben des Ministers des Innern an alle Jurisdictionen, worin anläßlich der bevorstehenden Abgeorvnktknwohlkn den Behörden streng aufgetragen wird, darauf zu achten, daß die Meinungsfreiheit der Bürger gewahrt bleibe, da jede ungesetzliche Pression auf die Wähler und jeder Mißbrauch der Amtsgewalt streng bestraft, jede obrigkeitliche Person, die sich dergleichen zu Schulden kommen läßt, vom Oder- gespan sofort ihres Amtes entsetzt wird.
Frankreich.
Paris, 24. April. Die Baracken von Raon-l'Etape bei Saint Di6 (Vogesen) sind heute Nacht abgebrannt. Es ist unbekannt, auf welche Weise das Feuer entstand. — Zwei Soldaten der Armee von Paris sind wegen ihres schönen Benehmens vom General Ladmirault wieder auf den Tagesbefehl gesetzt worden. Der erste, welcher von vier mit Messern bewaffneten Kerlen angegriffen worden war, hatte sich mit seinem Säbel vertheidigt, und der zweite, auf dessen „Passez au large!“ man, als er auf Wache stand, nicht sofort gehört, hatte von seinem Bayonette Gebrauch gemacht.
Spanien.
Madrid, 24. April. Heute fand die feierliche Eröffnung der Cortes statt. Der König verlas die Thronrede. In derselben werden die guten Beziehungen zu den übrigen Mächten hervorgehoben, die Hoffnung auf eine baldige Verständigung nut dem Papste ausgedrückt und die Vorlegung eines Armee-Reorgonisa- tionsplanes «ngekündigt. Ueber den Carlisten-Aufstand heißt es: „Die Regierung hat Maßregeln getroffen, um die neuerdings ausgebrochene Infurrection zu ersticken. Die Erfahrung lehrt, daß es erfolglos ist, die Gnade walten zu lassen; der König wird daher unerbittlich fein. Er wird den Berathungen der Cortes folgen, um feine Gefühle mit denen der Nation zu identificiren." Der König schließt: „Ich werde mich nicht aufdrängen, aber auch meinen Posten nicht ver- lassen und die Pflichten nicht vergess n, welche die Verfassung mir auferlegt und welche ich mit Aufrichtigkeit und Beständigkeit erfüllen werde."
Frischbäcker ; u Gießen.
Sonntag den 28. April- Wilhelm Löbcr an der Brandgasse, Karl Plank in der Wolkengasse und Daniel Rühl am Markt.


